Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ich mache das alles noch viel schöner

15.11.2010. Die NZZ berichtet vom traurigen Niedergang der Basler Zeitung. Außerdem bewundert sie Julius Schulmans ultracoole Architekturfotografien. Die FR würde gern einen Schraubstock in voller Härte genießen. Heise weist auf ein neues Urteil des BGH zum Urheberrecht im Internet hin. Und die FAZ meldet Enthüllungen des Papst-Attentäter Ali Agca im türkischen Staatsfernsehen: "Auf jeden Fall steckt die Regierung des Vatikans hinter dem Attentat."

Insofern ist Macht eine Geisteswissenschaft

13.11.2010. In der NZZ entdeckt Cees Nooteboom mit Francisco de Zurbaran die Beinahe-Wollust an körperlichen Torturen. Die FAZ fragt, wann dem Geschäftsmodell zeitgenössische Kunst eigentlich die Bedeutung abghanden gekommen ist. In der FR kratzt Ulrich Beck an der Übermacht globalisierter Märkte. Und Spiegel Online kolportiert Gerüchte, nach denen Facebook am Montag Google Mail den Todesstoß versetzen könnte.

Man konnte mit dem Mauspfeil darauf klicken

12.11.2010. Die SZ meldet, dass Dominik Grafs TV-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" von ARD-Programmchef Volker Herres in den Quotenorkus verbannt wird - in der FR schwärmt Herres noch von der tollen Qualität der Serie. Das Blog The Daily Beast meldet, dass es mit Newsweek fusioniert - und Tina Brown wird Chefredakteurin von beiden. In der taz erklärt Jeremie Zimmermann von der französischen Netzbürgerrechtsgruppe La Quadrature du Net, warum das Acta-Abkommen gekippt werden sollte. Die FAZ staunt über die unnatürlich gestapelte Bauchmuskulatur in den Zeichnungen Michelangelos

Schönheit herrscht in überwältigender Fülle

11.11.2010. Kulturpolitische Misere allüberall. Bonn spart. Halle schafft Theater ab (so der Freitag). In Berlin wird eine Kulturloge für Bedürftige gegründet (so die SZ).  Mit Flensburg geht's auch schon bergab: Die Zeit berichtet in einem Dossier. In Griechenland gewähren Milliardäre der Allgemeinheit (und der Berliner Zeitung)  immerhin Einblick in tennisplatzgroße Swimmingpools.

Kompliziert ausgearbeiteter Dachschaden

10.11.2010. Phantomschmerzen über Jugoslawien begutachtet die Welt. Wenn es weh tut, verstößt es gegen die Menschenrechte, erklärt Natan Sznaider in der FR. In der FAZ sieht Bernard-Henri Levy die drohende Hinrichtung Sakineh Ashtianis als Test für den Westen und den Iran. In der SZ erklärt Claus Leggewie "Islamophobie" zum neuen Antisemitismus. Und Thomas Steinfeld klärt Alice Schwarzer auf: Nicht die Frauen, der Kapitalismus hat den Feminismus ermöglicht.

Geschmackvoll beleuchtet der Stahlhelm

09.11.2010. Die FR rügt die Hartherzigkeit des Zentralrats der Juden gegenüber Israelkritiker Alfred Grosser. Matthias Küntzel wirft dem Auswärtigen Kulturausschuss des Bundestags Anbiederung an den Iran vor. In der FAZ schreibt Mina Ahadi über die möglicherweise bevorstehende Hinrichtung Sakineh Ashtianis. Clay Shirky erklärt Rupert Murdoch, warum die Paywall keine Lösung ist. Rue89 ist eindeutig: Jean-Luc Godard ist kein Antisemit, man versteht ihn nur miss.Die SZ wundert sich über die Gewerkschaft Ver.di, die Urheberrechtsverstöße so scharf ahnden will wie Kinderpornografie. In der NZZ erklärt Jean-Luc Godard: "Das Urheberrecht ist eine Fiktion."

Kalte, niemals zu sättigende Brut

08.11.2010. Die SZ dokumentiert Martin Walsers Marbacher Rede für Ernst Jünger. Die Welt zeigt sich von Walsers bei dieser Gelegenheit gezogenem Vergleich von Jünger und Kafka ziemlich irritiert. In der taz meint Timothy Garton Ash: Wer freies Feld für Mohammed-Karikaturen fordert, darf auch die Holocaust-Leugnung nicht kriminalisieren. In der NZZ prangert die Autorin Irena Brezna die Gewalt gegen Frauen in Tschetschenien an. Auch in Russland - und besonders in Tschetschenien - wird jetzt für die Einführung der Scharia plädiert, berichtet die FAZ. Die FAZ druckt auch die Laudatio von Alice Schwarzer auf Necla Kelek für den Preis der Naumann-Stiftung.

Bin ich eitel?

06.11.2010. In der taz spricht der chinesische Journalist Michael Anti über Netz und Journalismus in China. Und der Literaturwissenschaflter Helmut Lethen erklärt, wie Ernst Jünger dem Arbeiter jegliche organische Substanz entzog. Überhaupt haben viele Feuilletons Berichterstatter nach Marbach zur großen Ernst-Jünger-Schau entsandt. Die FR staunt über ein luftiges und leichtes und 231 Meter hohes Wohnhaus in Bangkok. Die NZZ fragt, warum Banken in Kunst investieren. 

Das ist diese nächste Generation!

05.11.2010. Die nötige Freiheit haben Chinas Intellektuelle, um kritische Frage zu stellen, meint der Historiker Wang Hui in der NZZ. Aber haben sie auch genug Format? In der Welt sorgt sich Franz Schuh um die Untoten des deutschen Literaturbetriebs. In der SZ hält Hans Mommsen, historisch gesehen, die Schuldfrage für überschätzt. Die FAZ lernt: Was dem Auswärtigen Amt fehlt, ist ein Thomas Harlan. Die taz beweist mit den Witmark-Demos Bob Dylans einzigartige Großartigkeit. Die FR empfiehlt heute das Nachtprogramm der ARD: "Entweder Broder".

Junge schöne Menschen vor gepflegten Landschaften

04.11.2010. Die FR schildert, wie in Italien jetzt Neofaschisten Häuser besetzen und in Kulturzentren umwandeln. Die Zeit inspiziert die neue Berliner Kreativwirtschaft. Die SZ bilanziert die Expo von Schanghai eher süß-sauer. Im Freitag durchlebt Jochen Schmidt noch einmal die Schrecken der DDR-Kinderliteratur. Die Welt sieht Rentiere im Hamburger Bahnhof. Und die taz entdeckt in Angela Schanelecs "Orly" Gott, vielleicht aber auch die wahre Kunst.