9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

335 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 34

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2018 - Kulturmarkt

Christoph Links verkauft seinen Verlag an die Aufbau-Gruppe. In der derzeitigen Medienlandschaft ("overnewsed but underinformed"), sagt er im taz-Interview mit Susanne Messmer, schlage sich das Sachbuch noch tapfer. Aber der Trend sei klar: "Die fetten Jahre sind schon vorbei. Das Buchlesen ist nicht mehr die bevorzugte Freizeitbeschäftigung. Vor der Wende lag das Lesen in der DDR auf Platz 7, in der BRD auf Platz 9. Heute liegt es bundesweit auf Platz 14. Und wenn man abends die letzte WhatsApp-Gruppe zugemacht hat, will man auch nicht mehr zum Buch auf dem Nachttisch greifen, sondern nur noch die Augen schließen."
Stichwörter: Links, Christoph, BRD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2018 - Kulturmarkt

Nach Jahrzehnten beim Privatfernsehen ist Christiane zu Salm in die Verlagswelt zurückgekehrt: Sie ist die neue Verlegerin des Nicolai Verlags. Im Interview mit der FR erklärt sie, warum sie jetzt zu einem Verlag gegangen ist: Hier kann man noch wirklich etwas neu machen. "Ich habe vor 30 Jahren eine Ausbildung im S. Fischer Verlag gemacht und muss zunächst einmal feststellen, dass sich so sehr viel gar nicht geändert hat. ... Ich bin aber der festen Überzeugung, dass die Branche in der Lage sein wird, sich neue Wege einfallen zu lassen. Wir zum Beispiel können, weil wir so klein sind, auf schnellere Erscheinungsrhythmen setzen. Das Buch 'Kryptopia' von Philipp Mattheis und Milosz Matuschek, in dem es um die neuen Kryptowährungen geht, ist innerhalb von drei Monaten entstanden. Es gibt bei uns auch kein Frühjahrs- und Herbstprogramm. Und was das Digitale angeht: hier gibt es auch ja noch viele unausgeschöpfte Möglichkeiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2018 - Kulturmarkt

Rüdiger Wischenbart reflektiert im "Virtualienmarkt" des Perlentauchers den Einfluss des gigantischen neuen Serienbusiness auf den Buchmarkt - mit unverhofften, aber nicht immer typischen Glücksfällen: "Dass Buchverlage in diesen Dimensionen nicht mehr mitgestaltend beteiligt sind, sondern zum Glied unter vielen Dienstleistern in einer weit verästelten Wertschöpfungskette werden, die andere steuern, ist evident. Bei Elena Ferrante kam das Glück der erheblichen Mehreinnahmen inklusive einer beratenden Rolle bei der Verfilmung ausgerechnet einem Doppelpack aus zwei Kleinverlagen zugute, der italienischen Edizioni E/O und deren amerikanischem Schwesterverlag Europe Editions. Was deutlich macht, dass die neue Welt der Serien nicht alleine zwischen den etablierten Großen ausgemacht wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2018 - Kulturmarkt

(Via turi2) Eine Studie der Universität Sankt Gallen zeigt, wie stark die Marktmacht Amazons unter anderem bei Büchern ist. Das Handelsblatt stellt die Studie vor: "Weltweit setzte das Unternehmen zuletzt schon fast 180 Milliarden Dollar um. In Deutschland waren es nach eigenen Angaben 17 Milliarden Dollar - fast viermal so viel wie die Warenhausketten Karstadt und Kaufhof zusammen. Bei Büchern geht laut der Exklusivstudie fast jeder fünfte Euro über Amazon, bei Elektroartikeln sowie Sport und Freizeit sind es 16 Prozent Marktanteil, bei Baumarkt und Garten vereint Amazon immerhin ein Zehntel des Gesamtmarkts auf sich - wohlgemerkt aller Umsätze, also sowohl online als auch im Laden."
Stichwörter: Amazon, Buchmarkt, Handelsblatt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2018 - Kulturmarkt

Die bei Rowohlt geschasste Barbara Laugwitz wechselt als Verlagsdirektorin zu Ullstein, meldet der Tagesspiegel mit dpa.

