9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

335 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 34

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2018 - Kulturmarkt

"Unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg" hätten zur Trennung von Rowohlt-Verlegerin Barabra Laugwitz geführt, hatte der Holtzbrinck Verlag in einer dürren Pressemitteilung geschrieben, die der Branche nun Rätsel aufgibt. Florian Illies soll jetzt das freundliche Gesicht des Rowohlt Verlags sein. Und Michael Angele stellt beim Freitag Fragen zu Laugwitz' schnöder Kündigung: "Vielleicht kam sie mit dem in der Rowohlt-Pressemitteilung genannten kaufmännischen Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff oder dem Marketinggeschäftsführer Jürgen Welte nicht klar? Das könnte sich dann toxisch verbunden haben mit dem 'weiteren Weg', den Laugwitz nicht gehen wollte. Diesen Weg können eigentlich qua Funktion nur Stefan von Holtzbrinck und Jörg Pfuhl bestimmt haben... Und was bedeutete es, dass Pfuhl 2016 zu Holtzbrinck aus der Geschäftsführung der Random-House-Gruppe kam, die er reformiert hatte? Droht die Bertelsmannisierung des Konzerns?"

Die taz berichtet außerdem über einen offenen Brief von Rowohlt-AutorInnen, die die die Entlassung Laugwitz' kritisieren. Unterschrieben haben Katharina Adler, Patrick Bauer, Giulia Becker, Frau Freitag, Lucy Fricke, Jens Friebe, Nora Gantenbrink, Lena Gorelik, Leonhard Horowski, Sebastian Janata, Frl. Krise, Inger-Maria Mahlke, Thomas Melle, Bodo Mrozek, Matthias Nawrat, Till Raether, Eugen Ruge, Florian Schroeder, Nis-Momme Stockmann, Margarete Stokowski, Heinz Strunk und David Wagner.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2018 - Kulturmarkt

Viele Autoren des Rowohlt-Verlags zeigen sich über den sang- und klanglosen Rauswurf der Verlegerin Barbara Laugwitz entsetzt, meldet Julia Encke in der Sonntags-FAZ. Zu den Autoren, die sich äußern, gehören Paul Auster, Eckhart von Hirschhausen, Siri Hustvedt und Elfriede Jelinek. "Auf Nachfrage dieser Zeitung, ob dieser jähe Wechsel der Unternehmenskultur eines hochangesehenen Autorenverlags nicht widerspreche und die Kündigung im Zusammenhang mit einer größeren Umstrukturierung der Holtzbrinck- Buchverlage stehe, antwortete Joerg Pfuhl, CEO der Holtzbrinck-Buchverlage, dass er 'derzeit nichts über die Pressemitteilung hinaus kommunizieren' könne."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2018 - Kulturmarkt

Claus-Jürgen Göpfert trifft für die FR den Verleger KD Wolff, dessen Stroemfeld-Verlag, bekannt für kritische Dichterausgaben, Insolvenz anmelden muss - "Wolff brummt: 'Die Bibliotheken sind weggebrochen.' Die öffentlichen Bibliotheken in Deutschland, früher feste Abnehmer der Bücher, seien immer weniger interessiert. Die Auflagen schrumpften parallel immer mehr. 'Von dem letzten Band Kafka haben wir noch 1.200 Stück gedruckt', sagt der Verleger."
Stichwörter: Wolff, Kd, Stroemfeld Verlag

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.09.2018 - Kulturmarkt

Der ehrwürdige Stroemfeld-Verlag, bekannt für seine historisch-kritischen Ausgaben von Hölderlin bis Kafka, musste Insolvenz anmelden, berichtet Jürgen Kaube in der FAZ. Schuld sind laut Kaube die Bibliotheken, die wegen der Digitalisierung nicht mehr so viele Exemplare dieser teuren Bände kaufen. (Was Verlage wie Elsevier nicht abhält, Umsatzrenditen von 30 Prozent zu erzielen.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2018 - Kulturmarkt

(Via turi2) In der arrangierten Unordnung früherer Abbildungen in Ikea-Katalogen fanden sich stets auch eine Menge Bücher, beobachtet buchreport.de in einer viel wahrgenommen kleinen Vignette: "Geht es dagegen nach dem in diesen Tagen an circa 25 Millionen deutsche Haushalte verteilten 300-Seiten-Katalog 2019, spielen Bücher nur noch eine marginale Rolle. Statt der bunten Bücherregale früherer Jahre finden sich meist nur noch in schwarzen oder weißen Umschlägen neutral gewandete Einzelstücke als marginale Accessoires. Zahlreiche der abgebildeten und explizit als 'Bücherregal' bezeichneten Möbel enthalten Wollknäuel, Geschirr und andere Haushaltsgegenstände, aber kein einziges Buch."
Stichwörter: Krise des Lesens, Ikea, Möbel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2018 - Kulturmarkt

Florian Illies wird neuer Rowohlt-Verleger und will laut Spiegel Online "Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen." Die Feuilletons träumen gleich mit: Illies, aktuell Chef des Auktionshauses Griesebach und Zeit-Herausgeber, verheiße Aufbruchsstimmung für die angeschlagene Buchbranche, glauben etwa Mara Delius in der Welt und Volker Weidermann bei Spiegel Online.

