Christoph Schmidt-Lunau
schildert in der
taz die blockierte Lage am maroden Gebäudekomplex von
Schauspiel,
Oper und
Kammerspiel Frankfurt, wo die Sanierungskosten exorbitant hoch veranschlagt werden: "Die FDP hat vorgeschlagen, den Neubau durch einen privaten Investor bauen zu lassen, der im Gegenzug an diesem attraktiven Standort in einem
Wolkenkratzer lukrative Gewerbe- und Wohnflächen schaffen könnte. Die wichtigste Kulturinstitution der Stadt im Basement eines privaten Towers? Das ist für die Mehrheit im Frankfurter Römer unvorstellbar. Dass die Stadtparlamentarier allerdings
fast eine Milliarde Euro für Oper und Schauspiel freigeben, scheint ebenso ausgeschlossen."
Ziemlich schwere Vorwürfe macht der Historiker
Jürgen Zimmerer in der
FAZ den Intendanten des
Humboldt-Forums - und stelt sich dabei voll und ganz auf die Seite der Kunsthistorikerin
Bénédicte Savoy, die das Humboldt-Forum wegen der Herkunft mancher künftiger Exponate aus dem Kolonialismus als eine Art Tschernobyl bezeichnet hatte (unsere
Resümees). Auch Zimmerer beklagt die angebliche Taubheit der Institution in dieser Frage: "Wo Offenheit und Innovation gefragt wären, wird
laviert und heruntergespielt. Die Verantwortlichen für das größte kulturpolitische Projekt Europas haben keine Idee, wie es den zentralen Geburtsfehler des Projekts, seinen
kolonialen Kern, wenn schon nicht korrigieren, dann wenigstens produktiv nutzen könnte. Und es ist noch nicht einmal sicher, dass die Leitung des Forums dieses Problem überhaupt in seiner Tragweite erkennt." Besonders kritisiert Zimmerer, dass die Sammlungen der
europäischen Ethnologie nicht ins Humboldt-Forum aufgenommen werden. Dadurch werde es "noch stärker in die koloniale Tradition der Völkerkundemuseen" gerückt.
Das dänische
Aarhus ist europäische Kulturhauptstadt 2017. Peter Urban-Halle hat die Stadt für die
NZZ besucht und eine Reihe Autoren getroffen, darunter den Dichter
Peter Laugesen, dessen Lyrik von der amerikanischen Beat-Generation beeinflusst sei. Sie "ist scheinbar einfach, manche nennen sie Antipoesie, andere Improvisation. Seiner Stadt hat er ein wundervolles, sehr persönliches Porträt gewidmet. Im Kapitel über das Quartier Latin von Aarhus, wo er gleich hinterm Dom die altehrwürdige Kathedralschule in der Meijlgade besucht hat, versichert er übrigens, dass die Stadt auf drei Säulen stehe:
Kunst,
Gelehrtheit und Sünde."