9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2017 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel hält Christiane Peitz fest, dass die Intendanten des Humboldt-Forums die Kritik der Kunsthistorikerinn Bénédicte Savoy zurückweisen, die frustriert aus dem Beirat ausgeschieden ist (unser Resümee).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2017 - Kulturpolitik

"Das Humboldt-Forum ist wie Tschernobyl", meint die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy, die den Expertenbeirat des Humboldt-Forums kürzlich verließ, im SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel. Sie vermisst eine Aufklärung der Provenienzen, außerdem habe sich das Gremium seit 2015 nur zwei mal getroffen: "Ich war erleichtert und hoffnungsvoll, als Neil MacGregor kam. Doch kaum war er berufen, war klar, dass dieselben Institutionen weitermachen, die es in den zehn Jahren davor nicht hinbekommen hatten. Auch ein MacGregor kam nicht an gegen die Schwerfälligkeit dieser Institutionen. Wie schon zuvor fehlt es an Transparenz, Teamgeist, Verantwortung. Selbst mit politischem Willen, viel Geld und einem guten Kopf hat so ein Projekt keine Chance."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2017 - Kulturpolitik

Das (weitgehend von staatlichen Stellen finanzierte) Luther-Jahr ist bisher ein gewaltiger Flop, Besucherzahlen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, schreibt Ralph Bollmann im Wirtschaftsteil der Sonntags-FAZ: "Der Münchener Theologe Friedrich Wilhelm Graf glaubt, dass die Kirche ihre Anziehungskraft im Jubiläumsjahr überschätzt hat. 'Die sprudelnden Kirchensteuern bilden nicht ab, wie stark die tatsächliche Bindung an die Kirchen abnimmt', sagte er. 'Das sagt etwas über die Schwäche des kirchlichen Protestantismus in Deutschland aus.' Niemand fahre eigens ins abgelegene Wittenberg, um sich auf einer Wiese einen unbekannten Prediger aus der Dritten Welt anzuhören. 'Ich kann nicht erkennen, was die Kirche mit dem Reformationsjubiläum eigentlich will.'"

Außerdem: In der taz berichtet Ronald Berg über eine Diskussion zur Zukunft des Museumsstandorts Dahlem, für den es nach dem beschlossenen Umzug der ethnologischen Sammlungen ins Humboldt-forum noch kein Konzept gibt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2017 - Kulturpolitik

Der Umbau von Oper und Schauspiel Frankfurt, eines wunderbar leichten, klassisch modernen Baus, wird von einem Gutachten des Architekten Jörg Friedrich auf 900 Millionen Euro veranschlagt. Die Empörung ist groß. Aber das Gutachten ist  nur ehrlich, schreibt Niklas Maak in der FAZ: "Das Gutachten ist erschreckend genau und gründlich, und zeigt deutlich, welch ein osterinselhafter Anspruchs- und Verordnungswahnsinn das öffentliche Bauen fast unmöglich macht. Darüber - und nicht über den Standort am Willy-Brandt-Platz, der als kulturelles Zentrum wichtig ist und nicht zugunsten einer Verödung durch weitere Bürotürme lahmgelegt werden darf - muss jetzt geredet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2017 - Kulturpolitik

Vor dem Hintergrund der resolut abgewürgten Debatte um das Kuppelkreuz auf dem Berliner Stadtschloss klingen die Beteuerungen in Neil MacGregors (im Tagesspiegel abgedruckter) Festrede zum 250. Geburtstag von Wilhelm von Humboldt nicht so recht überzeugend: "Die Dissonanz zwischen Form und Inhalt soll provozieren, soll zu einer Dynamik des Widerspruchs führen und Debatten aller Arten ans Haus ziehen... Die Tatsache, dass es im Humboldt Forum um drei rekonstruierte Fassaden und eine moderne geht, soll den Blick der Besucher und die öffentlichen Debatten schärfen. Die Mischung aus Neubau und historischer Rekonstruktion zeugt von der Zerbrechlichkeit einer Kultur und einer Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2017 - Kulturpolitik

Amen: Das Kreuz kommt auf die Kuppel des neuen Berliner Stadtschlosses, meldet der Tagesspiegel.

