Besprochen werden Susanna Fanzuns Filmdoku "I Giacometti" (NZZ), Augmented Reality im Tiergarten (Welt), sowie die Ausstellungen "In anderen Räumen" und "WangShui. Toleranzfenster" im Münchner Haus der Kunst (Tsp), "Bruno Pélassy and the Order of the Starfish" im Berliner Haus am Waldsee (Tsp), "Amedeo Modigliani. Un peintre et son marchand" im Pariser Musée de l'Orangerie (NZZ) und Victor Man im Frankfurter Städel (FR).
Weiteres: Tilman Baumgärtel stellt in der taz den Grafiker Jesse Simon vor, der besondere Seiten des Berliner Stadtbildes auf seinen Fotos festhält, die in den Bänden "Berlin Typography" und "Plattenbau Berlin", sowie in den sozialen Medien und hier zu sehen sind.
Besprochen werden die Ausstellung "Dieric Bouts - Bildermacher" im Museum Leuven (FAZ), die Ausstellung "From Texture To Temptation" mit Werken von Silke Radenhausen in der Stadtgalerie Kiel (taz) und die Ausstellung "Niko Pirosmani" in der Fondation Beyeler (NZZ).
Auch in der Kunstszene gibt es einiges aufzuarbeiten, meint Eugen El in der Jüdischen Allgemeinen anlässlich des Hamas-Terrors. Ob es dazu kommt, erscheint ihm allerdings fraglich, denn diese Szene ist von antiisraelischen Diskursen beherrscht - andere gibt es dort eigentlich kaum noch, konstatiert er. Wenn, dann gibt es Aufrufe wie im Artforum, unterzeichnet von Künstlern wie Katharina Grosse, die ihre "Solidarität mit dem palästinensischen Volk" erklären. "Viel folgenreicher ist die schleichende Institutionalisierung des Israelhasses im Kunstbetrieb, die etwa in der von der Kulturstiftung des Bundes geförderten und von Kader Attia kuratierten 'Berlin Biennale' 2022 ihren von der Öffentlichkeit fast vollständig ignorierten Ausdruck fand." Es gab im Artforum aber auch eine Antwort auf den Aufruf - unterzeichnet von genau, äh, drei Personen.
Weitere Artikel: In der Berliner Zeitungberichten Chiara Maria Leister und Franz Becchi, wie der letzte Besuchertag im Pergamonmuseum vor der (sehr) langen Sanierungspause ablief. Die Agenturen melden, dass der Caspar-David-Friedrich Preis 2023 an die Berliner Künstlerin Isabell Alexandra Meldner ging.
Besprochen werden die Ausstellung "Home Street Home" der Fotografin Debora Ruppert im Paul Löbe Haus Berlin (taz) und die Ausstellung "Kapwani Kiwanga. Die Länge des Horizonts" im Kunstmuseum Wolfsburg (taz).
Aus der Ausstellung "A place of our own". Foto: Iris Hassid. Ein "Stück Hoffung", findet SZ-Kritikerin Kathrin Cahlweit in der Ausstellung "A place of our own", die das Jüdische Museum Hohenems zeigt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist diese aber auch gleichzeitig "schon jetzt ein Relikt": Die israelische Fotografin Iris Hassid hat vier junge Palästinenserinnen aus Tel Aviv durch ihren Alltag begleitet, so Cahlweit, schaut ihnen "beim Erwachsenwerden zu", beim "Feiern, Chillen, Reden, Shoppen. Beim Träumen und Trauern." Ein sehr privater Einblick in ihr Leben und gleichzeitig ein Zeugnis aus "einer Gesellschaft, in der die Entfremdung immer weiter voranschreite", stellt Cahlweit fest. Vor allem eindrucksvoll findet sie die Kommentare der Frauen, die die Bilder ergänzen: "Sie erzählen von Zurückweisung, Hass und Verlorenheit. Und zugleich von einem kämpferischen Selbstbewusstsein. Samar, Majdoleen, Aya und Saja begeben sich inmitten eines überwiegend jüdischen Umfelds nicht in die Isolation, sie wollen Teil einer großen Community sein: als Palästinenserinnen, als Araberinnen, als Israelinnen." Ob eine so vertraute Zusammenarbeit nach den jüngsten Ereignissen noch möglich wäre, weiß die Kritikerin nicht.
