9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2294 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2025 - Medien

Im großen Welt-Interview mit Christian Meier holt der Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen Philipp Peyman Engel zum Rundumschlag gegen den deutschen Medienbetrieb aus: Wo war die große Berichterstattung über die deutsch-israelische Familie Bibas (unser Resümee)? Engel attestiert dem Großteil des deutschen Medienbetriebs, dass dieser nicht auf der Grundlage von Fakten, sondern auf der Grundlage von persönlicher Einstellung Israel gegenüber berichterstatte. "Ich stehe im regen Kontakt mit Journalisten der genannten Medien, die immer wieder ziemlich frustriert von ihren Versuchen berichten, fair über Israel zu schreiben. Redaktionen sind ja zum Glück nie homogen, es gibt auch hier eine Bandbreite an Positionen, selbst beim israelfeindlichen Spiegel. Und nicht wenige Kollegen würden in der Tat gern berichten, dass es beispielsweise nicht Israel ist, das ein Geiselabkommen immer wieder verhindert hat, sondern - wen mag das überraschen - die Terrororganisation, die ihre Morde an Frauen, Kindern, Familienvätern und Holocaust-Überlebenden live im Netz gestreamt haben. Und diese Kollegen erzählen mir dann, dass sie mit dieser Position in ihrer Redaktion kein Bein auf den Boden bekommen."

Der taz-Journalist Nicholas Potter, der viel zu den Themen Antisemitismus und zur antiisraelischen Szene recherchiert, ist seit Monaten einer Rufmord-Kampagne und extremen Anfeindungen ausgesetzt, berichtet die Welt. In der Jüdischen Allgemeinen äußert sich der Zentralrat der Juden zu dem Fall: "'Der Fall Nicholas Potter muss eine Warnung sein, dass radikale Gruppen unsere Medienöffentlichkeit unterlaufen wollen', erklärte ein Sprecher des Zentralrats. Er betont: 'Wir haben Potter als einen mutigen Journalisten kennengelernt, der stets an der Wahrheit einer Geschichte interessiert ist. Wer ihn bedroht und diffamiert, der hat keine Argumente. Wir dürfen das als Gesellschaft nicht zulassen."

Die Angriffe auf Journalisten häufen sich, halten die Pressereferentinnen von "Reporter ohne Grenzen", Katharina Viktoria Weiß und Christopher Resch in der taz fest. 2024 gab es hundert gemeldete Angriffe auf Reporter, fünfzig davon bei propalästinensischen Demonstrationen: "Die dju (Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union) nutzt eine leicht andere Technik bei der Zählung als wir bei Reporter ohne Grenzen. Aber auch wir beobachten, dass für 2024 Übergriffe rund um Nahost-Demonstrationen die aktuell größte Gruppe darstellen und damit zum ersten Mal seit langer Zeit Übergriffe rund um Rechts-außen-Demonstrationen und Versammlungen abgelöst haben. Es ist allerdings wichtig, zu erwähnen, dass sich die meisten der Fälle, von denen wir bei Reporter ohne Grenzen erfahren haben, auf die Metropolregion Berlin konzentrieren. Hier sind viele Medienschaffende sehr gut mit Pressefreiheitsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen oder der DJU vernetzt. Das heißt, es gibt ein riesengroßes Dunkelfeld."

Der zweite Anschlag in Mannheim, bei dem der Täter ein Deutscher und Rechtsextremist war, hat weit weniger mediale Berichterstattung nach sich gezogen, als die vorigen Anschläge, in denen es sich um Männer mit Migrationshintergrund handelte, schreibt Sonja Zekri in der SZ. Können sich Medien nicht diesem Muster entziehen? "Der Dynamik der sozialen Medien, dem atemlosen Taumel durch echte und falsche Informationen, Rede und Gegenrede, Jubel und Absturz kann sich kein Sender, keine Zeitung ganz entziehen. Sie ist Gift für alle Differenzierungsbemühungen. Versuchen muss man es trotzdem, zumal sich die Frage der Grenzsicherung und der tödlichen Bedrohung gerade auf ganz andere und bestimmt nicht weniger beunruhigende Weise stellt. Wer die Liste tödlicher Anschläge um Hanau und Halle erweitert, um den Mord an Walter Lübcke und die Morde des NSU, wer in Rechnung zieht, dass die Zahl rechtsextremer Gewalttaten steigt und steigt, der entdeckt möglicherweise ein anderes Ordnungsmuster: jenes von Menschen, die in diesem Land friedlich zusammenleben möchten, und ihren Feinden."

