Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Mehr Wumms, mehr 3D

13.08.2010. Die NZZ findet die städtebauliche Idee hinter dem Stuttgarter Bahnhofsprojekt, totz aller Probleme, weiterhin bestechend. In der taz verteidigt der Architekt Christoph Ingenhoven sein Projekt. In der Welt beschleicht Stephan Wackwitz beim Besuch New Yorker Universitäten ein Deja-vu-Erlebnis: nicht 1968, aber mindestens 1975. Im Tagesspiegel sehnt sich Norbert Bolz nach einer Partei rechts von der CDU. Die amerikanische Blogosphäre diskutiert über einen Artikel in Atlantic Monthly zur Frage, ob und wann Israel den Iran angreifen wird.

Rauschbereite

12.08.2010. Die Huffington Post bringt eine Liste mit den fünfzehn am meisten überschätzten amerikanischen Autoren. Schuld ist Michiko Kakutani von der New York Times. Gawker kolportiert ein Brüllduett zwischen Larry Page und Sergey Brin. Es ging um Datenschutz. Es gibt Wichtigeres als Religionsfreiheit, meint Eva Quistorp in The European. In der FR heißt es Hirn statt Hintern statt Knackhirn statt Knackarsch in der Berliner Zeitung.

Alle Voraussetzungen zum Glücklichsein

11.08.2010. In der FAZ erwacht Juri Andruchowytsch aus dem europäischen Traum - und findet sich im Stalinismus wieder. In der Welt beschreibt Claudio Magris Berlusconi als vulgäre Parodie seiner selbst. Die SZ sieht den Vorschlag von Google und Verizon gegen die Netzneutralität in mobilen Netzen als Rückeroberung der Internets durch große Konzerne.In Telepolis erklärt der Historiker Eckhard Höffner, warum weniger Urheberrechte mehr Dichter und Denker brachten.

Das Gebaren der neuen Sozialkontrolleure

10.08.2010. Freie Journalisten sollen nach Einführung eines Leistungsschutzrechts doch irgendwie bezahlen, wenn sie auf Zeitungsseiten im Netz recherchieren, fordert ein Verdi-Funktionär. Aber die Verlage sollen es ihnen dann zurückzahlen. Darauf setzt es in den Blogs Kritik an den Journalistengewerkschaften. Die SZ-Online appelliert im Schlusswort zu ihrer Serie "Wozu noch Journalismus" an die Medienpolitik. Und die NZZ kündigt an, ihr Netzangebot zahlbar zu machen.

Reproduktion romantisierender Vorstellungen

09.08.2010. Tony Judt ist tot: (Fast) alle Zeitungen bringen ausführliche Nachrufe. Wir verlinken auf die wichtigsten Artikel von der New York Review of Books bis zur Jerusalem Post. In der taz meint Lars Rensmann: Israelkritiker sollten auch die Palästinenser endlich mal als handelnde Subjekte wahrnehmen. In der FAZ schildert der Schriftsteller Abbas Khider sehr eindringlich die Zensurpolitik in Ägypten. Die SZ besucht ein Gewächshaus auf einem Dach im Wedding, das nur duch einen Anker am Wegfliegen gehindert wird.

Das arabische Tabu-Dreieck

07.08.2010. In der Welt erzählt der gefürchete Literaturagent  Andrew Wylie, der die E-Book-Rechte seiner Autoren selbst vermarkten will, was er vom Verfall der Musikindustrie gelernt hat. In der taz bekennt der Unternehmer Dieter Philippi seine Leidenschaft für Hüte von Geistlichen. Die FR kann  über die Probleme von Barnes & Noble nicht richtig traurig sein. Die FAZ befasst sich mit militärischem Datenwahn

Zu Monstern aufgebohrt

06.08.2010. In der Berliner Zeitung erklärt der Regisseur Armin Petras, warum Deutschland heute moralisch ebensosehr darniederliegt wie vorm Befreiungskrieg gegen Napoleon. Im Tagesspiegel macht sich Hans-Christoph Buch nicht allzuviel Hoffnungen auf den Reformwillen der Caudillos von Kuba. Die NZZ trifft einen deprimierten Juri Andruchowytsch in Iwano-Frankiwsk. Die Blogs und Medienseiten fragen: Wie netzneutral will Google sein? In der SZ sagt Amitai Etzini: Cuius regio, eius religio.

Und es muss schnell gehen

05.08.2010. In der taz erklärt der koreanische Regisseur Bong Joon-ho, wie und warum man in Südkorea trinkt. Der Freitag erklärt, warum  Serien wie "The Wire" eigentlich erst heute als Meisterwerke rezipiert werden können. Im telemedicus erklärt der Google-Justiziar Arnd Haller, warum er die Forderung der Presseverlage nach einem Leistungsschutzrecht für dreist hält. Die NZZ ist traurig: Die Golf-Araber planieren Beirut zu Tode

Kehlkopfgequietsche

04.08.2010. In der NZZ erzählt Aatish Taseer, dass sich der Krieg der Islamisten zuallererst gegen die islamische Kultur richtet. Im Guardian liefert der Ayatollah Khamenei ein Beispiel. In der taz betont Azar Nafisi dass der Kampf gegen den Islamismus in erster Linie ein Kampf für Kultur ist. Medien und Blogs berichten über eine bevorstehende Steinigung im Iran. Christopher Hitchens schreibt in Slate über seinen Lungenkrebs. Die SZ kritisiert den Popanz der "Gentrifizierung", der gerade in Berlin jeden Fortschritt verhindert. Die FAZ berichtet über eine erstaunliche Wendung nach den Wikileaks-Enthüllungen zum Irak.

Hervorbringung von Einfachheiten

03.08.2010. In Slate schildert Christopher Hitchens die Reaktion Hugo Chavez' auf die Knochen von Simon Bolivar. Jeremy Bernstein erzählt im Blog der New York Review of Books, wie er Duke Ellingtons Trompeter an Nat King Cole vermitteln wollte. Die Inszenierung der Salzburger "Lulu" kam nicht so gut: Die Beurteilung des Dirigenten hing offenbar ab von der Platzierung des Kritikers: Manche sprechen von Transparenz, manche von Intransparenz.