Die Menschen werden immer säkularer? Der Religionssoziologe
Hans Joas glaubt es nicht. Wenn sie sich von den Kirchen abwenden, suchen sich Menschen eben etwas neues Heiliges, meint er im
Interview mit der
Berliner Zeitung: "Was ich behaupte, ist die Entstehung
immer neuer Sakralisierungen. ... In Umfragen, was ihnen heilig sei, antworten manche Menschen: 'Nichts, da ich keiner Religionsgemeinschaft angehöre.' Aber sie übersehen, dass die Erfahrung des Heiligen etwas
universell Menschliches ist. Das lässt sich an den Werten, an denen Individuen sich orientieren, leicht zeigen. Es gilt aber auch für die großen politischen Bewegungen und Weltbilder. Die
Kommunisten haben den einbalsamierten Leichnam Lenins oder die rote Fahne kultisch verehrt.
Liberale Humanisten halten die Würde des Menschen für unantastbar und bestehen somit auf der Sakralität jeder Person. Selbst dem übelsten Verbrecher, dem grausamsten Terroristen kommt deshalb im Rechtsstaat eine menschenwürdige Behandlung zu. Daran sieht man: Auch das Weltbild des Grundgesetzes enthält Elemente einer - nicht-religiösen - Sakralität."
Der
Deutschlandfunk Kultur interviewt die Juristin und Publizistin
Liane Bednarz, die gerade das
Buch "Die Angstprediger" publiziert hat, in dem sie über rechtsextreme Christen recherchiert. Sie kritisiert die Kirchen, die sich gern als Bastion gegen die AfD geben: "Nach außen hin wenden sich die Kirchen sehr stark gegen Rechtspopulismus,sprechen sich auch sehr kritisch über die AfD aus, jüngst erst wieder Erzbischof Schick in Bamberg, aber mit diesen Christen, die
innerhalb der Kirchen gen rechts gedriftet sind und irgendwo in diesem Graubereich jetzt auch teilweise sind, zwischen konservativ und rechts, sucht man eigentlich nicht die Auseinandersetzung, obwohl die Feindbilder, die dort gepflegt werden, in vielen Fällen
identisch sind mit dem Feindbildern, die man auch im AfD-Milieu trifft."