In Marokko ist die Journalistin
Hajar Raissouni nach wie vor in Haft. Ihr droht Gefängnis, weil ihr außereheliche Beziehungen und
eine Abtreibung vorgeworfen werden (unser
Resümee).
Le Monde publiziert einen von der Schriftstellerin
Leila Slimani mitformulierten Aufruf von 470 prominenten und weniger prominenten MarokkanerInnen: "Wir, Bürgerinnen und Bürger Marokkos, erklären, dass wir
außerhalb des Gesetzes leben. Wir brechen ungerechte, überlebte Gesetze, die abgeschafft gehören. Wir hatten außereheliche sexuelle Beziehungen. Wir hatten Abtreibungen oder haben Abtreibungen durchgeführt. Wir haben gelernt zu heucheln, vorzutäuschen, zu lügen. Wir lange noch?"
Im Leitartikel
erläutert die Redaktion von
Le Monde: "In Marokko wurden 2018 14.503 Menschen wegen sexueller Beziehungen außerhalb der Ehe belangt, und man schätzt, dass jeden Tag zwischen 600 und 800 illegale Abtreibungen durchgeführt werden."
Marokko steht nicht allein. Die
USA sollen in einem Brief, der vermutlich an die
Mitglieder der Vereinten Nationen geschickt wurde, diese gedrängt haben, sich einer "
wachsenden Koalition"
aus Abtreibungsgegnern anzuschließen,
berichtet Liz Ford im
Guardian. "In dem Brief, der offenbar von Außenminister
Mike Pompeo und dem Sekretär des Gesundheits- und Sozialdienstes
Alex Azar unterzeichnet wurde, werden die Regierungen aufgefordert, eine gemeinsame Erklärung gegen 'schädliche' UN-Politiken zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte zu unterzeichnen. Die Erklärung wird am Montag auf einer hochrangigen Sitzung der UN-Generalversammlung über die allgemeine Gesundheitsversorgung vorgestellt, heißt es in dem Schreiben", so Ford und zitiert aus dem Brief: "'Als eine der wichtigsten Prioritäten in der globalen Gesundheitsförderung bitten wir Ihre Regierung respektvoll, sich den Vereinigten Staaten anzuschließen und sicherzustellen, dass jeder souveräne Staat in der Lage ist, den
besten Weg zum Schutz des Ungeborenen zu finden und die Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft zu verteidigen, für die Kinder, die ein erfolgreiches und gesundes Leben führen, von entscheidender Bedeutung ist', heißt es in dem Brief. 'Wir sind nach wie vor zutiefst besorgt darüber, dass die aggressiven Bemühungen um eine Neuinterpretation der internationalen Instrumente zur Schaffung eines
neuen internationalen Rechts auf Abtreibung und zur Förderung einer internationalen Politik, die die
Familie schwächt, in einigen Foren der Vereinten Nationen vorangekommen sind.'"
Und dann natürlich die Meinungsäußerung des Tages:
Greta Thunbergs Rede vor den Vereinten Nationen, die unter anderem im
Guardian nachgedruckt wird: "Wie
können Sie es wagen! Sie haben meine Träume und meine Kindheit mit ihren leeren Worten geraubt."