Weiteres: FAZ-Kritiker Benjamin Paul sieht sich die Skulpturen der iranisch-deutschen Künstlerin Nairy Baghramian in der Fassade des Metropolitan Museum of Art genau an und versucht, deren "Anti-Ästhetik" zu ergründen. In der FAS lässt sich Susanne Kippenberger von Museumswärter Patrick Bringley durch das Metropolitan Museum führen.
Besprochen wird die Ausstellung "Zoom auf Van Eyck. Meisterwerke im Detail" in der Berliner Gemäldegalerie (tsp).
Sarah Alberti (monopol) trifft sich mit der Fotografin Margret Hoppe, um mit ihr über ihre im Entstehen begriffene Serie von Porträts von Alleinerziehenden zu sprechen. Als selbst alleinerziehende Mutter ist es ihr ein Anliegen, das Thema auch künstlerisch dem Schweigen zu entziehen: "In meinem persönlichen Umfeld gibt es viele alleinerziehende Eltern. Auch über den Kindergarten meines Sohnes und andere Eltern habe ich Kontakt zu Alleinerziehenden bekommen, die sich meiner Anfrage gegenüber fast immer sehr offen gezeigt haben. Über das Netzwerk 'Mehr Mütter für die Kunst' habe ich einen Aufruf gestartet. Daraufhin haben sich binnen kürzester Zeit etwa 15 Familien gemeldet. Auch andere haben offensichtlich das Bedürfnis, das Thema öffentlich zu machen und ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Immerhin 18 Prozent der Familien in Deutschland sind alleinerziehend, sprich das Kind oder die Kinder leben nur mit einem Elternteil zusammen. Gemeint sind explizit Familien, bei denen die Kinder von nur einem Elternteil betreut werden und der andere Elternteil - anders als etwa beim Wechselmodell - abwesend ist. Der Titel der Serie ist daher auch 'Mono-Eltern'. Im Griechischen bedeutet 'mono' so viel wie 'allein' oder 'einzig'. Im Französischen sagt man 'monoparental' zu Alleinerziehenden. Und es erinnert an den Klang einer Musikanlage. Eben nur Mono, nicht Stereo."
Besprochen werden: Die Doppelausstellung zu Franziskus von Assisi und Kiki Smith im Diözesanmuseum Freising (SZ) und die Retrospektive mit Gemälden von Nicolas de Stael im Musée d'Art Moderne in Paris (Welt).
Angeregt flaniert Gunda Bartels für den Tagesspiegel durch die Ausstellung "Grünzeug - Pflanzen in der Fotografie der Gegenwart" in der Berlinischen Galerie, die sechs Künstlern gewidmet ist, die im Bereich Naturfotografie arbeiten. Die Bilder ziehen einen in den Bann, freut sich Bartels, und lustig sind sie oft obendrein. Über Falk Haberkorns Foto 'Schonung #2' schreibt sie zum Beispiel: "Es stammt von 2003 und zeigt eine Kiefernmonokultur in silbrigem Schwarzweiß. Baumplantagen wie diese sind geheimnislos, in ihrer Monotonie ein Symbol der vom Menschen nach Profitkriterien gestalteten Natur. Der dunkle Tann der deutschen Romantik, die den Wald zu einem Topos der Märchen und Mythen adelte, scheint in solchen Schonungen ebenso weit entfernt wie Rotkäppchen und der böse Wolf. Nicht so bei Haberkorn, wo zwischen staksigen Stämmen mit rauer Borke Myriaden aufeinandergetürmter Nadeln auf dem Waldboden ruhen, und sich zwischen den Bäumen ein Pfad auftut, der ins Schwarz des Bildhintergrunds führt. Dieser fotorealistische und trotzdem verrätselte Wald ist eine Lockung und eine Warnung zugleich."
