Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Und im Cafe plaudern die Kellner über Victoria Beckham

01.12.2011. In der Welt versucht Andre Glucksmann, den Westen wachzurütteln. Der Tagesspiegel bringt ein unter anderem von Glucksmann unterzeichnetes Manifest für Europa. Die NZZ hält Artemisia Gentileschi zwar eher für eine feministische Ikone, widmet ihr aber trotzdem eine Seite. In der Zeit entwirft Petros Markaris ein Panorama Griechenlands in der Krise. In der FAZ fordert Evgeny Morozov ein Netz der Bürger und Anonymität beim Musikkonsum.

Anders und doch wiedererkennbar

30.11.2011. In der SZ mag Diedrich Diederichsen dem Retropop durchaus einiges abzugewinnen. Die Welt bringt die fulminante Berliner Rede des polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski an die Deutschen: "Ich fürchte mich weniger vor Deutschlands Macht als vor seiner Untätigkeit." Und Martin Walsers Hommage auf den Euro-Miterfinder Theo Waigel. Die NZZ führt uns in Südkoreas politische Satirelandschaft ein.

Demontage des Illusions-Korsetts

29.11.2011. In der FAZ sagt der Klimaforscher Hans von Storch einen Klimawandel in der Klimaforschung an. In der FR erinnert Regisseur Thomas Heise daran, dass wir schon vor zwanzig Jahren über die neue rechtsextreme Szene in Deutschland informiert waren.  Die SZ möchte kein Halal-Netz im Iran. Foreign Policy bringt eine aktuelle Ai-Weiwei-Bilderstrecke. DSK-Gate? Die NYRB fragt, ob DSK Opfer einer Verschwörung wurde. Viele Medien greifen das Thema auf. Die New Republic ist kritisch mit dem in Deutschland sehr gefeierten Maurizio Cattelan

Bis alles in Scherben liegt

28.11.2011. Sparen hat keinen Sinn, meint der amerikanische Autor Adam Haslett in der Welt mit Blick auf Griechenland und Irland. Ähnlich sieht es die SZ. In der NZZ macht sich der weißrussische Autor Artur Klinau Hoffnungen auf Risse im System. Im Guardian spricht Ai Weiwei über die chinesische Politik des Verschwindenlassens von Unliebsamen. Hugh Eakin bewundert im NYRblog das Nation Building in Qatar. Aber er war auch der einzige. Das Heddesheim-Blog berichtet über juristische Weiterungen in der "Fischfutter-Affäre" um Hans-Christian Ströbele.

Als Feind wie als Beute

26.11.2011. In der Welt erklärt Steven Pinker, warum die Menschen mit der "Gewalt" ein fast so großes Problem haben wie mit der Mathematik. Der SZ mag nicht recht an die von Habermas' geforderte Bürgersolidarität in Europa glauben. Außerdem erliegt sie Kate Bushs dramatischer Schrulligkeit. Die taz hört Brian Wilson. Im Tagesspiegel ruft Jeff Jarvis zum Schutz der Öffentlichkeit auf. In seinem Blog erinnert Wolfgang Michal die Grünen an den Unterschied von Urhebern und Verwertern

Futterkugeln

25.11.2011. Die FAZ möchte nach Lech Majewskis Bruegel-Film "Die Mühle und das Kreuz" nur noch nach Wien und "weiterschauen, suchen, bewundern, erleben". In der SZ schildert Doug Saunders die Dialektik der Mega-Cities, wo es passieren kann, dass es steil bergauf geht, obwohl es aussieht, als ginge es steil bergab.  Die FR hat den Garten Eden gefunden. Die NZZ wird kostenpflichtig, meldet persoenlich.com. Wo bleibt die große Demonstration?, fragt Jakob Augstein auf Spiegel Online.

Die Steinzeit der Petipa-Epigonen

24.11.2011. In der Jungle World und in der FR spricht Andres Veiel über Parallelen (oder auch nicht) zwischen der RAF und den Nazimördern aus Zwickau. Die taz interviewt Ian Kershaw zu Hitlers Ende und die endlose Nibelungentreue der Deutschen. Im Freitag spricht der Literaturwissenschaftler Wolf Kittler über Kleist und Schmitt und Lenin. Die SZ rechtfertigt sich für ihre posthume Kritik am Kunstsammler Heinz Berggruen. Die Zeit leitet die Reguttenbergisierung der Politik ein.

Planet der Mikroben

23.11.2011. In der Welt setzt der ägyptische Politologe Omar Ashour seine Hoffnung in die Jugend des Landes. Außerdem feiert die Welt die präraffaelitische Popsängerin Florence Welch. Die SZ erzählt, wie der Karl-Theodor zu Guttenberg mithilfe von Giovanni di Lorenzo trotz kurzfristigen Scheiterns über "notwendige Schritte in der Europa- und Außenpolitik" aufklärt. Die FAZ sieht in Roman Polanskis Verfilmung eines Theaterstücks von Yasmina Reza lauter Schauspieler, die um Oscars konkurrieren.

Pathosvernichtungsmaschine

22.11.2011. Wie hoch ist eigentlich der Anteil der DDR an der Entstehung des Rechtsextremismus in den Neuen Ländern?, fragen Anetta Kahane in der taz und Freya Klier in der Welt. Außerdem in der Welt: Der ANC demontiert die Freiheit, für die er einst kämpfte und bedroht Journalisten mit 25 Jahren Gefängnis. Die NZZ schildert die Zerrüttung Italiens durch den Berlusconismus. Slate liest Peter Nadas' Tausendseiter "Parallele Geschichten", der gerade auf Englisch erschienen ist.

Hellauf hätte ich gejauchzt

21.11.2011. Die New York Times stellt das Google Cultural Institute vor, das in Paris gegründet wird. Mashable hat ganz aktuelle Fotos vom Tahrir-Platz gesammelt, die Demonstranten per Twitter und Facebook publizierten. Die EU-Kommissarin Neelie Kroes hat eine erstaunliche Rede über Urheberrecht gehalten, vermerkt unter anderem Heise. Der Tagesspiegel wirft einen kritischen Blick auf die Berliner Philharmoniker als Veranstalter. Die SZ bringt die Rede der Kleist-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, die ihr Unbehagen an Kleist bekennt. Die Zwickauer Nazis beschäftigen die Feuilletons weiterhin.