Ist der Tod von
Mahsa Amini der Tropfen, der das Fass überlaufen lässt? "Auch der letzte Schah im Iran, Mohammed Reza Pahlavi, hatte einen ausgeklügelten und gefürchteten Unterdrückungsapparat aufgebaut",
erinnert Silke Mertins in der
taz. "Dennoch wurde er letztlich aus dem Land gejagt. Wird ein
bestimmter Kipppunkt erst einmal erreicht, ist es wie beim Klima: Es gibt kein Zurück mehr. Natürlich kann niemand voraussehen, ob die aktuellen Proteste diesen einen entscheidenden Funken haben werden, der für eine Revolution nötig ist. Der '
Grünen Revolution'
von 2009 fehlte trotz der Massendemonstrationen dieser Funke. Das könnte dieses Mal anders sein." Ein Regimewechsel könnte ungeheure Folgen haben: "Iran könnte das erste islamisch geprägte Land der Region werden, das eine
Trennung von Staat und Religion erzwingt."
Darum beteiligen sich auch religiöse Menschen an den Protesten, erläutert Rainer Hermann in der
FAZ. Sie "beklagen, dass diese Herrschaft durch Verbote immer mehr Menschen von der Religion entfremde. In wohl keinem anderen Land der islamischen Welt sind
die Moscheen an den Freitagsgebeten so leer wie in Iran."
"
Bella Ciao" wurde zur Hymne der Protestbewegung:
In der
FR macht die Psychotherapeutin
Sahar Sanaie von der NGO Association Internationale pour l'egalité des femmes ihrer Wut über den Tod Aminis Luft: "Iran International, ein iranischer Fernsehsender im Ausland, veröffentlichte
Mahsas MRT-
Aufnahmen, welche sie nach einem Hacker-Angriff auf die Software des Krankenhauses, in dem die junge Iranerin behandelt wurde, erhalten hatten. Die Bilder sprechen für sich: Mahsas
Schädeldecke wurde durch
massive Schläge gebrochen, was zu Hirnblutungen führte. Die Taktik ist immer dieselbe, die Geschichten ähneln sich. Menschen werden zu Tode gefoltert und seien dann an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall verstorben." Die
Weltgemeinschaft muss jetzt die Iraner in ihrem Freiheitsstreben unterstützen, fordert Sanaie: "Spätestens seit der Invasion der Russen in die Ukraine ist deutlich geworden, dass die Zeit des
Händeschüttelns mit Diktatoren zu Ende sein muss."
Der kurdische Vorname von Mahsa Amini ist
Zhina,
erläutert Sham Jaff in einem zweiten Artikel für die
taz: "Das iranische Regime bekämpft Kurd*innen im Iran seit Jahrzehnten mit Gewalt. Dass Zhina Aminis Tod das gesamte Land jedoch derart mobilisieren konnte, das hängt vor allem mit der Person Zhina Amini zusammen. Kurdische Expert*innen weisen auf die
mehrfache Diskriminierung Aminas hin. Ihre Herkunft spiele für die Proteste durchaus eine Rolle."
Es gab zahlreiche Tote bei den Protesten. Auf Twitter kursiert besonders dieses Video von
Hadis Najafi, die bei den Protesten erschossen wurde. Sie war zwanzig Jahre alt.