Bei Spon erklärt der Bildhistoriker Markus Wurzer, was die von der Trump-Regierung angeordnete Löschung von 26.000 Bildern aus den Archiven der amerikanischen Armee bedeutet: "Das ist hochproblematisch. Politische Akteure können mit Bildern Ansprüche durchsetzen. Wenn in den USA im großen Stil Bilder von 'GIs of Color' von den Internetseiten gelöscht werden, könnte zum Beispiel die Illusion entstehen, dass vorwiegend weiße US-Amerikaner an der Befreiung Europas 1944/45 teilgenommen hätten." Die Geschichtswissenschaft sei "darauf angewiesen, dass Institutionen wie die Armee ihre Bildprodukte möglichst umfassend in die öffentlichen Archive geben. Davon hängt ab, welche Fragestellungen wir in der Zukunft bearbeiten können. Sollte der freie Zugang zu Bildern von gesellschaftlichen Minderheiten in der amerikanischen Armee nachhaltig eingeschränkt werden, dann wäre das ein großes Problem für eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Historie, zum Beispiel mit der Kultur- und Geschlechtergeschichte der US-Streitkräfte."

Weiteres: Gerrit Bartels gratuliert dem Perlentaucher im Tagesspiegel zum 25. Geburtstag und würdigt besonders, die im Perlentaucher verfolgte Debatte über Boualem Sansal, "so ausdauernd und intensiv, wie es das kein Feuilleton tut".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.03.2025 - Medien

"Gute Nacht, Demokratie", ruft Martin Andree auf den Medienseiten der FAZ mit Blick auf das Sondierungspapier von CDU und SPD, denn die Abhängigkeit von US-Digitalmedien und Infrastrukturen werde kaum thematisiert. "Wir leben in einer digitalen Besatzungszone", so Andree. Längst "gehöre" den USA "durch ihre oligopolistischen Plattformen unsere politische Öffentlichkeit in der digitalen Sphäre - und das ist nichts weniger als die künftige Grundlage unserer Demokratie. Der Wahlkampf hat gerade gezeigt, dass die USA diese Plattformen einsetzen, um Wahlen für ihre Interessen und politischen 'Partner' (die AfD) zu beeinflussen. Nicht genug damit - es sind dieselben Tech-Unternehmen, die auch die digitalen Infrastrukturen kontrollieren. Das Ausmaß der Abhängigkeit ist schwindelerregend. Riesige Mengen sensibler Daten, aus Unternehmen, Behörden und Verwaltungen, liegen bei den großen US-Cloud-Providern, bei Amazon (AWS), Microsoft (Azure) und Google (GCP). Dieselbe Situation herrscht vor bei Office-Software mit dem Quasi-Monopol von MS Office (Microsoft)."

In der US-amerikanischen Medienlandschaft hat sich ein neuer radikalisierter Mainstream etabliert, hält der Amerikanist Johannes Völz bei SpOn fest: "Ein paar Zahlen genügen, um die Dominanz rechter Medien zu veranschaulichen: Im Februar erreichte Fox News zur besten Sendezeit durchschnittlich rund drei Millionen Zuschauer. Der liberale Gegenspieler MSNBC brachte es auf gut eine Million, CNN lag bei gerade einmal 500.000 Zuschauern. Die Übermacht des konservativen Murdoch-Senders fällt im Vergleich zu den 'neuen Medien' allerdings kaum ins Gewicht. Joe Rogans Podcast mit Donald Trump kurz vor der Präsidentschaftswahl erreichte innerhalb einer Woche allein auf YouTube mehr als 40 Millionen Zuschauer. Als Kamala Harris bei Fox News zum viel beachteten Fernsehinterview antrat, schauten im Vergleich dazu schlappe 8 Millionen zu, auf YouTube kamen noch einmal sechseinhalb Millionen hinzu. Zu den unmittelbaren Abrufzahlen der Podcasts kommen Zweitverwertungen in den sozialen Medien: Amateure wie professionelle Firmen schneiden die oft stundenlangen Interviewsendungen zu kurzen Clips zusammen, damit diese sich im Netz verbreiten. Laut einer Umfrage des Pew Research Center vom vergangenen September nutzen in den USA 78 Prozent der 18- bis 29-Jährigen soziale Medien als Nachrichtenquelle."

