Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.03.2012. Die FR erzählt, wie Gustav Klimt aus einem Problem die Lösung machte. In glanzundelend.de schimpft Wolfram Schütte über den heutigen "Filmjournalismus" und die Filmpolitik der öffentlich-rechtlichen Sender. Die amerikanischen Republikaner berufen sich auf die Gründungsväter der Nation - und irren sich, meint die Welt. Die FAZ feiert die Naturmalerin Anita Albus.
27.03.2012. Ai Weiwei sieht China in der Welt auf dem Weg zur Demokratie - dank Internet. Die NZZ berichtet: Fox News mäßigt sich. In der Funkkorrespondenz wendet sich der Verleger Jakob Augstein gegen Leistungsschutzrechte. Der Guardian meldet, dass er erstmals mehr Klicks von Facebook als von Google bekommen hat, aber trauen will er beiden nicht. In der SZ bekennt sich der Dirigent Valery Gergiev zum Putinismus.
26.03.2012. Schade: Die Aufklärungsausstellung in Peking war sehr gut gemeint. Aber jetzt sagt Ai Weiwei im Tagesspiegel: "Es ist eine Ausstellung, die keinen Eindruck hinterlassen hat, es gibt kein Wissen über sie." Im Tages-Anzeiger tritt Marina Weisband von der Piratenpartei den Rückweg aus der Zukunft an. Die NZZ tritt dagegen ein ins asiatische Zeitalter. Und James Cameron schickt ein Tweet vom Grunde des Marianen-Grabens.
24.03.2012. Die Welt erklärt, warum Walser Gauck nicht ertragen kann. Außerdem antwortet Timothy Snyder auf Dan Diner. Mohamed Merah war selbst ein Opfer, meint Tariq Ramadan in seinem Blog. Der Tagesspiegel hat Sven Regeners Schimpfkanonade gegen den Medienwandel transkribiert. Die NZZ diagnostiziert eine "fortschreitende Entkörperlichung unserer Intelligenz". In der taz sucht Agnès Godard die Vorzüge des Digitalbilds. Für die SZ reist Navid Kermani zu den Sufis in Pakistan. Und zweimal Aretha Franklin!
23.03.2012. In der NZZ spricht Karl-Markus Gauß über den zivilisatorischen Einfluss des Schreibens auf ihn selbst. Die Welt porträtiert die Jazzbassistin und -sängerin Esperanza Spalding. Die amerikanischen Blogs sind gar nicht mehr zufrieden mit Google und freuen sich über Start-Ups, die Software gegen die Zudringlichkeiten der großen Internetkonzerne bauen. Die taz wendet sich gegen den Branding-Wahn beim Sponsoring.
22.03.2012. Mike Daisey ist kein Einzelfall. Auch David Foster Wallace hat in seinen Reportagen geschummelt, meint Gawker. Warum überhaupt Diktatoren eine Bühne geben?, fragt die Welt nach dem ZDF-Interview mit Machmud Achmadinedschad. Der "Kulturinfarkt" ist krude, aber das Thema ist wichtig, findet die NZZ. Im Freitag meint Adrienne Göhler, dass die Kulturkürzungen zunächst bei den Autoren des Manifests ansetzen sollte.
21.03.2012. In der SZ ist der Museumsmann Hermann Parzinger für Kulturförderung, außer bei neuen Museen und Bibliotheken. Die FAZ berichtet über die Demaskierung des Apple-Kritikers Mike Daisey, der in seinen Berichten über die Arbeitsbedinungen in China geflunkert haben soll. Achgut sucht nach deutschen Namen in den Mailwechseln von Assad und findet einige Philosophen. Die Welt erzählt von der Verhaftung der vietnamesischen Bloggerin Bui Thi Minh Hang.
20.03.2012. In der FR attackiert Götz Aly mit dem neuen Buch von Henryk Broder in der Hand die Inhaber der akademischen Oberhoheit über die Antisemitismusforschung. Und Christoph Hochhäusler erzählt wie "Kultursubvention" aus der Sicht eines Filmemachers aussieht. Die Welt konstatiert: Mit Madonna wird die Postmoderne historisch. Der Tagesspiegel meldet: Guggenheim kam nicht bis Kreuzberg. Aus Angst vor Autonomen. Die FAZ zitiert aus einem wiederaufgefundenen Artikel Albert Camus' über die Pressefreiheit.
19.03.2012. Hat das aktuelle Theater überhaupt einen Begriff von Macht?, fragt Dirk Baecker im Tagesspiegel. Die FAZ ist sehr zufrieden mit Joachim Gaucks erster präsidentialer Rede. In der SZ mag der Literaturwissenschaftler Gerhard Lauer den Pessimismus über die Zukunft der Literatur im digitalen Zeitalter nicht teilen. Es ist irgendwie typisch, dass Christian Wulff gekippt wurde, Gerhard Schröder aber nicht, meint Christoph Spielberger auf Achgut. Die Welt ist weniger für Abbau als für Umverteilung von Kultursubventionen.
17.03.2012. Gegenwartsliteratur entsteht eher auf Facebook als im Literaturbetrieb, meint der Tagesspiegel. In der Welt widerspricht Dan Diner Timothy Snyder: Der Nationalsozialismus war nicht wie der Kommunismus - wegen Auschwitz. Die FAZ ist froh, dass Deutschland nicht von Gockeln regiert wird, sondern von Angela Merkel. SZ und NZZ rümpfen die Nase: Klar kann man über Kultursubventionen diskutieren, aber intelligent, bitte. Und wie war's bei Kracht? Die taz verdreht die Augen.