9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.12.2017 - Internet

Shan Wang berichtet im Niemanlab über ein sehr interessantes Experiment, das sie durchgeführt hat um herauszufinden, wieviele Nachrichten von Medien Facebook-Nutzer tatsächlich rezipieren. Dafür hat sie sich von über 400 zufälligen Nutzern Screenshots der ersten zehn Posts ihrer Timeline zusenden lassen. Ergebnis: "Die Hälfte der Personen in unserer Studie sahen überhaupt keine News in ihren zehn ersten Posts, selbst wenn man eine sehr großzügige Definition von 'News' zugrundelegt (von Promi-Klatsch über Sportergebnisse über alle Medien hinweg. Unser Zählung umfasste alle News, die von den Verlagen selbst, oder anderen Seiten oder Individuen gepostet wurden und gesponsorten Inhalt). Und die nächsten 23 Prozent sahen nur eine News in ihrer Timeline."
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2017 - Internet

Im Tagesspiegel warnt Til Knipper vor der Abschaffung der Netzneutralität in den USA: "Marktbeherrschende US-Telekomunternehmen wie Verizon oder AT&T erhalten dadurch eine Macht, die Grundrechte wie die Meinungs- und Pressefreiheit stark gefährden. Mit der Preisgabe der Netzneutralität räumt man ihnen die Rolle von Zensoren ein, die mithilfe ihrer Preisgestaltung kontrollieren können, zu welchen Angeboten ihre Kunden guten, schlechten oder gar keinen Zugang haben."

Laut einer Umfrage der University of Maryland sind 83 Prozent der US-Wähler gegen die Abschaffung der Netzneutralität, berichtet Johannes Kuhn in der SZ. Zudem sei zu befürchten, "dass Provider häufiger Online-Dienste vorübergehend sperren werden, wenn es zu Disputen um Lizenzgebühren kommt. Solche Streitigkeiten sind im TV-Geschäft zwischen Fernsehsendern und Kabel-Anbietern, die das Signal transportieren, gang und gäbe."

Auf golem.de glaubt Friedhelm Greis, dass Europa von der Neuregelung profitieren könnte, denn: "Möglicherweise könnten neue Anbieter versuchen, ihre Produkte zunächst auf dem europäischen Binnenmarkt zu testen, um Zugangshürden in den USA zu umgehen. Eine Voraussetzung dafür wäre, dass Regulierungsbehörden die von der EU beschlossenen Regeln zur Netzneutralität auch tatsächlich umsetzten."

Nick Frisch, der Hongkong-Korrespondent der New York Times gibt einen Vorgeschmack auf ein Netz ohne Netzneutralität: "Wer wissen will, wie ein Netz ohne Neutralität funktioniert, sollte mal in Peking surfen. Chinas Internet, das von mit der Partei verbündeten Telekom-Giganten gegliedert wird, ist eine digitale Dystopie, denn es wird von dem riesigen Zensurapparat gefiltert, der als chinesische Mauer bekannt wurde. Einige Websites laden mit peinvoller Langsamkeit, andere gar nicht. Und andere ganz schnell. Inhalt verschwindet ohne Vorwarnung oder Erklärung. Der Schuldige ist kaum auszumachen. Ein kaputter WLAN-Router? Ein Stromausfall im Stadtviertel? Kommerzielle Sabotage? Unterdrückung politischer Dissidenz?"

Auch in Deutschland wird Netzneutralität durch neue Angebote der Telekom und von Vodafone unterminiert. Wie gering die Sensibilität der Öffentlichkeit für das Thema ist, zeigt ein Handytarife-Test der Stiftung Warentest, schreibt Markus Reuter bei Netzpolitik: "Diese Debatte scheint an der Stiftung Warentest vorbei gegangen zu sein, denn jetzt wurden die Zero-Rating-Angebote von Vodafone und Deutsche Telekom in ihrem Heft positiv bewertet. Unter der Überschrift 'Zusatzoptionen zum Mobilfunktarif schonen das Datenvolumen' freuen sich die Autoren über die Angebote von Vodafone und Telekom. Kein Wort verliert die angesehene Verbraucherschutz- und Testorganisation allerdings darüber, dass die Angebote die Netzneutralität verletzen und so einen Eingriff in die Rechte der Verbraucher darstellen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2017 - Internet

Heute schaffen die USA die Netzneutralität ab. Svenja Berg berichtet in der taz und kommentiert: "Ohne Netzneutralität wird die Tendenz zur Marktdominanz weiter zunehmen - denn Google und Facebook können es sich leisten, mit den Telekommunikationskonzernen zu kooperieren. Für kleine Anbieter werden Aufwand und Kosten in der Regel zu hoch sein." The Verge publiziert einen offenen Brief der Direktoren New Yorker Bibliotheken gegen die Abschaffung der Netzneutralität.