Der Journalist Jörg Reichel, der "propalästinensische" Demonstrationen begleitet, ist mehrfach angegriffen worden - jüngst in einem Café außerhalb einer Demonstration. Die "propalästinensischen" Aktivisten merken sich offenbar Gesichter und rufen zu Angriffen auf. "Autoren und Journalisten müssen seit dem 7. Oktober 2023 damit rechnen, dass sie in bestimmten Stadtteilen auf offener Straße angegriffen werden", sagt Reichel im Gespräch mit Imanuel Marcus von der Jüdischen Allgemeinen. "Für Journalisten, die für pro-israelische oder jüdische Publikationen schreiben, ist der Aufenthalt in bestimmten Stadtteilen und bestimmten Cafés mit einem hohen Risiko verbunden. Wir reden hier neben Kreuzberg, Friedrichshain von Neukölln und teilweise vom Wedding. Ich selber bin oft in der Sonnenallee gewesen und habe dort eingekauft. Das würde ich heute nicht mehr tun und bestimmte Teile der Sonnenallee meiden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2025 - Medien

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Stefan Leber prangert im Tagesspiegel eine Rufmordkampagne gegen den Berliner Journalisten Nicholas Potter an, die von der russlandnahen Plattform Red - laut Tagesspiegel-Recherchen eine Nachfolgeplattform von Redfish - gesteuert werde. Potter ist Redakteur bei der taz , schreibt aber auch für die Jüdische Allgemeine, den Guardian und Haaretz und thematisiert unter anderem linken Antisemitismus. Leber hat mehrere Vermutungen über die Gründe der Kampagne: Wahrscheinlich habe Potter "auch sein Buch 'Judenhass Underground' zum Hassobjekt gemacht. Denn die darin enthaltenen Einblicke, auf welche Arten Antisemiten versuchen, in tendenziell linken Subkulturen Fuß zu fassen, hat es so bislang nicht gegeben. Wer es noch nicht gelesen hat: Ich kann das Buch sehr empfehlen. Die Hetzer diffamieren Potter als 'menschenverachtenden Rassisten', wünschen sich, dass er ermordet wird. Ich hoffe, dass sein Arbeitgeber, die taz, Potter nach Kräften unterstützt und dass die Redaktion ihre eigenen Mitarbeiter genauso resolut gegen Extremisten verteidigt, wie es meine tut."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2025 - Medien

Wie komplett vergiftet die Debatte in Frankreich ist, kann man dem Le-Monde-Artikel von Ariane Chemin et Ivanne Trippenbach über die "Bollosphère" entnehmen, das heißt das Medienimperium des rechtsextremen, katholisch-fundamentalistischen Milliardärs Vincent Bolloré. Zu diesen Medien gehören ehemals ehrenwerte Häuser wie etwa die Sontagszeitung Journal du Dimanche und der "Info"-Sender CNews. Die Medien sind jetzt auf ganzer Trump- und Putin-Linie, so die Autoren: "J. D. Vance sagte in München: 'Was mich beunruhigt, ist nicht Russland, sondern die Bedrohung von innen, der Rückschritt Europas' in Bezug auf seine Werte. In seiner Talkshow greift Pascal Praud diese Rhetorik auf und sagt, dass 'Russland eine unendlich geringere Bedrohung darstellt als der radikale Islam'. Lieber Putin als der Islamismus: Das hat François Fillon (der 2022 in der Berufungsinstanz in seinem Fall der Scheinbeschäftigung zu zehn Jahren Nichtwählbarkeit verurteilt wurde) zwei Tage zuvor in einem Interview mit seinem Biografen, dem Chefredakteur des rechtsextremen Magazins Valeurs actuelles, Tugdual Denis, erklärt."
Stichwörter: Bollore, Vincent, Islamismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2025 - Medien

