9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2016 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel staunt Christiane Peitz über den neuen Kultursenator Klaus Lederer, der für viele Interviews Zeit findet, aber nicht für einen Termin für die wichtigste Personalie im Kulturleben der Stadt: "'Mit Chris Dercon sind wir auf Terminsuche', sagt Lederer am Montag in seinem weiträumigen Büro in der Brunnenstraße. Er sagt es nicht zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt am 8. Dezember. Seltsam, wo Dercon doch in der Stadt weilt..."
Stichwörter: Dercon, Chris, Lederer, Klaus, Led

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2016 - Kulturpolitik

Im SZ-Interview mit Peter Laudenbach kündigt Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer an, Gehälter von Intendanten, Museumsleitern und Generalmusikdirektoren öffentlich zu machen - wie es auch schon bei Leitern landeseigener Unternehmen geschieht, bei den verkehrbetrieben oder der Stadtreinigung: "Spitzenleistungen müssen gut bezahlt werden. Schwierig wird es, wenn das Verhältnis zwischen den Spitzengehältern und den Einkommen anderer Mitarbeiter an einem Haus aus der Balance gerät. Techniker an öffentlich getragenen Theatern sind in der Regel gut abgesichert. Das gilt nicht immer für das künstlerische Personal, etwa wenn Künstler nur mit Stückverträgen beschäftigt werden. In der Freien Szene sehen wir eine fast schon systematische Selbstausbeutung. Auch innerhalb von Kultureinrichtungen auf Balance, auch soziale Gerechtigkeit zu achten, ist mir wichtig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2016 - Kulturpolitik

Die Sammlung Gurlitt kommt nun endgültig nach Bern. 'Aber die Raubkunstdebatte ist damit nicht beendet, schreiben Jörg Häntzschel und Catrin Lorch in der SZ: "Wie bedeutend der Fall für die Debatte war, darin sind sich alle einig: 'Erst durch den Fall Gurlitt ist die Öffentlichkeit auf diese ungeheuer wichtige und ebenso schwierige Aufgabe aufmerksam geworden, die unsere Museen leisten und noch leisten müssen', sagt Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2016 - Kulturpolitik

Enttäuscht kommt Mark Siemons von der Pressekonferenz, auf der das Programm des Humboldt-Forums vorgestellt wurde. Wo sind die großen Pläne hin, die eigene Kultur durch fremde Kulturen hinterfragen zu lassen? Der große Anspruch, klagt er in der FAS, ist "erfolgreich auf die übliche Mischung aus Volkshochschule und Völkerkundemuseum zusammengeschnurrt, einem modernen, populären und demokratischen Museum freilich. Die erste prototypische Ausstellung läuft auf Müllentsorgung hinaus, die kommenden sollen sich mit Themen wie Kinderschutz, Flüchtlingsbewegungen und Geldwirtschaft beschäftigen. Das Fremde scheint bloß mehr die Rolle zu spielen, das aktuelle westliche Problembewusstsein zu illustrieren."
Stichwörter: Humboldt Forum, Kinderschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2016 - Kulturpolitik

In der taz berichtet Susanne Messmer über ein Gespräch, das die Alexander-von-Humboldt-Biografin Andrea Wulf mit Neil MacGregor geführt hat, der seine Konzeption des Humboldt-Forums vom Namensgeber ableitet: "Humboldt ist nicht nur der Namensgeber, sondern eine Inspiration, ein Kompass für sein Projekt. Wie bei Humboldt wird es hier darum gehen, erstens Kontexte herzustellen, zweitens über alle Disziplinen hinweg zu denken - und drittens zu demokratisieren, also auch Menschen ins Boot zu holen, die sonst schon bei der Vorstellung, ein Museum zu betreten, zum großen Gähnen ansetzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2016 - Kulturpolitik

Hanns-Georg Rodek freut sich in der Welt, dass die EU nun ein Instrument geschaffen hat, um verbotene Wirtschaftsförderung von erwünschter Kulturförderung zu unterscheiden, in der die Nationalstaaten frei bleiben: "Maßgeblich für die Beantwortung der Frage 'Beihilfe oder nicht?' ist künftig der Anteil der öffentlichen Finanzierung von Kulturprojekten. Beträgt dessen Anteil 50 Prozent oder mehr, liegt automatisch keine Beihilfe vor. Die regional wirkenden Kulturförderungen sind ebenfalls von einer Anwendung des EU-Beihilferechts ausgenommen."

