Mit einer
populistischen Geste ersten Ranges hat CSU-Chef Markus Söder verfügt, dass bayerische Dienstgebäude ab 1. Juni
mit einem Kreuz ausgestattet werden,
berichtet süddeutsche.de. Das
Neutralitätsgebot missachte das nicht, so Söder in seiner Begründung: "Ausdrücklichen Symbolwert haben sollen die Kreuze, die künftig in allen Behörden der bayerischen Staatsverwaltung im Eingangsbereich hängen werden. Söder beteuerte, diese sollten
kein religiöses Symbol des Christentums sein, sondern ein 'Bekenntnis zur Identität' und zur 'kulturellen Prägung' Bayerns. 'Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion', sagte er. 'Das ist kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.'"
In der
Welt findet Lucas Wiegelmann die Entscheidung gut, weil sie der "
pseudo-neutralen Religionsfeindlichkeit" im Land entgegentrete, durch die Begründung aber
entwertet: "Der Verdacht drängt sich auf, statt eines Bekenntnisses zu mehr Christentum in Deutschland samt entsprechenden Konsequenzen (Nächstenliebe, Toleranz, auch offene Spiritualität und Frömmigkeit) solle hier lediglich ein beliebiges Zeichen der
Selbstvergewisserung und
potenziellen Abgrenzung von anderen Kulturen gesetzt werden: ein Bayern- und Deutschlandlogo. Das wäre kein Gewinn an Christentum, sondern eine Zweckentfremdung und
Zwangssäkularisierung seines wichtigsten Symbols."
Das Bundesverfassungssgericht hatte bezüglich von Kreuzen in bayerischen Klassenzimmern allerdings schon mal ganz anders entschieden - hier der
Link zum Urteil von 1995, der auf Twitter kursiert: "Die Anbringung eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist,
verstößt gegen Art. 4 Abs. 1 GG." (Der EuGH hat das allerdings später wieder für zulässig erklärt, vorausgesetzt, andere Religionen würden nicht diskriminiert und dürften ihre Symbole auch zeigen,
mehr hier. Willkommen Kopftuch in deutschen Amtsräumen!)
Und für die
NZZ will der Physiker Hans Widmer
Wissenschaft und Glaube versöhnen. Denn auch wenn der Mensch noch so viel wisse, habe er grundsätzlich ein
Bedürfnis nach Transzendenz. Um dieses zu befriedigen, rät Widmer zu einer
flexiblen Religiosität, die wissenschaftliche Erkenntnisse nicht leugnet: "Nur muss sich der Gläubige mit der Quintessenz von allem Glauben bescheiden, nämlich im Gebot der Liebe zu handeln und sich in der Gnade Gottes aufgehoben zu fühlen.
Verzichtet er darauf, 'unbefleckte Empfängnis', 'leibliche Himmelfahrt' und dergleichen wörtlich zu nehmen, tritt er weder mit unabweisbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen noch mit Andersgläubigen in Konflikt."