Non-Fungible Tokens, kurz NFTs waren noch vor zwei Jahren der große Hype der Kunstbranche, erinnert uns Caroline Schluge im Standard, manche Digitalkünstler setzten zweistellige Millionensummen mit einzelnen Werken um und auch viele große Kunstinstitutionen sprangen auf den Zug auf. Momentan freilich herrscht Flaute auf dem Markt: "Ende September ging ein Raunen durch die Kunst- und Kryptowelt - eine Studie von Dapp Gambl, einer Gemeinschaft von Blockchain-Experten, sah knapp 95 Prozent der NFT-Sammlungen als wertlos an. In Zahlen bedeutete das: Exakt 69.795 der insgesamt 73.257 Sammlungen, die der Verband analysierte, haben mittlerweile eine Marktkapitalisierung von null Ether beziehungsweise null Euro erreicht. Rund 23 Millionen Menschen bleiben der Studie zufolge auf nunmehr wertlosen Investments sitzen." Die digitalen Klimt-Schnipsel, die das Wiener Belvedere nach wie vor für 1850 Euro (pro Schnipsel) anbietet, sind auf Webbörsen keine 40 Cent mehr wert.
Weitere Artikel: Die Kyiv-Biennale kann aufgrund des russischen Angriffskriegs nicht komplett in der Ukraine stattfinden und reist nun durch mehrere europäischen Städte. Im Standardbespricht Katharina Rustler die Wiener Station der Schau, die im Augarten Contemporary gezeigt wird. Das British Museum hat 350 gestohlene Werke der Schmuck- und Glaskunst wiedererlangt, weißZeit Online. Für Monopolunterhält sich Clara Westerndorff mit der Kuratorin Julia Meer über Diversity in der Museumswelt und feministische Kunst.
Besprochen werden die Ausstellung "Grete Ring. Kunsthändlerin der Moderne" in der Berliner Liebermann Villa (taz Berlin) und die der Verbindung von Mode und Kunst gewidmetete Schau "Between Sky and Heart" in den Florenzer Uffizien (Monopol)
Der Goslaer Kaiserring, eine der wichtigsten Preise im Bereich der zeitgenössischen Kunst, geht, wie Dorothea Zwirner in der FAZ berichtet, dieses Jahr an zwei Russen - die beide seit langem in Deutschland leben. Yuri Albert und Vadim Zakharov haben eine gemeinsame Vergangenheit an der Moskauer Kunsthochschule und hatten schon in der Sowjetzeit außerhalb des offiziellen Kunstbetrieb eine eigene künstlerische Praxis etabliert. Eine mit dem Preis verbundene Doppelschau im Goslaer Mönchehaus Museum zeigt jedoch auch die Unterschiede zwischen den beiden. Zhakarov hat sich zum Archivisten seiner selbst wie auch seiner Kollegen entwickelt: "Unter seiner Regie ließ sich 'Die Geschichte der russischen Kunst' (2003) in einer Installation aus fünf begehbaren Aktenordnern zusammenfassen, die genau wie das 'Adorno-Monument' (2003) in Frankfurt und das 'Ideologische Defilee nach Me-Ti, Buch der Wendungen von Bertolt Brecht' (2013) seine bühnenhafte Inszenierungskunst zeigen." Albert hingegen arbeitet spielerisch und selbstreflexiv: "Im ständigen Zwiespalt zwischen 'echter' und moderner Kunst hat er mit seiner 'Elitär-demokratischen Kunst' ein paradoxes Programm entwickelt, in dem er das Problem des Nichtverstehens zeitgenössischer Kunst mit vergleichbaren Spezialschriften wie der Brailleschrift, dem Flaggenalphabet und der Stenographie vor Augen führt. In seiner 'Moskauer Abstimmung' (2009) können die Besucher selbst votieren, ob sie das, was sie gerade sehen, wirklich für Kunst halten."
Weitere Artikel: Der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand hat nach einem Van-Gogh-Gemälde sechs weitere gestohlene Kunstwerke ausfindig gemacht, meldet die FR. Im Standardschreibt Katharina Rustler über den Trend zu Themenausstellungen.
Besprochen werden die Schau "Cindy Sherman - Anti Fashion" in den Hamburger Deichtorhallen (taz) und die Ausstellung "Velvet Terrorism - Pussy Riot's Russia" im Louisiana Museum, Dänermark (monopol).