In  der SZ ist Felix Stephan allerdings skeptisch: "Die Ära der großen Verlegerpersönlichkeiten, die inhaltlich stringente und erfolgreiche Programme entwickeln, andererseits aber in der Öffentlichkeit als Kommentatoren, Gastgeber und Stichwortgeber auftreten, Debatten prägen und einem Verlag buchstäblich ein Gesicht geben, neigt sich dem Ende zu." Außerdem meint er: "Die Frage wird sein, ob es erstens überhaupt an den fehlenden Verlegerpersönlichkeiten liegt, dass die Zielgruppe für Buchverlage kleiner wird, schließlich mussten weder Unseld noch Krüger je mit Facebook, Instagram und Twitch um die Aufmerksamkeitsbudget konkurrieren. Und ob die bewährte Illies-Formel, die im unbeschwerten, zuversichtlichen Materialismus der Neunziger- und Nullerjahre alles abgeräumt hat, auch in der refundamentalisierten Gegenwart verfängt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2018 - Kulturmarkt

Reine E-Book-Verlage haben sich in Deuschland nicht durchsetzen können, meldet Nils Kahlefendt, der sich für den Buchreport mit einigen Pionieren der Szene unterhalten hat. "Noch vor fünf, sechs Jahren klang das anders. Da gab es die Hoffnung, dass die neuen Möglichkeiten des Digitalen die Literaturlandschaft insgesamt breiter, bunter, experimenteller machen könnten. Eingetreten ist eher das Gegenteil: die Zuspitzung auf Bestseller, die Fokussierung auf genregetriebene Umsätze. Digitale Experimente? Eher Fehlanzeige. Dass sich die Programmanteile also in Richtung Print verschoben haben, wundert nicht, auch wenn aktuelle, schnelle Titel noch immer 'E-only' produziert werden." Der Rest, inklusive der nicht mehr lesenden Leser, ist dann wohl bei Netflix.
Stichwörter: E-Book-Verlage, E-Books, Netflix

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2018 - Kulturmarkt

Es gibt immer weniger Buchkäufer, warnte der Börsenverein des deutschen Buchhandels vor kurzem. Das stimmt nicht ganz, erklärt Bernd Graff heute im Aufmacher des SZ-Feuilletons. Nicht mitgezählt wurden vom Börsenverein die Käufer von Self-Publishing-Titeln: "2017 schüttete Amazon 220 Millionen US-Dollar an Tantiemen für seine Autoren aus, fast eine Viertelmilliarde, im Juni 2018 allein waren es 22 Millionen." Für die Autoren ist das Self Publishing inzwischen äußerst verlockend. Eine Umfrage des "Deutschen Selfpublisher-Verbandes" vom Juli 2018 ergab laut Graff, dass an die 40 Prozent der Verfasser "mit Werken aus dem Eigenverlag mehr verdienen als in der Obhut von Verlagen, über 80 Prozent erklärten, sie würden sich ja wirklich gern auf Verlage einlassen, wenn die Bedingungen, kurz: das Geld stimmen würde. Die Amazon-Bindung sieht branchenführende Autoren-Tantiemen von bis zu 70 Prozent für eBooks vor und bis zu 60 Prozent für Taschenbücher, falls die Ebooks doch irgendwann mal gedruckt werden sollten. Das kann kein Verlag bieten." Die Käufer wiederum lieben die Tatsache, dass diese Bücher keiner Buchpreisbindung unterliegen und sehr viel günstiger sind als die Ebooks der Verlage.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2018 - Kulturmarkt

Auch wenn man nicht ganz sicher sein, dass sich dieser Trend schon in deutschen Verlagskatalogen für den Herbst widerspiegelt: Der Trend geht in diesen wilden Zeiten zum durchaus seriösen und schwerwiegenden Sachbuch, behauptet Alex Preston im Guardian. Größtes Symptom sei der exorbitante Erfolg der Bücher von Yuval Noah Harari, besonders von dessen Titel "Sapiens", der sich noch nach Jahren in rauen Mengen verkaufe: "Es war ein Branchenblatt, der Bookseller, das zuerst den Aufstieg der sogenannten 'Brainy Backlist' feststellte. Das Blatt verzeichnete zugleich einen Rückgang der Verkäufe von Büchern, die ein solche Renner der Verlagskataloge waren - Promi-Biografien. Wir wenden uns ab von glitzernden, aber wegwerfbaren Geschichten über Ruhm und Überfluss und hin zu ernsteren, nachdenklicheren, ruhigeren Büchern, die uns helfen, unseren Platz in der Welt zu verstehen."
Stichwörter: Buchmarkt, Harari, Yuval Noah

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2018 - Kulturmarkt

Die Verlage starren auf die sinkenden Verkaufszahlen wie das Kaninchen auf die Schlange. Zeit zu handeln und neue Formate zu entwickeln, meint Rüdiger Wischenbart im Wiener Standard: "Neue Kundengruppen wurden kaum angepeilt. Wo blieben die tollen Angebote aus Verlagen seit 2015, die den Spracherwerb von Migranten unterstützen? Oder: Wo finden Zeitgenossen abseits des deutsch-muttersprachlichen Mainstreams, abseits der gebildeten, urbanen Mittelschicht, von den Ex-Pat-Berufstätigen in der Donau-City bis zu Zuwanderergruppen und gesellschaftlichen Minderheiten ein attraktives Bücherangebot, dort wo ihr Alltag jeweils stattfindet? Gut betreute Buchhandlungen wie die von Petra Hartlieb zeigen, wie das geht."