Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.05.2012. Die NZZ erzählt, wie hervorragend Tradition, Kunst und Château Mouton Rothschild in China zusammengehen. In der Welt bestehen Leipziger Künstler auf inhaltlicher Debatte. Wie totalitär sind die Piraten?, fragt Richard Herzinger in seinem Blog. Atheisten sind mitfühlender als religiöse Menschen, wundert sich Telepolis. In der FR/Berliner Zeitung möchte Markus Beckedahl "Fair Use". Die FAZ porträtiert den Illustrator Christoph Niemann. Die SZ erklärt, warum Musikzeitungen ihre Deutungsmacht verlieren.
04.05.2012. In der NZZ spricht Gilles Kepel über die gesellschaftliche Auflösung in den französischen Banlieues. In der FR bemerkt Michel Serres, dass Deutsche und Franzosen sich eigentlich recht ähnlich sind. FR und Tagesspiegel blicken zudem in den strahlenden Schein der Echtheit, den das Berliner Theatertreffen vorausschickt. Die taz lernt in der Pariser Ausstellung "Linvention du sauvage" etwas über die Nähe von Anthropologie und Menagerie. Und die New York Times meldet: Cecil Taylor ist immer noch gut drauf.
03.05.2012. In der NZZ hat T.C. Boyle eine gute Nachricht für alle Ökos: die Natur wird weiter existieren. Der Hollywood Reporter bringt eine große Geschichte über Kim Dotcom. Die Autoren der Geschichte erzählen in paidcontent.com, dass sich Dotcom am liebsten als Steve Jobs sah. In der Welt versetzt BHL der extremen Rechten einen liberalen Haken. Vor der zweiten Wahlrunde in Frankreich denkt die FAZ mit Grauen an die erste zurück. In der Zeit unterhalten sich Peter Handke und Luc Bondy. Auch über Günter Grass. Und Stephen King erklärt in The Daily Beast, warum es un-fucking-American ist, zu niedrige Steuern zu zahlen.
02.05.2012. Die AG Dokumentarfilm schlägt in einem Papier auf Carta eine tiefgreifende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor - der im Netz nicht mehr an die üblichen Anstalten gebunden sein soll. Ha'aretz konfrontiert den berühmten Friedensforscher Johan Galtung mit seinen Theorien über Anders Breivik und den Mossad. Die FR macht sich Sorgen über den Umbau der New York Public Library. Die FAZ ist entsetzt über die Kölner Kulturpolitik. Die SZ macht sich mit Nicholas Payton Gedanken über die Frage, ob Jazz besser als "Black American Music" bezeichnet werden soll.
30.04.2012. FAZ und taz schimpfen über die Auswahl für die Deutschen Filmpreise: kleinbürgerlich und bieder. Der Tagesspiegel findet dagegen aufregendes Relevanzkino gewürdigt. Im Blog der New York Review of Books denkt Verleger Jason Epstein darüber nach, was die Preispolitik Amazons für die Verlage bedeutet. Die NZZ trauert um David Weiss, der zusammen mit Peter Fischli Fleischteppich kaufende Essiggürkchen einen glänzenden Auftritt bot. Die SZ bewundert die neue Bildsprache avancierter Infografiken.
28.04.2012. Die taz schildert die Angst einer afghanischen Metal-Band vor dem Abzug der Alliierten. Die FR vermisst Popkritik im Internet. Die NZZ erklärt, warum die Documenta so gut nach Kassel ("eine der hässlichsten Städte westlich Sibiriens") passt. Die FAZ fragt: Was macht das Saxofon in Ambroise Thomas' Hamlet-Oper? Und was der Staat in der Hand des Finanzkapitals?
27.04.2012. Vor der Verleihung der Deutschen Filmpreise heute Abend bereitet der Zustand der Branche weiter große Sorge: Die SZ sieht schon Anzeichen von Gremiendenken bei den Kreativen. Viel Politkitsch und begriffliche Schludrigkeit entdeckt die FAZ auf der Berlin-Biennale. Die NZZ kann im französischen Wahlkampf keinen Mangel an Ideen erkennen, die meisten sind nur leider recht unschön. Dafür haben Franzosen wenigstens eine Vorstellung vom Internet, tröstet sich die taz.
26.04.2012. In der Zeit warnt Dominik Graf vor dem deutschen Relevanzkino: Der Verlust an Trivialität ist dramatisch. Die taz setzt sich in Wiesbaden unerschrocken der russischen Realavantgarde aus. Im Freitag schildert die Journalistin Hani Yousuf die gefährliche Lage in Pakistan. Die FR eruiert Hintergründe zum berüchtigten "Todesspiel" von 1942 in Kiew. In der NZZ warnt Miriam Meckel vor drastischen Etiketten in Feuilletondebatten. SZ und FAZ widmen sich salafistischen Umtrieben in Köln und Kairo.
25.04.2012. Der Tagesspiegel stellt drei Regisseuren eine heikle Frage: Wie lebt man eigentlich vom Filmemachen? Rue89 trifft den syrischen Karikaturisten Ali Ferzat, der weiter zeichnet, auch nachdem ihm Schergen Assads die Hände gebrochen haben. Sascha Lobo kritisiert auf spiegel.de die Kritiker der Seltsternannten. In der Welt fragt sich BHL, wir Frankreich auf den Erfolg von Marine Le Pen reagieren soll. Und: wie sich der Vatikan, israelische Ultraorthodoxe und iranische Geistliche um die Tugend der Frauen sorgen.
24.04.2012. Der Verlierer der französischen Wahlen heißt Nicolas Sarkozy - und besiegt wurde er von Marine Le Pen, meint Gilles Hertzog im Blog La Règle du jeu. Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland, schreibt Monika Maron in der Welt. Die NZZ stellt den italienischen Autor und politischen Paradiesvogel Antonio Pennacchi vor. In der taz preist Najem Wali John Freelys Kulturgeschichte der arabischen Welt. In der SZ hält Franzobel eine Laudatio auf Nora Gomringer.