9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.06.2025 - Gesellschaft

Sehr eindringlich beschreibt die Studentin Selma Schiller in der FAZ, was es heißt, als "ausländische Studentin" der mäandernden und extrem xenophoben Politik der Trump-Regierung ausgesetzt zu sein. Sie hätte ein sehr attraktives Stipendium in Saint Louis bekommen können und hat dafür einen (arg teuren) Platz in Oxford abgelehnt. Und nun? "Während ich in meiner Hamburger Studentenwohnung saß, nicht wusste, ob und bis wann ich diese kündigen sollte, nicht wusste, ob ich mich nun für weitere Universitäten in Deutschland bewerben sollte (den Studienplatz in Oxford hatte ich in der Zwischenzeit ja schon abgesagt), nicht wusste, wie nun meine Zukunft verlaufen würde, wusste ich zumindest eines: Weder die Verantwortlichen an den amerikanischen Universitäten noch meine Professoren vor Ort, geschweige denn meine amerikanischen oder internationalen Kommilitonen an den US-Unis wussten besser Bescheid als ich."

Der Harvard-Historiker Derek Penslar war Teil einer Taskforce zur Aufarbeitung von Antisemitismus-Vorfällen. Im SZ-Interview, befragt von Boris Herrmann, erklärt er, dass Antisemitismus ein Problem darstellt, aber kein unlösbares: "Es ist ein bisschen wie bei einem Arzt, der dem Patienten sagt, er habe eine Geschwulst an der Leber und das sei ein ernstes Problem. Der Arzt sagt einem nicht, dass Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und Herz in Ordnung sind. Wir stellten in bestimmten Bereichen der Universität ernsthafte Probleme fest, da geht es vielleicht um ein halbes Dutzend Kurse. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es in Harvard mehr als 2.000 Professoren und rund 22.000 Studenten gibt. Wir müssen auch die Universität als Ganzes betrachten." Trumps Feldzug gegen Harvard habe nichts mit Antisemitismus zu tun: "Wenn ihnen Antisemitismus wirklich am Herzen läge, würden sie wissen wollen, was wir tun, um die Lage zu verbessern. Sie tun nichts, was zu einem konstruktiven Ergebnis im Hinblick auf die Reduzierung von Antisemitismus oder antiarabischen Vorurteilen in Harvard führen würde. Sie richten nur Zerstörung an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.05.2025 - Gesellschaft

Die amerikanischen Universitäten verdienen uneingeschränkte Solidarität gegen den Übergriff der Trump-Administration, schreibt Claus Leggewie in der FR. Aber sie haben auch mitgewirkt "an der Ausbreitung der epistemischen Krise", meint er: "Mit einem überschießenden Konstruktivismus, einem angeblich diversitätsfördernden Kulturrelativismus und der gleichermaßen ausgerichteten Kritik 'westlicher Werte'". Nun befinden sie sich "in der unangenehmen Lage, dass ihnen dies seitens weißer Suprematisten in hanebüchener Travestie zurückgespiegelt wird. Das sollte sie nicht hindern, vielmehr animieren, die epistemische Krise zu bearbeiten, also empirische Evidenz, politische Urteilskraft und humanitäre, andere Wesen einschließende Moral zu verteidigen. Dazu gehört, die selbstquälende Pauschalkritik der Eliten aufzugeben, statt selbstbewusst als eine solche zu agieren, die sich der zerstörerischen Anti-Eliten-Elite der republikanischen Rechten entgegenstellt."

