Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.04.2012. Die Feuilletons nehmen Abschied von Ivan Nagel. Die FR empfiehlt sein letztes Buch über "Gemälde und Drama", die FAZ erinnert sich vor allem an den großen Theatermann, die SZ an den großen Essayisten. Wir verlinken auf seine Autobiografie in Gesprächen bei Deutschlandradio Kultur. Die NZZ ist streng mit Amsterdams neuesten Kulturbauten mit Ausnahme des EYE Filminstituts. Die taz porträtiert den Folksänger Michael Hurley. Und Peter Glaser antwortet Grass mit einem richtigen Gedicht: "Der Blechrommel".
10.04.2012. Im Perlentaucher denkt Pascal Bruckner über das "gute Leben" nach, das jedenfalls nicht in der Preisgabe des westlichen Lebensstils bestehen kann. In der FAZ erzählt Liao Yiwu, warum er das Exil wählte. Die SZ verteidigt die Gema gegen Youtube. Und natürlich Grass: In der Welt nennt Hans-Ulrich Gumbrecht die wahren Gründe für sein Schweigen. Salman Rushdie wendet sich per Twitter gegen das israelische Einreiseverbot. In der New Republic glaubt Jeffrey Herf, dass der linke und linksliberale Mainstream in Deutschland nicht so weit von Grass abweicht.
07.04.2012. Die NZZ entdeckt die Moderne im weißen Kleid von Renoirs Geliebter Lise Tréhot. Die FR stellt fest, dass Kultur für die Piratenpartei ja nur ein Wirtschaftsfaktor ist. Das Handelsblatt lässt beim Angriff auf die Piraten die Gedankenfreiheit untergehen und dekretiert: "Kluge Ideen sind kein Allgemeingut." Außerdem schlägt Günter Grass' Israel-Gedicht weiter Wellen. In der SZ verteidigt er seine lyrische Attacke. Die taz findet seine Rede von der gleichschalteten Presse sehr fragwürdig. Auf Spiegel Online meint Jakob Augstein allerdings: Günter Grass hat recht.
05.04.2012. Wird Deutschland sich je von Grass' lyrischem Erstschlag gegen Israel erholen? Das Entsetzen ist jedenfalls ziemlich einhellig von taz über FAZ bis FR. Grass mogelt sich in die Rolle eines Opfers und Verfolgten, analysiert die FAZ. Da steigen die "Prägungen der Jugend" wieder an die Oberfläche, meint die Welt. Grass ist unaufrichtig, meint Micha Brumlik in der taz. In den Blogs kursieren Gegengedichte. Und in der SZ versichert man: "Veröffentlichen heißt ja nicht zustimmen."
04.04.2012. In der SZ und der übrigen Weltpresse droht Günter Grass, mit Lyrik den Weltfrieden wieder herzustellen - gegen voraussehbare israelische Verbrechen. In der Welt holt Henryk Broder zum Gegenschlag aus. In der FAZ bedauert Monika Maron die Pleite der Solarfirma Q-Cells, die der Stadt Bitterfeld neue Hoffnung gegeben hatte. Und der Internetbuchhändler Libri.de streicht alle FAZ und SZ-Zitate aus Angst, dass es ihm wie dem Perlentaucher ergeht.
03.04.2012. In der FR/Berliner Zeitung erklärt Ralf Bönt, was er mit "Kritik von links" am Feminismus meint. Auf Vocer stellt Stephan Weichert seinen Bericht zur Innovationsfähigkeit des deutschen Journalismus vor, um die es besser bestellt sein könnte. In der taz fasst sich Micha Brumlik angesichts eines "friedensbewegten" Appells in Sachen Iran und Israel an den Kopf. Außerdem singt die taz eine Hymne auf die Sopranistin Mojca Erdman. In NZZ und SZ geht die Debatte zum "Kulturinfarkt" weiter: Hat der Kulturbetrieb die Berührungsangst gegenüber der Kunst zum System gemacht?
02.04.2012. Die FR verteidigt Andrea Breths Modernisierung von Bergs "Lulu" in Berlin. Die Welt wirft einen Blick auf die deutsche Befindlichkeit zu Beginn des Falklandkriegs vor dreißig Jahren. In der NZZ beklagt David Simon, Autor von "The Wire", den Krieg gegen die Armen in den USA. In der FAZ fragt sich Christoph Lauer von der Piratenpartei, nachdem er von Kurt Beck angerüffelt wurde, ob er jemals wieder in einer Talkshow auftreten will.
31.03.2012. In der FAZ graut es Andrea Breth vor dem eigenem Hofstaat. In der taz erinnert sich der Komponist Helmut Oehring daran, wie er zum ersten Mal Bach hörte. In der NZZ erklärt Dan Diner, warum es im Iran an Blasphemie grenzt, den Holocaust anzuerkennen. Die Welt erhebt Einspruch gegen die Berliner Pläne für eine Zentralbibliothek im Flughagen Tempelhof. Die SZ protestiert gegen die neuen Kunstnamen der Städte.
30.03.2012. 51 "Tatort"-Autoren bestehen darauf: Sie wollen auch siebzig Jahre nach ihrem Tod noch Gagen bekommen. Darauf Netzpolitik: Gerade Tote sind häufig genug Waisen. Matthias Spielkamp beschuldigt den Handelsblatt-Chef Gabor Steingart, der behauptet, dass Autoren von Zeitungen "seit jeher" sämtliche Rechte abgeknöpft wurden, der "dreisten Lüge". Die NZZ fragt: Was ist los mit der japanischen Jugend? Und Karl May ist hundert Jahre tot.
29.03.2012. In der Jungle World freut sich Caroline Fourest über die französische Öffentlichkeit, die begriffen habe, dass Kritik an Religion nicht Rassismus ist. In der NZZ bekennt die ägyptische Bloggerin Ghada Abdelaal ihre Enttäuschung über den Fortgang der Revolution. Im Tages-Anzeiger erklärt der ehemalig Sat 1-Chef Roger Schawinski, warum die Harald-Schmidt-Show floppen musste. In der Zeit betont Pipilotti Rist die Freude darüber, dass es uns überhaupt gibt.