"Nirgendwo gilt die Meinungs- und damit auch die Pressefreiheit als höheres Gut als in den Vereinigten Staaten", schreibt Willi Winkler in der SZ - Und doch hasst Trump nichts mehr "als die Einschränkung seiner Macht, und deshalb ist ihm nichts wichtiger, als ausschließlich seine Meinung in Wort, Bild und Schrift zu verbreiten. In seinem monarchischen Amtsverständnis ist es Majestätsbeleidigung, wenn eine Nachrichtenagentur sich seinem Befehl widersetzt, den Golf von Mexiko künftig Golf von Amerika zu nennen. ... Die Journalisten von AP sind bei den Pressekonferenzen im Oval Office also nicht mehr zugelassen, auch im Flugzeug des Sonnenkönigs, in der Air Force One, dürfen sie nicht mehr mitreisen."

"Spätestens seit der Einflussnahme durch Elon Musk über X in den deutschen Wahlkampf müsste klar geworden sein, dass gemeinwohlorientierte digitale Räume essenziell für eine starke Demokratie sind", sagt Svea Windwehr, Expertin für Plattformregulierung und Mitglied des Beirats des deutschen Digital Services Coordinator, im FAS-Gespräch, in dem sie eine konsequente Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) und des Digital Markets Act (DMA) fordert: "Schon während des Wahlkampfs hat J. D. Vance gedroht, im Falle von europäischen Bußgeldern gegen Musks Unternehmen X die Unterstützung der NATO zurückzuziehen. Nun hat die neue US-Regierung signalisiert, dass sie auf die Durchsetzung von EU-Gesetzgebung mit Strafzöllen reagieren will. Das stellt unser Verständnis von transatlantischer Kooperation auf den Kopf. Die in DSA und DMA ausgedrückte Annahme, US-Techkonzerne einhegen zu können, fühlt sich beinahe wie die Weltordnung von gestern an. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - darf Europa sich nicht einschüchtern lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2025 - Medien

Anlässlich des 25-jährigen Perlentaucher-Jubiläums (mehr hier und hier) blickt Mitgründer Thierry Chervel im Interview mit Ruhrbaron Stefan Laurin auch auf die Geschichte der Feuilletton-Debatte zurück, die der Perlentaucher abgebildet und mitgestaltet hat: "Die Feuilletondebatte ist eine deutsche Besonderheit. Lange Zeit war das Feuilleton der einzige Ort in der Zeitung, in dem die Öffentlichkeit zugelassen war. Nur dort konnten externe Autoren zu einem bestimmten Thema etwas schreiben. Die Meinungsseiten der Zeitungen dagegen waren komplett abgeriegelt. Um auf der berühmten Seite vier der Süddeutschen Zeitung veröffentlichen zu dürfen, musste man angestellter Redakteur sein. Die goldene Zeit der Feuilletondebatte reichte bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals wurden Debatten tatsächlich noch von der Kunst ausgelöst. Man debattierte zum Beispiel leidenschaftlich über den neuesten Film von Rainer Werner Fassbinder. Dann kam aber irgendwann der Punkt, an dem sich die Debatten politisierten. Der Urknall der modernen Debatte war dann der Historikerstreit, der 1986 mit einem Text des Historikers Ernst Nolte in der FAZ begann."

Über den Anschlag in Mannheim wurde bedeutend weniger berichtet als über die Anschläge zuvor. Der Nachrichtenwert sei geringer, weil der Tatverdächtige Deutscher ist, sagt der Medienforscher Thomas Hestermann im Zeit-Online-Gespräch mit Anant Agarwala - und erinnert daran, dass es ein Taxifahrer mit pakistanischen Wurzeln war, der den deutschen Amokfahrer von Mannheim stoppte. Der Journalismus habe sich von der AfD treiben lassen, der Druck auf Redaktionen sei enorm, fährt er fort: "Die Medien berichten über Gewalt eher nach den Deutungsmustern der AfD. 2018 haben meine Leipziger Kollegin Elisa Hoven und ich systematisch untersucht, welches Bild von Kriminalität in Deutschland die AfD produziert. Dafür haben wir die Pressemitteilungen analysiert, die deren Bundesverband, Landesverbände, Bundestagsfraktion und die Landtagsfraktionen herausgeben. In 95 Prozent der Fälle, in denen die Herkunft eines Tatverdächtigen erwähnt wurde, war dies ein Ausländer."

