Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Der Raum in seiner ganzen Kontinuität

06.01.2012. Die NZZ hat in Detroit eine Entdeckung gemacht: auf den Brachen der Stadt wächst jetzt Spargel, und die Armen müssen ihn essen. In der taz erklärt die verabschiedete Freitag-Herausgeberin Daniela Dahn, was sie mit dem Freitag gemacht hätte, wenn sie tatsächlich Herausgeberin gewesen wäre: mehr über die produzierende Arbeitswelt. Viele Journalisten ärgern sich nach wie vor über den nicht zurücktretenden Christian Wulff.

Die Schwelle ist eine Negativität

05.01.2012. Aktualisiert um 10 Uhr 15: Und außerdem: ein erster Blick auf das erste Heft des Merkur unter neuer Leitung. Journalisten würden natürlich nie einen Vorzugskredit annehmen, und sie lassen sich auch kein Mercedes Cabrio zu Testzwecken vor die Tür stellen, meint Wolfgang Michal in seinem Blog. Techcrunch zweifelt, dass Apple im Fernsehen groß werden kann. Im Freitag vermisst der Philosoph Byung-Chul Han Hierarchien im Netz. Die NZZ geht in China in die Oper. Für die Zeit ist Navid Kermani nach Afghanistan gefahren und hat sich positiv überraschen lassen. Die FAZ interviewt Agnes Heller zu den Protesten in Ungarn.

Das CNN aller Beziehungsgestörten

04.01.2012. Nicht nur in Ägypten, auch in Tunesien sind die Salafisten auf dem Vormarsch, berichtet die NZZ.  Die taz fordert ein linkes Law and Order. In der Welt verteidigt Bernard Henri Levy das französische Gesetz, das die Leugnung von Völkermorden unter Strafe stellen will. Und es bleibt dabei: Berlin ist das große Ding im Netz, selbst für amerikanische Blogs. Die Blogs machen auch klar, warum Sido und Bushido in Papua Neuguinea nicht angeln sollten. Auch nicht legal.

Die Kraft des Eros und der Kunst

03.01.2012. In der NZZ feiert Felix Philipp Ingold Nadeschda Mandelstams "Erinnerungen an Anna Achmatowa". In der FR plädiert Jürgen Lodemann für Wilhelm Hauff. Die amerikanischen Medienblogs staunen über das Berliner Start-up Soundcloud. Die FAZ stellt die syrische Satiregruppe "Masasit Mati" vor, die Präsident Assad und seine Schergen auf Youtube parodiert. Die SZ porträtiert den burmesischen Komiker Zarganar.

Vermeintliche Entzauberung der Kunst

02.01.2012. Der Perlentaucher hatte beim Sprung durch die Schatten der Nacht über die Zeit (wie man in Samoa sagt) einige Abenteuer zu bestehen. Pardon für die Verspätung! In der Welt warnt Bernard-Henri Levy mit Blick auf die arabischen Revolutionen vor zwei verschwisterten Illusionen: der kulturalisitischen und der universalen. Der Tagesspiegel erinnert an das PR-Genie Friedrich II. Für die SZ sind Designfragen Daseinsfragen.

Haltung der kultischen Ambivalenz

31.12.2011. Totale Klaustrophobie: 2011 war das Jahr, in dem die Kunst die Räume eng machte, meint der Tagesspiegel. Und es war ein Jahr des Protestes. Das Blog Buzzfeed bringt die vierzig besten Protestplakate des Jahres. Die taz ist auf Drogen. Die NZZ erzählt aus der Zeit, als angehende Künstler es sich noch leisten konnten, in New York zu wohnen. Besorgt sind die Zeitungen über ein Urteil, das Fotos von Kunstwerken die künstlerische Eigenständigkeit abspricht. Beuys' Witwe freut sich aber. Ihr und allen lebenden Künstlern - und vor allem unseren Lesern! - wünscht der Perlentaucher guten Rutsch.

Vollwaschgänge der Erinnerung

30.12.2011. Rückwärtsgewandt und provinziell: so sieht die Welt die Literatur in Deutschland. Und Hans Ulrich Gumbrecht stellt nichts weniger als die Überlebensfrage für die Menschheit. Die NZZ berichtet über Apartheid in Katar.  In der taz spricht Najem Wali über die Zukunft des Iraks. Die FAZ begibt sich auf den Tahrir-Platz und will die Hoffnung nicht fahren lassen. Le Monde bringt ein  ausführliches Gespräch mit dem Historiker Vincent Duclert über den Völkermord an den Armeniern.

Die Sprache, die Sprache, die Sprache!

29.12.2011. In der FAZ fragt der Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann: Warum darf man in der SPD offiziell fromm, aber nicht offiziell unfromm sein? Im Blog der New York Review of Books stellt Charles Rosen einige neue Stücke von Elliott Carter vor - mit Hörproben. In der Zeit mit Sachsen-Teil verabschiedet Clemens Meyer das Jahr der Neutrinos. Und Andrea Breth erklärt, was im Theater das schwierigste ist: der Handschlag. In Le Monde wird erbittert über das französische Gesetz diskutiert, das die Leugnung von Genoziden unter Strafe stellt. Der Völkermord an den Armeniern ist eine Tatsache, konstatiert die FR.

Wie eine Wiedergeburt

28.12.2011. In Liberation macht Andre Glucksmann klar, dass Europa auch heute Dissidenten braucht. In der taz ruft Khawla Dunia zur Unterstützung der syrischen Revolution auf. In der FR meint Peter Temple, Krimis können alles, vor allem, wenn sie nicht von Zwölfjährigen geschrieben werden. Die SZ freut sich über die Wiederentdeckung Georg Seidels im deutschen Theater.

Magischer Totalitarismus

27.12.2011. In der FAZ äußert sich die Hanser Berlin-Verlegerin Elisabeth Ruge optimistisch über die Digitalisierung der Buchbranche. zeit.de meldet, dass Amazon auch in Deutschland verlegerisch tätig werden will. Die Basler Zeitung staunt über die rabiate Öko-Ideologie des europäischen Hochadels. Für die taz berichtet Gabriele Goettle über die unendlichen Folgen von Tschernobyl. Laut SZ ist Jazz noch nicht ganz tot.