Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Durchblutete Maschine

19.11.2011. Warum kamen auch die Medien nicht auf die Idee, dass die Morde an türkischen (beziehungsweise deutschen) Mitbürgern rechtsextremistische Taten sein könnten?, fragt selbstkritisch die FAZ. Die Medien waren am Thema Rechtsextremismus überhaupt nicht interessiert, meint ein anonym schreibender Journalist in der SZ. In der NZZ fragt sich Gertrud Leutenegger, warum Kleists Sätze sie so aufwühlen. Und Felix Philipp Ingold wirbt für eine Wiederentdeckung der brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector.

Konzentration. Reduktion. Meisterschaft

18.11.2011. Wenn unsere Politiker glauben, dass es Sinn hätte, unser politisches System retten zu wollen, dann ist das utopisches Denken, meint John Gray in der SZ. Warum beschäftigt sich das deutsche Kino lieber mit Hitler und Baader als mit aktuellen Problemen wie etwa heutigen Rechtsradikalen?, fragt die taz. Die NZZ beklagt die Verzwergung der Gedächtniskirche. Und der Freitag fordert Open Science und ein Ende der Einsamkeit in der Forschung.

Triumph durch Anpassung

17.11.2011. Die Zeit protokolliert Antonio Tabucchis  Wohnzimmertribunal gegen Berlusconi. Außerdem wirft sie einen Blick in das braune Bullerbü von Mecklenburg-Vorpommern. Die FAZ verteidigt jetzt auch Heinz Berggruen gegen die Anwürfe von Vivien Stein und SZ. In der NZZ erweist Franz Schuh dem souveränen Mitläufer seine Reverenz. Die taz liest Habermas. Und in der FR erzählt Matthew Herbert aus dem Leben eines armen Schweins.

Mit diesem üblen Ingrimm

16.11.2011. Die Welt fragt, warum dieser geradezu physische Ausländerhass in Ostdeutschland noch immer nicht eingehegt ist. In der taz bekennt der frühere Leiter der Münchner Mordkommission seine ganze Ratlosigkeit. In der FR erklärt Eric Hobsbawm, er hätte Irland und Griechenland nicht einmal in die EU aufgenommen. Die SZ wünscht sich Durchstich in der Literatur. Im Tagesspiegel verwahrt sich Hermann Parzinger gegen den "perfiden" Demontageversuch Heinz Berggruens.

Kraftpaket aus Gedankenwucht

15.11.2011. Mit Entsetzen betrachtet die FAZ das Bekennervideo der braunen Terroristen aus Zwickau. Der Tagesspiegel hat herausgefunden, dass die Autorin einer sehr anschwärzenden Biografie über Heinz Berggruen Mitarbeiterin des Auktionshauses Villa Grisebach war, deren Chef gar nicht gut auf Berggruen zu sprechen war...  Die New York Times meldet: Ahmed Rushdie ist sauer und schimpft auf Twitter über Facebook: Er hätte gern seinen Namen zurück. Die SZ liest eine Studie Gilles Kepels über den Islam in französischen Banlieues.

Vergeblich sucht man in den Feuilletons

14.11.2011. Was treibt die SZ zur posthumen Attacke auf den Kunstsammler Heinz Berggruen?, fragt entgeistert der Tagesspiegel. Die Bild veröffentlicht den Bericht einer Untersuchungskommission zu den Umtrieben beim MDR: Da gibt's noch viel zu entdecken! In der taz analysiert der Schriftsteller Rafik Schami die Lage in Syrien. Die FAZ hat von einem Vordenker der Occupy-Bewegung gelernt, dass es "alternative marktwirtschaftliche Gesellschaften geben kann, die funktionsfähig sein können, ohne klassenkämpferisch zu sein".  In Newsweek spricht Ai Weiwei über die Zeit seiner Isolation.

Ein Sturm und eine Flaute zugleich

12.11.2011. Nieder mit dem 3D-Kino, das keine Farben und keine Perspektive und nur einen Standpunkt kennt, ruft Fritz Göttler in der SZ. Zwei Dinge braucht Europa, meint der Tagesspiegel: weniger Kapitalismus und mehr Musil. Europa kommt ins Museum, meint dagegen Walter Laqueur in der Welt. In der taz schimpft Heinz Bude auf den ethnisch homogenen Prenzlauer Berg. In der FAZ droht  Petros Markaris seiner Tochter mit Enterbung. Die NZZ fragt, was Paris fotografieren heißt.

Aber die Musik war echt gut

11.11.2011. Die EU ist nicht nur dazu da, den Griechen Annehmlichkeiten zu bieten, schreibt der litauische Autor Sigitas Parulskis in der Welt. Die NZZ blickt in die Abgründe der politischen Korrektheit. Mit Europa ist's vorbei, meint die SZ: Berlin ist das neue Brüssel. Warum hat sich keine deutsche Zeitung mit Charlie Hebdo solidarisiert?, fragt Achgut.

Dann lernte ich noch zwei Jahre bei Proust

10.11.2011. Die FAZ bringt die Rede, in der Martin Walser erklärt, warum es gar nicht sein kann, dass er Antisemit ist. Der Mediendienst DWDL.de staunt über die Hardcore-Integrationsfähigkeit der Bambi-Jury. Der Islamismus ist eine rechtsextreme Ideologie, auch wenn ihn vor allem Linke dulden, meint Frederik Stjernfelt in der Jungle World nach dem Brandanschlag auf Charlie Hebdo. In der taz erklärt die Regisseurin Kelly Reichardt, wie es bei den Siedlertrecks wirklich zuging: formell. Die Zeit nimmt eine Prise Kritik am Mainstream.

Handlungen, Empfindungen, Erkenntnisse

09.11.2011. In der FR erklärt Marcia Pally, warum die Demokraten in den USA nicht siegen: Sie haben keine Eier. Slate meint: Google Plus ist im Grunde schon tot. Im Tagesspiegel ergründen Thea Dorn und  Richard Wagner die deutsche Seele. In der Welt schreibt Marek Dutschke, ja, der Sohn von Rudi, zum Jahrestag des Mauerfalls. Bernard-Henri Levys Libyen-Buch (und -Initiative) nötigt der SZ am Ende doch Respekt ab. Die FAZ plädiert dringend für eine Max-Ophüls-DVD-Ausgabe. Außerdem: Auf nach London, zur Leonardo-Aussstellung.