Nun reiht sich
Rupert Murdoch - dessen Medien für zuverlässige Berichterstattung berühmt sind, hüstel - in einem
Statement bei seiner News. Corp höchstpersönlich in den Streit um die
Facebook-Algorithmen ein - einerseits hatte Facebook angekündigt, Medienstreams zu degradieren, andererseits will es dabei aber die zuverlässigen Medien privilegieren. Das reicht Murdoch nicht: "Wenn Facebook 'vertrauenswürdige' Verlage anerkennen will, dann sollte es diesen Verlagen
eine Gebühr bezahlen, ähnlich wie es Kabelgesellschaften machen. Die Verlage verbessern ganz offensichtlich den Wert und den Gesamteindruck von Facebook durch ihre Nachrichten und Inhalte, werden aber für diese Dienste nicht angemessen entlohnt." Auch Michael Hanfeld und Adrian Lobe kritisieren die neueste Initiative von Facebook in der
FAZ.
Seit das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) gilt, sind die sozialen Medien in Deutschland
fleißig am löschen. Zu viel,
schreibt in der
Berliner Zeitung Annika Leister, die einige gelöschte Kommentare dem Kölner Medienanwalt
Christian Solmecke zur Begutachtung vorgelegt hat. Fazit: Bei fast allen Kommentaren fand Solmecke die Löschung nicht gerechtfertigt. Beispielsweise der Tweet "Die Süddeutsche Zeitung ist #FakeNews." Dazu meint der Anwalt: "Das mag wie eine
Tatsachenbehauptung klingen und könnte eine Üble Nachrede darstellen. Allerdings ist es im Kontext der aktuellen Diskussion als
Meinungsäußerung zu werten."
Auch in der EU wird über den schmalen Grat zwischen
Verantwortung und Zensur der sozialen Medien diskutiert,
berichtet Jannis Brühl in der
SZ. Die Kommission will im Rahmen der geplanten Änderung des Urheberrechts
Upload-Filter durchsetzen, die dafür sorgen, dass bestimmte Inhalte gar nicht erst hochgeladen werden können. Für die Piraten-Abgeordnete
Julia Reda ist das "
Vorzensur": "'Algorithmen sollen komplexe Entscheidungen über Legalität und Illegalität von Inhalten treffen, die nicht einmal Gerichte immer treffen können.' Der Passus, den die Kommission vorschlägt, ist vage, könnte theoretisch auch für Texte gelten. Er würde zumindest große Plattformen zwingen, automatisch jeden Beitrag zu prüfen. Eigentlich hatte der Europäische Gerichtshof bereits 2012 geurteilt, dass das
pauschale Vorfiltern aller Inhalte gegen das Recht auf Privatsphäre und Informationsfreiheit verstößt. Nun will die Kommission es trotzdem einführen."
Ebenfalls in der
SZ erinnert Dirk von Gehlen daran, dass das viel und gern kritisierte Internet tatsächlich auch
seine Vorzüge hat: "Denn dass es das Internet überhaupt gibt, zeigt, dass
Diversität und Unreinheit (beides Aspekte, die der Kulturessentialismus gerne bekämpfen möchte) funktionieren. Es zeigt, dass die Idee von Völkerverständigung, Offenheit und Pluralismus keine Spinnerei ist, sondern
greifbare Wirklichkeit. Es lohnt sich, dieser Idee zu folgen, gerade auch, um gestaltend auf die dunklen Seiten zu reagieren, die durch das Netz zuweilen befördert werden."