Es stellt sich immer wieder heraus: Interviews mit antidemokratischen Politikern, die von Fernsehsendern auch noch wie eine Staatsaktion inszeniert werden,
haben keinen Sinn.
CNN lud Donald Trump zu einem "Town Hall", einer Bürgerfragung ein, und dieser machte die Moderatorin
Kaitlan Collins platt, berichtet unter anderem Nina Rehfeld in der
FAZ: "Collins hatte gegen das, was der einstige Trump-Berater Steve Bannon '
flood the zone with shit' nannte, keine Chance. Als sie mit Fragen zu den Regierungsdokumenten, die er mit in seine Privatresidenz nahm, hartnäckig blieb, nannte er sie eine 'nasty person'. Das Publikum johlte: ein Trump-Klassiker!"
Die
Berliner Zeitung setzt ihre bizarre Berichterstattung über die Feiern zum "Tag des Sieges" in der russischen Botschaft fort. Herausgeber Michael Maier hatte ja zuerst berichtet (unser
Resümee), gekommen waren außer Gerhard Schröder nur Politiker der AfD und Linkspartei. Und sein Verleger
Holger Friedrich, der allerdings von Maier nicht erwähnt wurde. Maier
resümiert heute AfD-internen Streit über die Veranstaltung. Und Holger Friedrich
betont in einem Rechtfertigungsartikel, dass er nicht nur die russische, sondern auch andere Veranstaltungen zum Anlass besucht hatte. Zur Veranstaltung in der russischen Botschaft schreibt er: "Ein Freund, der in der
Administration arbeitet, hatte mir angeboten mitzukommen. Ich sagte zu, aus Interesse, aber auch, weil
ablehnende Vereinfachungen häufig genug das Gegenteil von dem bewirken, was gewollt ist. Zudem, weil der Tag eine aktuelle, aber auch diese historische Dimension hat.
Wohl konnte sich niemand fühlen. Die russische Hymne war ergreifend. Dieser Moment der Besinnung wurde der
Ehrung Überlebender gewidmet. Mit diesem Blick in die weite Vergangenheit verlief sich die Veranstaltung. Es wäre vielleicht die Möglichkeit gewesen, an so einem Tag in Berlin
der Ukraine die Hand zu reichen, einen Prozess der Verständigung einzuleiten, auch über die sich immer weiter auftürmende Schuld Russlands. Aber das war leider kein Thema."
Im
Freitag diskutieren Medienwissenschaftler
Marcus Maurer und
Welt-Journalist
Tim Röhn, moderiert von Michael Angele über die Frage, ob die Medien während der
Corona-Pandemie und in der Kritik an den Maßnahmen versagten. Ein klares Resümee lässt sich nicht ziehen. Maurer sagt: "In unserer Studie haben wir gesehen, dass
Christian Drosten und später
Karl Lauterbach die Debatte weitgehend bestimmt haben. Wir hatten in den Medien eine Fokussierung auf ein paar wenige Experten,
Virologen, bei einem Thema, das auch andere Wissenschaftsdisziplinen betrifft." Röhn hätte sich gern
noch mehr Krawall gewünscht - also mehr Corona- oder Impfskeptiker in den Talkshows. "Es war auf jeden Fall ein Fehler, diese Leute nicht mit in die Debatten zu nehmen - denn ein
großes Publikum hatten sie ja ohnehin... Die Stars der Alternativszene waren ja nun nicht nur Wissenschaftler, die von der Materie von Grund auf keine Ahnung haben.
Klaus Stöhr etwa hat das Globale Influenzaprogramm der WHO geleitet. Schauen Sie, wie Lockdown-Fanatiker mit ihm umgegangen sind! Ja, man hätte mehr Wissenschaftler in die Debatten integrieren müssen, und zwar schon zu Beginn der Krise. Mal hätte man ihnen recht geben müssen, mal wären sie
knallhart widerlegt worden. Aber der Diskurs wäre offener gewesen."