Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Demo 24

24.12.2011. In der FAZ verrät Seamus Heaney das Geheimnis seiner Dichtkunst: Einfach mit Begeisterung loslegen. Außerdem berichtet sie von türkischen Reaktionen auf die französische Entscheidung, das Leugnen von Völkermorden unter Strafe zu stellen. In der taz erzählt Sibylle Berg von Weihnachten in Sankt Moritz - mit 60 Millionen Euro in der Urlaubskasse. Die SZ stellt fest, dass in England wieder Werte zählen, und Klasse. Die FR sorgt sich um die unterdrückten Völker Europas. Die Blogs stimmen sich mit Terry Gilliam und Charles Dickens auf die Feiertage ein. Und auch wir wünschen schöne Weihnachten!

Ein Grund für Bildungshunger

23.12.2011. In der Welt erhofft sich die russische Autorin Alissa Ganijewa  Ideen von Schriftstellern für eine sachliche Diskussion. Le Monde zeichnet ein Portrait de famille der französischen Elektrotanzmusikszene. Der Tagesspiegel appliziert Berliner Schnauze auf Berlinhassbücher. In der FR klagt Slavoj Zizek: Man findet keine guten Bücher mehr, außer vielleicht in der Knesebeck 11.

Der Bierkrug des Präsidenten

22.12.2011. Evolution statt Revolution: Im Freitag benennt Marjane Satrapi einen Unterschied zwischen dem arabischen Frühling und dem Aufstand im Iran vor zwei Jahren. Europa ist belgischer geworden, konstatiert der belgische Autor Erwin Mortier in der NZZ. Die FR erklärt, warum Drake, Frank Ocean und The Weeknd gut, aber böse sind. Und in der Zeit seufzt Martin Walser: Es hat sie gegeben, trotzdem, die deutsche Seele.

Grindr macht auch nicht glücklich

21.12.2011. In der taz spricht sich Filmregisseur Thomas Heise gegen ein NPD-Verbot aus. Die Trauer über den Tod Kim Jong-Ils hält sich in Südkorea in Grenzen, berichtet die NZZ, die Kenntnis Nordkoreas aber auch. In der FAZ antwortet Götz Aly auf Hans-Urlich Wehler: Nein, der Holocaust ist nicht allein auf Hitlers "maßgeblichen Einfluss" zurückzuführen. In der Welt behauptet die "junge, liberale, weibliche, lesbische" Muslimin Irshad Manji, der Islam sei reformfähig. Die SZ warnt vor Demokratie-Illusionen.

Die Sonne des 21. Jahrhunderts

20.12.2011. Harald Welzer fasst sich an den Kopf. Wo bleiben die Symposien der Soziologen über den gegenwärtigen Verfall der Politik?, fragt er im Tagesspiegel. Peter Sloterdijk entwirft dagegen im Handelsblatt einen historischen Begriff der Schuld und der Schulden. In der FAZ analysiert Gesine Schwan den auf Misstrauen und Kontrolle setzenden - und darum nicht wirklich demokratischen - Führungsstil Angela Merkels. In der SZ freut sich John Berger über Cezanne. Und wussten Sie, dass es zwei europäische Literaturpreise gibt?

Dass wir es in der Hand haben

19.12.2011. Abschied von Bürger Havel. Im Guardian erinnert sich Timothy Garton Ash an seinen ersten Besuch bei Vaclav Havel, Anfang der achtziger Jahre. Wir verlinken auf viele Nachrufe und Erinnerungen in in internationalen Medien. Und auf einen Text von Vaclav Havel über Kim Jong-Il in The Globe and Mail. In der Welt erklärt die russische Autorin Natalja Kljutscharjowa, warum sich die Russen nicht mehr ducken.

Stolz und ungetröstet

17.12.2011. "Erbärmliche Versager!" In der Welt schimpft Klaus Harpprecht auf die deutschen Intellektuellen, die zu Europa nichts zu sagen haben.  Die NZZ bringt Durs Grünbeins Rede über die Büchner-Preisreden Gottfried Benns und Paul Celans: Zwei Dichter auf der Suche nach dem Nicht-Gedicht. In der taz räumt Michael Hardt mit dem Mythos vom Finanzkapital auf. Die FAZ macht sich Sorgen: Je langweiliger Jean-Claude Juncker wird, desto dramatischer steht's um Europa.

Weder Zigaretten noch Alkohol

16.12.2011. Christopher Hitchens ist tot. Wir verlinken auf Dossiers in Slate und Vanity Fair und Nachrufe im Guardian und der New York Times. In der Welt hält Daniel Johnson vom Standpoint-Magazin den Deutschen eine Standpauke. Im Tagesspiegel erklärt Joachim Sartorius von der Berliner Festspielen, warum er "Richard III." mit Kevin Spacey nicht nach Berlin holte. Die SZ fragt nach der Wechselwirkung zwischen Avantgarde und Pop.

Sie haben heimlich Wasser abgezweigt

15.12.2011. Günter Grass' scharfe Kritik an der Rolle der Journalisten in der Debatte um Christa Wolf nach der Wende stößt in den Feuilletons auf eher laue Reaktionen. Die taz findet sie unliterarisch, die Welt geschmacklos. Die SZ erwähnt sie halb und verschweigt sie halb. Der Tagesspiegel wirft immerhin das Problem der "intellektuellen Moral" auf. Die FAZ spricht lieber über Wulff als über Wolf. In der Zeit feiert Viktor Jerofejew die Geburt der russischen Zivilgesellschaft. Und die Glaubensseite verabschiedet den Kapitalismus.

Innigkeit der intellektuellen Existenz

14.12.2011. Nachlesbar entschuldigen sollen sich Frank Schirrmacher und Ulrich Greiner, wenigstens postum, forderte Günter Grass bei der Trauerfeier für Christa Wolf. Er wirft ihnen vor, nach der Wende mit "Niedertracht und Vernichtungswillen" eine Kampagne gegen die Autorin lanciert zu haben. Die FR bringt Grass' Rede. In den anderen Zeitungen hat die Attacke noch kein Echo. Gibt es eine neue Schriftstellergeneration?, fragt der Tagesspiegel hoffnungsfroh. Die Welt ist entsetzt über Rechtsextremismus in der ungarischen Kulturszene. In der SZ erzählt der britische Theaterregisseur Simon Stephens, wie das deutsche Theater ihn "ruiniert" hat.