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In ihrer FAS-Kolumne rät Ronya Othmann mit Blick auf den Antisemitismus "propalästinensischer Aktivisten" Theodor W. Adornos Vortrag mit dem Titel "Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute" zu lesen: "Dem Antisemitismus mit Argumenten (oder mit Dialog und offenen Debattenräumen, wie es heute gerne heißt) zu begegnen, hält er darin für zwecklos, da der Antisemitismus, das 'Gerücht über die Juden', nicht auf Tatsachen beruhe oder rational begründet sei. Zwar ließe sich im frühkindlichen Alter noch einiges mit pädagogischen Mitteln machen. Später sei es schon schwerer. 'Diesen Menschen gegenüber, die im Prinzip selber auf Autorität ansprechen und die sich in ihrem Autoritätsglauben auch nur schwer erschüttern lassen, darf auf Autorität auch nicht verzichtet werden', schreibt er."

Weitere Artikel: Ausladungen sind für die Politologin Saba-Nur Cheema und Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, in ihren jeweiligen Communities keine Seltenheit, wie sie in ihrer FAZ-Kolumne berichten: "Oft reicht schon eine vorsichtig formulierte Kritik an der eigenen Mannschaft, dass man dem Vorwurf des Verrats ausgesetzt wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2025 - Gesellschaft

Sich für die jesidische Sache einzusetzen, ist nicht immer einfach, sagt die bekannte Aktivistin Düzen Tekkal im Gespräch mit Ninve Ermagan von der FAZ, auch wegen Vorurteilen unter Migranten. Nur eins ist noch schwieriger: "Immer dann, wenn ich offen über Antisemitismus spreche - genau dann werde ich am meisten angefeindet. Gegen Antisemitismus zu kämpfen, ist heute nichts mehr für schwache Nerven. Ich verstehe es, wenn Menschen sich für Gaza einsetzen wollen. Was in Gaza gerade stattfindet, ist unmenschlich. Aber ich verstehe bis heute nicht, warum ich angegriffen werde, obwohl ich es immer wieder benenne. Da waren die Hetzer sehr erfolgreich."

Manchmal ist es auch interessant, den Wirtschaftsteil der FAZ zu lesen. Der Bund will für die Bahn richtig Geld in die Hand nehmen, heißt es ja. Eine Studie, über die Patrick Welter berichtet, zeigt jetzt, wo es versiegt: "2018 etwa erneuerte oder reparierte die Bahn 247 Kilometer Oberleitung und gab dafür 203 Millionen Euro aus. Im vergangenen Jahr waren es 248 Kilometer für 519 Millionen Euro. Von der Bahn erneuerte Oberleitungen sind demnach seit 2018 um rund 150 Prozent teurer geworden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2025 - Gesellschaft

"Gerüchte zu verbreiten, ist eine der ekelhaftesten und gefährlichsten Methoden, einen Menschen zu beschädigen", betont Michel Friedman in der Zeit mit Blick auf Deborah Feldmans Behauptung, Philipp Peyman Engel sei nicht jüdisch (unser Resümee): "Deborah Feldman bleibt selbst nach Tagen jeden Beweis schuldig. Es ist nämlich nicht die Aufgabe des Verleumdeten klarzustellen, dass eine Verleumdung infam ist, sondern schwerwiegende Anschuldigungen müssen von dem bewiesen werden, der sie in die Welt setzt. (...) Der Schriftstellerin Deborah Feldman mag Engels Argumentation über Israels Rolle im Gazakrieg nicht gefallen und vielleicht noch einiges mehr. Das gibt ihr aber nicht das Recht (Wer ist sie eigentlich? Rabbinerin? Mitglied einer Inquisitionsbehörde?), einem anderen Menschen sein Jüdischsein an- oder abzuerkennen. Dass nun der Verleger der Berliner Zeitung, der zugleich der Verleger der Weltbühne ist, so etwas abdruckt, stellt auch ihm ein erbärmliches Zeugnis aus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2025 - Gesellschaft

