9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2343 Presseschau-Absätze - Seite 144 von 235

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2017 - Medien

Jürg Altwegg schildert in der FAZ die miese Stimmung gegenüber dem Schweizer Rundfunk und Fernsehen SRG vor der Volksabstimmung über die Rundfunkgebühren: "Die SRG ist daran alles andere als unschuldig. Ihr Verhalten erinnert an die Überheblichkeit der Swissair, deren Verantwortliche - auch die Politiker - geglaubt hatten, dass sie im Alleingang überleben könne. Der Crash war nicht vorgesehen. Bei der SRG wurde trotz aller Warnungen eine Expansion betrieben, die nun als Amoklauf enden könnte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2017 - Medien

Die scheidende ARD-Vorsitzende Karola Wille ruft in einem Denkstück für die FAZ-Medienseite zu einem Burgfrieden zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Zeitungen auf, die sie gegen das Internet als eigentliche Medien der Wahrheit in Stelluing bringt: "Das Gebot der Stunde ist eine Koalition für die Medienfreiheit, eine große Koalition gegen Einschränkungen des Freiheitsbereichs. Und dies ist umso dringlicher, da unsere gesellschaftliche Kommunikation auf dem Wege ist, sich grundsätzlich zu verändern. Unserer Gesellschaft droht etwas abhandenzukommen, das eigentlich spätestens seit der Aufklärung selbstverständlich war: der Geltungsanspruch der Wahrheit durch belegbare und weithin akzeptierbare Tatsachen. Den Beleg für diesen Befund können wir alle tagtäglich in den sozialen Medien finden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2017 - Medien

(Via turi2) Die ARD-Vorsitzende Karola Wille biederte sich (noch am Tag vor Heiligabend) bei den Zeitungsverlegern an, meldet dpa (hier bei der Frankfurter Neuen Presse): "Auch wenn der Eindruck entstanden sei, dass es zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichem Rundfunk kaum noch Gemeinsamkeiten gebe, sei es wichtig, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, sagte Wille. 'Die Online-Werbung fließt an die Technologie-Giganten. Hinzu kommt, dass es eine Netzwerk-Ökonomie gibt, die unerbittlich ist und diese Unternehmen immer stärker macht. Das sehen wir natürlich auch', erklärte die MDR-Intendantin, die den ARD-Vorsitz zum Jahresende abgibt. 'Ich denke, dass beispielsweise das Leistungsschutzrecht, das auf europäischer Ebene gerade diskutiert wird, ein Thema ist, bei dem wir die Verlage unterstützen können.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2017 - Medien

Alex Rühle reist für die SZ ins mazedonische Veles, einen Hotspot des digitalen Zeitalters. Von hier aus wurde ein Großteil der gefälschten Seiten gesteuert, die Donald Trump mit ins Weiße Haus gebracht haben. Unter anderem von Vlatko, der sich heute damit brüstet, in Champagner zu baden: "Vlatko ist 25 und hat mal BWL studiert. Als er aber 2012 von einem Typen aus der Nachbarstadt Kumanovo hörte, war es vorbei mit dem Studium. Da machte einer Geld, indem er im Internet englischsprachige Webseiten mit Gesundheitstipps aufsetzte. Englisch konnte Vlatko nur rudimentär, aber es gibt ja genug arbeitslose Englischlehrer. Und man braucht auch nur Texte von US-Seiten kopieren, umfrisieren, 'catchy headline' drüber, fertig. Vlatko fing klein an, mit einer Seite namens Healthylivingfood.com. 'Ich hab 50 Cent am Tag verdient, wenn es mal ein Euro wurde, war ich glücklich.' Das Business wuchs langsam vor sich hin. Aber dann kam Trump."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2017 - Medien

Die "Tagesschau"-App ist allzu presseähnlich, hat jetzt der Bundesgerichtshof festgestellt und ein Urteil der Vorinstanz nicht zur Revision zugelassen. Die Meldung findet sich etwa in der FAZ. ARD und NDR wollen demnach prüfen, ob sie Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht (das den Sendern häufig gewogen war) einlegen.

In der FAZ erklärt Jürg Altwegg, wie Emmanuel Macron die Staatssender in Frankreich (ja, das sind Staatssender) umbauen will. Während er selbst Journalisten der Sender zu serviler Hofberichterstattung empfängt, spricht er von den Sendern als "Schande" und plant jetzt offenbar recht konkrete Schritte: "Was man mit Gewissheit jetzt schon sagen kann: Es wird in Zukunft weniger Sender und weniger Geld geben. Redaktion werden zusammengelegt, Privilegien abgebaut." Die Staatssender haben in Frankreich ein Budget von 4 Milliarden Euro.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2017 - Medien

Sowohl in Deutschland, als auch in Österreich und der Schweiz stehen die öffentlich-rechtlichen Sender unter Druck, wenn auch nicht immer aus den gleichen Gründen, die Joachim Huber im Tagesspiegel skizziert. Eines aber bleibt immer gleich: "Wenn Parteipolitiker neutralem und objektivem Journalismus das Wort reden, ist Alarm angesagt. Gemeint ist stets, dass die bisherige Berichterstattung die eigenen Positionen nicht ausreichend und fair berücksichtigt hat, nur mit neuer, vulgo: genehmer Besetzung werde die geforderte Balance gesichert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.12.2017 - Medien

