9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2335 Presseschau-Absätze - Seite 47 von 234

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2023 - Medien

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann muss überraschend gehen, wenn auch in gegenseitigem Einvernehmen, wie es heißt, melden Anna Ernst und Laura Hertreiter in der SZ. Nachfolger soll Dirk Kurbjuweit werden: "Dabei hatte Steffen Klusmann durchaus auch Fürsprecher: Zahlreiche Mitglieder der Redaktion hatten sich noch am Donnerstag in einem Brief an die Geschäftsführung für Klusmann, eingesetzt. 274 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner drückten in dem Schreiben, das der SZ vorliegt, ihre Erschütterung darüber aus, dass 'für uns völlig überraschend die Chefredaktion infrage gestellt' worden sei. Die Kolleginnen und Kollegen hätten erst über Medienberichte davon erfahren, 'in denen teilweise der Eindruck erweckt wurde, es gebe im Haus den Wunsch, die Chefredaktion abzusetzen. Diesem Eindruck möchten wir entgegentreten'."

"So ganz geht die von außen aufgemachte Rechnung nicht auf, die da lautet: Beim Spiegel kämpft die Redaktion gegen den Verlag und gegen die Gesellschafter - um ihre Freiheit und den für den Verbleib Klusmanns", kommentiert Michael Hanfeld in der FAZ: "Die Mitarbeiter KG ist schließlich, wie der Name schon sagt, der Mehrheitsgesellschafter, hinter dem die Mitarbeiter stehen. Und in Gestalt von Kurbjuweit, über dessen Chefanstellung angeblich schon verhandelt wird, hat jemand offenbar mit die Strippen gezogen, der seit Jahr und Tag (von 2015 bis 2019 als stellvertretender Chefredakteur) zu den Redaktionsgrößen zählt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.05.2023 - Medien

Die NZZ-Autoren Rewert Hoffer und Lucien Scherrer widmen Holger Friedrich, dem Verleger der Berliner Zeitung mit Stasi-Vergangenheit, ein ausführliches Porträt, in dem Friedrich selbst zu Wort kommt.  Vorwürfe gegen ihn findet er "slightly unfair", wie er immer wieder betont: "Mit seiner Übernahme sei ein prosperierendes, interessantes Blatt entstanden: Nicht länger verdorben durch 'westdeutschen Opportunismus', dafür mit viel mehr als bloßen 'Spurenelementen von ostdeutscher Renitenz'. Die Frage, was Holger Friedrich unter 'ostdeutscher Renitenz' versteht, wird nicht ganz klar. Er wirkt oft ähnlich widersprüchlich wie seine Zeitung. Die DDR jedenfalls will er im Gegensatz zu anderen Ost-Zeitungen wie der Jungen Welt auf keinen Fall zurück, 'Gott sei Dank' sei dieser Staat untergegangen, mitsamt dem 'ganzen Stasi-Scheiß'. Gleichzeitig lobt er Bücher, in denen die SED-Diktatur verharmlost wird, oder er schwärmt von Egon Krenz, dessen geschichtsklitternde Memoiren in der Berliner Zeitung ausgiebig gelobt wurden. Und auch wenn er den Westen 'total cool' findet, stört ihn die Selbstgerechtigkeit der Westdeutschen. Was die eigene Vergangenheit betrifft, sei man 'sehr viel sorgsamer mit sich umgegangen' als mit dem Osten, 'da hat man zumindest aus meiner Perspektive viel überkompensiert'."

Mit dem Verkauf von Vice und der Einstellung von BuzzFeed "deutet vieles darauf hin, dass die Ära der hochgepowerten digitalen Medienmarken vorbei ist", schreibt Christian Meier in der Welt: "Heißt nun was? Einen Weg zurück in eine analoge Medienwelt gibt es natürlich nicht. Die lange totgesagten Medienmarken könnten sich aber als beständiger erweisen als gedacht. Nicht nur die New York Times ist dafür ein Beispiel, die Ende 2022 etwa 8,5 Millionen Digitalabonnenten hatte. Einen anderen Weg geht gerade das Time Magazine, das sein Bezahlsystem wegräumt und wieder komplett auf Reichweite geht, also auf Werbeerlöse setzt. Was zeigt, dass es nie ein einziges Rezept für die Medienbranche gab, ihr Geschäft zu digitalisieren. Das auch in Deutschland teilweise blinde Vertrauen in Facebook und Co. hat sich als Fehler erwiesen."