Bonaventura Berlinghieris Franziskustafel von 1235. Bild: Raffaello Bencini/ArchiviAlinari, Florenz Schon zu Lebzeiten faszinierte der Heilige Franziskus von Assisi seine Zeitgenossen, und viele hundert Jahre später sind seine Ideen immer noch aktuell, staunt FAZ-Kritiker Stefan Trinks. Genau wie seine Repräsentationen in der Kunst, die das Diözesanmuseum Freising in einer Sonderausstellung zeigt, wie Trinks freudig feststellt: "Ohne Probleme hätte man auch die berühmte Franziskustafel von Bonaventura Berlinghieri an den Anfang der Ausstellung stellen können, die, wenngleich bald 800 Jahre alt, an quasimoderner Pop-Art-Stilistik und inhaltlicher Aktualität nichts missen lässt...Der Heilige steht wie in einem Bild Warhols in der Mitte im so grauen wie rauen Habit als Denkmal seiner selbst. Seine Rechte vollführt einen Grußgestus für alle ihm Gegenübertretenden, zugleich zeigt er damit aber eines der fünf Stigmata vor, die ihm auf der obersten der ihn comicstriphaft links und rechts begleitenden Nebenszenen von einem kreuzförmigen Seraphim beigebracht wurden."
Besprochen werden die Ausstellung "Geburtstagsgäste Monet bis Van Gogh" zum 200-Jährigen Bestehen des Kunstvereins Bremen (taz), die Ausstellung "Luc Tuymans - Edith Clever" an der Akademie der Künste in Berlin (taz) und die Virtual-Reality-Ausstellung "Unleashed Utopias" im Haus am Lützowplatz Berlin (taz).
Wie Gemälde aus der Neuen Sachlichkeit, dem Surrealismus der Symbolismus erscheinen Ursula Scheer (FAZ) die Werke des rumänischen Künstlers Victor Man. Auch Verweise auf die Vorrenaissance klingen in den Werken an, die nun unter dem Titel "Linien des Lebens" in der Galerie der Alten Meister im Frankfurter Städel ausgestellt sind: "So ergeben sich interessante Blickwechsel zwischen um 1500 von Wolfgang Beuer oder dem Meister der Stalburg-Bildnisse Verewigten und Victor Mans Selbstbildnis 'Self With Father' von 2017, in das sich als geisterhafter Schattenriss das Profil des Künstlers schiebt. Gemeinsam ist den Bildern die unnahbare Ausstrahlung, ein Ernst, den Man zur existenzialistischen Melancholie steigert. Wo in der alten Kunst mittelalterlicher Goldgrund strahlt, setzt Man in seiner seegrün verschatteten, von Ikonen beeinflussten Malerei fast grelle Farbakzente: Im Bild des Vaters ist es eine fluoreszierend wirkende blaue Linie am Haaransatz; in anderen Arbeiten leuchten Haut oder Stoff unwirklich gelb auf, glühen Haare in Rot oder durchbohrt der Schimmer weißer Perlen das Dunkel." "Alles wirkt unheimlich stimmig, kostbar, seltsam und schräg", schreibt Boris Pofalla in der Welt: "Aber fordert diese Kunst einen wirklich heraus? Geht sie Risiken ein? Keins der Gemälde tritt in den Dialog mit der Gegenwartskunst ein, oder überhaupt mit der Gegenwart. Das unterscheidet ihn von den zitierten Meistern."
Außerdem: Auf den Bilder und Zeiten Seiten der FAZ unternimmt Bernd Eilert einen Streifzug durch die letzten Bilder großer Maler. In der NZZporträtiert Philipp Meier die Künstlerin Zilla Leutenegger, die heute die NZZ als Kunstausgabe gestaltet hat. Ebenda spricht Birgit Schmid mit Leutenegger unter anderem über die Frage, ob zu viele Leute Kunst studieren.
Besprochen werden die Ausstellung "Ukrainian Dreamers. Charkiwer Schule der Fotografie" im Kunstmuseum Wolfsburg (taz).
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