9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2018 - Internet

Charlie Becket sucht in einem mit vielen Links belegten Artikel für ein Blog der London School of Economics nach Gründen für Mark Zuckerbergs Ankündigung, Medieninhalte auf Facebook zu degradieren: "Seine Nutzer 'sagen ihm' (das heißt einige von ihnen verbringen weniger Zeit auf FB), was unzählige Studien und Bücher auch schon gezeigt haben - Facebook kann dazu führen, dass man sich ziemlich mies fühlt. Nachrichteninhalte - meist 'bad news' - sind nicht geeignet, die Leute aufzubauen. Ärgerliche, aggressive, spalterische Kommenare, die Nachrichteninhalte oft begleiten, bringen keine good Vibes. Die Verbreitung von Fake News zeigt zwar, dass FB populär ist, aber sie trägt auch zum Gefühl bei, dass Facebook ein Ort ist, wo man dem Inhalt von Nachrichten nicht trauen kann. Selbst wenn sie glaubhaft sind, sollen sie oft beängstigen und Alarm auslösen. Nicht nett. Und Facebook will es nett."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2018 - Internet

Auf SZ online ermuntert Jürgen Schmieder die digitalen Analphabeten, der neuen Technik gegenüber etwas neugieriger zu sein: "Statt über den Enkel zu lästern, der mal wieder stundenlang ins Handy starrt, könnte man ihn doch mal fragen, was er da genau tut und wie das funktioniert. Es lohnt, den erwachsenen Zynismus abzulegen und kindliche Offenheit zu entwickeln. Danach kann man immer noch - und dann informiert - darüber entscheiden, wie viel Technologie man in seinem Leben haben möchte."
Stichwörter: Zynismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.01.2018 - Internet

In der Zeit plädieren Jochen Bittner, Paul Middelhoff und Heinrich Wefing dafür, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zu verbessern, indem man es verschärft: "Zum einen muss das Gesetz klarstellen, dass die Netz-Konzerne weder zu viel löschen dürfen noch zu wenig. Auch ein manifestes overblocking müsste mit Bußgeldern belegt werden. Zum anderen braucht es, wie vielfach schon im Gesetzgebungsprozess gefordert, eine unabhängige Stelle, an die sich Nutzer wenden können, die überzeugt sind, ihre Beiträge seien zu Unrecht gesperrt oder gelöscht worden." Schätze, wir werden dafür eine Behörde aufbauen müssen.

Dinah Riese differenziert in der taz: "Nicht nachvollziehbares Sperren und Löschen sind ein Problem, das nicht erst mit dem NetzDG in die Welt der sozialen Medien gekommen ist. Schon immer löschte Facebook Posts, entfernte YouTube Videos, blockierte Twitter-Beiträge. Meist auf Grundlage eigener Regeln, die sehr vage formuliert sind."

Das Internet hat alles verändert, das Smartphone hat alles verändert, nun verändert die Spracherkennung, die zunächst in Form von zuhörenden Lautsprechern in die Wohnzimmer einziehen, noch mal alles, schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne. Auch Facebook wolle jetzt so ein Ding bringen mit Videochat und Gesichtserkennung: "Hört sich gruselig an, aber wenn sich etwas verändert hat in den letzten Jahren, dann die Grenze, ab der Durchschnittspersonen vernetzte Technologien gruselig finden. In jeder deutschen Fußgängerzone wäre man vor dreißig Jahren blau geschlagen worden allein für die Frage, ob man eine 'Wohnzimmerwanze' kaufen würde, die jedes Wort nach Amerika funken kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2018 - Internet

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist sehr weitgehend auf Kritik gestoßen. Constanze Kurz resümiert bei Netzpolitik die Debatte in den ersten Tagen der Geltung des Gesetzes, in denen Plattformen wie Twitter und Facebook viele Posts wegen angeblicher Hassrede löschten. Regierungssprecher versprechen "genaue Beobachtung und auch Transparenz" bei der Beurteilung, ob das Gesetz funktioniert. Kurz ist damit nicht zufrieden: "Das klingt, als wolle man die Evaluation auf die lange Bank schieben, obwohl schon nach wenigen Tagen klar ist, dass in der Praxis die Frage, was 'offensichtlich strafbar' ist und was nicht, von den Konzern-Klickern nicht adäquat angegangen wird. Das Beispiel der Satirezeitschrift Titanic war dafür exemplarisch."

