Magazinrundschau - Archiv

Bloomberg Businessweek

89 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 9

Magazinrundschau vom 05.03.2013 - Bloomberg Businessweek

Jeder, der einen Kopf hat, muss Evernote lieben, jeder, der außerdem ein schlechtes Gedächtnis hat, braucht Evernote zum Überleben. So in etwa schildert Rob Walker diesen Dienst, der sich in den letzten Jahre recht unauffällig in den Alltag von Millionen Netzbewohnern geschlichen hat: Mit Evernote (jüngst Opfer einer Hacker-Attacke) kann man alles notieren, mit Schlagworten belegen und bis ans Ende seiner Tage wiederfinden: mit dem Computer oder dem Smartphone. Und dabei ist Evernote ein zutiefst individueller Dienst, erfunden in Zeiten des Hypes sozialer Medien, schreibt Walker und zitiert den Firmenerfinder Phil Libin: "'Was du in Facebook notierst, bist nicht du selbst', sagt Libin. 'Es ist, was du den Leuten von dir zeigen willst. Was du bei LinkedIn postest, bist du erst recht nicht; das ist, was deine Kollegen sehen sollen.' Libin behauptet, dass die Sucht nach 'viralem' Wachstum zu einer drastischen Überbetonung nach außen gewandter digitaler Formen geführt hat. Als einer, der sich selbst als zu schüchtern bezeichnet, um sein Highschool-Team im Schach zu besiegen, erblickt Libin hier eine Marktlücke. 'Was du bei Evernote einstellst, bist du wirklich selbst. Anfangs sagten wir, dass Evernote nicht sozial ist, aber es ist sogar antisozial. Was scheren uns eure Freunde.'"

Magazinrundschau vom 19.02.2013 - Bloomberg Businessweek

Spätestens seit den Ende Januar bekannt gewordenen Angriffen auf die New York Times, die Washington Post und Twitter sind chinesische Hacker ein Thema. Dune Lawrence und Michael Riley lassen sich von dem Malware-Spezialisten Joe Stewart über das Ausmaß der Attacken aufklären: "Ermittler vermuten, dass viele, wenn nicht sogar die meisten der Hacker dem Militär angehören oder ihre Befehle von den zahlreichen chinesischen Geheim- und Überwachungsdiensten beziehen. Grundsätzlich, sagen sie, seien die Angriffe zu organisiert und aufwendig um das Werk von Selbständigen zu sein. Von WikiLeaks veröffentlichte Diplomaten-Depeschen verknüpfen die Hacker-Attacke auf Google mit Funktionären des Politbüros, und der US-Regierung liegen schon lange Hinweise für eine Verbindung der Hacker mit der Volksbefreiungsarmee vor. Diese Beweise sind jedoch nicht öffentlich, und die chinesischen Behörden bestreiten seit Jahren jegliche Beteiligung."

Magazinrundschau vom 05.02.2013 - Bloomberg Businessweek

Bryan Gruley stellt den türkischen Unternehmer Hamdi Ulukaya vor, dessen in den USA hergestellter griechischer Joghurt Chobani ein Riesenhit auf einem hart umkämpften Markt ist: "Vor fünf Jahren brachte Chobani fast nichts ein. Dieses Jahr wird die Firma für über eine Milliarde Dollar Joghurt verkauft haben, erzählt Ulukaya. Griechischer Joghurt, einst ein Nischenprodukt, macht jetzt 36 Prozent der 6,5 Milliarden Dollar aus dem gesamten Joghurtverkauf in den USA aus, so die Investmentfirma AllianceBernstein (AB). Upstate New York mit seinen 28 Joghurtfabriken von Chobani, Fage, Yoplait und anderen ist eine Art Silicon Valley des Joghurts geworden."
Stichwörter: Silicon Valley

