SZ-Autor Peter Richter war bei der Grundsteinlegung des neuen Quartiers "Am Tacheles", eines der zahlreichen Areale, an denen in Berlin der neue Kampf zwischen
Kapital und Stadt ausgetragen ausgetragen werde. Berlin hatte das Grundstück um die Kulturruine 1998 für gerade mal
2,8 Millionen Mark an die schwedische Fundus-Gruppe verkauft, die es dem New Yorker Imvestor Perella Weinberg Real Estate für immerhin 150 Millionen Euro weiterverkaufte, wie Richter
berichtet. Nebenan gibt es die Ausstellung
"Politik des Raums" im Neuen Berliner Kunstverein: "Die eigentliche Wucht entfaltet sich jedoch da, wo eine Dokumentation fast beiläufig bemerkt, dass der Verkauf landeseigenen Bodens der Stadt seit dem Mauerfall nicht mehr eingebracht hat als
fünf Milliarden Euro... Fünf klägliche Milliarden Euro für Grundstücke aus öffentlichem Besitz, die zusammengenommen immerhin die
Fläche des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ergeben.
In der
NZZ schwingt Stephan Russ-Mohl die Keule gegen die
Berliner Landespolitik. Schlimmer noch als Mietendeckel oder Stadtmöbel findet er, dass das rot-rot-grüne Flair auf die Bundespolitik abfärbt, sozusagen wie bei einer durchlässigen Käseglocke: "'Innen' ist der GroKo-Politikbetrieb, 'außen' ist die Stadt, das Umland, der Lebensraum, in dem Politiker, Bürokraten, Lobbyisten und ihre Helfershelfer ihren Alltag und einen Großteil ihrer freien Zeit verbringen: der Medienbetrieb, die Szene-Restaurants, das Verkehrschaos, der verwahrloste öffentliche Raum, die Parks, in denen
gekifft und gedealt wird, die Kitas und Schulen im Niedergang. All dies summiert sich zum 'Anything goes', für das Berlin seit langem stand und das - vom Lebensgefühl her - tagtäglich in ein '
Nichts geht mehr' umzukippen droht."