In Chemnitz erinnert ein neues Dokumentationszentrum an die lange von Behörden und Medien missdeuteten Terrortaten des NSU. Der Ort soll mehr sein als ein Museum, erzählen Michael Bartsch und Frederik Eikmanns in der taz: "Ein offizieller Gedenkort, eine Dokumentation der rechten Gewalt, ein Aufarbeitungsprojekt und ein Symbol. Maßgeblich vorangetrieben wurde es vom Chemnitzer Verein ASA-FF, der Opferberatungsstelle RAA und der Initiative 'Offene Gesellschaft'. Die Stadt, das Land Sachsen und der Bund tragen gemeinsam die Kosten von rund 4 Millionen Euro." Auffällig sei allerdings gewesen, wer bei der Eröffnung nicht sprach: "Michael Kretschmer, Sachsens CDU-Ministerpräsident, ist nicht nach Chemnitz gekommen. Er weiht zeitgleich eine Bundesstraße ein."

In der SZ macht sich der britische Schriftsteller John Niven Gedanken darüber, warum viele männliche Teenager toxische Männer wie Donald Trump oder Andrew Tate als Vorbild empfinden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2025 - Gesellschaft

Der Kampf um die Antisemitismusdefinitionen geht weiter. In der taz, in der es einst auch Stimmen gab, die gegen linken Antisemitismus einstanden, wird jene Fraktion stärker, die die Antisemitismusdefinition der "Jerusalemer Erklärung" stärken will, die Israelhass als "nicht per se" antisemitisch ansieht. Nun präsentiert Stefan Reinecke in der taz einen Bericht des israelischen Journalisten Itay Mashiach (hier als pdf-Dokument), der die "Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus" (RIAS) angreift. Sie beruft sich wiederum auf die IHRA-Definition und wendet laut Reinecke einen so "weiten" Antisemitismusbegriff an, dass sich auch Linke gemeint fühlen könnten. Die Zahlen und Berichte der RIAS werden von Politikern zu Handlungskriterien gemacht, so Reinecke: "RIAS rubriziere Ereignisse als antisemitisch, ohne den Kontext zu beleuchten. RIAS beruft sich auf die IHRA-Definition, der KritikerInnen vorwerfen, Antisemitismus zu vage zu bestimmen und es der israelischen Regierung zu ermöglichen, Kritik an ihrer Politik pauschal als antisemitisch abzuwehren. RIAS vervielfältige, so die Studie, die Schwäche der IHRA-Definition, weil es auch die in der IHRA-Definition geforderte 'Berücksichtigung des Gesamtkontexts' ignoriere."

"Kontextualisierung" wurde auch direkt nach dem 7. Oktober gefordert (unser Resümee) und wird fleißig weiter betrieben. In der Jüdischen Allgemeinen greift Michael Thaidigsmann einige Stilblüten auf, die jüngst nach dem Mord an einem jüdischen Paar in Washington produziert worden - der Täter gehört zur "propalästinensischen" Szene. Nach dem Mord hieß es etwa im Deutschlandfunk: "Wieder einmal müssen Menschen für Taten der israelischen Regierung sterben." Schon vorher hatte Dunja Ramadan bei Spiegel online an die Adresse der deutschen Regierung gefordert: "Schluss mit dem deutschen Rumgedruckse." Und Fabian Huber fordert im Stern, man solle in Deutschland "frei vom Würgegriff der Kollektivschuld über das israelische Unrecht in Gaza sprechen". Auch Spiegel-Kolumnist Thomas Fischer, der Israel und Deutschland viele wertvolle Tips gibt, spießt Thaidigsmann auf - alle Links in seinem Artikel.

Messerattacken sind ein Lieblingsthema der extremen Rechten. Darum erzählt Gilda Sahebi in der taz die Geschichte des Muhammad Al Muhammad (die eigentlich der Spiegel recherchiert hatte): "Als am frühen Freitagabend eine 39-jährige Frau am vollen Hamburger Hauptbahnhof anfing, wahllos um sich zu stechen, ging der 19-jährige Syrer dazwischen und hielt die Attentäterin möglicherweise davon ab, noch mehr Menschen zu verletzen oder gar zu töten. Al Muhammad sagte gegenüber dem Spiegel, dass viele Menschen plötzlich in eine Richtung gerannt seien, er aber nicht. 'Ich habe mich entschieden, in die andere Richtung zu rennen und die Frau zu stoppen.' Ein Tschetschene hat ihr ins Knie getreten, Muhammad warf sich auf sie, bis die Polizei die Frau festnehmen konnte."

