Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.04.2011. Von
Ai Weiwei fehlt nach wie vor jede Spur. Die
FAZ sucht nach Gründen für die neueste Repressionswelle in China. Der
Perlentaucher fragt: Wie nahe standen sich Globalisierugskritiker
Jean Ziegler und
Oberst Gaddafi? In der
NZZ versichert die Berliner Senatsbaudirektorin
Regula Lüscher, dass sie eine neue Baukultur einführen will. Die Zeitungen sind entsetzt über den Mord an
Juliano Mer Khamis. Die
taz ist nach Dschenin gefahren und spricht mit Freunden und Feinden des jüdisch-palästinensischen Theatermachers.
05.04.2011. Die Welt bringt ein Interview mit der Philosophin Bettina Stangneth, die das Bild von Adolf Eichmann als banalem Bürokraten in Frage stellt. Die taz berichtet über geradezu hysterische Reaktionen auf Joseph Lelyvelds Gandhi-Biografie "Great Soul", die fragt, ob Gandhi ein Verhältnis mit einem Deutschen hatte. Der FAZ scheint die deutsche Aufklärungs-Goodwill-Aktion in Peking anlässlich der Verhaftung Ai Weiweis noch schaler. Die SZ bringt ein Interview mit Ai Weiwei, das vor der Verhaftung geführt wurde: Er bekennt darin seine Angst vor dem Regime.
04.04.2011. Ai Weiwei ist am Flughafen von Peking festgenommen worden. Seitdem fehlt jeder Kontakt - die FAZ liest Twitter. "Die Katastrophe ist da", sagt die pakistanische Autorin Sara Suleri Goodyear nach den extremistischen Morden in Pakistan. Der Islam hat nichts mit Genitalverstümmelung zu tun, sondern wendet sich mit aller Schärfe (wenn auch ohne Erfolg) dagegen, versichert die FAZ. In der Welt reagiert Moshe Zimmermann auf eine von dem Historiker Johannes Hürter und dem Spiegel aufgeworfene Kritik an der Studie über das Auswärtige Amt. In der taz spricht Rafik Schami über die Revolte in Syrien. Außerdem: Hymnen auf Anna Netrebko.
02.04.2011. In der FR erklärt Alfred Neven DuMont, wie er die "Qualität wie gewohnt" trotz der Entlassung Dutzender Redakteure erhalten will. Und Parag Khanna bekennt: "Ich bin für Tyrannenmord". Die Welt feiert ihren 65. Geburtstag. Und Fritz J. Raddatz kollabiert bei der Lektüre von Ciorans frühen Schriften. Die NZZ liest syrische Gefängnisliteratur und entwickelt einen islamischen Begriff der Menschenrechte.Die SZ verteidigt Jean Ziegler und plaudert mit Cat Stevens.
01.04.2011. In der NZZ mag Andrzej Stasiuk nicht mehr an den Westen glauben, auch nicht, wenn er in Libyen interveniert. In der taz wirft Ulrich Beck der Politik vor, uns nicht vorm Unvorstellbaren bewahrt zu haben. Auf Carta wird über die Öffentlich-Rechtlichen diskutiert: Sollen Gebühren auch an andere Medien gehen, oder soll das Programm noch ausgeweitet werden, um sinkendes Interesse zu kompensieren? Der Menschenrechtsexperte Jean Ziegler muss sich nach verschiedenen Berichten gegen den Vorwurf der Nähe zu Gaddafi verteidigen. SZ und FAZ kommen nochmal, etwas milder als gestern, auf die umstrittene Aufklärungsausstellung in Peking zurück.
31.03.2011. Deutschland wollte in Peking eine Aufklärungsschau präsentieren, aber es wurde eine Biedermeierschau draus, finden SZ und Welt. Die Jungle World vermutet: Deutschland stimmt in der UNO mit China, weil es hauptsächlich dorthin exportiert. Die SZ verabschiedet sich außerdem von der FR, die demnächst in einem Berliner Mantel auftreten wird. In Cicero sagt Hamed Abdel-Samad: "Ich spreche grundsätzlich jeder Religion die Demokratiefähigkeit ab." Film der Woche: Debra Graniks "Winter?s Bone".
30.03.2011. Die FR steht vor den Bildern des niederländischen Renaissancemalers Jan Gossaert und staunt. Der Tagesspiegel erinnert an die goldenen Zeiten der Buchbranche. In der taz erzählt die Intendantin Karin Beier von der Schwierigkeit, populär zu sein. Der Ruf der Stadt Duisburg lässt sich nicht aufpolieren. Er ist zurecht ruiniert, finden die Ruhrbarone. Wir bringen Bilder und Links zu Eduardo Souto de Moura, der den Pritzker-Preis 2011 erhält.
29.03.2011. Es ist zwar keine Flucht, aber der chinesische Künstler Ai Weiwei zieht nach Berlin, meldet die Berliner Zeitung. Amerikanische Medien feiern Werner Herzogs Dokumentarfilm über die Höhlen von Chauvet. In der Welt mokiert sich Andre Glucksmann über Deutschlands Leisetreterei gegenüber Libyen. Außerdem erklärt Martin Walser, warum er als CDU-Wähler ein Grüner ist. In der FR stellt Michael Borgolte fest: Historisch gesehen ist die Behauptung, der Islam gehöre nicht zu Europa, Nonsens.
28.03.2011. In der Welt dankt Rafik Schami dem Westen (außer natürlich Deutschland) für das Engagement in Libyen, und der Japanologe Reinhard Zöllner ist fassungslos über die deutsche Reaktion auf die japanische Katastrophe. Spiegel Online fragt: Warum muss man überhaupt noch in eine Bibliothek fahren, um ein Buch zu lesen? Die FAZ verabschiedet sich von der ungarischen Demokratie. Im Tagesspiegel wendet sich Gerhard Schulze gegen Ulrich Becks Begriff der "Risikogesellschaft".
26.03.2011. In der Berliner Zeitung fragt Peter Glaser: Wo sind die Roboter in Fukushima? In der Welt erklärt Manfred Schneider, wie der Attentäter die politische Bühne betrat. In der NZZ empfiehlt der Wissenschaftshistoriker Anthony Grafton den Geisteswissenschaftlern, sich in die Grenzgebiete vorzuwagen. Die taz plädiert für mehr Mies van der Rohe in der heutigen Architektur. In der FAZ fordert Herta Müller die sofortige Freilassung Liu Xiaobos aus dem Gefängnis. Die SZ wird von Wolf Wondratschek mit dem Stempel "Bibliothek in die Papiertüte" geadelt.