Yannick Lebert stellt bei Netzpolitik ein Thesenpapier (hier als pdf-Dokument) des Verbraucherzentrale Bundesverbands vor, das eine Algorithmen-Kontrolle fordert: "Hintergrund der aktuellen Debatte ist, dass Algorithmen zunehmend über individuelle Lebenschancen entscheiden und von Staat und Verwaltung zur Steuerung von gesellschaftlichen Prozessen eingesetzt werden. Problematisch ist, dass die Mechanismen solcher Entscheidungen kaum nachvollziehbar sind."

Außerdem:(Via turi2) Sahil Patel berichtet bei Digiday, dass Facebook die Zeitungsverlage und große Internetmedien nicht mehr für Videos bezahlen will - bisher gab es eine Kooperation, bei der Zeitungen wie die New York Times immerhin 3 Millionen Dollar jährlich von Facebook bekamen. In Deutschland kooperiert etwa der Springer Verlag mit Facebook.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2017 - Internet

Das Google-Schach-Programm Alpha Zero, das in seiner Go-Version neulich als erste Maschine einen Weltmeister schlug, ist nun das mächtigste Schachprogramm überhaupt, schreibt Hartmut Metz in der taz. Selbst der brillanteste Weltmeister hat dagegen keine Chance mehr - die eigentliche Meldung ist daher, dass Alpha Zero Stockfish, ein anderes Schachprogramm, hinwegfegte: "Alpha Zero brachte sich das Schachspiel in nur vier Stunden anhand von Großmeister-Partien selbst bei und sammelte in der Zeitspanne mehr Erkenntnisse als der Mensch in den rund 1.500 Jahren des königlichen Spiels zuvor! Schachfans fühlen sich womöglich an den Film 'Matrix' erinnert und halten denkende Roboter für die Wachablösung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2017 - Internet

Der frühere hohe Facebook-Manager Chamath Palihapitiya hat bekannt, "tiefe Schuld" dafür zu empfinden, dass er an Werkzeugen mitgearbeitet hat, "die die Gesellschaft  zerreißen", berichtet Julia Carrie Wong im Guardian. "Die kurzfristigen, Dopamin-getriebenen Feedback Loops, die wir geschaffen haben, zerstören die Gesellschaft. Kein ziviler Diskurs, keine Kooperation, nur Desinformation und Misstrauen. ... Es geht hier nicht um die russischen Anzeigen, das ist ein globales Problem ... Es unterminiert die Grundwerte, auf denen Verhalten anderen gegenüber beruht." Die Äußerungen sind zuerst in Verge am Montag publik geworden. Auch Facebook-Mitbegründer Sean Parker hat sich laut Wong sehr kritisch über Facebook geäußert.

Außerdem: Adrian Daub stellt in der NZZ fest, dass viele Rechtsextreme in Amerika "überdurchschnittlich starke Verbindungen in die Technologiebranche haben. Sie sind durch Technologie groß geworden".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2017 - Internet

In der SZ stellt Julian Hans das von Pawel Durow gegründete, "Whatsapp" nachempfundene russische Chat-Programm "Telegram" vor, das über verschiedene Kanäle Insider-Informationen aus dem Kreml, den Ministerien und aus russischen Behörden verbreitet, noch bevor sie in anderen Medien auftauchen. Vom Kreml inzwischen ebenso genutzt wie von IS-Kämpfern sei Telegram zu einer Plattform für ein Kräftemessen unterschiedlicher Einflussgruppen in der russischen Politik geworden: "Der riesige Erfolg der Chat-Nachrichten ist nicht verwunderlich, denn je stärker die traditionellen und inzwischen auch die sozialen Medien in Russland unter Druck geraten, desto beliebter werden Schlupflöcher wie Telegram. Was eine Zeitung vielleicht nicht druckt, weil die Information sie in Schwierigkeiten bringen könnte, das kann der Autor stattdessen anonym über Telegram in die Welt schicken. Auf Journalisten fällt deshalb auch der erste Verdacht, wenn darüber spekuliert wird, wer hinter den Kanälen stecken könnte."