Außerdem: Die Intendanten-Gehälter der Öffentlich-Rechtlichen hält der frühere Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm im FR-Gespräch mit Ursula Knapp zwar nicht für zu hoch, dennoch könne man über die Festlegung einer Höchstgrenze im Staatsvertrag nachdenken, meint er: "Ein rechtliches Hindernis besteht nicht, solange die Deckelung nicht die Erfüllung des Rundfunkauftrags gefährdet. Wenn es den Rundfunkgremien nicht gelingt, mit dem Problem fertig zu werden, müssen externe Lösungen gefunden werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2023 - Medien

War der "Stern-Skandal" um die gefälschten Hitler-Tagebücher auch ein Bertelsmann-Skandal? Erst jüngst stellte sich durch NDR-Recherchen heraus, dass die "Tagebücher", die jahrtzehntelang unter Verschluss gehalten wurden, Hitlers Rolle beim Holocaust systematisch verharmlosten (unsere Resümees). Dass dieser Aspekt Bertelsmann und seinen Eigentümer Reinhard Mohn besonders interessierte, ist laut Thomas Schuler und Steffen Grimberg in der taz nicht erwiesen. Aber Bertelsmann hatte damals schon Gruner-und-Jahr-Anteile, und der der damalige G+J-Chef und spätere Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Manfred Fischer "witterte für den Konzern ein Riesengeschäft beim weltweiten Verkauf der Buchrechte. Der Stern war bloß für die Vermarktung vorgesehen. Bertelsmann-Eigentümer Reinhard Mohn wurde von Fischer frühzeitig eingeweiht - auch in das mögliche finanzielle Risiko. Mohn war ebenso begeistert wie Fischer."

Der sehr beliebte und eher links fühlende RAI-Moderator Fabio Fazio verlässt den Staatssender. Sein Vertrag wurde unter der postfaschistischen Premierministerin Giorgia Meloni nicht verlängert. Diese agiert ziemlich geschickt, konstatiert Marc Beise in der SZ: "Mehr und mehr zeigt sich, dass die erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung, die mancher nach dem überraschenden Wahlsieg für eine kurzzeitige Erscheinung hielt, einen langen Atem hat und eine klare Agenda. Sie scheint entschlossen zu sein, dem Land ihren Stempel aufzudrücken. In der Debatte, wie rechts die Regierung wirklich ist, bestärken die Personalentscheidungen die Befürchtungen jener, die einen Kulturwandel befürchten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2023 - Medien

Eine #MeToo und Mobbing-Geschichte über die heutige Spiegel-Redakteurin Anuschka Roshani hat vor ein paar Wochen Aufsehen erregt (unsere Resümees). Sie warf in einem Spiegel-Artikel ihrem ehemaligen Chef im Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers, Finn Canonica, vor, sie krass eingeschüchtert und belästigt zu haben. Das Landgericht Hamburg hat den Spiegel nun verdonnert, neun Passagen aus dem Artikel zu unterlassen, berichtet Isabel Pfaff in der SZ: "Das Gericht bezeichnet Roshanis Beitrag vom Februar nun als grundsätzlich ausgewogen und hält fest, dass an Vorwürfen des Mobbings und Machtmissbrauchs in Medienunternehmen 'ein erhebliches Berichterstattungsinteresse' bestehe. Allerdings reiche bei gleich mehreren Passagen der 'Mindestbestand an Beweistatsachen' nicht aus. Die Autorin und der Spiegel konnten demnach für mehrere Aussagen nicht genügend Belege vorlegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2023 - Medien