Weitere Artikel: Mara Delius prüft in der Welt nochmal die Vorwürfe Deborah Feldmans gegen den Chefreakteur der Jüdischen Allgemeinen, Philipp Peyman Engel (unsere Resümees) und befindet auf deren Haltlosigkeit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2025 - Gesellschaft

In Deutschland arbeiten knapp 70 Prozent der berufstätigen Mütter in Teilzeit. In Frankreich ist der Anteil nicht einmal halb so groß, stellen Johannes Pennekamp und Niklas Záboji im Wirtschaftsteil der FAZ fest. Und finden es seltsam, dass diese Thematik im deutschen Diskurs nicht mal vorkommt: Die Ökonomin Ulrike Malmendier "bezeichnet es als 'Hürde Nummer eins', dass in Deutschland nicht genug Stunden gearbeitet werden. Fachkräfte sollen aus dem Ausland angeworben werden, Industriearbeiter für Zukunftsbranchen umgeschult werden, doch bestens ausgebildete Frauen in Teilzeit stehen politisch nicht im Fokus." Die Autoren machen kulturelle Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland aus. In Frankreich gibt es ein gut ausgebautes und staatlich garantiertes Netz der Betreuung, dafür aber kein Elterngeld "von bis zu 1.800 Euro im Monat über 14 Monaten hinweg".

Moritz Baumstieger und Ronen Steinke gehen in einer intensiven Recherche für die SZ glatt nochmal der Frage nach, ob die Eltern von Philipp Peyman Engel, Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, wirklich jüdisch waren - Deborah Feldman hatte die Herkunft Engels in einem Artikel für die Weltbühne des putinistischen Verlegers Holger Friedrich in Frage gestellt (unser Resümee). Für Baumstieger und Steinke Anlass genug zur Frage: "Hat Engel seine Familiengeschichte ein wenig geglättet, eine Komplexität unterschlagen, die er womöglich - warum auch immer - für störend hielt?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2025 - Gesellschaft

Der Kurator und Filmemacher Hans-Peter Riegel erklärt im Welt-Interview mit Boris Pofalla das haarsträubende Welt- und Geschichtsbild der Anthroposophen, vertreten vom Waldorf-Gründer Rudolf Steiner, aber auch vom Künstler Joseph Beuys: "Laut Steiner gibt es höher und niedriger entwickelte Rassen. Jede Rasse hat ihre Aufgabe in der Aufwärtsentwicklung der Menschheit, wobei der 'arischen Wurzelrasse' die Führungsrolle zukommt. Der Nachteil, zu niederen Rassen zu gehören, gleiche sich dadurch wieder aus, dass jeder Mensch in verschiedenen Rassen inkarniere. Joseph Beuys hat einmal gesagt, dass Hitler ja nur 'die Körper in die Öfen geschmissen' habe. Er meint damit, dass Körper unwichtig sind. Das Ich, die unsterbliche Seele ist entscheidend. Aus dieser Sicht haben die Juden im Holocaust ein karmisches Opfer erbracht zur Weiterentwicklung der Menschheit."

