9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2018 - Internet

trotz anhaltender kritischer Berichterstattung erklärt Mark Zuckerberg in einem Jahresend-Post auf Facebook, wie stolz er sei, dass Facebook in der Fake-News- und Hasspropaganda-Problematik solche Fortschritte gemacht habe: "Wir sind heute ein völlig anderes Unternehmen als 2016 oder sogar vor einem Jahr. Wir haben unsere DNA grundlegend verändert, um uns mehr auf die Prävention von Schäden in allen unseren Dienstleistungen zu konzentrieren, und wir haben systematisch einen großen Teil unseres Unternehmens auf die Prävention von Schäden ausgerichtet. Wir haben heute mehr als 30.000 Mitarbeiter, die sich mit Sicherheit beschäftigen und investieren jährlich Milliarden von Dollar in Sicherheit."

In einem sehr kritischen Kommentar zu Zuckerbergs Post schreibt Zack Whittaker bei Techcrunch: "Diese 30.000 neuen Sicherheitsmitarbeiter entsprechen etwa einem Moderator pro 75.660 Usern. Diese Auftragnehmer von Facebook klagen seit langem über lange Arbeitszeiten und niedrige Löhne. Dabei sind die tausenden grausamen Beiträge - von Enthauptungen bis hin zu Kindesmissbrauch und Gewalt -, die sie jeden Tag überprüfen müssen, noch nicht mit einberechnet. Die Fluktuation ist verständlicherweise hoch. Kein anderes soziales Netzwerk der Welt hat so viele Nutzer wie Facebook, und es ist unmöglich zu wissen, was die 'richtige Anzahl' von Moderatoren ist."

Außerdem: Sascha Lobo durchdenkt in seinem Blog den wahren Aufstand der auf Twitter von diesem Tweet eines AKK-Beraters ausging...

... und kommt zu dem Schluss, dass Twitter für politische Diskussionen nicht geeignet sei.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2018 - Internet

Die sozialen Medien sind ein mächtiges Übel. Die Politiker müssten regulieren, haben aber keine Ahnung und drohen an falschen Schrauben zu drehen, schon weil sie in ihrer Ahnungslosigkeit Schlagwörter wie "Bots" und "Filterblase" nachplappern, schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-online-Kolumne. Und so "fordern mächtige Laienmünder, was ohnmächtige Laienohren hören wollen könnten. Im ungünstigen Fall kommt am Ende ein schlechter Kompromiss für eine nicht funktionierende Lösung eines nicht existierenden Problems heraus. Und dann wird ein Grenzwert für die Schwermetallbelastung im Zaumzeug minderjähriger Einhörner als politischer Durchbruch gefeiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.12.2018 - Internet

Facebook und Google geraten wegen ihrer Datensammelei immer mehr in die Kritik, schreiben Caspar Busse und Claus Hulverscheidt in der SZ. Aktiv werden wollen Politiker aber nicht so recht: "'Die Aufsichtsbehörden in den USA haben keinerlei Neigung, allzu strenge Regeln zu setzen, schließlich will niemand amerikanische Firmen außer Landes treiben', sagt Jennifer Grygiel, Dozentin für Kommunikation und Soziale Medien, an der Universität von Syracuse. Zudem hätten weltweit Politiker die sozialen Medien als ideale Plattform entdeckt, um Stimmung zu machen und Stimmen zu sammeln. Dass die US-amerikanische oder irgendeine andere Regierung das Geschäftsmodell der Konzerne tatsächlich im Kern antastet, ist und bleibt deshalb unwahrscheinlich."

Man kann sich ja lange über die Internetkonzerne aufregen, aber die eigentliche Propaganda wird nach wie vor von Staaten und Medienkonzernen betrieben, meint auch Constanze Kurz in ihrer FAZ-Kolumne: "Wer denn eigentlich die Brexit-Propagandakampagnen bezahlt hat, wie genau die schattigen Allianzen zwischen nationalistischen Europa-Feinden und russischen Destabilisierungsinteressen aussehen und welche Rolle dabei bestimmte Verlagsgruppen mit ihren Boulevardmedien und Social-Media-Operationen spielen, das sind die wirklich interessanten Fragen. So zu tun, als wären die Zerrüttung des öffentlichen Diskurses und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft eine Art Naturgewalt und als ginge es nur um Social-Media-Bots oder Fake News und nicht um Machtinteressen, geht am Kern des Problems vorbei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.12.2018 - Internet

(Via turi2) Amazon wird für die Werbeindustrie immer wichtiger, macht inzwischen mit Werbung 6,7 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr und könnte Google als dominierenden Player ablösen, weil viele Nutzer ihre Produktsuchen von vornherein auf Amazon starten, berichtet Catrin Bialek im Handelsblatt: "Für Christian Gast, Strategiechef der Hamburger Agentur Jung von Matt, hat Amazon einen großen Vorteil: 'Amazon bietet die letzte Meile im Verkaufsprozess.' Das Unternehmen weiß nicht nur, was die Nutzer suchen, sondern auch, was sie letztlich bestellt haben. 'Das ist ein großer Unterschied im Vergleich zu den beiden anderen Playern Facebook und Google.'"