Es stellt sich immer wieder heraus: Interviews mit antidemokratischen Politikern, die von Fernsehsendern auch noch wie eine Staatsaktion inszeniert werden, haben keinen Sinn. CNN lud Donald Trump zu einem "Town Hall", einer Bürgerfragung ein, und dieser machte die Moderatorin Kaitlan Collins platt, berichtet unter anderem  Nina Rehfeld in der FAZ: "Collins hatte gegen das, was der einstige Trump-Berater Steve Bannon 'flood the zone with shit' nannte, keine Chance. Als sie mit Fragen zu den Regierungsdokumenten, die er mit in seine Privatresidenz nahm, hartnäckig blieb, nannte er sie eine 'nasty person'. Das Publikum johlte: ein Trump-Klassiker!"

Die Berliner Zeitung setzt ihre bizarre Berichterstattung über die Feiern zum "Tag des Sieges" in der russischen Botschaft fort. Herausgeber Michael Maier hatte ja zuerst berichtet (unser Resümee), gekommen waren außer Gerhard Schröder nur Politiker der AfD und Linkspartei. Und sein Verleger Holger Friedrich, der allerdings von Maier nicht erwähnt wurde. Maier resümiert heute AfD-internen Streit über die Veranstaltung. Und Holger Friedrich betont in einem Rechtfertigungsartikel, dass er nicht nur die russische, sondern auch andere Veranstaltungen zum Anlass besucht hatte. Zur Veranstaltung in der russischen Botschaft schreibt er: "Ein Freund, der in der Administration arbeitet, hatte mir angeboten mitzukommen. Ich sagte zu, aus Interesse, aber auch, weil ablehnende Vereinfachungen häufig genug das Gegenteil von dem bewirken, was gewollt ist. Zudem, weil der Tag eine aktuelle, aber auch diese historische Dimension hat. Wohl konnte sich niemand fühlen. Die russische Hymne war ergreifend. Dieser Moment der Besinnung wurde der Ehrung Überlebender gewidmet. Mit diesem Blick in die weite Vergangenheit verlief sich die Veranstaltung. Es wäre vielleicht die Möglichkeit gewesen, an so einem Tag in Berlin der Ukraine die Hand zu reichen, einen Prozess der Verständigung einzuleiten, auch über die sich immer weiter auftürmende Schuld Russlands. Aber das war leider kein Thema."

Im Freitag diskutieren Medienwissenschaftler Marcus Maurer und Welt-Journalist Tim Röhn, moderiert von Michael Angele über die Frage, ob die Medien während der Corona-Pandemie und in der Kritik an den Maßnahmen versagten. Ein klares Resümee lässt sich nicht ziehen. Maurer sagt: "In unserer Studie haben wir gesehen, dass Christian Drosten und später Karl Lauterbach die Debatte weitgehend bestimmt haben. Wir hatten in den Medien eine Fokussierung auf ein paar wenige Experten, Virologen, bei einem Thema, das auch andere Wissenschaftsdisziplinen betrifft." Röhn  hätte sich gern noch mehr Krawall gewünscht - also mehr Corona- oder Impfskeptiker in den Talkshows. "Es war auf jeden Fall ein Fehler, diese Leute nicht mit in die Debatten zu nehmen - denn ein großes Publikum hatten sie ja ohnehin... Die Stars der Alternativszene waren ja nun nicht nur Wissenschaftler, die von der Materie von Grund auf keine Ahnung haben. Klaus Stöhr etwa hat das Globale Influenzaprogramm der WHO geleitet. Schauen Sie, wie Lockdown-Fanatiker mit ihm umgegangen sind! Ja, man hätte mehr Wissenschaftler in die Debatten integrieren müssen, und zwar schon zu Beginn der Krise. Mal hätte man ihnen recht geben müssen, mal wären sie knallhart widerlegt worden. Aber der Diskurs wäre offener gewesen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2023 - Medien