Magazinrundschau vom 08.01.2013 - Bloomberg Businessweek

Bereits vor einigen Monaten machten die Business Week (hier) und die New York Times (hier) mit ihren Recherchen zur Wirtschaftelite in China Furore. Nun stellt die Business Week nach wochenlangem Studium von Handelsregistern und Organigrammen eine interaktive Grafik mit Beziehungen der Clans der "acht Unsterblichen" vor. So wird heute die Gruppe der höchsten Funktionäre um Deng Xiao-Ping genannt, die China nach der Kulturrevolution wirtschaftlich öffneten, den Chinesen Wohlstand brachten, aber das Land zugleich auch gewissermaßen unter sich aufteilten. Die Karte zeigt, dass die Familien dieser Funktionäre, die inzwischen alle tot sind, auf mannigfaltigste Art miteinander verschwippt und -schwägert sind. Ihre Söhne werden als "Prinzlinge" bezeichnet. Und sie sind unermesslich reich! "Chinas Reich-Arm-Gefälle ist eines der größten der Welt - es liegt nach Statistiken einer von chinesischen Banken in Auftrag gegebenen Studie 50 Prozent über der Schwelle, ab der Experten mögliche Unruhen voraussagen. Proteste, Aufstände und andere Unruhen haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt - auf etwa 500 am Tag im Jahre 2010. 'Die gewöhnlichen Chinesen sind sich dieser Prinzlinge sehr wohl bewusst, und wenn sie über einen Wandel im Land nachdenken, verzweifeln sie häufig über die Macht dieser eng verfilzten Interessengruppen', sagt Barry Naughton, Professor für chinesischen Wirtschaft an der University of California in San Diego."
Stichwörter: Kulturrevolution, Clan, Grafik

Magazinrundschau vom 27.11.2012 - Bloomberg Businessweek

Damien Hirst ist keine gute Kapitalanlage mehr. Seit dem Tag im Jahr 2008, an dem Lehman Brothers pleite ging und Hirst auf einer Auktion 200 Millionen Dollar einsammelte, geht es mit ihm den Bach runter, berichtet Andrew Rice und listet kühl ein paar Zahlen auf, die er bei artnet gefunden hat: "2009 erzielte eine kleine Statue, Trust, die zwei Jahre zuvor für 450.000 Dollar ersteigert worden war, beim Verkauf nur noch 150.000 Dollar. 2008 erzielte ein Gemälde, das in einer von Hirst und Bono gemeinsam organisierten Wohltätigkeitsveranstaltung versteigert wurde, 1.1 Millionen Dollar. Nach einem erfolglosen Versuch, es zu verkaufen, erzielte es 2011 nur noch 600.000 Dollar. Ein Schmetterlingsgemälde, erworben 2008 für 1,5 Millionen Dollar, hatte beim Verkauf letztes Jahr mehr als ein Drittel seines Wertes verloren. All diese Verluste sind noch viel größer, zählt man die Auktionsgebühren hinzu. Und der Markt für seine ambitionierteren Werke hat sich quasi in Nichts aufgelöst. Nur vier Hirsts wurden dieses Jahr für mehr als eine Million Dollar versteigert, keiner für mehr als zwei."

Hingewiesen sei auch auf einen Artikel von Jacob Willer, der in Standpoint gleich den Niedergang der ganzen zeitgenössischen Kunst diagnostiziert und zur Bekräftigung Artikel von Charles Saatchi (hier) und Hari Kunzru (hier) zitiert.

Magazinrundschau vom 20.11.2012 - Bloomberg Businessweek

Stephan Faris beschreibt die Versuche der syrischen Regierung, die Opposition mit eben den technischen Mitteln zu diskreditieren und auszuspionieren, die der Arabellion zu einem - wenigstens vorläufigen - Erfolg verholfen haben. "Viel ist über die Rebellion in Syrien geschrieben worden: die Proteste, die Massaker, die Autobomben, den Häuserkampf. Zehntausende wurden seit Beginn des Krieges Anfang 2011 getötet. Aber der Kampf um die Zukunft des Landes hat sich noch in einer anderen Arena entwickelt - auf dem Schlachtfeld von Facebookseiten und Youtubeaccounts, von Hacks und Gegenhacks. So wie rivalisierende Armeen nach Lufthoheit trachten, haben die beiden Seiten des syrischen Bürgerkriegs die letzten anderthalb Jahre darum gekämpft, wer das Internet beherrscht. Regierungsfreundliche Hacker sind auf Webseiten der Opposition vorgedrungen und haben die Computer von Reuters und Al Jazeera infiziert, damit sie Desinformationen verbreiten. Auf der anderen Seite haben die Hacktivisten von Anonymous mindestens 12 Webseite der syrischen Regierung infiltriert, einschließlich die Seite des Verteidigungsministeriums, und Millionen gestohlener Emails veröffentlicht."