Dazu passt eine größere Recherche der New York Times, die zeigt, dass die Konzerne ihre Daten zum Teil sogar teilen - wieder mal ist Facebook der böse Bube Nummer 1, denn der Dienst gab großen Konzernen mehr Daten als der Konzern offiziell bekanntgab, schreiben die Reporter: "Das soziale Netzwerk erlaubte es Amazon, Namen und Kontaktinformationen der Freunde der Benutzer zu erhalten, und es erlaubte noch in diesem Sommer Yahoo, die Beiträge von Freunden zu sehen, trotz öffentlicher Äußerungen, dass man diese Art der Weitergabe Jahre zuvor eingestellt hatte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2018 - Internet

Google stellt sein Projekt einer zensierten chinesischen Suchmaschine (unsere Resümees) ein, nachdem Mitarbeiter nach Presseberichten über das Projekt protestiert hatten, berichtet Ryan Gallagher bei The Intercept: "Der Vorfall ist ein großer Rückschlag für die Topmanager von Google, einschließlich CEO Sundar Pichai, die aus dem Projekt in den letzten zwei Jahren eine ihrer Prioritäten gemacht hatten. Der Streit begann Mitte August, nachdem The Intercept enthüllt hatte, dass Google-Mitarbeiter, die 'Dragonfly' entwickelten, eine in Peking basierte Website benutzten, um schwarze Listen für die zensierte Suchmaschine zu erstellen."

"Wir wissen nicht, von was wir reden, wie wir es erkennen, welchen Einfluss es hat - aber wir müssen es regulieren. Hart. Irgendwie. Und vor allem ganz ganz schnell." So kritisiert Markus Reuter in Netzpolitik die aktuelle Diskussion über "Bots" - also automatisierte und gefälschte Konten - in den sozialen Medien, deren Einfluss noch gar nicht erwiesen ist: "Im großen Werkzeugkasten von Online-Kampagnen und Propaganda erscheint der Social Bot derzeit eher als banaler Holzhammer, mit dem man ein bisschen auf Postings und Hashtags einknüppeln kann, um diese zu verstärken. Ob diese maschinelle Verstärkung aber überhaupt bei Otto Normalsurfer ankommt, ist schon fraglich. Viel spannender in Sachen Verstärkung sind die Auswahlkriterien, die bestimmen, was Menschen zum Beispiel auf Facebook im Newsfeed sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2018 - Internet

In der NZZ berichtet Stephan Russ-Mohl über neue Studien, die die "beachtlichen" Aktivitäten von Social Bots in den sozialen Netzwerken während des Bundestags-Wahlkampfs belegen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: "Die AfD ist allerdings, den Forschern gemäß und anders als vielfach vermutet, nicht durch übermäßigen Bot-Einsatz aufgefallen. ... Die meisten Fake-Follower hatten FDP und CSU (35,4 bzw. 33,3 Prozent). Persönlich hatten Dietmar Bartsch (Die Linke: 41,5 Prozent) und Christian Lindner (FDP: 29,1 Prozent) die höchste Zahl an Fake-Followern. Von den untersuchten sieben Spitzenpolitikern war bei Cem Özdemir (Die Grünen: 8,9 Prozent) und Alice Weidel (AfD: 7,8 Prozent) der Anteil der Bots unter ihren Gefolgsleuten am niedrigsten. Im Mittelfeld lagen Katrin Göring-Eckhardt (Die Grünen), Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Martin Schulz (SPD). Zum Vergleich: Wie die Softwarefirma Sparktoro jüngst vermeldete, belegt Donald Trump bei den Fake-Followers in den USA einen einsamen Spitzenplatz: 61 Prozent seiner Twitter-Gefolgschaft sind Bots, Fake-Accounts, Spam oder Propaganda-Konten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2018 - Internet

Es ist auch schon wieder ein paar Jahre her, da begann Facebook zum Factchecking mit Journalisten zu kooperieren, aber die sind laut Sam Levin, dem Silicon-Valley-Korrespondenten des Guardian, inzwischen reichlich frustriert: "Facebook-Factchecker berichteten dem Guardian, dass die Zusammenarbeit der Technologieplattform mit externen Reportern kaum zu Ergebnissen geführt hat und dass sie wegen der Weigerung von Facebook, aussagekräftige Daten über die Auswirkungen ihrer Arbeit zu veröffentlichen, das Vertrauen verloren haben. Einige sagten, dass das Engagement einer PR-Firma durch Facebook, die antisemitische Muster einsetzte, um Kritiker zu diskreditieren - womit die gleiche Art von Fake News betrieben wird, die von Factcheckern bekämpft werden soll - ein Wendepunkt sein sollte."