Gestern zitierten wir einen Artikel von Michael Maier von der Berliner Zeitung über die Feierlichkeiten zum "Tag des Sieges" in der russischen Botschaft. Gerhard Schröder gehörte zum Kreis der illustren Engeladenen, aber auch die erwartbaren Politiker aus dem rotbraunen Sumpf. Nur ein kleines Detail fehlte in Maiers Artikel, das heute Christian Latz und Lea Schulze  im Tagesspiegel ergänzen: "Auch der Verleger der Berliner Zeitung Holger Friedrich war anwesend, ein Foto zeigt ihn im angeregten Gespräch mit dem russischen Botschafter Sergei Jurjewitsch Netschajew."

Ex-Bild-Chef Kai Diekmann war einer der Hauptverantwortlichen für die Hetzjagd der Medien auf Christian Wulff, die wohl kaum je in diesen aufgearbeitet werden wird. Nun hat er seine Memoiren geschrieben, in dem er seine Version der Geschichte erzählt. "Das Amt war vermutlich eine Nummer zu groß für ihn", sagt er im Gespräch mit Tomasz Kurianowicz in der Berliner Zeitung über Wulffs Fehler, ihm auf dem Anrufbeantworter zu drohen, und findet statt dessen lobende Worte für einen anderen Politiker: "Gerhard Schröder hätte das nicht getan. Er hat mir mal gesagt: 'Man ruft bei Chefredakteuren nicht an. Und wenn ich Sie angerufen hätte, hätte ich allerhöchstens gesagt: Sie Armleuchter! Das hätte ich aber auch nicht selbst getan, ich hätte es jemanden sagen lassen.' Was für ein Selbstbewusstsein. Schröder war geschnitzt für sein Amt. Wulff war es nicht." Wenig später wird's zur Propaganda: "Aber es ging Schröder, davon bin ich heute überzeugt, auch wirklich um Aussöhnung, um die Fortführung der deutsch-russischen Freundschaft, die Gorbatschow und Kohl angestoßen haben. Und das ist auch der Grund, warum Gerhard Schröder bis heute Putin gegenüber loyal ist. Schröder ist bereit, bürgerliche Nachteile in Kauf zu nehmen, weil er einen Mann, den er seinen Freund nannte, nicht verraten möchte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2023 - Medien

In der FAZ ist der Produzent Günter Rohrbach entsetzt, wie die ARD mit ihrem verstorbenen Intendanten Hans Abich umgeht. Sicher, Abich, 15 Jahre alt als die Nazis an die Macht kamen und von seiner Kinderlähmung geprägt, wurde mit 19 Mitglied der NSDAP und schrieb für rechte Medien. Und er verschwieg diese Episode später. Aber: "Wie absolut fehlerfrei muss ein Leben verlaufen sein, das am Ende als ein gelungenes bezeichnet werden kann", fragt Rohrbach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2023 - Medien

Keinen türkischen Journalisten haben wir im Perlentaucher häufiger zitiert als Bülent Mumay, der in seiner brillanten FAZ-Kolumne immer wieder die Korruption in der Türkei unter Erdogan anprangerte. Nun wird ihm für einen Artikel in einem türkischen Medium über eine korrupte Auftragsvergabe an einen Erdogan-nahen Baubetrieb eine Haftstrafe angedroht. Die FAZ protestiert auf der ersten Seite des Feuilletons. "Das Urteil stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit unseres Mitarbeiters Bülent Mumay dar. Wir lassen ihm jede erdenkliche Unterstützung zukommen."