Außerdem: Karl Taro Greenfeld porträtiert den Hollywood-Lobbyisten Chris Dodd, der aus dem Scheitern von SOPA lernte: "Es ist nicht klug, gegen Google zu kämpfen" und jetzt recht erfolgreich die großen Technologiefirmen in Gesprächen dazu bringt, Downloads zu bestrafen.

Magazinrundschau vom 09.10.2012 - Bloomberg Businessweek

"Die größte Bedrohung für Siziliens Zukunft sind seine Politiker", behauptet Stephan Faris in einem Report, der das Drama der Insel als eines der öffentlichen Verschwendung beschreibt. Aber eine kleine Rolle spielt die Mafia doch: "In gewisser Weise ist Siziliens derzeitige Krise eine Folge seiner vorigen. Als Leoluca Orlando vor 27 Jahren zum Bürgermeister gewählt wurde, war die Mafia die größte Gefahr für die Hauptstadt Siziliens. Leichen lagen in den Straßen, Opfer eines Krieges zwischen rivalisierenden Familien. Ein früherer Bürgermeister, Vito Ciancimino war gerade wegen Betrugs, Untreue und Verbindungen zur Cosa Nostra verhaftet worden. Orlando antworte mit dem, was als Palermos Renaissance bekannt werden sollte. Er stoppte die Verträge der Stadt mit Firmen, die verdächtigt wurden, der Mafia nahezustehen, er ermutigte Bürger und Händler, sich gegen die Mafia zu wehren und veranlasste den Bau eines bunkerartigen Gerichtsgebäudes inmitten Palermos, wo italienische Staatsanwälte Hunderten von mutmaßlichen Gangstern den Prozess machten und mehr als dreihundert überführten. Um die Überlegenheit des Rathauses gegenüber der Mafia zu beweisen, stellte Orlando Tausende von neuen Angestellten ein und bot denen, die den Verführungen der Unterwelt am stärksten ausgesetzt waren, befristete Jobs an: den Arbeitslosen, den Benachteiligten und Arbeitern, die ihren Job verloren hatten, als ihre mutmaßlich von der Mafia infiltrierten Firmen geschlossen wurden... Die meisten der von Orlando befristet Eingestellten arbeiten noch immer für die Stadt."

Magazinrundschau vom 07.08.2012 - Bloomberg Businessweek

Anfangs gruben sich Mexikos Drogenkartelle noch mit der Hand unter der amerikanischen Grenze hindurch, heute ist halb Arizona untertunnelt, allein in der amerikanischen Grenzstadt Nogales wurden bereits mehr als 90 Tunnel in die mexikanische Schwesterstadt Sonora entdeckt, wie Adam Higginbotham in einer gründliche recherchierten Reportage berichtet: "Die Untergrund-Routen bedeuten eine beträchtliche ökonomische Investition, eine, die bei weitem die selbstgefertigten U-Boote, Ultraleichtflugzeuge und Katapulte an Zeit und Geld übertrifft, die anderswo für den Drogentransport genutzt werden. Einige Tunnel kosten Millionen von Dollar, ihr Bau erfordert Architekten, Ingenieure und ganze Bergarbeitertrupps, die daran Monate lang ohne Unterbrechung arbeiten. Einige weisen spektakuläre Ingenieursleistungen auf, sie reichen bis zu 100 Fuß tief, mit einem elektrischen Schienensystem, Fahrstühlen und hydraulischen Türen. Aber die Ausmaße dieser Ökonomie sind gewaltig. Diese Tunnel können benutzt werden, um mehrere Tonnen Drogen in einer einzigen Nacht zu bewegen."