Die Fotografin und "Sexarbeiterin" Romy Alizée protestiert in Libération, nachdem Instagram ihr Konto, wo sie ihre - auf den ersten Blick völlig harmlosen, nicht pornografischen - Fotos teilweise nackter Frauen veröffentlichte, kommentarlos sperrte - und sie spricht ein Problem an, das die Kunstwelt insgesamt beschäftigen sollte: "Eine offensichtlicher Schluss ergibt sich aus dem Austausch mit verschiedenen von der Zensur betroffenen AkteurInnen: Wir sind nicht mehr wirklich freiwillig auf Instagram, wir sind da, weil seine Nutzung für die Verbreitung unserer Arbeit unerlässlich geworden ist. Klar können wir Websites erstellen, die diese Zensur vermeiden, aber wie können wir sie unter die Leute bringen, wenn Facebook und Instagram den Zugang zu ihnen blockieren?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2018 - Internet

Im Interview mit Alex Weidemann von der FAZ plädiert der ehemalige Microsoft-Ingenieur und Internetkritiker Jaron Lanier tatsächlich nicht dafür, das Internet abzuschaffen: "Obwohl ich glaube, dass es mehr Schaden anrichtet, als es Gutes tut. Dennoch brauchen wir dieses globale Informationssystem zum Beispiel, um den Klimawandel zu registrieren und zu dokumentieren. Es ist ein notwendiges Instrument für das Überleben unserer Spezies."

In der NZZ sieht Adrian Lobe das ganz anders: Was Lanier Information nennt, ist für ihn nur Manipulation von Google, scheint es. Jedenfalls, so lange der Konzern seinen Suchalgorithmus nicht offen legt. "Jede Google-Suche wirkt systemstabilisierend. Wissen ist vor allem Herrschaftswissen. In dem Masse, in dem sich Nutzer virtuellen Assistenten unterwerfen oder die Informationsgewinnung an Algorithmen delegieren, verstärkt sich diese Unmündigkeit. Je mehr man auf künstliche Agenten rekurriert, desto mehr verlässt man sich auf maschinelle Heuristiken und desto blinder wird man gegenüber gesellschaftlichen Realitäten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2018 - Internet

Auch gegen "terroristische Inhalte" plant die EU Uploadfilter. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber die Pläne klingen alarmierend, berichtet Tomas Rudl bei Netzpolitik: "So sollen künftig alle Online-Dienste, auf denen Nutzer Kommentare, Videos oder Bilder veröffentlichen können, innerhalb einer Stunde nach Meldungseingang möglicherweise illegale terroristische Inhalte entfernen. Zudem sollen sie 'proaktiv' - mit der Hilfe von Uploadfiltern, Hash-Datenbanken und Künstlicher Intelligenz - nach solchen Inhalten Ausschau halten, um deren Veröffentlichung schon im Vorfeld zu unterbinden. Kommen die Diensteanbieter diesen Vorgaben nicht ausreichend nach, dann drohen ihnen saftige Strafen von bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes."

Der britische Unterhausabgeordnete Damian Collins hat am Mittwoch interne Facebook-Dokumente veröffentlicht. In ihnen stellt sich heraus, das Facebook nicht  nur Cambridge Analytica privilegierten Zugang zu Nutzerdaten verschafte, sondern auch Firmen wie Netflix, Airbnb und Tinder, berichtet Dirk Peitz bei Zeit online: "Bislang ist unklar, ob Nutzerinnen und Nutzer durch App-Anmeldungen über Facebook oder über Likes von Pages etwa von Netflix womöglich unwissend diesen Datenzugang freigaben - und den für ihren gesamten Freundeskreis noch dazu."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2018 - Internet

Thenmozhi Soundararajan ist eine Dalit-Aktivistin aus Indien. In der New York Times beschreibt sie, wie Dalits - einst als "Unberhührbare" bezeichnet - zuerst auf Twitter als Instrument der Meinungsfreiheit setzten, bis sie feststellten, dass sie auch dort zu Opfern von entfesselten Hasskampagnen indischer Kasten werden: "Angesichts des Ausmaßes der kastenbasierten Aggression und Belästigung auf Twitter ist Blindheit  des sozialen Netzes gegenüber Kasten in Indien alarmierend. Die Plattform hat die Verantwortung, nicht nur die freie Meinungsäußerung zu fördern, sondern auch die Meinungsfreiheit und Sicherheit ihrer schwächsten Nutzer zu gewährleisten. Koordinierte Angriffe auf verletzliche Stimmen schließen diese aus und machen Twitter zu einem weiteren Instrument der Verfolgung." Tiwtter hat bisher acht Millionen Nutzer in Indien und gilt als der am stärksten wachsende Markt.