Mit Vehemenz setzt sich Jan Brachmann in der FAZ für die bedrohten Kulturinstitutionen in Vorpommern ein: Ja, "in Vorpommern gibt es engagierte, demokratiefähige Bürger, die lieben tatsächlich ihre Oper, ihr Ballett, ihr Theater, das seit 1994 die Spielstätten Greifswald, Stralsund, Putbus umfasst; und das Theater liebt sie. Beim Premierenapplaus nach Richard Wagners 'Tannhäuser' fliegt in Stralsund eine rote Rose über den Orchestergraben - von der Bühne ins Parkett. Sie sagt: 'Danke, dass ihr da seid und für uns kämpft.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2016 - Kulturpolitik

Patrick Bahners schildert im FAZ-Feuilleton-Aufmacher die Schwierigkeiten der Provenienzforschung in München - die unter anderem im prekären, auf Werkverträgen basierenden Status der Provenienzfiorscher beruhen: "Als belastend empfinden sie die Diskrepanz zwischen diesem unsicheren Status und dem Gefühl, dass ihre Auftraggeber von ihnen eine salomonische Weisheit erwarten, die den Direktoren und Ministern die schweren Entscheidungen abnimmt."
Stichwörter: München, Provenienzforschung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2016 - Kulturpolitik

In der FAZ kann der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan nur darüber spekulieren, was die iranische Regierung davon abhält, die Farah-Diba-Sammlung in Berlin zu zeigen (mehr dazu hier): Fürchtet sie Ansprüche der alten Schah-Familie? Fehlen wichtige Werke? Er empfiehlt gepflegt-diplomatischen Austausch mit dem Herrn Außenminister: "Nicht, dass der Eindruck entsteht, Herr Zarif zähle zu jenen Fundamentalisten, die keine Krawatte tragen, keinen Wein trinken und Frauen nicht die Hand geben. Dieser Eindruck ist falsch. Herr Zarif hat in den Vereinigten Staaten studiert, bis vor Kurzem Zigarren geraucht, und seine Kinder hatten Musikunterricht (im iranischen Fernsehen ist das Zeigen von Musikinstrumenten verboten); er nutzt soziale Netzwerke (Facebook wird in Iran gefiltert); er trägt von einem Schneider in New York angefertigte Maßhemden und hat sogar sein eigenes Label."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.11.2016 - Kulturpolitik

Sehr umstritten ist in Berlin die Idee der Linkspartei, die Gehälter der Intendanten und höchster Kulturfunktionäre offenzulegen.  Barbara Möller findet sie in der Welt mit Blick auf Leipzig nicht so abwegig. Dort stellte sich heraus, dass GMD Riccardo Chailly nicht nur ein schönes Gehalt bekam, sondern auch noch einen Bonus, falls er tatsächlich dirigierte: "Andererseits ist diese Unsitte an den großen Staatstheatern ja schon vor Jahrzehnten eingerissen: Da zahlen sich Regisseure, die es auf Intendantenstühle geschafft haben, Honorare für ihre Inszenierungen aus. Oliver Reese, zum Beispiel, verdient in Frankfurt nach Recherchen der Frankfurter Rundschau 230.000 Euro und darf sich für zwei eigene Inszenierungen zusätzlich 50.000 Euro genehmigen."

Außerdem: Joseph Croitoru versucht in der FAZ, eine erste Bilanz der in der Stadt Nimrud, die jetzt vom Islamischen Staat aufgegeben wurde, zum Teil zerstörten assyrischen Denkmäler zu ziehen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2016 - Kulturpolitik

Im Gespräch mit Patrick Bahners und Julia Voss von der FAZ verteidigt Bernhard Maaz von den Münchner Pinakotheken die Raubkunst-Provenienzforschung in seinen Museen, die er mit dem Daphne-Projekt der Sammlungen in Dresden vergleicht: "Dresden hat mehr als 1,5 Millionen Objekte, München hat 25.000 Gemälde und 12.000 Fotografien. Dazu muss man die Personalzahlen in Beziehung setzen. Wir sind das deutsche Museum, das in der Provenienzforschung neben Dresden die meiste Manpower aktiv eingesetzt hat. Daphne ist auch ein Gesamtinventarisationsprogramm. In München ist seit 2008 Andrea Bambi als Provenienzforscherin tätig. Außerdem haben wir jetzt drei weitere Personen für Provenienzen und Sammlungsgeschichte. Und wir werden absehbar eine weitere Stelle aufstocken."

Weiteres: In der Berliner Zeitung begrüßt Nikolaus Bernau die Berufung von Raphael Gross zum neuen Direktor des deutschen Historischen Museums in Berlin (mehr in unserem 9Punkt vom Samstag).