Die katholische Kirche hat über Jahrzehnte in Kanada mit dem Staat kooperiert, um Kinder aus indigenen Völkern in Internate zu verfrachten und dort
brutal zu assimilieren. Viele Kinder sollen ums Leben gekommen sein, viele Erwachsene sind
bis heute traumatisiert. Der Papst hat sich jetzt entschuldigt, aber das reicht nicht,
kommentiert Tanja Tricarico in der
taz: "Wie Franziskus twittert, ist Vergebung eine Gnade, die
erbeten werden muss. Der Papst trifft auf seiner Reise durch Kanada Menschen, die die Kirche zerstört hat. Und er hört ihre Forderungen. Die kanadische Regierung hat bereits für die Betroffenen
Entschädigungszahlungen zugesagt. Der Staat wusste von den Misshandlungen in den kirchlichen Einrichtungen, billigte die erzwungene Anpassung von indigenen Kindern an die weiße Mehrheitsgesellschaft. Die Kirche hält sich allerdings
mit Zahlungen zurück. Und grausam mutet an, dass
Rom keine Akten herausgeben will, die für die Aufklärung weiterer Taten sowie die Strafverfolgung der Täter:innen notwendig wären."
Hier der Bericht der
taz zur Kanada-Reise des Papstes.
Dass viele
indigene Kinder in Kanada von der Katholischen Kirche misshandelt wurden, steht außer Frage,
schreibt Jonathan Kay in
Quillette. Die Brutalitäten katholischer "Erziehung" waren ja schon in
Irland deutlich geworden. Eine ganz andere Sache ist allerdings die Berichterstattung über die ehemalige
Residential School in Kamloops (British Columbia). Hier sollen im Dezember 2020 über 200 Gräber gefunden worden sein, schrieben die
New York Times und praktisch alle
nationalen und internationalen Zeitungen. Tatsächlich wurde noch
kein einziges Grab gefunden, geschweige denn menschliche Überreste, so Kay. Radiologische Scans haben bislang nur gezeigt, dass dort Boden bewegt wurde, Grabungen haben auch anderthalb Jahre später noch nicht stattgefunden. Wie konnten daraus in den Medien
Massengräber werden? Kaye nimmt vor allem die
New York Times aufs Korn, die "am 28. Mai 2021 der Welt die Entdeckung eines 'Massengrabes' in Kanada
mitteilte. Diese Behauptung steht auch heute noch in der Schlagzeile über einem Artikel des langjährigen Korrespondenten Ian Austen, der berichtete, dass 'eine indigene Gemeinde in British Columbia
Beweise für ein Massengrab gefunden hat'. Die Wahrheit ist, dass
keine indigene Gemeinschaft so etwas behauptet hat. Die Anführerin der von Austen erwähnten First-Nations-Gemeinschaft, Rosanne Casimir von Tk'emlúps te Secwépemc, erklärte gegenüber den Medien ausdrücklich, dass es kein Massengrab gebe, und wies die Verwendung des Begriffs zurück." Und der Artikel war laut Kaye auch kein "isolierter Fehler. Zehn Tage später verfasste derselbe Reporter der
Times einen
Folgebericht, der bis heute eine Unterüberschrift trägt, die sich auf 'die Entdeckung der
Überreste von Hunderten von Kindern' bezieht. Wie Austens erster Bericht ist auch dieser
schlichtweg falsch. Es sind keine 'Überreste' entdeckt worden." Mit dieser Art von Berichterstattung, die sich einer
höheren Wahrheit verpflichtet glaubt, hat nicht nur der Journalismus viel Kredit verspielt, glaubt Kay. "Es könnte sich jedoch herausstellen, dass es die
Einheimischen selbst sind, die am meisten unter dieser traurigen Episode zu leiden haben. Wenn man bedenkt, wie schrecklich die Gemeinschaften der First Nations, Inuit und Métis im Laufe der kanadischen Geschichte behandelt wurden, gibt es mit Sicherheit
genügend reale Beweise für vergangene Grausamkeiten, die darauf warten, von Forschern gefunden zu werden. Es scheint unvermeidlich, dass eines Tages
echte Leichen an die Oberfläche kommen - echte, unbestreitbare Beweise für eine reale historische Gräueltat, die bisher unbekannt war oder im Dunkeln lag. Wenn in diesem authentischen Moment der Entdeckung Journalisten und Politiker plötzlich feststellen, dass es unmöglich geworden ist, das Interesse und die Sympathien einer
abgestumpften,
misstrauischen kanadischen Öffentlichkeit zu wecken, sollten wir nicht so tun, als ob wir den Grund dafür nicht kennen würden."