Samiha Shafy unterhält sich in der
Zeit mit der Aktivistin
Erika Bachiochi, die sich als Feministin betrachtet und dennoch findet, dass die
Abtreibungsentscheidung des Supreme Court in die richtige Richtung weise. Sie begründet das mit sozialen Argumenten: "In einem libertären System, in dem Abtreibung bis zum jetzigen Urteil des Supreme Court umfassender erlaubt war als in jedem anderen Land der Welt, drängen einen die wirtschaftlichen Gegebenheiten
in Richtung Abtreibung. Arbeitsplätze, die
nicht familienfreundlich sind, Gesundheitssysteme, die
arme Menschen nicht unterstützen, die Vorstellung, dass die Gesellschaft nicht dafür zuständig ist, Familien zu helfen, und dann auch noch diese sehr liberale Abtreibungspolitik - all das führt Frauen in Richtung Schwangerschaftsabbruch."
Die amerikanische
Verfassung steckt in der Krise,
konstatiert die an der Michigan State University lehrende Philosophin
Christine Lotz in einem langen Essay in der
FR: "Man kann davon ausgehen, dass das Verfassungsgericht sich irgendwann wieder mit dem Problem beschäftigen wird müssen, weil zu erwarten ist, dass eines der höchsten Rechtsgüter, nämlich die
Rechtssicherheit selbst,
in Gefahr gerät: Während es in einigen Staaten sehr restriktive Gesetze geben wird, die teilweise sogar noch aus der
Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen, wird es in anderen Staaten liberaler zugehen, was dann zur Folge hat, dass viele Frauen der ersteren in den letzteren Staaten um Hilfe bitten werden. Staaten müssen dann gegeneinander Gesetze und Verordnungen erlassen. ... Rechtsunsicherheit und die Kriminalisierung werden zunehmen. Ausgrenzung ist die Folge."
Die
kolumbianische Wahrheitskommission unter Padre Francisco de Roux hat ihren Abschlussbericht vorgestellt,
berichtet Katharina Wojczenko in der
taz. Nach Anhörung von 30.000 Zeugen wird Bilanz gezogen: "Würden alle Opfer eine Gedenkminute bekommen, müsste 17 Jahre Stille herrschen. 80 Prozent der Opfer waren Zivilistïnnen.
450.600 Menschen sind mindestens ermordet worden." Wie der Gewaltzusammenhang zwischen
Staat und Guerilla genau funktionierte, macht Wojczenko nicht klar. Hauptschuldig scheint der Staat zu sein. Der Bericht fordert aber auch "eine radikale Änderung der
Drogenpolitik, vom Verbot zur einer 'verantwortungsvollen rechtlichen Regulierung', um den Drogenhandel einzudämmen, der den Konflikt befeuert hat. Kolumbien solle sich dafür auch international einsetzen. Den '
War on Drugs' erklärt die Kommission für gescheitert." Der Bericht wird auf einer eigens geschaffenen
Online-Plattform präsentiert und weiter vertieft.
Avi Zinger war der Lizenznehmer von Ben & Jerry's, einer von Unilever betriebenen Speiseeis-Marke, in Israel. Er lieferte und fertigte auch in den besetzten Gebieten, mit vielen palästinensischen Arbeitnehmern. Dann beugten sich die Ben & Jerry-Gründer und der Weltkonzern
dem Druck von BDS. Bei
commonsense.news erzählt Zinger seine Geschichte: "Wie können sich Unilever und Ben & Jerry's noch im Spiegel betrachten? Sie sprechen von sozialer Gerechtigkeit, werfen aber
Hunderte von Mitarbeitern, die dem Unternehmen seit vielen Jahren die Treue gehalten haben, vor die Tür. Ich weigere mich, mein Volk auf diese Weise im Stich zu lassen. Und es sind die Palästinenser, die am meisten darunter zu leiden haben werden."