Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Gewissheit ist unwissenschaftlich

23.06.2012. Die Welt sorgt sich: Hat die Türkei die Lust an der Klassik verloren? Die SZ verabschiedet das Paradigma von der künstlichen Verknappung in der Kultur. Die taz erklärt, warum Piraten und Presse einfach nicht zueinander passen. Die FR fühlt der Gema auf den Zahn. NZZ und FAZ huldigen Jean Jacques Rousseau, dessen furchtloses, furchtbares und fruchtbares Leben vor dreihundert Jahren begann.

Heute gehören wir endlich uns selbst

22.06.2012. Zustimmung so weit das Auge reicht für die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den chinesischen Autor und Lyriker Liao Yiwu. Skandalös findet die SZ die willfährige Anselm-Kiefer-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. Die FAZ hofft auf einen wenn schon nicht ökonomischen, dann doch wenigstens fußballerischen Befreiungsschlag gegen Griechenland. Und die taz fordert: "Eier zeigen!"

Geburtswehen der Popmoderne

21.06.2012. Die Documenta ist gar nicht so tierlieb wie sie immer tut, findet die FR. Die Welt erinnert sich an die Schwabinger Krawalle. Bei Angela Merkels Regierungsstil fühlt sich die FAZ nach Entenhausen versetzt. Die Zeit feiert den 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau. Der Musiker David Lowery fragt, warum wir bereit sind, für Musikabspielgeräte zu bezahlen, nicht aber für die Musik selbst.

Erleuchtung im Gemeinschaftserlebnis

20.06.2012. In der SZ erinnert Vassilis Vassilikos an die Zeiten, als sich deutsche Autoren  noch für Griechenland interessierten. In der taz verteidigt Jo Lendle die Rolle der Verlage: Oder wollen Sie ein unlektoriertes Buch lesen? Unterschiedlich wird das Frankfurter Jeff-Koons-Spektakel aufgenommen. Die FR erfreut sich an prallen, priapischen Skulpturen, der FAZ missfällt der Versuch, den schrillen Geschmack einer ökonomischen Super-Elite zu veredeln. Trotzdem gibt es allgemein gute Vibrationen.

Die Unkosten wird er generös begleichen

19.06.2012. Während iranische Großayatollahs den Rapper Shahin Najafi per Kopfgeld jagen lassen, lobt sich Martin Mosebach in der FR das Blasphemieverbot und findet es ganz in Ordnung, "wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern einen gewaltigen Schrecken einjagen". Bernd Neumann und die Welt bekräftigen in einer gemeinsamen Manifestation ihre Ablehnung der Gratismentalität. Die FAZ liest David Maraniss' Biografie des kiffenden Barack Obama.

Bin ich nicht das Genie?

18.06.2012. In der FR erblickt Ralf Bönt in der Urheberrechtsdebatte den Gipfel der Spießigkeit. Die taz begrüßt die Rückkehr des Flaneurs in der Berlinliteratur. Die NZZ begrüßt Warschau in der europäischen Architekturmoderne. Und die FAZ stößt in den innersten Kern der abstrakten Malerei vor.

Ouvertüre zum Sirenengesang

16.06.2012. Mit seiner Reise nach Jerusalem hat Boualem Sansal die arabischen Hardliner gegen sich aufgebracht. In der Welt erklärt er: "Den ersten Schritt zu tun, ist sehr viel wichtiger als den letzten." Die FAZ besucht den Comic-Autor Art Spiegelman, der in nur drei Bildern ein ganzes Leben erzählen kann. Die SZ gibt die Filesharer-Jugend noch nicht verloren. Für Till Kreutzer von irights.info lässt der Entwurf zum Leistungsschutzrecht eigentlich alle relevanten Fragen offen. In der taz nimmt linke Diskursunfähigkeit in den Blick. Die FR verbringt den heutigen Bloomsday vor dem Radio.

Wer sich nicht ruiniert, aus dem wird nichts

15.06.2012. Der Spiegel vergreift sich bei seiner Kritik an Obama im Ton und Deutschland ist bloß neidisch auf die USA, findet Hans Ulrich Gumbrecht in der Welt. Die taz beschreibt neue Verlagsexperimente zur Verbindung von Print und Elektronik. In der SZ wird der Gesetzesentwurf für das Leistungsschutzrecht vorgestellt, und der Jurist Till Kreutzer warnt vor der Kriminalisierung von Kommunikation. Die FAZ räumt den Protesten gegen Putin keine Erfolgsaussichten ein. 

Schund kann lehrreich sein

14.06.2012. Bei der Debatte über das Urheberrecht geht es eigentlich um den Wert von Arbeit in der Wissensgesellschaft, meint die taz. Die SZ ermahnt Europa, sich endlich seiner treuhänderischen Verantwortung gegenüber Griechenland zu stellen. Die Welt ist nicht mehr in Ost und West, sondern in Süd und Nord geteilt, stellt die Zeit fest. Die FAZ sorgt sich um den bürgerlichen Zusammenhalt in den USA. Alle nehmen Abschied von Margarete Mitscherlich.

Die Idee der Weltregistratur

13.06.2012. In seinem Blog fragt der abgemahnte Rudolf Thome, welcher Schaden dem Tagesspiegel entsteht, wenn er Kritiken zu seinen eigenen Filmen dokumentiert. Die FAZ sieht im syrischen Bürgerkrieg auch eine kulturelle Katastrophe. Die FR fragt, warum eigentlich kein Museum im letzten Jahr eine Ausstellung zu Ai Weiwei gemacht hat. In der NZZ erklärt Uli Sigg, warum er seine Sammlung chinesischer Gegenwartskunst nach Hongkong geben will. Und die taz weiß, warum es Spaniern im armen Neukölln so viel besser geht als im armen Spanien.