In einem sind sich Rechte und Linke einig:
Frauen zählen nicht,
schreibt die
New York Times-Kolumnistin Pamela Paul, die nicht nur über das
Supreme-Court-Urteil zu Abtreibung entsetzt ist, sondern auch über die Reaktion vieler
linker Organisationen: "Sogar
das Wort '
Frauen' ist heute verboten. Früher galt es als eine allgemein verständliche Bezeichnung für die Hälfte der Weltbevölkerung und hatte eine spezifische Bedeutung, die mit Genetik, Biologie, Geschichte, Politik und Kultur verknüpft war. Vorbei. An seine Stelle sind sperrige Begriffe wie '
schwangere Menschen', 'Menstruierende' und 'Körper mit Vagina' getreten. Planned Parenthood, einst ein unerschütterlicher Verfechter der Frauenrechte, lässt das Wort 'Frauen' auf seiner Homepage weg. NARAL Pro-Choice America verwendet '
Gebärende' anstelle von 'Frauen'. Die American Civil Liberties Union, eine langjährige Verfechterin von Frauenrechten, twitterte letzten Monat ihre Empörung über die mögliche Aufhebung von Roe v. Wade als Bedrohung für mehrere Gruppen: 'Schwarze, indigene und andere Farbige, die LGBTQ-Community, Einwanderer, junge Menschen. Diejenigen, die
am meisten bedroht sind, wurden ausgelassen: Frauen."
Die
Rechtslage in Sachen Abtreibung ist unterdessen in vielen amerikanischen Bundesstaaten komplett unklar, berichtet Sofia Dreibach in der
FAZ: "Rechtlich ist es so, dass in einigen Bundesstaaten sogenannte
Trigger Laws - Gesetze, die schon in der Schublade lagen, um Abtreibungen nach dem Ende von Roe v. Wade zu verbieten oder einzuschränken - zum Einsatz kommen, in anderen wiederum die Abtreibungsgesetze aus der Zeit von
vor 1973. Eine dritte Gruppe von Bundesstaaten hat wiederum Gesetze erlassen, die Abtreibungen
ausdrücklich schützen."
Selbst in der
SZ erhebt sich jetzt eine Stimme gegen
Ferda Ataman, die zur Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung gekürt werden soll. Peter Fahrenholz wirft ihr vor, etwa mit ihrem "Kartoffel"-Medienpreis so etwas wie umgekehrte Diskriminierung zu betreiben. Ataman sei für den Posten viel zu polarisierend: "Ihre Berufung war mehr oder minder ein Alleingang der neuen Grünen-Familienministerin Lisa Paus. Offenbar ging es von Anfang an gar nicht darum, die am besten geeignete Person zu finden. Sondern darum, dem
linken Flügel der Grünen ein wenig Entschädigung dafür zu verschaffen, bei der Verteilung der Regierungsposten zu kurz gekommen zu sein."
Es gibt im übrigen beim
Beauftragtenwesen eine Inflation, schreibt Fahrenholz in einem zweiten Artikel: 41 Beauftragte der Bundesregierung. Und "insgesamt gibt es
acht Beauftragte der Bundesregierung, in deren Aufgabengebiet auch der Kampf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung eine Rolle spielt. Was durchaus die Frage aufwirft, ob noch eine zusätzliche Antidiskriminierungsbeauftragte notwendig ist. Die Gefahr, dass es statt eines mehrstimmigen Miteinanders ein
rivalisierendes Durcheinander gibt, liegt jedenfalls auf der Hand."
Twitter-Thema Nummer 1: Die Biologin
Marie-Luise Vollbrecht sollte an der Hmuboldt-Uni im Rahmen der "Langen Nacht der Wissenschaften" einen Vortrag halten, in dem sie behaupten wollte,
es gebe zwei Geschlechter - und ist von der Uni nach Protesten wegen "Sicherheitsbedenken" gecancelt worden. Vollbrecht wird vorgeworfen, einen umstrittenen Aufruf gegen die Berichterstatttung der öffentlich-rechtlichen Sender zum Thema in der
Welt unterzeichnet zu haben (unser
Resümee). "Für Vollbrecht sind die Anfeindungen keine Bagatelle", schreibt Thomas Thiel in der
FAZ. "Der Vorwurf der Trans- und Menschenfeindlichkeit schadet ihrer Reputation und gefährdet ihre Laufbahn. Für die Wissenschaft ist es eine
gefährliche Tendenz, wenn ganze Disziplinen unter Verdacht gestellt werden." Den Vortrag Vollbrechts kann man sich
hier als Video ansehen.