Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Wattierte Orgelgurgler

08.11.2011. Die FR vermisste beim Berliner Jazzfest die "heiligen Spinner" des Free Jazz. Die Presse schaut den Staatsopernposaunen beim germanischen Sippenkampf zu. In der FAZ entwirft Amir Hassan Cheheltan ein kleines Panorama des iranischen Kinos unter den Mullahs. Die SZ packt die Piratenpartei bei den Wurzeln.

Mit Zustimmung der Erstfrau

07.11.2011. Nach der drakonischen Steuerforderung gegen Ai Weiwei werfen Chinesen Geldscheine über Ais Gartenmauer. Ai Weiwei betrachtet die Spenden als Kredit und will in Form von Kunstwerken zurückzahlen, berichtet die Welt. Auch per Paypal sollen Spenden möglich sein. Wir haben's probiert: Ais Paypal-Konto funktionierte heute morgen leider nicht. Außerdem: In der taz meint der Jurist Mathias Rohe: keine Angst vor der Scharia, denn sie ist ein "vielfältig auslegbares Normenbündel". Die FAZ berichtet über die Drangsalierung türkischer Intellektueller, die sich mit dem Völkermord an den Armeniern beschäftigen.

Zerberstende Lebenswelten

05.11.2011. Wir sind bekanntlich gezwungen, im Kapitalismus zu leben. Die FR hat jetzt aber die Nase voll davon und auch von der Demokratie und hätte es gern anders nett. Jürgen Habermas stimmt in der FAZ Frank Schirrmacher zu und sieht die Demokratien in der Zerreißprobe zwischen Märkten und Gerechtigkeit. Selbst die Brasilianer wollen jetzt Flachbildschirme, klagt die SZ. Außerdem ist der Kapitalismus schuld an gurken- und amöbenförmiger Architektur, findet der Architekturhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani in der NZZ.  Nur in der Welt warnt Niall Ferguson: Bitte keine Verliebtheit in das Autoritäre!

Ruin und Unfreiheit

04.11.2011. Die taz findet: Das neue Album von Loulou und Metallica ist für Nichtraucher nicht geeignet. Ein Leipziger StartUp schafft eine Flatrate für Bücher, berichtet Netzwertig. Wie groß ist die totalitäre Versuchung in Griechenland?, fragt Guy Sorman in Le Monde. Die SZ wirft einen ernüchterten Blick auf die Occupy Wall Street-Bewegung: dann doch lieber Kapitalismus. Die FAZ staunt über die Intensität der chinesischen Kulturpolitik.

Eine Jeanne d?Arc ohne Auftrag

03.11.2011. In der Welt macht sich Hamed Abdel-Samad Sorgen um den arabischen Frühling. Spätestens in siebzig Jahre ist es dann aber soweit, meint ein optimistischer BHL in der Zeit. Die taz würdigt den Beitrag, den Türkinnen in Deutschland zur Ästhetisierung der Republik leisteten. Der Freitag kritisiert das Urteil des OLG Frankfurt in Sachen FAZ und SZ gegen Perlentaucher. In der Jüdischen Allgemeinen spricht Howard Jacobson über Antisemitismus in Großbritannien. Und die FAZ findet, dass das Netz nicht zu Politik, sondern nur zur Dissemination von Laune und Gerücht taugt.

Bestimmte Zumutungen des Kunstbetriebs

02.11.2011. Die taz übt Selbstkritik und verspricht künftig sauberen Journalismus. AOL will eine deutsche Huffington Post gründen, meldet Meedia. Der Kapitalismus ist tot, meldet Franz Schuh in der NZZ. Was soll die Empörung über das annoncierte Referendum in Griechenland?, fragt Frank Schirrmacher in der FAZ. Außerdem verlinken wir auf zwei alte und schöne Reportagen von Joseph Mitchell und Tom Wolfe.

Idealtypus eines zweifelhaften Gesellen

01.11.2011. Wie die schiitischen Iraner das Bilderverbot der Sunniten aushebeln, erzählt die NZZ. In Newsweek schwärmt Simon Schama von Robert Hughes neuer Geschichte Roms. Seit sechs Jahren in Arbeit ist Ilja Khrzhanovskijs Film "Dau" - GQ-Reporter Michael Idov erlebt am Set sein blaues Wunder. In der Welt erklärt Cora Stephan der Occupy-Bewegung: Die Parolen der Väter sind nicht die Zukunft. Die taz nimmt am Münchner Residenztheater einen Schluck Starkbier mit Mutterkorn. Die FAZ lernt von Andrea Segre, wie es chinesischen Einwanderern in Italien ergeht.

Pointierte Synkopen von hinten

31.10.2011. BoingBoing beobachtet, wie das informationelle Selbstbestimmungsrecht in Großbritannien zugrunde gerichtet wird. In der FAZ plädiert der Grünen-Politiker Volker Beck für ein freies Internet. GigaOm berichtet über ein in den USA geplantes Gesetz, das die Freiheit im Netz stark einschränken wird. Die SZ bringt F.C. Delius' Büchner-Preisrede. In der taz erklärt der Gerichtsgutachter Jan Ilhan Kizilhan die Psychologie von Ehremorden. Und Stefan Niggemeier staunt über eine tolle Idee der SPD für die Öffentlich-Rechtlichen: Gebt ihnen  mehr Geld!

Staublose Datei im Netz

29.10.2011. Im Umblätterer erklärt die Literaturwissenschaftlerin Constanze Reichardt, was sie an F.C. Delius so schätzt: zum Beispiel seinen Blick auf den Terrorismus in Deutschland. Im Tagesspiegel antwortet der Büchner-Preisträger auf seine Kritiker. In der Welt äußert sich Alaa al-Aswani trotz allem optimistisch über den weiteren Fortgang der ägyptischen Revolution. Ulrich Beck setzt in der taz seine Hoffnung in die Occupy-Bewegung. Die FAZ gerät in Ekstase über Lou Reed und Metallica, die SZ streichelt Vintage-Editionen von Pink Floyd und Velvet Underground.

Alles ist einsehbar

28.10.2011. In der NZZ macht sich J.M. Coetzee Sorgen über die Wiederkehr der Religion. Die Welt fragt sich, was in Hanser-Verleger Michael Krüger gefahren ist: Machotum alter Schule? Spiegel-Redakteure müssen sich in ihrem neuen Haus vorsehen: Wenn sie einschlafen, geht das Licht aus. Frank Castorf darf den Bayreuther Jubi-Ring im Jahr 1813 inszenieren. In der SZ gibt er Auskunft über seine Ästhetik. Die FAZ kommt aus dem Staunen über den Fall Beltracchi nicht heraus.