
Für die
FAS haben Julia Encke und Jürgen Kaube ein episches Gespräch mit
Deborah Feldman geführt, deren Buch
"Der Judenfetisch" gerade erschienen ist. In Israel steuern wir "fast schon unbeirrbar auf eine
radikale Theokratie zu", meint sie und glaubt, dass es eine
Auswanderungswelle aus Israel geben werde: "Als der linke Zionismus sich in Israel entwickelt hat, fanden die
Orthodoxen das eigentlich sehr bedrohlich. Erst haben sie sich nur dagegen abgeschottet. Sie haben gesagt: Wir gehen nicht in die Armee, wir wollen uns nicht in diese Mehrheitsgesellschaft integrieren. Ihr müsst uns einfach Ausnahmen einbauen in eure Gesetze, dann lassen auch wir euch in Ruhe. Aber immer war im Hintergrund dieser Plan:
Irgendwann sind wir zahlenmäßig stärker, und dann werden wir diesen Staat umformen nach unserem Geschmack. Und dann kommt noch ein Faktor hinzu: Je mehr Israel sich bedroht fühlt, desto mehr fühlen sich areligiöse Menschen in Israel
von der Religion angezogen und flüchten sich in eine religiöse Identität, um moralisch klar Position beziehen zu können, wo sie im Nahostkonflikt stehen. Die Religion bietet ein Narrativ an, das eine viel schlüssigere moralische Erklärung dafür ist, warum wir einem fremden Volk Leid zufügen 'müssen"."

Die in Xinjiang geborene Kasachin
Sayragul Sauytbay war eine der ersten Überlebenden eines
Lagers in Xinjiang, gemeinsam mit Alexandra Cavelius hat sie vor zwei Jahren unter dem Titel
"China Protokolle" über die chinesischen Vernichtungslager berichtet. Im
Tagesspiegel erzählt sie von ihren Erfahrungen im Lager und der
Verfolgung auch anderer
muslimischer Ethnien in China, wie Usbeken, Tataren, Kirgisen oder Tadschiken: "Einen Teil der Menschen sperren sie in moderne
Konzentrationslager, einen weiteren Teil verpflichten sie zur
Zwangsarbeit in der eigenen Heimat und die übrigen verschicken sie zur Arbeit ins Innere Chinas". Noch im schwedischen Exil wird Sauytbay von Kadern der Partei verfolgt, um sie "mundtot" zu machen: "'Sie wissen, wo ich bin', sagt Sauytbay, 'und sagen mir das am Handy.' In den Drohungen heißt es: '
Du bist nirgendwo sicher' oder 'Denk an deine Kinder'. Wie bei anderen Dissidenten benutzt die KP zugleich auch die Familienangehörigen in der Heimat wie Geiseln, sperrt sie ein und zwingt sie dazu, ihre Liebsten im Ausland öffentlich zu verleumden. Unverdrossen aber warnt Sauytbay die Politiker weltweit: 'Ziel der KP ist es, den Überwachungsstaat wie in Xinjiang auch
in andere Länder zu exportieren.'"
Knapp ein Jahr nach dem Tod von
Mahsa Amini ist zwar ein Sturz des Regimes im Iran nicht in Sicht, aber auch der Widerstand hält an, berichtet Friederike Böge in der
FAZ. Viele Frauen widersetzen sich weiterhin dem
Kopftuchzwang, während die Regierung ein neues Gesetz auf den Weg bringen will, das Strafen für Verstöße gegen die Kleiderordnung verschärft: "
Verwarnungen kommen meist per SMS und klingen so: '
Veehrter Fahrzeugbesitzer mit dem Nummernschild XYZ: In Ihrem Auto ist es am 27. März um 00.38 in der Nähe der Taleshan-Brücke zu einem Gesetzesverstoß (Entschleierung) gekommen. Nutzen Sie im Falle eines Widerspruchs innerhalb von 48 Stunden den unten stehenden Link. Im Falle einer Wiederholung wird ihr Fahrzeug beschlagnahmt.' Das neue Gesetz, das in diesem Monat in Kraft treten soll, sieht
Fahrverbote von bis zu drei Monaten vor. Bisher waren es nur zwei Wochen. Vor allem Taxifahrer trifft das hart, weshalb sich schon jetzt tagtäglich Konflikte in Taxis abspielen. 'Ich bitte die Frauen höflich, ein Kopftuch aufzusetzen', sagt ein Taxifahrer, der bereits zwei Verwarnungen erhalten hat. 'Aber die meisten weigern sich.'"
Anders als bei den Putschen in der
Sahelzone geht es in
Gabun nicht um das Problem terroristischer, oft islamistischer Gruppierungen, sagt im
Tagesspiegel-Gespräch mit Viktoria Bräuner die Politologin
Anja Osei: "In Gabun geht es um die Verteilung der politischen Macht und darum, dass nur eine kleine Gruppe von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft profitiert. Auch wenn das Land ein im Vergleich zum Sahel höheres Pro-Kopf-Einkommen hat und auch in Indikatoren wie Bildung oder Frauenrechten besser abschneidet, ist der
Reichtum sehr ungleich verteilt. Die politische Elite in Gabun ist stark durch
Familienbeziehungen geprägt - in der Regierung, aber auch in der Opposition. Selbst im Militär finden sich Verwandte des Clans: Der Anführer der Putschisten, Brice Oligui Nguema, ist ein Cousin von Ali Bongo."