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - Bloomberg Businessweek

Ganz anders wird einem, wenn man Caroline Winters große Recherche zur Mormonenkirche und dem Geld liest. Ähnlich wie die noch verrückteren Scientologen lässt sich diese Kirche schlicht auch als "Unternehmen" verstehen - Winter schätzt den Gesamtwert der Holdings auf 40 Milliarden Dollar, mit 8 Milliarden Dollar Einnahmen jährlich allein aus dem "Zehnten" der Gläubigen. Hinzukommen riesige Unternehmen, die im günstigen Klima der Steuerbefreiungen für kirchliche Institutionen kräftig expandieren: "Es mag kaum überraschen, dass das Mormonentum, eine ursprünglich amerikanische Religion, den weltlichen Glauben dieses Landes ans Geld teilt. Bemerkenswert ist aber, wie vielfältig die Geschäftsinteressen der Kirche sind und wie wenig über ihre finanziellen Interessen bekannt ist. Obwohl ein ehemaliger Mormonenbischof demnächst die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat erhält, und trotz PR-Kampagnen, die den Ruf der Geheimnistuerei bekämpfen sollen, schweigt die Kirche über ihre Holdings. Selbst ihren Mitgliedern gegenüber, die zehn Prozent ihres Einkommens abgeben müssen, um Zugang zu den Tempeln zu erhalten, bietet sie wenig finanzielle Transparenz."

Hierzu passt Nicholas Shaxons Artikel in Vanity Fair, der darlegt, dass der schwerreiche Mitt Romney in seinem Geschäftsleben die Grauzonen keineswegs scheute und dass praktisch kaum Aufschluss über den Umfang seines Vermögens zu bekommen ist, das offenbar auch in Steueroasen geparkt ist. Und übrigens hat Romney bei einem Jahreseinkommen von 42,5 Millionen Dollar in den Jahren 2010 und 11 nur 6,2 Millionen Dollar an Steuern bezahlt. 15 Prozent Steuern - weit weniger, als ein Amerikaner mit mittlerem Einkommen zahlen muss.

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - Bloomberg Businessweek

Im März hat sich Chinas KP des so populären wie korrupten Kaders Bo Xilai entledigt, nun hat ein Reporterteam von Bloomberg in einer offenbar recht aufwändigen Recherche die Vermögensverhältnisse von Xi Jinpings Familie unter die Lupe genommen. Xi ist die Nummer zwei im Staat und immerhin als Apostel der "sauberen Regierung" aufgestiegen ist. Er selbst soll keinerlei Vermögen angehäuft haben, das seiner Familie wird jedoch auf etwa 376 Millionen Dollar geschätzt. "Xi und seine Geschwister sind die Kinder des verstorbenen Xi Zhongxun, einem Revolutionshelden, der 1949 Mao Zedong half, die Kontrolle über China zu gewinnen - mit dem Versprechen, Jahrhunderte von Ungleichheit und Machtmissbrauch zu beenden. Das macht sie zu Prinzlingen, Sprösslinge der hohen Parteikader, denen die Abstammung hilft, Einfluss in Politik und Wirtschaft zu bekommen. Laut öffentlichen Angaben, die Bloomberg zusammengestellt hat, gehören die meisten Vermögenswerte in Xis weiterem Familienkreis seiner älteren Schwester Qi Qiaoqiao, 63, ihrem Mann Deng Jiagui, 61 und Qis Tochter Zhang Yannan, 33. Deng hielt bis zum 8. Juni 18 Prozent am Seltene-Erden-Konzern Tungsten Group. Die Preise der Erze, die in Windturbinen und amerikanische Smart Bombs verwendet werden, stiegen in die Höhe, als China das Angebot verknappte." (Die chinesische Regierung ist so sauer über diesen Artikel, dass sie in China Bloombergs Webseite gesperrt haben soll, meldet Gawker.)