In der NZZ ist Benedikt Neff einigermaßen angeekelt von der Begeisterung, mit der deutsche Zeitungen die Mails von Mathias Döpfner öffentlich geteilt haben: "Die deutschen Medien haben die Persönlichkeitsverletzungen der Bild-Zeitung immer wieder angemahnt. Sie selbst scheinen damit aber nicht das geringste Problem zu haben, wenn es die für sie richtige Person trifft. ... Vielleicht also sagt die Veröffentlichung der privaten SMS mehr aus über die deutschen Medien als über Mathias Döpfner."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2023 - Medien

In der taz verabschiedet Caspar Shaller den vor dem Konkurs stehenden Medienkonzern Vice, der mit seiner Mischung aus schockierenden Inhalten (Kongo, Nordkorea, krasse Schönheits-OPs) und roher Ästhetik zur Bibel der Millenials und Hipster wurde. Der Oberflächenreiz verbarg aber auch einen gewissen Nihilismus, meint Shaller: "Schon im Magazin war ein misogyner Einschlag zu bemerken, der die Offenbarungen über das toxische Arbeitsklima wenig überraschend machte. Selbst dass Mitgründer Gavin McInnes nach seinem Ausstieg zu einer der wichtigsten Stimmen der Alt-Right-Bewegung wurde und die Neonazi-Organisation ProudBoys aufbaute, die bei der Stürmung des Kapitols maßgeblich beteiligt war, kam nicht aus dem nichts. Aber in einer Zeit, in der Haltung und Professionalität im Journalismus wieder an Stellenwert gewonnen haben, hat sich Vice mit seiner Gonzo-Berichterstattung und ausgestellter Naivität keine Gefallen mehr gemacht. Vice war wie eine tolle Party, auf der Millenials über alle möglichen digitalen Kanäle mitfeiern konnten. Aber mittlerweile dauert der Kater viel länger als noch vor ein paar Jahren."

In der FAZ schildert Jürg Altwegg, wie sich Frankreichs Milliardäre die Zeitungen und Fernsehsender zuschieben, dabei immer darauf achtend, dass eine Krähe der anderen kein Auge aussticht. Im Mittelpunkt des Kartells steht der erzkonservative Vincent Bolloré: "Der Schriftsteller Erik Orsenna, Mitglied der Académie française, hat ein Werk über Bolloré veröffentlicht: 'Die Geschichte eines Ogers'. Sie beginnt mit dem Hinweis des Autors, dass er sich den besten Anwalt von Paris genommen habe: Bolloré ist auch dafür berüchtigt, dass er Kritiker mit langwierigen Prozessen zermürbt ... Ein prominentes Opfer hat sein Buch gleichwohl gefordert: Der Chefredakteur der renommiertesten Wirtschaftszeitung Les Echos wurde entlassen. Knall auf Fall. Vermutlich hat ihn eine Rezension von Orsennas 'Oger' den Job gekostet. Die Redakteure protestierten gegen die 'brutale Ausschaltung' mit der Weigerung, ihre Artikel namentlich zu zeichnen. Das Blatt gehört dem Luxus-Unternehmer (LVMH) und 'reichsten Mann der Welt' Bernard Arnault. In seinem Boulevardblatt Le Parisien rügen die Journalisten die einseitige Berichterstattung über die Rentenreform. Gegen die eingeleitete Entlassung einer weiteren Journalistin bei Paris Match protestieren nur noch die Kollegen unabhängiger Medien (wie Mediapart)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2023 - Medien

"Ein Veranstaltungsunternehmer hatte Obama, der auch sonst gerne mal Vorträge für 400.000 Dollar Gage bei Investmentbankern hält, nach Europa geholt, damit er einfach mal erzählt", berichtet in der Welt Jörg Wimalasena, der sich bei Eintrittspreisen von mehreren hundert Euro ein bisschen mehr als "Plattitüden" erwartet hätte. "Dabei gäbe es genug offene Fragen. Etwa: Welchen Anteil hat Obama selbst an den schwierigen sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen im Land, die den Aufstieg Donald Trumps ermöglichten? (…) Die Gesundheitsreform 'Affordable Care Act' entpuppte sich weitgehend als Subventionsmaschinerie für die private Versicherungsindustrie, Obamas zurückhaltende fiskalische Reaktion auf die Finanzkrise hat dazu beigetragen, dass Millionen Menschen Häuser und Jobs verloren. Eine Brutstätte für künftige Trump-Wähler."
Stichwörter: Obama, Barack, Trump, Donald