9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2018 - Medien

Die ARD wirbt schon seit einigen Tagen viertelseitig in der FAZ, leider nicht im Perlentaucher, der die gute Nachricht doch auch gern weitertragen will: Die neuen Folgen von "Um Himmels willen" laufen an! Mit der 17. Staffel hebt sich die Serienproduktion des Senders endgültig auf internationales Niveau.

Stefan Winterbauer wirft für Meedia einen Blick in das "weltweit am besten finanzierte Journalismus-Crowdfunding-Projekt", das Magazin Republik.ch des Schweizer Journalisten Constantin Seibt. Mit der Qualität ist er zufrieden, die Leser müssen allerdings tief in die Tasche greifen: "Nunmehr gibt es neben dem doch recht teuren Jahresabo (240 Franken) auch die Möglichkeit, ein jederzeit kündbares Monatsabo (22 Franken) abzuschließen. Auf Wunsch bekommt man zudem eine Auswahl an Texten als Leseprobe gratis zugeschickt. Ansonsten setzt die Republik auf eine harte Paywall. Wer als Abonnent einen Text teilt, macht diesen dann aber öffentlich verfügbar."
Stichwörter: Republik.ch, ARD, Paywalls

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2018 - Medien

Man soll nicht so viel Aufhebens um Simon Strauß machen, antwortet Marko Martin in der taz auf Alem Grabovac, der den FAZ-Redakteur Strauß beschuldigte, eine neurechte Agenda zu bedienen (unser Resümee). Strauß wolle nur spielen: "Der selbsterklärte Außenseiter und Zwischen-den-Stühlen-Sitzer (mit der uneingestandenen Hoffnung auf einen Ohrensessel) ist dabei sowohl eine linke als auch eine rechte Figur, trotz aller Unterschiede verbunden in der Manie des permanenten Unter-Verdacht-Setzens, einer gewissen Nöligkeit und einsamen Grübelei, deren Referenztexte ebenso gut von Ernst Jünger wie von Bret Easton Ellis stammen können."

Georg Diez attackiert in Spiegel online direkt Jürgen Kaube, Nachfolger Frank Schirrmachers als Herausgeber und Feuilletonfürst in der FAZ, dem er vorwirft, auf die Attacke auf Strauß aus der taz nicht geantwortet, sondern nur mit einer Betrachtung (unser Resümee) reagiert zu haben. Insgesamt charakterisiert Diez Kaube im Gegensatz zum Aufreger Schirrmacher als Abwinker: "Bei Kaube nun ist das Pendant zu geschichtsrevisionistischen Grenzverschiebungen die Gelangweiltheit, mit der noch jeder Streit beiseite gewunken wird, ein andauerndes Luftrauslassen, mit dem Ziel, den Mangel an Sauerstoff dann selbst kritisch zu beschreiben..."

Republik.ch ist gestartet, das viel erwartete, per crowdfunding finanzierte Online-Magazin des bekannten Journalisten Constantin Seibt. Der Abopreis beträgt schlappe 240 Franken im Jahr, also weniger als die Schweizer für ihre öffentlich-rechtlichen Sender bezahlen. 16.000 Abonnenten gibt es schon. Einer der ersten Artikel ist freigeschaltet: Adrienne Fichter erzählt in sieben kritischen Artikeln die Geschichte von Facebook.

Daniel Zylbersztajn erzählt in der taz, wie sich die BBC gegen Vorwürfe wehrt, sie würde Frauen drastisch ungleich bezahlen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.01.2018 - Medien

Facebook baut seinen Algorithmus um. Künftig sollen wieder Posts von Freunden und Familien gegenüber Nachrichten bevorzugt werden, aber nur wenn sie häufig geteilt oder kommentiert werden. In der SZ misstrauen Jannis Brühl, Marvin Strathmann Mark Zuckerbergs Parole "Menschen statt Marken": "Der Umbau ist auch eine Machtdemonstration im Zusammenspiel mit den Medien. Die haben in den vergangenen Jahren immer mehr Inhalte auf Facebook ausgespielt, um Leser auf ihre Webseiten zu holen. Facebook belohnte sie dafür lange mit steigenden Reichweiten. Viele richteten ihre Geschäftsmodelle immer stärker auf das soziale Netzwerk aus... Wolfgang Blau vom Verlag Condé Nast wies auch darauf hin, dass extremistische Beiträge und Propaganda, die Nutzer oft liken, teilen und kommentieren (und mit denen sich Zuckerberg so viel schlechte PR eingehandelt hat), oft von Personen kämen und eben nicht von Medien. Dafür habe Facebook offenbar keine Lösung."