Yelizaveta Landenberger greift  in der FAZ die Geschichte der ukrainischen Reporterin Victoria Roshchyna auf, die in den von Russland besetzten Gebieten recherchierte, festgenommen wurde und in Folterhaft, auf 30 Kilogramm abgemagert starb. Hilfe hatte sie nie bekommen: "Auf einer Trage sei Roshchyna im vergangenen Juni schließlich in ein Krankenhaus gebracht und nach ihrem Aufenthalt dort in Isolationshaft verlegt worden. Zuletzt wurde sie am 8. September gesehen, als sie aus ihrer Zelle an einen unbekannten Ort gebracht wurde. Eigentlich hätte Roshchyna bei einem großen Gefangenenaustausch am 14. September 2024 freikommen sollen, doch dazu kam es nicht. Anfang Oktober vergangenen Jahres erfuhr ihr Vater aus einem an ihn adressierten Brief des russischen Verteidigungsministeriums vom Tod seiner Tochter, angeblich sei sie am 19. September gestorben."

Dieser Dokumentarfilm erzählt die Geschichte Roshchynas (Untertitel lassen sich hinzuschalten).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2025 - Medien

Der Perlentaucher wird klassisch! Gestern meldete das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, dass der Perlentaucher hier künftig archiviert wird, und wir melden es "In eigener Sache". "Für die Nachwelt ist der Perlentaucher jetzt gesichert: Geehrt und glücklich melden wir, dass eine Kopie unseres Magazins im Deutschen Literaturarchiv in Marbach bewahrt wird. Geplant ist ein Archiv, das unsere Seiten seit dem Start des Perlentauchers am 15. März 2000 umfasst und die Suchfunktionen unserer Webseite erhalten soll. Es wird Teil der DLA-Sammlung 'Literatur im Netz'." In Marbach wird der Perlentaucher am nächsten Donnerstag seinen 25. Geburtstag feiern - mit einer Diskussion über unsere große Kritikerumfrage - auf dem Podium sitzen Elke Schmitter, Ijoma Mangold, Ronya Othmann, Jan Bürger und Thierry Chervel. Kommen Sie nach Marbach! Hier alle Informationen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2025 - Medien

Springer-Chef Mathias Döpfner distanziert sich von bisherigen auffällig protrumpistischen Äußerungen, die unter dem Motto "Disruption" zuerst von ihm und dann von einigen Untergebenen im Verlag kamen. Er habe in Trump einen zwar unkonventionellen, aber irgendwie doch noch prowestlichen Politiker gesehen: "Diese Hoffnung ist zerstört. Trump meint, was er sagt. Und das hat nichts mehr mit dem Amerika zu tun, das rechtsstaatlich gefestigt über Jahrzehnte an der Seite Europas stand. Für mich war die Ukraine immer der Testfall, der zeigt, ob diese Regierung dem Recht, oder der Gelegenheit folgt. Nun ist klar: Trumps Amerika opfert die Ukraine, opfert eine transatlantische Sicherheitsarchitektur einer transaktionalen 'America First'- und 'America Only'-Strategie. Politik ist in dieser Logik ein Geschäft wie jedes andere. Da darf selbst internationales Völkerrecht nicht stören."
Stichwörter: Völkerrecht, Disruption

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2025 - Medien

Nebenbei hat das Desaster im Weißen Haus hat Auswirkungen bis in die Springer-Presse. "Selenski hat mit seinem Verhalten die Sicherheit Europas aufs Spiel gesetzt", schreibt Welt-Korrespondentin Stefanie Bolzen in einem Kommentar ganz im Sinne Mathias Döpfners, der ein ganz großer Junge auf dem Schulhof sein will, wo schon die Musks und die Zuckerbergs spielen. Andere Springer-Journalisten (übrigens auch Paul Ronzheimer) widersprechen.