Und im Gespräch mit Harry Nutt (Berliner Zeitung) erläutert Nicolai-Verlegerin Christiane zu Salm, wie sie den Neustart des Berliner Traditionsverlag angehen will: "Was wir als Verlag tun können, ist, die Wissenschaft im besten Wortsinn zu popularisieren. Es gibt nun einmal viele gute Gedanken, die noch nicht in der Welt sind. Wenn es uns gelingt, die zu heben, dann ist es mir egal, ob sie wissenschaftlich geprüft sind. Wir betreiben also kein Wissenschafts-scouting, sondern gehen jeweils von einem Thema aus, zu dem wir uns dann fragen, welche Autorinnen und Autoren mit welchem Aspekt in Frage kommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2018 - Kulturmarkt

Zu Beginn der Frankfurter Buchmesse beruhigt Buchmessenchef Juergen Boos in der FR die Verlage: Zwar sei die Zahl der BuchkäuferInnen zurückgegangen, die Umsätze sind es aber nicht, was vor allem den Preissteigerungen zu verdanken ist. "Der Buchhandel ist eine der stabilsten Branchen in der Welt", so Boos. "Bei uns in Deutschland ist eine Sättigung des Buchmarktes eingetreten. Aber wir sehen zugleich Wachstum auf den Buchmärkten in Nordamerika, Südostasien. Wir haben zum ersten Mal wieder einen Gemeinschaftsstand aus Kuba. Es kommen Verlage aus 107 Ländern nach Frankfurt. Und Fachbesucher aus 140 bis 150 Ländern. Das ergibt insgesamt ein differenzierteres Bild." Und auch der Handel mit Rechten wächst: "Wir verzeichnen bei den teilnehmenden Agenten ein Wachstum um 5,6 Prozent."

Der Staat soll kleinen Buchverlagen helfen, fordert Klaus Hillenbrand in der taz: "Kleine Verlage haben die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Die will einen Verlagspreis ausloben. Das ist freundlich, aber es wird absehbar nicht reichen. In einer Zeit, in der die Leser sich um ihre künftigen Bücher sorgen müssen, wäre es angemessen, dass sie auch ihren Verlegern zur Seite stehen - und Subventionen für ihre kleinen, von der Pleite bedrohten Verlage fordern."

Jens Uthoff schildert in einer dazugehörigen Reportage die schwierige Lage der Kleinverlage: "Mit dem Münchener A1 Verlag, dem Stroemfeld Verlag und dem Tübinger Klöpfer & Meyer Verlag sind in letzter Zeit wichtige Kleinverlage eingestellt worden, insolvent geworden oder akut von Insolvenz bedroht." Uthoff weist auch auf mögliche Modelle einer Förderung hin: "In den deutschsprachigen Nachbarländern gibt es bereits Verlagsförderung. In Österreich können kleine Verlage für ihre Frühjahrs- und Herbstprogramme sowie für Marketingkosten Fördergelder von jeweils 10.000 bis 60.000 Euro beantragen." Dirk Knipphals regt im taz-Dossier außerdem an, Lesegruppen zu gründen.

Lothar Müller beobachtet in der SZ, das die Messe zugleich ihre Führungsrolle im Lizenzhandel verliert und sich mehr und mehr wie Leipzig als "Feier" des Buchs präsentiert: "Das Buch wird als Leitmedium inszeniert, weil es diese Position zu verlieren droht. Wer in die Branche hineinhört, stößt auf ein Stimmengewirr, in dem sich Beunruhigung und Beschwichtigung mischen."

Das Dilemma der Verlage angesichts der Digitalisierung, von Amazon und der Smartphones schildert Rüdiger Wischenbart im Perlentaucher: "Für die 'Alten' ist es an solchen Bruchstellen stets dramatisch schwierig, den Spagat zu üben, nämlich mit dem Strategie-Denk- und Management-Kopf energisch das Neue hereinzuholen, und doch gleichzeitig das 'Bestehende' weiterzuführen. Die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Erlöse für die Eigentümer werden immer noch aus dem 'Altgeschäft' finanziert."