Den Ärger, den Journalismus einbringt, hat Facebook einfach nicht nötig, vermutet Joshua Benton auf NiemanLab. "Für traditionelle Medien sind das bessere Nachrichten als für digitale. Die meisten amerikanischen Zeitungen haben sich zähneknirschend damit abgefunden, dass sie ihr Geld durch Abonnements oder Mitgliedschaften von den Lesern bekommen müssen, statt von den Anzeigenkunden. Google und Facebook haben bereits die digitale Werbung geschluckt, jetzt wird Facebook aufhören, die kläglichen Klicks zu generieren, welche die klägliche Technik auslöst, welche die kläglichen kläglichen Reste an Anzeigen auslöst."

Weiteres: Der Medienwissenschaftler Horst Pöttker ist in der taz nicht einverstanden mit dem Zerrbild, das Robert Harris in seinem Bestseller "Intrige" über die Affäre Dreyfus vom Journalismus als sensationgeiler Meute zeichnet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2018 - Medien

(Via turi2) Ulrich Wilhelm, der neue ARD-Vorsitzende sucht den Burgfrieden mit den Zeitungen. In einer Pressekonferenz, die Daniel Bouhs in seinem Blog transkribiert schlägt er vor: "Eine Zukunftsidee...  ist in der Tat auch die Frage, ob wir nicht zu einer gemeinsamen Plattform kommen könnten für die Inhalte der unterschiedlichsten Qualitätsanbieter, weil wir im Moment auch ganz stark dem unterliegen, was von den US-Giganten Facebook, Google und so weiter. kommt."

Janosch Delcker stellt bei politico.eu den Tagesspiegel-Journalisten Jost Müller-Neuhof vor, der vor Gericht gegen Angela Merkels Politik der journalistischen Hintergrundgespräche klagt und Transparenz verlangt: "Als ausgebildeter Jurist sagt Müller-Neuhof, dass 'Kanzlerin Merkel nicht einfach eine Politikerin' ist. Sie gehört zur Führungsspitze des Bundeskanzleramts, eine Behörde, deren Treffen offen gelegt werden müssten. 'Wenn sie ein Hintergrundgespräch führt, tut sie das in dieser offiziellen Funktion und kann daraus kein Geheimnis machen', sagt er zu Politico. 'Man kann nicht sagen, dass sie in gewissen Situationen informell agiert, nur weil es einem passt.'" Anders sieht das im Gespräch mit Delcker die Dlf-Journalistin Birgit Wentzien, die "ein Hintergrundgespräch nicht als Hinterzimmer-Deal" sieht.

Richard Gutjahr, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, der zufällig beim  Attentat in Nizza und später beim Attentat im Münchener Olympia-Einkaufszentrum dabei war und berichtete und seitdem von Verschwörungstheoretikern im Netz verfolgt wird, erzählt auf seinem Blog, wie sich diese Hetze im Netz für ihn und seine Familie ausnimmt: "Seit 18 Monaten werden wir nun schon von Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Antisemiten im Netz attackiert, verleumdet und bedroht. Kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein neues Hoax-Video über uns die Runde macht. Auch wenn die Intensität der Angriffe immer wieder abklingt, mit jedem neuen Terroranschlag, ob in Berlin oder zuletzt in Barcelona, geht der Zirkus von vorne los. An die 800 Verschwörungsvideos über meine Familie und mich kursieren allein auf YouTube."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2018 - Medien

Der Guardian veröffentlicht den offenen Brief der Journalistin Carrie Gracie, die ihren Posten als China-Korrespondentin der BBC aufgibt, um gegen die Gehaltspolitik des Senders zu protestieren: "Was Bezahlung angeht, wird die BBC ihren eigenen Werten der Vertrauenswürdigkeit und Ehrlichkeit nicht gerecht. Gehaltsveröffentlichungen, zu denen die BBC vor sechs Monaten gezwungen wurde, offenbarten nicht nur nicht illegitim hohe Gehälter für Top-Moderatoren und Manager, sondern auch einen nicht zu rechtfertigenden 'pay gap' zwischen Männern und Frauen, die den gleichen Job machen." Hier auch der Bericht des Guardian über den Streit.

