Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Großer Mythen-Rührquark

09.08.2012. In Glanz & Elend wirft Hermann-Hesse-Lektor Volker Michels Marcel Reich-Ranicki vor, dass er Hesses Ruf nachhaltig habe schädigen wollen. Ist denn wirklich nichts ernst?, fragt die taz nach einem Welt-Artikel über Jonathan Meese. Matthias Küntzel macht in einerm Perlentaucher-Artikel antisemitische Töne in der Debatte um Beschneidung aus. Die FR berichtet vom sogenannten Prozess gegen Pussy Riot. In der Zeit ruft Jonathan Zittrain nach wütenden Nerds gegen Apple. Und Punk lebt jetzt Dänemark.

Ehrfürchtige Zusatzattribute

08.08.2012. In der FAZ erklärt Wolfgang Marquardt vom Wissenschaftsrat, warum man in Bibliotheken auf Papier kopieren muss, obwohl es auch dort schon das Internet gibt. In der taz rät Georg Seeßlen zur Abschaffung des Feuilletons. BoingBoing präsentiert ein bisher unbekanntes Farbfoto von Abraham Lincoln. Und nach Lektüre der Welt stellt sich die Frage: Warum darf  Evgeny Nikitin trotz Übermalung des Hakenkreuztattoos nicht in Bayreuth singen, obwohl Jonathan Meese, der "am Faschismus das Unwichtigwerden des Einzelnen" liebt, dort den "Parsifal" inszenieren darf?

Nicht sogleich. Aber demnächst

07.08.2012. Auch in seiner abgeschwächten Version ist der Regierungsentwurf für ein Leistungsschutzrecht überflüssig, findet Till Kreutzer auf rights.info. In der NZZ warnt Historiker Ahlrich Meyer nicht-deutsche Länder vor zu großer Bußfertigkeit in bezug auf den Holocaust. In der taz erklärt David Weinberger die neue Wissenskultur im Internet. In der FR sind sich Buch, Grass und Walser einig: Früher war alles besser, und man selbst war eine moralische Autorität. In der Welt erweitert Heiner Goebbels den Kulturbegriff. In der FAZ verteidigt die Grünen-Politikerin Agnes Krumwiede Gemas gute Gründe gegen Googles Gier.

Bebrillt vor einem Bruegel

06.08.2012. Die Welt findet: Die Documenta ist buchstäblich zergangen, und das ist gut so. Die SZ erlebte die Wiederauferstehung der Beach Boys. Im Tagesspiegel gibt Noam Chomsky dem internationalen Propagandasystem Auskunft über Hugo Chavez. Cargo erlebte mit, wie Leos Carax und Kylie Minogue in Locarno die Aussage verweigerten.  Die FR staunt mit Liao Yiwu über Christen in China.

Durch Verkunstung entschärft

04.08.2012. In der FAZ rufen Jürgen Habermas, Peter Bofinger und Julian Nida-Rümelin dazu auf, die Parallelwelten des Finanzkapitalismus wieder in die Demokratie zu integrieren. David Grossman stellt sich zudem gegen einen israelischen Angriff auf Irans Atomanlagen. Die Welt trauert mit Jonathan Littell um die syrische Freiheitsbewegung, die auch vom Westen im Stich gelassen wurde. In der taz erinnert sich Ex-Mossadchef Zvi Samir an das Olympia-Attentat in München vor vierzig Jahren und die dilettantische Arbeit der Polizei. Die NZZ erzählt, wie die Chinesen über Tirana nach Paris kamen. Und in der FR träumt Arno Widmann noch einmal von Marilyn Monroe.

Amor, amor, amor

03.08.2012. Die Welt erinnert die Kritiker des Umbaus der Gemäldegalerie an ihre Lobeshymnen für eben diesen Plan vor 13 Jahren. In der NZZ versteht der Biochemiker Gottfried Schatz nicht mehr, was im Cern passiert. Die SZ bewundert das neue Traumpaar der Oper, das sich in der Salzburger "Boheme" zusammenfand. In der FAZ wirft Gertrud Höhler Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre "Ego-Karriere" vor.

Sommersuperkitsch

02.08.2012. Die Welt folgt dem Flug der Fliege in einer Berliner Fluxus-Ausstellung. In Syrien ignoriert die Kulturszene die sich vertiefenden religiösen Spaltungen, berichtet die NZZ. Das Thema Beschneidung kann nicht allein rational diskutiert werden, warnt der Psychiater Egon Fabian in der Jüdischen Allgemeinen. Hitchcocks "Vertigo" hat Orson Welles' "Citizen Kane" als besten Film aller Zeiten abgelöst, meldet Sight & Sound. In der FAZ möchte Peter Gauweiler aus der EU eine Schweiz der Welt machen. Bis die steht, sammeln die Tschechen lieber Pilze, erklärt Jaroslav Rudiš. Die Zeit denkt über beachtungshungrige Killer nach.

Ruhm, Ehre, Geld

01.08.2012. Die FR spürt einen antiprogrammatischen konservativen Geist durch Salzburg wehen. Die SZ lässt uns heavymetalmäßig die Ohren bluten. Welt und taz regen sich über Heribert Prantls Dressing-Desaster auf. Und Gawker meldet den Tod von Gore Vidal.

Wir befinden uns in einer vorrevolutionären Situation

31.07.2012. Die taz ist nicht unzufrieden mit der Documenta, sieht aber noch keine Erdbeeren in der Akademie. Laut FR möchte Heribert Prantl seine Beschreibung der Voßkuhlschen Küche als "gleichnishafte Zusammenfassung" verstanden wissen. In der Basler Zeitung erklärt der Feuilletonchef der NZZ, warum er sich keine Gedanken mehr über seine Zukunft macht, seit er 22 ist. In der SZ propagiert Clay Shirky Open-Source-Ideen für die Demokratie. In der FAZ plädieren Sahra Wagenknecht und Michael Hudson für die Entwertung aller Schulden. Auch Ihrer! Und zwei Videos von Chris Marker.

So voller abrufbarer Ideen

30.07.2012. In der Welt mahnt Karl Heinz Bohrer die Journalisten: Man sollte Selberdenken nicht mit dasselbe denken verwecheln. In der NZZ beklagt Slavenka Drakulic den Ausverkauf Venedigs an die Chinesen. In der Jungle World wendet sich Thomas von Osten-Sacken gegen ein Gesetz für Beschneidung. taz und heise.de sehen den neuen Entwurf für ein Leistungsschutzrecht als Klatsche für die Verleger. Im NYR Blog erklärt Emily Eakin, wie ausgerechnet die "Shades of Grey" zum Bestseller avancierten. Im Guardian erzählen Fotografen von Situationen, in denen sie fotografierten  - statt einzuschreiten. Und in Salzburg regiert der Prinz von Homburg.