Der Mord am ehemaligen japanischen Premier
Shinzo Abe legt Beziehungen dieses einflussreichen Politikers zur
Moon-Sekte offen, die 1954 von dem Koreaner Sun Myung Moon gegründet wurde,
berichtet etwa Martin Fritz in der
taz. Der mutmaßliche Attentäter Tetsuya Yamagami habe sich an einem Politiker
rächen wollen, der der Sekte nahestand, heißt es, weil die Sekte seine Mutter und mit ihr seine ganze Familie ruiniert habe.
Die Medien beschwiegen dieses Motiv tagelang, aber auf den sozialen Medien brach sich die Wahrheit Bahn: "Über die Gründe für die
selbst auferlegte Nachrichtensperre wird heftig spekuliert. Auf Twitter hieß es zunächst, die Behörden fürchteten pogromartige Übergriffe gegen Japaner koreanischer Abstammung. Plausibler erscheint, dass die Medien das
Ansehen des Ermordeten schützen wollen: Denn dass Abe ausgerechnet eine koreanische Sekte mit zweifelhaften Geschäftspraktiken unterstützte, passt so gar nicht zu seinem Image des strammen Nationalisten. Dabei ist diese Beziehung ein offenes Geheimnis."
Auf Twitter gibt es einige interessante Threads zu diesem Hintergrund - die Moon-Sekte steht in vielen Ländern rechtspopulistischen bis -extremen Parteien nahe, schreibt der Japanologe
Jeffrey J. Hall:
In der
FAZ würdigt Patrick Welter den Strategen und Diplomaten Abe, der dem Schwergewicht China "die
verlockende Idee des Indopazifiks" entgegenhielt, der im "im Viereck der Demokratien Indien und Japan, Amerika und Australien" bestehen soll.
Während die chilenische Diktatur auch hierzulande gut im Gedächtnis ist, wird weniger über das noch blutigere
Regime der Generäle in Argentinien in den siebziger Jahren geschrieben. Matthias Rüb berichtet in der
FAZ, dass nun zum ersten Mal ehemalige Militärs wegen der Praxis der "
Todesflüge" verurteilt wurden. Tausende politische Gefangene wurden über den offenen Meer abgeworfen. "Das Gericht teilte nach dem Urteilsspruch mit: 'Während der Verhandlung konnte anhand von Zeugenaussagen die Funktionsweise dieser geplanten und
systematischen Maschinerie nachgewiesen werden, mittels welcher Tausende Menschen eliminiert wurden.' In ihrem Schlussplädoyer hatte Staatsanwältin Gabriela Sosti dargelegt, dass von den mehr als 6.000 Menschen, die auf dem Campo de Mayo interniert waren oder dorthin zu den Todesflügen verbracht wurden,
weniger als ein Prozent überlebten."
"Möglicherweise war … der sehr
liberale Supreme Court in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine
Ausnahme", sagt der Amerikanist
Michael Hochgeschwender im
SZ-Gespräch mit Johan Schloemann: "Die Demokraten hatten in den Sechziger- und Siebzigerjahren stark von der Zusammensetzung des Supreme Courts profitiert, als man über das Gericht liberale Anliegen durchsetzen konnte, für die man eigentlich selbst keine Mehrheit hatte. Seit den Neunzigerjahren sorgten die Republikaner dann relativ
systematisch über Mehrheiten im Kongress dafür, dass konservative Richterinnen und Richter ernannt wurden. Und zwar sehr konservative. Frühere konservative Richter haben auch mal für liberale Anliegen gestimmt. Das tun die heutigen nicht mehr. Wechselnd votiert nur noch der Vorsitzende des Gerichts, John Roberts. Sonst aber gibt es eine
linientreue Verhärtung auf beiden Seiten." In der
FAZ schreibt Isa Hoffinger, dass sich die Gegnerschaft zu Abtreibung häufig aus
einem Familienbild ableite, das im 18. Jahrhundert entworfen worden sei. "Das bürgerliche Familienmodell war nichts weiter als
ein Konstrukt. Das Tragische ist, dass es auch heute wieder die Frauen sind, die für die Aufrechterhaltung eines Ideals bezahlen müssen. "
Auf
ZeitOnline schildert eine afghanische Studentin ihren
Alltag in Kabul zwischen Uni und Todesangst. Sie kenne Familien, "die sich seit dem ersten Tag der Taliban-Herrschaft aus Angst gezwungen sahen, ihre
unverheirateten Töchter bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter Zwang oder mit deren Einverständnis zu verloben und zu verheiraten. So wollten sie verhindern, dass ihre Töchter, falls die Lage sich zuspitzt,
von Taliban schikaniert oder entführt werden. Andere junge Frauen, die bereits verlobt waren, zogen ohne das übliche Hochzeitsfest in das Haus ihres Bräutigams, denn die Taliban versuchen, solche Feiern zu verhindern. Auch heute noch, knapp ein Jahr nach ihrer Machtübernahme, kommen Taliban zu
Durchsuchungen in Festsäle, in denen Hochzeitsfeiern stattfinden. Wenn sie eine Musikanlage und eine Tanzfläche vorfinden, werden der Veranstalter der Hochzeitsfeier und der Besitzer des Restaurants mit Geldstrafen belegt und verprügelt."