Mathias Döpfner wiederholt im Gespräch mit Stefan Koldehoff vom Deutschlandfunk im Streit um die Online-Texte der Öffentlich-Rechtlichen sein Argument, "dass die Angebote der Öffentlich-Rechtlichen es den Privaten unmöglich machen, Geld für ihre Angebote zu nehmen. Und dieses Geld ist wichtig, um Qualitätsjournalismus zu finanzieren. Die öffentlich-rechlichen Sender sind ja auch nicht kostenlos, die haben ja ein sehr hohes Gebührenvolumen von mehr als acht Milliarden Euro pro Jahr, die der Gebührenzahler bezahlt." Mit anderen Worten: Wenn die Sender ihre Texte reduzieren, können auch die Zeitungen ihre frei zugänglichen Texte reduzieren, und der Leser muss bezahlen. (Das Dumme ist nur, das sich die meisten Zeitungstexte schon jetzt hinter Zahlschranken verstecken!)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2017 - Medien

Gerhard Gnauck erzält in der Sonntags-FAZ, wie die polnische Regierung private Medien behindert - etwa durch juristische Verfolgung. Aber "das erste Mittel, Kritikern das Leben schwerzumachen, war nach dem Regierungswechsel der Entzug der Anzeigen von Staatsfirmen. Er hat vor allem der liberalen Gazeta Wyborcza, der größten seriösen Tageszeitung, schwer geschadet und zu Entlassungen geführt."
Stichwörter: Polen, Behinderte

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2017 - Medien

Jeremias Schulthess und Gabriel Brönnimann veröffentlichen in der Basler Tageswoche ein super ausführliches Gespräch mit dem Historiker Philipp Sarasin, der ein Lieblingsfeind der Blocher-Medien ist und auch von der NZZ nicht so vorteilhaft porträtiert wurde. Er erklärt, warum er es jetzt vorzieht, sich in seinem eigenen Blog geschichtedergegenwart.ch zu äußern (wo er unter anderem auch für die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender trommelt) : "Was wir machen, ist auch eine Reaktion auf die Mediensituation in der Deutschschweiz, mit der Weltwoche und der Basler Zeitung weit rechts außen und der NZZ auf dem Weg dorthin. An sich hätten wir als Professoren und Professorinnen grundsätzlich die Möglichkeit, Feuilletontexte in einer Zeitung unterzubringen. Aber wir wollten das nicht mehr für die NZZ oder den Tages-Anzeiger tun, sondern wollten etwas Eigenes machen, nicht zuletzt, um unabhängig zu sein."

Etwas Schlimmes ist beim WDR passiert, wo die Intendanz bekanntlich beschlossen hat, auf den Druck der Zeitungsverleger zu reagieren und den Umfang von Onlinetexten zu begrenzen. Nun zirkuliert in den endlosen Gängen des Senders ein Papier, in dem laut taz "genau definiert ist, wie lang Artikel künftig sein dürfen: 1.500 Zeichen für Nachrichtentexte, 2.500 Zeichen für Hintergrundberichte. Wer dies überschreite, dem drohten 'Depublikation und persönliche Konsequenzen'." Und der Wahnsinn: Das Papier ist zwar vom Büro des Onlinebeauftragten für Hörfunk ausgegeben, scheint aber von einem freien Mitarbeiter zu sein, so dass es laut Intendanz ohnehin ungültig ist. "Die Redakteursvertretung des WDR ist trotzdem sauer. In einer Mail an den Intendanten Tom Buhrow schreibt sie: 'Fassungslos sind wir über die Art und Weise der internen Verbreitung des Beschlusses: Ein freier Mitarbeiter […] erlässt eine 'Dienstanweisung'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2017 - Medien

In einem eher vorsichtigen Artikel gehen Matthias Daum und Caspar Shaller in der Zeit der Frage nach, ob die NZZ nach rechts gerückt sei. Die Zeitung ist wegen neuer Akzentsetzungen und vieler Entlassungen ins Gerede geraten. Die Autoren sprechen auch mit dem Feuilletonchef René Scheu, der sich gegen das Links-Rechts-Schema wehrt: "Nur weil die AfD applaudiert, bedeute das noch lange nicht, dass man es auf die AfD-Sympathisanten abgesehen habe. Er kann nicht viel mit der Theorie anfangen, die NZZ habe eine publizistische Lücke rechts von der FAZ ausgemacht und versuche nun, diese zu besetzen. 'Das ist ein Hirngespinst. Es geht nicht um links oder rechts, es geht um Qualitätsjournalismus mit Neugierde und freiheitlicher Grundhaltung.'"

Diese Nachricht ist noch gar nicht richtig durchgedrungen: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Überschuss, hat die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten", kurz KEF, errechnet, die den Finanzbedarf der Sender überwacht. Peter Steinkirchner berichtet in der Wirtschaftswoche: "Stolze 549,7 Millionen Euro Überschuss haben die Experten für die Jahre 2017 bis 2020 bei den öffentlich-rechtlichen errechnet, bei Einnahmen in Höhe von 31 Milliarden Euro. Das ist nicht alles: Weil der Beitrag nicht wie von der Kommission vorgeschlagen, um 30 Cent auf monatlich 17,20 Euro gekürzt, sondern nach dem Willen der Bundesländer zuletzt bei 17,50 Euro eingefroren worden war, haben die Sender zusätzlich weitere 530 Millionen Euro auf der hohen Kante, die sie derzeit nicht ausgeben dürfen."

Außerdem: Stefan Niggemeier kritisiert in seinen Uebermedien die Entscheidung des WDR-Intendanten Tom Buhrow, Texte seines Sender im Netz zu reduzieren