Im großen
Welt-Interview verteidigt der chinesische Schriftsteller
Liao Yiwu Deutschland gegenüber
Ai Weiwei, bestätigt, dass die chinesische Regierung gezielt
Menschen einschleust, die sich in
Hongkong als Demonstranten tarnen, um dann Teilnehmer zu verhaften und erklärt, wie China die eigene Jugend so
unter Kontrolle bringt, dass sie nicht aufbegehrt: "Die jungen Leute sind heute in einer anderen Situation. 1989 gingen sie noch zusammen auf die Straße für ein gemeinsames Ziel. Das gibt es nicht mehr. Ein Grund ist sicherlich die Propaganda und die
permanente Gehirnwäsche. Andererseits gibt es diese terroristische Kontrolle der gesamten Bevölkerung. Gerade junge Leute kommunizieren über WeChat, eine Plattform, die vom Staat unter totaler Kontrolle steht. Es ist schon vorgekommen, dass eine Chat-Gruppe von 200 Leuten auf einen Schlag festgenommen wurde. Den jungen Menschen wird plötzlich bewusst, in welcher Gefahr sie sich befinden. Die staatliche Kontrolle kann sich hinter dieser neuen,
hochmodernen Technikwelt ganz gut verstecken. Die alltägliche Überwachung kommt dann nicht mehr brutal und offensichtlich, sondern smart und geschmeidig daher. So ist das in einer
Hightech-
Diktatur, wie ich sie nenne." Die beiden Hongkonger Aktivisten
Agnes Chow und
Andy Chan wurden festgenommen,
berichtet unterdessen unter anderem der
Guardian.
In der
FAZ protestiert Liao Yiwu dagegen, dass sein ehemaliger Gulaggenosse
Yang Wei von Kanada nach China ausgeliefert wird, weil er in Kanada jemanden mit dem Messer bedrohte. Yang sei offensichtlich
geistig verwirrt, so Liao und schildert einen Dialog, in dem ihm Yang sagte, warum er
China verlassen musste: "Du bist berühmt, die Polizei ist ein bisschen höflicher zu dir. Aber das letzte Mal, als sie mich geschnappt haben, haben sie mich zuerst stundenlang
kopfüber aufgehängt, dann am Kopf gepackt und gegen die Wand geschlagen, bis ich ohnmächtig war. Mein Hirn funktioniert nicht mehr gut, ich vergesse viele Sachen, wenn ich mich anstrenge, wird mir schwindlig. Wenn die mich wieder einfangen, ist es aus." (Yang Wei wurde am Mittwoch nach China zurückgeschickt,
meldet die
BBC.)