Marvin Schade mahnt in Meedia bei der #MeToo-Debatte journalistische Differenzierung an: "Der Hashtag mag zwar eine Folgeerscheinung der Weinstein-Affäre sein. Er enthält aber Geburtsfehler, die von den Medien nicht übernommen werden sollten. #MeToo vermengt ekelhaftes Verhalten wie Chauvinismus, aus der Zeit gefallenes Machogehabe mit Sexismus mit schwerwiegenden Straftaten wie sexueller Nötigung oder Vergewaltigung. Die Gefahr: Es geht an Trennschärfe verloren, rechtliche und ethische Unterschiede werden gleichgestellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2018 - Medien

Die Zeit-Journalistinnen Annabel Wahba und Jana Simon verteidigen im Gespräch mit Alexander Becker von Meedia ihre im Zeit-Magazin veröffentlichte Reportage über Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen den Regisseur Dieter Wedel. Den Vorwurf der "Vorverurteilung" wollen sie nicht auf sich sitzen lassen. Wahba sagt: "Es ist die Aufgabe der Presse, auch über einen Tatverdacht zu berichten, solange dies ausgewogen geschieht. Das haben wir getan, im Text und auch auf dem Doppelcover des Magazins. Dort stellen wir dem Zitat einer der Frauen die Stellungnahme von Dieter Wedel entgegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2018 - Medien

Georg M. Hafner und Esther Schapira beschreiben in der Jüdischen Allgemeinen einen unbewussten, meist israelbezogenen Antisemitismus in deutschen Medien: "Ein Viertel der Deutschen ist judenfeindlich eingestellt (in Zahlen: rund 20 Millionen Bundesbürger), und es wäre seltsam, wenn das ausgerechnet bei Journalisten anders wäre. Vielen dürfte dabei das eigene Ressentiment kaum bewusst sein, und doch begleitet es ihre Arbeit. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2018 - Medien

(Via turi2 und Standard) Zum dritten Jahrestag des Attentats auf Charlie hebdo veröffentlicht das Blatt ein Cover, das die Redaktion als Bunker zeigt. Text: "Ein Kalender vom Islamischen Staat? Wir haben schon gegeben!" Im Editorial schreibt Chefredakteur Riss, dass Meinungsfreiheit für das Blatt zum Luxusprodukt geworden sei. "Pro Jahr müssten 800.000 Exemplare von Charlie Hebdo verkauft werden, nur um die Kosten zum Schutz der Mitarbeiter zu decken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.01.2018 - Medien

Auf der Website des Deutschlandfunks wird - ganz sendungsbezogen - ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister über die deutsche Medienlandschaft und die mutlose Mediendebatte und -politik resümiert. Nebenbei will Hachmeister die Presse irgendwie am Einnahmesegen der Plattformkonzerne Google, Facebook und Co. beteiligen: "Man müsse vielleicht wieder zurück zu Überlegungen wie einer Internet-Flatrate oder müsse die Verwertungsgesellschaften stärken, so Hachmeister. Aber auf solche Überlegungen sei die Medienpolitik, die sich in Netzpolitik und 'alte' Medienpolitik aufgespalten hat, überhaupt nicht eingestellt. Hachmeister regt 'einen anderen Zuschnitt eines Kultur- und Medienministeriums' an, 'um diese Marktdynamik vernünftig analysieren und ihr begegnen zu können'. 'Meine These ist ja: wenn sich nichts ändert, wird die deutsche Medienindustrie vollkommen verschwinden.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2017 - Medien

So ganz kann FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld nicht nachvollziehen, wie der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm darauf kommt, es fehlten der ARD kurzfristig drei Milliarden Euro, die überdies am Programm einzusparen seien, weil der Apparat schlicht nicht mehr zu verkleinern sei: "Das nennen wir eine Ansage. Oder besser: Wir nennen es einen Offenbarungseid... Außerhalb der Anstalten mit ihren mehr als 25.000 Festangestellten und geschätzt noch einmal so vielen freien Mitarbeitern plus Intendanten, deren Gehälter das der Bundeskanzlerin zum Teil deutlich überschreiten, mit 66 Radio- und 21 Fernsehprogrammen, wird kaum jemand nachvollziehen können, dass der Rundfunkbeitrag unbedingt steigen muss, weil das Ende aller Sparmöglichkeiten erreicht sei."