In der FAZ verteidigt Jan Wiele das NetzDG dagegen als "nicht perfekt, aber nötig".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2018 - Internet

In der NZZ ist der Unternehmer Wolfgang Klingner ganz aufgeregt, weil er die Digitalisierung kritisiert: "Die Parallelen zwischen Digitalisten und den Fanatikern anderer Religionen sind auffallend. Wer sich nicht zum Digitalismus bekennt, wird sich mit einer miserablen, minderwertigen und anachronistischen Existenz in einer dysfunktionalen, analogen, dem Untergang geweihten Welt abfinden müssen. Das klingt ungefähr so, als würden uns Katholiken mit ewiger Verdammnis in der Hölle drohen."

Adrian Lobe hat sich für die SZ durch die Flut neuester technologiekritischer Bücher gelesen und sieht die Internetkonzerne schon auf dem Thron: "Der Stanford-Soziologe A. Aneesh prägte den Begriff der 'Algokratie', eine Herrschaftsform, bei der Programmcodes eine politische Steuerung implementieren. Durch die Abtretung von Wertentscheidungen an soziotechnische Systeme (etwa in der Frage, was unter Terrorismus subsumiert wird oder wo die Grenzen der Meinungsfreiheit liegen) wächst Konzernen wie Google oder Facebook eine politische Macht zu. Mit jeder Modifikation des Newsfeed-Algorithmus wird Herrschaft ausgeübt." Die "Abtretung von Wertentscheidung" ist nur paradoxerweise etwas, das von einigen Medien und Regierungen geradezu propagiert wird, siehe Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2018 - Internet

"Auch Hass kann eine Meinung sein", meint Malte Lehmig im Tagesspiegel mit Blick auf das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Er fürchtet eine "Gesinnungsdikatur" und kritisiert die Rolle der sozialen Netzwerke: "Facebook und Twitter sind private Unternehmen, die schon jetzt nach eigenen Kriterien darüber befinden, was bei ihnen veröffentlicht werden darf. Weibliche Brustwarzen etwa lässt Facebook seine Nutzer nicht sehen. Durch das NetzDG indes mischt sich der Staat in solche Entscheidungen ein, ohne sie zu verantworten. Unternehmensmitarbeiter werden in die Rolle von Richtern gedrängt, die zum Teil unter hohem Zeitdruck Inhalte prüfen müssen. Zuständig für die Strafverfolgung bleiben die Behörden. Die Zuständigkeit aber für die Definition des gesellschaftlich akzeptablen Diskussionsraumes wird weiter privatisiert."
 
Auch Christian Bommarius hält in der Berliner Zeitung das NetzDG für "schädlich", da es beim Versuch, Hass und Häme zu entsorgen, die Kritik daran gleich mit entsorge: "Zensur als Kollateralschaden - von Anfang an hatten Kritiker davor gewarnt. Gewarnt hatten sie auch davor, die juristische Prüfung der Meinungsäußerungen nicht den Gerichten, sondern Facebook und Twitter zu überlassen. Zu recht." Und in der Welt zieht Christian Meier eine vernichtende Zwischenbilanz.

Oje, ein neuer Post von Mark Zuckerberg. Der Chef der Weltregierung Facebook hat sich für dieses Jahr viel vorgenommen: "Die Welt hat Angst und ist gespalten, und Facebook hat eine Menge Arbeit vor sich, von der Verteidigung unserer Community gegen Missbrauch und Hass, über die Abwehr der Einmischung ausländischer Nationen bis zur Gewähr, dass Zeit, die wir bei Facebook verbringen, gute Zeit ist. Meine persönliche Herausforderung für 2018 ist es, diese wichtigen Themen anzugehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2018 - Internet

(Via Netzpolitik) Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, nennt im  Gespräch mit Reinhard Kowalewsky den digitalen Wettbewerb als seine wichtigste Aufgabe: "Unsere vorläufige Einschätzung zu Facebook kurz vor Weihnachten zeigt, wohin die Richtung geht: Wir haben dem Unternehmen mitgeteilt, dass wir es für marktbeherrschend halten. Und wir kritisieren die Art und Weise, wie das Unternehmen persönliche Daten sammelt und verwertet als möglichen Missbrauch von Marktmacht. Die Nutzer müssen hinnehmen, dass Daten auch aus Drittquellen massenhaft gesammelt werden, obwohl sie davon wenig, meistens sogar gar nichts wissen."