Mehr zur Buchmesse in efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2018 - Kulturmarkt

Der Ärger um die Entlasssung der Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz ist noch nicht ausgestanden, meldet die FAZ, der ein neuer offener Brief von Rowohlt-Autoren - darunter Martin Walser - an den Holtzbrinck-Manager Jörg Pfuhl vorliegt: "Sehr geehrter Herr Pfuhl, kaum jemand von uns kannte vor dieser unglücklichen Angelegenheit Ihren Namen. Nun verbindet sich Ihr erstes Erscheinen für uns mit Ignoranz, Intransparenz und Rücksichtslosigkeit. Wir sehen nicht, wie unter diesen Bedingungen Vertrauen hergestellt werden soll."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.09.2018 - Kulturmarkt

Berit Glanz legt in dem Literaturblog 54books.de einen interessanten Essay zum allgemeinen Wehklagen über den Untergang des Stroemfeld Verlags und die "Krise des Lesens" vor. Einerseits weist sie daraufhin, dass die heute untergehenden Formen der Buchkultur ein "relativ junges Phänomen sind, die selbst als Reaktion auf gravierende technische Neuerungen im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind". Andererseits möchte sie dieses Phänomen aber eingehegt und  staatlich gefördert sehen: "Die kleinen und unabhängigen Verlage forderten daher bereits 2017 mit der Düsseldorfer Erklärung eine staatliche Unterstützung ihres Einsatzes für die Kulturlandschaft, eine Unterstützung die in anderen europäischen Ländern übrigens schon zum Standard gehört und auch als politisches Instrument genutzt werden könnte, um eine breitere Zugänglichkeit von Literatur für die Öffentlichkeit zu gewährleisten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2018 - Kulturmarkt

Inge Feltrinelli, geborene Schönthal, die letzte große Verlegerin ihrer Generation, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Welt-Autor Thomas Schmid erzählt ihre glamouröse Karriere, die als VIP-Fotografin (Hemingway auf Kuba!) startete, bis sie nach dem frühen Tod ihres Mannes den Feltrinelli-Verlag übernahm und verlegerischen Mut bewies: "Die neue Verlegerin, die schon zuvor einen strengen Blick auf die Zahlen hatte, tat zweierlei. Sie dünnte den politischen Teil des Verlagsprogramms aus - hielt aber zugleich unbeirrbar daran fest, dass Feltrinelli ein linker Verlag mit Publikumserfolg sein müsse. Vor allem erkannte sie eines sehr früh: Verlage, die nur Bücher akquirieren, lektorieren, drucken und verkaufen lassen, haben keine große Zukunft mehr. Deswegen baut sie mit robuster Entschlossenheit die Buchhandelskette Feltrinelli auf, die in jeder größeren Stadt Italiens Filialen hat."

In der SZ erinnert sich Michael Krüger ("Als ich sie vor über vierzig Jahren kennenlernte, war sie die schrillste und schönste Frau auf der Frankfurter Buchmesse"). Im Tagesspiegel schreibt Gregor Dotzauer.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2018 - Kulturmarkt

Noch ein Artikel zur Entlassung der Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz. Welt-Autorin Mara Delius konnte sogar mit dem Holtzbrinck-Manager Jörg Pfuhl sprechen Aber ob nun Florian Illies die freundliche und weltgewandte Fassade vor einer im Hintergrund betriebenen "Bertelsmannisierung" der Holtzbrinck-Verlage ist, kriegt auch Mara Delius in ihrer Recherche nicht ganz erhärtet. Klar ist aber, dass die viel beschworene "Krise des Lesens" die Branche umtreibt: "'Erfolgreich gibt es nicht mehr, es gibt nur noch einzelne Erfolge', sagt ein Verleger. Ein einziger Bestseller sei oft der seidene Faden, an dem der Erfolg eines Verlags hängt, nicht mehr wie früher ein breiteres Angebot, das auch mal umsatzschwache Bücher aushalten konnte 'Es brennt sofort die Luft.' Es sei 'dramatisch', sagt ein anderer. Dass Zahlen vergleichsweise 'gut' sind, wie unter Laugwitz, genügt nicht; gut ist nicht mehr gut genug. Die 6,4 Millionen Buchkäufer, die laut einer vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Auftrag gegebenen Studie dem Markt in den letzten fünf Jahren weggebrochen sind, machen sich bemerkbar."