Im
Tagesspiegel warnt Til Knipper vor der Abschaffung der
Netzneutralität in den USA: "Marktbeherrschende US-Telekomunternehmen wie Verizon oder AT&T erhalten dadurch eine Macht, die
Grundrechte wie die Meinungs-
und Pressefreiheit stark gefährden. Mit der Preisgabe der Netzneutralität räumt man ihnen die Rolle von
Zensoren ein, die mithilfe ihrer Preisgestaltung kontrollieren können, zu welchen Angeboten ihre Kunden guten, schlechten oder gar keinen Zugang haben."
Laut einer Umfrage der University of Maryland sind
83 Prozent der US-Wähler gegen die Abschaffung der Netzneutralität,
berichtet Johannes Kuhn in der
SZ. Zudem sei zu befürchten, "dass Provider häufiger Online-Dienste vorübergehend sperren werden, wenn es zu Disputen um Lizenzgebühren kommt. Solche Streitigkeiten sind im TV-Geschäft zwischen Fernsehsendern und Kabel-Anbietern, die das Signal transportieren, gang und gäbe."
Auf
golem.de glaubt Friedhelm Greis, dass
Europa von der Neuregelung profitieren könnte, denn: "Möglicherweise könnten neue Anbieter versuchen, ihre Produkte zunächst auf dem europäischen Binnenmarkt zu testen, um Zugangshürden in den USA zu umgehen. Eine Voraussetzung dafür wäre, dass Regulierungsbehörden die von der EU beschlossenen Regeln zur Netzneutralität auch tatsächlich umsetzten."
Nick Frisch, der Hongkong-Korrespondent der
New York Times gibt einen Vorgeschmack auf ein
Netz ohne Netzneutralität: "Wer wissen will, wie ein Netz ohne Neutralität funktioniert, sollte mal
in Peking surfen. Chinas Internet, das von mit der Partei verbündeten Telekom-Giganten gegliedert wird, ist eine digitale Dystopie, denn es wird von dem
riesigen Zensurapparat gefiltert, der als chinesische Mauer bekannt wurde. Einige Websites laden mit peinvoller Langsamkeit, andere gar nicht. Und andere ganz schnell. Inhalt verschwindet ohne Vorwarnung oder Erklärung. Der Schuldige ist kaum auszumachen. Ein kaputter WLAN-Router? Ein Stromausfall im Stadtviertel? Kommerzielle Sabotage?
Unterdrückung politischer Dissidenz?"
Auch in
Deutschland wird Netzneutralität durch neue Angebote der
Telekom und von Vodafone unterminiert. Wie gering die Sensibilität der Öffentlichkeit für das Thema ist, zeigt ein Handytarife-Test der
Stiftung Warentest,
schreibt Markus Reuter bei
Netzpolitik: "Diese Debatte scheint an der Stiftung Warentest vorbei gegangen zu sein, denn jetzt wurden die
Zero-Rating-Angebote von Vodafone und Deutsche Telekom in ihrem Heft positiv bewertet. Unter der Überschrift 'Zusatzoptionen zum Mobilfunktarif
schonen das Datenvolumen' freuen sich die Autoren über die Angebote von Vodafone und Telekom. Kein Wort verliert die angesehene Verbraucherschutz- und Testorganisation allerdings darüber, dass die Angebote die Netzneutralität verletzen und so einen Eingriff in die
Rechte der Verbraucher darstellen."