Obwohl sowohl Privatleute als auch Unternehmen immer mehr Daten verbrauchen, hinkt der Breitbandausbau in Deutschland immer noch hinterher, konstatiert Tomas Rudl  nach Lektüre eines Berichts der Bundesnetzagentur: "Die Technik der Wahl bleibt unverändert kupferbasiertes DSL. Alle anderen Anschlussvarianten, inklusive die der Kabelnetzbetreiber, teilten sich wie schon im Vorjahr nur rund ein Viertel des Marktes." Schuld am mangelnden Ausbau mit Glasfaser, so Rudl, ist die Telekom, die überdies von der Regierung protegiert wird.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2017 - Internet

Die Aktion des Zentrums für politische Schönheit gegen den AfD-Politiker Björn Höcke bringt selbst die sozialen Netze in Verlegenheit, die permanent Videos des ZPS sperren, wieder zulassen, dann wieder sperren, berichtet Markus Reuter bei Netzpolitik - zuletzt schaltete Youtube hin und her: "Die jetzige Einschränkung ist nicht das erste Vorgehen von sozialen Netzwerken gegen die Aktionskünstler. Zuletzt sperrte Youtube vorübergehend deren gesamten Account, hob aber die Sperre nach Berichterstattung kurzfristig wieder auf. Dann belegte Facebook nach Angaben des Zentrums für politische Schönheit dessen künstlerischen Leiter Philipp Ruch kurzfristig mit einer Sperre. Auch diese wurde nach kurzer Zeit wieder aufgehoben. Facebook entschuldigte sich später gegenüber Ruch für die 'versehentliche Löschung' eines Posts. Auch die Videoplattform Vimeo hat ein Video zur Aktion gelöscht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.11.2017 - Internet

In der NZZ stellt Felix Simon einen interessanten neuen Filterregler für die eigenen sozialen Medien vor: Gobo, ein Tool des MIT Media Lab. Und so funktionierts: "Der Nutzer verlinkt seinen Facebook- oder Twitter-Account mit der Anwendung, Gobo analysiert dann die Posts der Seiten, denen wir folgen, und macht Gegenvorschläge. Mithilfe verschiedener Schieberegler kann der Nutzer die Filter verändern und lernt so, zu verstehen, wie der eigene Newsfeed zustande kommt - und was ihm unter Umständen entgeht. ... Auf spielerische Art gibt Gobo so nicht nur ein Stück Kontrolle zurück, sondern macht gleichzeitig bewusst, welch gravierende Auswirkungen kleinste Änderungen an einem Algorithmus haben können - ein Klick, und alle Posts von Männern verschwinden, ein wenig am 'Seriousness'-Regler gedreht, und schon erscheinen nur noch Katzenvideos anstatt Artikel über Brexit, Trump und Co." Wer es also ernst meint mit den Klagen über seine "Filterblase", findet jetzt ganz leicht wieder hinaus.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2017 - Internet

Vor kurzem waren Facebooks Mark Zuckerberg und Apples Tim Cook in China. Kurz danach hat die chinesische Regierung neue Regeln über "Sicherheit" im Internet erlassen - alle neuen IT-Produkte, die in der Kommunikation eingesetzt werden, müssen zuvor einem Sicherheitscheck unterworfen werfen, berichtet David Bandurski vom "China Media Project" in Hongkong in der taz: "Zweck dieser Überprüfung sei es, so meldeten die Staatsmedien, den 'Risikograd von neuen Technologien und Anwendungen' zu erkennen, was 'ihre Fähigkeit betrifft, die öffentliche Meinung und soziale Mobilisierung zu beeinflussen'. Für in- wie ausländische Technologieunternehmen bedeutet das im Grunde, den chinesischen Behörden bei der Entwicklung von Innovationen einen Sitz in der ersten Reihe einzuräumen - damit sie dann dafür sorgen können, die staatlichen Kontrollen einzuarbeiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2017 - Internet

Staunend wandelt SZ-Autor Bernd Graff durch die Ausstellung "Open Codes" im Karlsruher ZKM, noch mehr aber staunt er über dessen Chef Peter Weibel: "'Gott ist der erste Programmierer. Er erschuf den Code', sagt Weibel etwa beim Wuseln durch das Digital-Areal und dann: 'Der Mensch ist nur ein lästiges Peripheriegerät.' Das sagt er einfach so. "
Stichwörter: Weibel, Peter, Open Codes, Codes