Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Niemand lächelt

12.06.2012. In der SZ beschreibt Viktor Jerofejew den Ingrimm, der in Moskau unter Zar Putin herrscht. In der FAZ erinnert Ai Weiwei daran, dass nicht das nur das Geld, sondern auch der Geist die Welt antreibt. Die NZZ fürchtet, dass die Ahnungslosigkeit der griechischen Zeitungen ihnen nun selbst zum Verhängnis wird. In der Welt erzählen junge Israelis von ihrem Leben in Berlin. Comics sind schon lange nicht mehr komisch, stellt die FR klar. Und die taz fordert mehr Disziplin.

Unfähigkeit zum Mitmachen

11.06.2012. In der FR denkt Armin Nassehi über die Intellektualisierung des Fußballs und die Bedeutung des Augenblicks nach. Der SZ graut es vor den kommenden Cyberkriegen. Die NZZ warnt: Üppiger Barock gefährdet die tektonische Stabilität. Die Welt untersucht sich häufende Unpässlichkeiten im Opernbetrieb. Und die FAZ geht in Habacht vor dem "Soldaten des Kinos", Werner Herzog.

Im hoffnungslos-hoffnungsvollen Alltäglichen

09.06.2012. Wer in Europa macht eigentlich den Abwasch?, fragt Henryk Broder in der Welt, Yasmina Reza würde es einem Interviewer gern mal mit gleicher Münze heimzahlen. Die SZ erkennt einen neuen Standesstolz bei der politischen Klasse. Der Autor Magdy al-Shafee stellt fest, dass man in Ägypten leichter an Haschisch kommt als an seine Comics. FAZ und NZZ empfehlen einen Besuch der Documenta, die überzeugender sei als die animistischen Ausführungen ihrer Leiterin.

Jenseits der Stile

08.06.2012. Oksana Sabuschko erklärt in der NZZ, warum sie trotz allem stolz auf die Ukraine ist. Die 13. Documenta ist besser als der Ruf, der ihr vorauseilt, finden FR und SZ. Robert Thurman spricht mit der taz über Amerika, Tibet und Erleuchtung. Die FAZ berichtet von einem Strategiewechsel im internationalen Cyberwar und singt ein vorsichtiges Loblied auf die Monarchie. Alle nehmen Abschied von Ray Bradbury.

Sog aus Chaos, Kämpfen und Raubzügen

07.06.2012. Wegen Fronleichnam erscheinen heute nur in Berlin und der Schweiz Zeitungen. Die NZZ schildert die verheerenden Folgen der gegenwärtige Konflikte auf das syrische Kulturerbe. In der Jüdischen Allgemeinen fordert Günter Wallraff deutsche Künstler auf, sich mit Shahin Najafi zu solidarisieren. Die Welt vermisst auf der Documenta 13 die Kunststars nicht. Die Napster-Macher wollen jetzt Facebook revitaliseren. Die FAZ und die New York Times nehmen Abschied von Ray Bradbury.

Zinedine redete sehr wenig

06.06.2012. Die Welt fragt: Wer war der Autors eines Krimis von Jean-Luc Bannalec? Handelt es sich um einen Insiderscherz des deutschen Literaturbetriebs? Der iranische Sänger Shahin Najafi antwortet mit einem Lied auf die Morddrohung der Mullahs - wir betten es ein. Verdient eine Forscherin wie Judith Butler, die den Boykott israelischer Universitäten unterstützt, einen Adorno-Preis?, fragt Thomas Osten-Sacken im Blog der Jungle World. Die Zeit sieht die Documenta vor lauter Bundesgartenschau nicht. Sascha Lobo versichert: Es gibt keinen Gott im Internet.

Jenseits des Hundes der Kuratorin

05.06.2012. In der FR erklärt Ai Weiwei, warum er bei sich Überwachungskameras aufgestellt hat. Die FAZ will sich die kommende Documenta auch nicht von den vollgequalmten Herrenzimmern der Kulturberichterstattung vermiesen lassen. In der Welt fragt Cora Stephan, was der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" eigentlich aussagt. In der SZ wird gemeldet, dass Leistungsschutzrechte noch vor der Sommerpause durchgepaukt werden sollen.

Zähnefletschend, von zarten Lyrismen durchbrochen

04.06.2012. Die NZZ verliebt sich in ein paar Schuhe, die nicht von dieser Welt sind und darum in London ausgestellt werden. Der Schweizer Monat interviewt Götz Aly, der gestern den Börne-Preis erhielt und von den Zeitungen (manchmal leicht säuerlich) gewürdigt wird. Gegen defätistische Töne aus der SZ verteidigt Springer-Lobbyist Christoph Keese in seinem Blog weiter die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht für Zeitungen. In der FAZ am Sonntag attackieren Ilija Trojanow und Juli Zeh sehr scharf die Autoren des Urheber-Aufrufs. Der Tagesspiegel torkelt trunken aus den Darbietungen des Berliner Klavierfestivals.

Funkeln ins Unerlaubte

02.06.2012. In der FAZ feiert Herta Müller die Erzählung "Ein Wiederkommen" von Georges-Arthur Goldschmidt. Hans Magnus Enzensberger kann in der Welt mit dem Begriff des "Geistigen Eigentums" nicht viel anfangen, mit den Piraten aber auch nicht. Die SZ hofft unterdessen mit Blick auf Geschäftemacher wie Perlentaucher und Google auf den Schutz "journalistischen Eigentums", gibt einem Leistungsschutzrecht aber wenig Chancen. In der NZZ fürchtet der Theologe Jan-Heiner Tück ein Zurückweichen der katholischen Kirche vor den antisemitischen Pius-Brüdern.

Verfügungsmasse einer technoiden Phantasie

01.06.2012. Chinesische Intellektuelle sind zu staatstreu, meint Wei Zhang in der NZZ. In der Welt erzählt "Lyndon B. Johnson"-Biograf Robert Caro, was seine Zuhörer nicht hören wollen. Die taz porträtiert den chinesischen Künstler Yan Jun. Hätten die Spanier 1492 nicht die Mauren und Juden vertrieben, wüssten sie heute, was Arbeit ist, meint die SZ. Blogger Matthias Kuentzel findet es beschämend, wie  wenig Solidarität der iranische Rapper Shahin Najafi hierzulande erfährt. Reinhard Karger versichert in der FAZ den Künstlern: Der Bürger ist grundsätzlich fair.