Im Interview mit der NZZ erklärt Pawel Machcewicz, mittlerweile von der PiS-Regierung entlassener Gründungsdirektor des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs, was die Nationalkonservativen gegen das Museum haben: "Wir wurden beschuldigt, die polnische Geschichte zu marginalisieren zugunsten eines supranationalen Ansatzes. Donald Tusk wolle sich damit nur Deutschland und der EU andienen. Der Hauptvorwurf war also, die Ausstellung sei zu kosmopolitisch, zu universalistisch. Der zweithäufigste Vorwurf war, dass unser Museum 'pazifistisch' sei. Es käme zu wenig Militärgeschichte darin vor, zu wenig Heroismus. Der Krieg könne auch eine positive Erfahrung sein, die den Charakter forme."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2017 - Kulturpolitik

Der Streit über das Kreuz auf dem Humboldt-Forum greift zu kurz, meint  Philipp Oswalt, ehemaliger  Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau, im Tagesspiegel. Das Schloss leide vor allem an einem politisch gewollten krassen Widerspruch von Form und Inhalt. Oswalt geißelt eine "Strategie der Political Correctness", die zugleich neokolonial sei: "Die außereuropäischen Sammlungen werden instrumentalisiert, um die Errichtung der Schlossfassaden opportun werden zu lassen. Um das Label 'außereuropäisch' zu erlangen, werden die europäischen Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum herausgelöst und ausgesperrt. Statt also einem Dialog auf Augenhöhe thront jetzt das christliche Abendland in Form eines Kreuzes über den außereuropäischen Sammlungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2017 - Kulturpolitik

Eva Quistorp greift auf achgut.de  in die Debatte um das Kreuz auf dem Berliner Humboldt-Forum der Weltkulturen ein und beklagt, "dass es unerträglich absurde Doppelstandards in der Religionskritik und in der Symbolkritik gibt, wenn man etwa erlebt, mit welcher Verve die Linkspartei, die Grünen und leider auch Teile der SPD und der CDU für das Kopftuch eintreten, als sei es ein Symbol der Befreiung der Frau und als sei es von einem nicht vorhandenen islamischen Papst verordnet worden, den man respektieren muss."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2017 - Kulturpolitik

In Berlin werden derzeit mehrere Straßen im afrikanischen Viertel im Wedding umbenannt. Der Grund: Die Rolle der Namensgeber während des deutschen Kolonialismus. Nun soll jedoch eine der Straßen ausgerechnet den Namen einer afrikanischen Königin tragen, die selbst mit Sklaven gehandelt hat (mehr hier). In der Berliner Zeitung ärgert sich Christian Seidl über das ganze Verfahren, das die Vorschläge der Anwohner ignoriert: "Um den Skandal auszusprechen: Man wickelt in Berlin das Erbe des Kolonialismus ab, indem man sich der Mittel des Kolonialismus bedient:  Fremdbestimmung, Dünkel, Vermessenheit, Ignoranz. Die Tupinambá  konnten sich damals nicht wehren. Die Menschen im Wedding sollten es tun."

Weiteres: In der Berliner Zeitung erzählt Andreas Förster die Geschichte des von den Nazis verfemten und in der DDR enteigneten Künstlers Albert Schaefer-Ast.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.06.2017 - Kulturpolitik

Durchaus reizvoll findet Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rats der Evangelischen Kirche, im Tagesspiegel die Idee, dem Kreuz auf der Kuppel des Humboldt-Forums die ursprünglich am Palast der Republik ausgestellte "ZWEIFEL"-Installation des norwegischen Künstlers Lars Ø Ramberg gegenüberzustellen: "Nach evangelischem Verständnis ist der Zweifel nicht das Gegenteil des Glaubens, sondern sein Bruder. Weithin sichtbare Kreuze sind in Deutschland längst keine Herrschaftszeichen mehr, vor denen man sich selbst fürchten oder eingeschüchterte Menschen schützen müsste, sondern Anstöße, ernsthaft und differenziert über die eigene Geschichte und religiös-kulturelle Identität nachzudenken. Laizistischer Waschzwang ist dabei eher hinderlich."