Im Interview mit der taz kritisiert Ron Dekel, neuer Präsident der Jüdischen Studentenunion unter anderem die Linke für ihr taktisches Verhältnis zum Antisemitismus. Dazu gehört für ihn auch der Beschluss der Linken, Antisemitismus künftig nach der Jerusalem Declaration zu definieren: "In der IHRA-Definition steht ganz explizit, dass Israel kritisiert werden kann, ohne dass das antisemitisch ist. Es wird lediglich eine klarere Grenze gezogen. Die Linke, die sich sonst als Beschützerin von Minderheiten darstellt, hört hier nicht auf die Betroffenen. Fast alle ernst zu nehmenden internationalen und deutschen jüdischen Organisationen stellen sich klar hinter die IHRA."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.05.2025 - Gesellschaft

Großen Widerhall findet auf Twitter eine gestern erschienene Seite-3-Reportage der SZ von Thorsten Schmitz. Er erzählt die Geschichte des Lehrers Oziel Inácio-Stech (selbst brasilianischer Herkunft), der an einer Brennpunktschule in Berlin-Moabit arbeitet. Er hat sich gegenüber seinen Schülern als schwul geoutet und muss seitdem mit dem Mobbing der stark muslimisch geprägten Schülerschaft leben. "Der Islam ist hier der Chef", habe einer der Schüler geschrien. Das Mobbing hielt monatelang an, die Kollegenschaft verhielt sich teils solidarisch, die Schulleitung nicht unbedingt. Der Lehrer befindet sich inzwischen in psychologischer Behandlung. "Eine Lehrkraft sagt, sie habe Inácio-Stech davon abgeraten, den Kindern zu sagen, dass er homosexuell ist, er hätte sich 'schützen' müssen. 'Guck dir doch an, wo du arbeitest', habe sie ihm gesagt. Sie selbst schützt sich auch, zum Beispiel, wenn sie von den Kindern bestürmt werde, ob sie für oder gegen Israel sei. 'Dann wechsle ich das Thema. Auf so ein Gespräch lasse ich mich erst gar nicht ein.'"

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Im FR-Gespräch mit Sereina Donatsch erklärt der Unternehmer Sebastian Klein, der ein Buch über "toxischen" Reichtum geschrieben hat, wie Lobbys in Deutschland die Interessen der Superreichen stärken, während die Mittel- und Unterklasse das Nachsehen hat: "Zum Beispiel die Stiftung Familienunternehmen oder der Verband die Familienunternehmer. Anders als die Namen vermuten lassen, sind das keine Wohltätigkeitsorganisationen für kleine Handwerksbetriebe oder Landgasthöfe, sondern Lobbyorganisationen, die für die Interessen von Superreichen und deren Unternehmen kämpfen. Diesen Lobbyorganisationen ist zu verdanken, dass das deutsche Steuerrecht so massiv zu Gunsten der Reichsten verändert wurde, dass heute vor allem die Menschen zum Gemeinwohl beitragen, die von Arbeitseinkommen leben. Es gibt dokumentierte Fälle, wo diese Organisationen ganz gezielt auf politische Prozesse und letztlich Gesetzgebung eingewirkt haben. Diese Geschichten klingen nach Verschwörungstheorie, sind aber Realität."
Stichwörter: Berlin, Klein, Sebastian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2025 - Gesellschaft

Wie alle religiösen Dogmen lässt sich auch Political Correctness in die Absurdität treiben. "In Großbritannien soll nicht nur die Veröffentlichung, sondern sogar schon der bloße Besitz 'nicht einvernehmlicher kulturell intimer Fotos' geahndet werden", berichtet Peter Kurz bei hpd.de. Gemeint sind damit Fotos von Frauen, die normalerweise Kopftuch tragen und und auf dem Bild ohne Kopftuch zu sehen sind. Hierfür bereitet das "Women and Equalities Committee" im britischen Parlament einen Gesetzentwurf vor. "So wie die Veröffentlichung und der Besitz von Bildern, die etwa den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, verboten und bestraft werden, müsse dies auch gelten, wenn das Bild das 'Opfer' in einem kulturell oder religiös kompromittierenden Zusammenhang zeigten. Solche Fotos können etwa entstehen, wenn diese heimlich ohne Zustimmung des oder der Fotografierten entstehen. Oder wenn sie mit Zustimmung etwa eines früheren Partners hergestellt wurden und dann nach einer Trennung veröffentlicht werden."