Vorgestern ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Kraft getreten. Soziale Medien müssen Hassposts von sich aus in 24 Stunden entfernen. Constanze Kurz ist bei Netzpolitik mehr als skeptisch: "Was wohl auch deutlich wird in diesen ersten Tagen des Gesetzes ist die Tatsache, dass es eine ganze Welle von Meldungen gibt. Diesen Schwall müssen Twitter und Co. jetzt in knapper Zeit abarbeiten, was die Qualität der Prüfung nicht eben verbessern dürfte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2017 - Internet

Der amerikanische Historiker Thomas Frank hat im Guardian den Eindruck, dass die Meldung über von Russland gesteuerte Fake News in den sozialen Netzen letztlich auch bei Anhängern der Demokratischen Partei eher beschwiegen wurde und glaubt, es liegt am allzu positiven Bild, das sich diese Kräfte vom Internet machten: "Für allzuviele Demokraten können Facebook und Twitter nur als eines verstanden werden: Instrumente der Befreiung. Sie geben den Schwachen Macht. Sie geben uns Demokratie wie damals im arabischen Frühling. Sie bringen unseren Amerikanismus überall hin..." Aber "die sozialen Plattformen sind keine neutralen Instanzen, die sich selbstlos in den Dienst der Gesellschaft stellen. Es ist heute allzu offensichtlich, dass sie Monopole bilden, die uns in hundert unterschiedlichen Arten manipulieren, indem sie unsere Informationen filtern und uns dazu drängen, bestimmte Dinge zu kaufen."

Unterdessen berichten der frühere hohe CIA-Offizielle Michael Morell und der republikanische Politiker Mike Rogers in der Washington Post über anhaltende russische Einflussnahme in den sozialen Netzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2017 - Internet

Der Browser Google Chrome kommt ab Februar mit eingebautem und in den Voreinstellungen aktiviertem Adblocker, schreibt Mathew Ingram in der Columbia Journalism Review: "Die Firma sagt, sie wolle damit das Chaos der Online-Werbung beseitigen, die mit Pop-Ups, 'Interstitials', selbst losgehenden Videos und anderem Müll nervt. Und die Firma sagt, sie wolle nur solche Werbung blockieren, die den Kriterien der 'Coalition for Better Ads' (zu der Google gehört) nicht entsprechen. Das Blocking hat aber auch eine nukleare Option: Wenn eine Website wegen schlechter Werbung 30 Tage lang unter eine gewisse Schwelle fällt, wird Google alle Anzeigen auf der Seite blockieren, bevor es aktiv wird, um die Probleme irgendwann zu beseitigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2017 - Internet

Markus Reuter hofft in Netzpolitik, dass die Kartellämter die marktbeherrschende Stellung von Facebook begrenzen - vor allem wegen der Daten, die der Konzern nicht nur auf seiner Seite, sondern im ganzen Netz abgreifen, weil ihm die Nutzer mit der Facebook-Anmeldung dafür die Vollmacht erteilen: "Dieser Datenfluss ist so dermaßen unüberschaubar, dass das Kartellamt der Ansicht ist, dass die Nutzer hier beim Erstellen eines Accounts keine wirksame Einwilligung gegeben haben können. Sie sehen darin eine Verletzung des europäischen Datenschutzes. Die 'Generalvollmacht' ist also ungültig. Dabei ist das noch nicht alles: Die Kartellwächter haben bislang nicht einmal die Daten berücksichtigt, die Facebook auf seiner eigenen Plattform sammelt. Jede Vorliebe, jedes Teilen, jeder Like fließen in die Schattenprofile ein, welche die Werbeindustrie nutzen kann."