Vor fünfzig Jahren wurde in Berlin das
erste Frauenhaus eröffnet. Patricia Hecht
unterhält sich in der
taz mit der Historikerin
Franziska Benkel, die ein
Buch zum Thema geschrieben hat und die Ablehnung schildert, die die Frauenbewegung überwinden musste: "Das Haus stand der Idee des unbedingten Erhalts der
Ehe und Kernfamilie entgegen. Ein Ort, der die Autonomie von Frauen und Kindern stärkte, stieß auf massiven Widerstand. Es war wie eine
allergische Reaktion. Die Springer-Presse lancierte diffamierende Artikel. Irgendwann veröffentlichte sie sogar die Adresse. Die Nachbarschaft war sowieso ziemlich genervt. Ehemänner machten zum Teil Telefonterror aus der Telefonzelle vor dem Haus, kletterten über die angrenzenden Gartenzäune, um ins Haus zu gelangen und legten sogar Feuer."
In der
FR hinterfragt der
Zukunftsforscher Daniel Dettling die
Enteignungsfantasien, die hinter dem Volksentscheid in Berlin stehen. Neue Wohnung würde so ganz sicher nicht entstehen. Auch würden laut Umfragen
zwei Drittel der Mieter heute am liebsten selbst in einer Eigentumswohnung leben, bei den 14-19-Jährigen seien es sogar
90 Prozent. "Das Ziel, dass möglichst viele junge Menschen bezahlbar Wohneigentum erwerben, lässt sich durch drei Maßnahmen erreichen. Erstens:
Über Mietkauf werden Mieter zu Eigentümern und ihre Miete zur zinslosen Tilgung. Zweitens muss man sich Wohneigentum wieder
leisten können. Dazu gehören eine Reform der Grunderwerbssteuer, Wegfall der Besteuerung für Ersterwerber:innen, Absetzbarkeit von Tilgungszinsen, Senkung der Mehrwertsteuer beim Bauen und Erwerb auf sieben Prozent, KfW-Bürgschaften und die Förderung von Genossenschaftsanteilen. Drittens geht es um die Förderung von
innovativen Projekten und Programmen wie 'Jung kauft Alt', welche den Erwerb von Wohnungen und Häusern im Bestand ermöglichen. Wer die neue soziale Frage in den großen Städten und Ballungsgebieten lösen will, muss neue Wege gehen statt
alten Parolen hinterherzulaufen.
Der Verein "
Die neuen deutschen Medienmacher*
innen", eine Organisation, die "diverse" Nachwuchsjournalisten fördert, wurde von mehreren Ministerien in den letzten drei Jahren mit 2,5 Millionen Euro gefördert, 1,5 Millionen Euro kommen in diesem Jahr hinzu, schreibt Anna Schneider in der
Welt: "Dafür fragt der Verein schon jetzt regelmäßig bei Redaktionen an, wie viele Journalisten mit Migrationshintergrund dort angestellt sind. Und das, obwohl die Vorsitzende des Vereins,
Ferda Ataman, die Frage nach der Herkunft eigentlich selbst ablehnt. Im Jahre 2019 veröffentlichte sie ein
Buch mit dem Titel 'Ich bin von hier - Hört auf zu fragen!' Diese Ironie ist zu köstlich." Jüngst hat der Verein gleich allen "bürgerlichen Medien" für
Kritik an linker Identitätspolitik den Negativpreis "Goldene Kartoffel" zugesprochen (unser
Resümee).
Intimitäts-Coachs beim Film,
sensitivity reader bei den Verlagen, Diversitätsbeauftragte überall: Die
Identitätsdebatten haben in der Kultur einen unerwarteten Nebeneffekt, dessen Ironie auch Roman Bucheli in der
NZZ auskostet: "Da wundern sich nun allerdings die Kunstschaffenden. Immerhin haben sie bis dahin ihr Publikum als die Zielgruppe ihrer Bildungsoffensive und pädagogischen Mission betrachtet, dem Menschen und der Welt musste ja geholfen, sie mussten verbessert werden. Und nun finden sie sich plötzlich mitten in einer Erziehungsanstalt, sind
nicht mehr selber die Erziehungsberechtigten, sondern ihrerseits jene, die verbessert werden sollen."