Screenshot eine Twitter-Unterhaltung  von Springer-Journalisten.
Stichwörter: Springer Verlag

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2025 - Medien

Bestellen Sie bei eichendorff21!
"Wir werden noch in diesem Jahrzehnt erleben, dass der Journalismus durch KI in die größte Krise seiner Existenz stürzen wird", glaubt der Medienwissenschaftler Stephan Weichert, der gemeinsam mit seinem Kollegen Leif Kramp das Buch "Resilienz in der digitalen Gesellschaft" veröffentlicht hat, im Welt-Gespräch: "Das Internet war ursprünglich ein Fortschrittsmedium: globale Vernetzung, Zugang für Benachteiligte. Doch wir stellen seit vielen Jahren fest, dass vor allem in den sozialen Netzwerken das Negative überhandnimmt: Propaganda, Desinformation, soziale Spaltung und psychologische Überforderung. Schon bald könnten bis zu 70 Prozent aller Inhalte KI-erstellt sein, schätzte etwa der Perplexity-Mitgründer Aravind Srinivas kürzlich in einem Interview mit CNBC. Europol prognostiziert sogar, dass 2026 bis zu 90 Prozent aller Online-Inhalte synthetisch erstellt werden, was den extremen Einfluss von KI weiter verdeutlicht". Er rät, den Social-Media-Konsum zu reduzieren und lieber "eine Stunde bei einem Qualitätsmedium zu verbringen". Wir wüssten da eins.

Bestellen Sie bei eichendorff21!
"Wir müssen einen Wechsel vollziehen von der digitalen zur redaktionellen Gesellschaft", sagt auch der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der mit seinem aktuellen Buch "Zuhören" derzeit in den Medien unterwegs ist, im Tagesspiegel-Gespräch: "Die redaktionelle Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der journalistische Maximen zum Element der Allgemeinbildung geworden sind: Studiere Deine Quellen! Prüfe sie! Höre auch die andere Seite! Mache ein Ereignis nicht größer, als es ist! In einer Zeit, in der jeder zum Sender geworden ist, braucht es journalistisches Denken in der Breite der Gesellschaft. Dafür ist längst ein eigenes Schulfach nötig. Es gilt außerdem, die Kunst der Rhetorik an die Schulen zurückzuholen, geleitet von der Frage: Was ist ein gutes Argument und was nicht? Wie geht konstruktiver Streit? Und dann ist noch ein Ringen um ein Konzept kluger Regulierung erforderlich. Wie kann es gelingen, gegen Desinformation zu kämpfen und gleichzeitig die Ideale von Kommunikationsfreiheit und Mündigkeit zu bewahren?"

Auch Jeff Bezos gehört zu den Tech-Oligarchen, die sich durch windigsten Opportunismus gegenüber Donald Trump auszeichnen. Der Belegschaft der Washington Post, die ihm gehört, hat er neulich per Twitter mitgeteilt, dass er auf der Meinungsseite nur noch Artikel sehen will, die die individuelle Freiheit preisen. Michael Hanfeld entschlüsselt die Botschaft in der FAZ: "Im Klartext heißt das, die Kommentatoren sollen das Lied des Eigentümers singen, dessen Freiheitsverständnis sich mit dem der anderen Superreichen deckt, die in den USA mit Donald Trump an die Macht gekommen sind."

Der Berliner Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar, der wegen falscher RBB-Berichterstattung nicht neu für den Bundestag kandidieren konnte, verlangt vom Sender einen noch höheren Schadenersatz als bisher bekannt, nämlich insgesamt 1,7 Millionen Euro, meldet turi2 unter Bezug auf mehrere Quellen: "Zuvor hatte Business Insider von einem 'hohen sechsstelligen Betrag' berichtet. Beim größten Teil der Summe, nämlich 1,2 Millionen Euro, gehe es um Schadensersatz für entgangene Einnahmen, die Gelbhaar nach Angaben seines Anwalts bei einem Wiedereinzug in den Bundestag erzielt hätte. Der RBB weist die Höhe der Summe als 'unangemessen' zurück."