Blut, Kreuz, Leid. Aber nicht auf der Leinwand, sondern im New Yorker Metropolitan Museum of Art, das eine
Ausstellung byzantinischer Kultobjekte und
Ikonen präsentiert. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Film "The Passion"
will der
Economist nicht leugnen, doch die byzantinischen Ikonenmaler waren nicht nur "die
Mel Gibsons ihrer Zeit", die den Schmerz Jesu fassbar machen wollen. Sie waren auch "mehr". Denn "der byzantinische Christ hört nie auf, viele verschiedene Dinge auf einmal zu sein:
göttlich und menschlich, gedemütigt und siegreich, verwundet und heilend. Selbst in den dunkelsten Momenten der Passionsgeschichte ist die
Dämmerung immer gegenwärtig. Selbst wenn Christus am geringsten und erniedrigsten ist, hört er doch niemals auf, das Fleisch gewordene Wort Gottes zu sein." Die Ikonen waren für die Maler "Fenster zum Himmel, durch die der Betrachter in eine
höhere Wirklichkeit eingehen kann". Das mache den Unterschied zu Mel Gibson aus.
Wurde die terroristische Bedrohung durch
Al-Qaida im Vorfeld des 11. Septembers von der US-Regierung trotz vielfältiger Indizien
nicht ernst genug genommen? Die vom Kongress mit der Untersuchung des Attentats auf das World Trade Center beauftragte
Kommission hat am 23. März einen
vorläufigen Bericht vorgelegt, in dem sie
laut Economist sowohl die Clinton- als auch die Bush-Administration für ihre Versäumnisse kritisiert. Doch die Wirkung dieser Rüge, so der
Economist weiter, könnte noch übertroffen werden von dem gleichzeitig erschienenen Enthüllungsbuch ("Against all Enemies",
Auszug) des
Beraters für Terrorbekämpfung beider Administrationen,
Richard Clarke. "Clarke behauptet, er habe die Bush-Administration innerhalb einer Woche nach deren Amtsantritt ersucht, die Bedrohung durch Al-Qaida auf höchster Ebene zu diskutieren. Doch zu einem solchen Treffen kam es erst neun Monate später - nur
eine Woche vor den Attentaten - und zu spät um noch irgendetwas zu bewirken." Bei seiner Zeugenaussage vor der Kommission sei Clarke sogar noch weiter gegangen und habe sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt: "Eure Regierung hat Euch im Stich gelassen? Ich habe Euch im Stich gelassen."
Weitere Artikel: Zehn Jahre nach dem
Genozid in Ruanda fragt der Economist, welche
Lehren daraus gezogen wurden und welche noch nicht. Außerdem
berichtet der Economist über den Einsatz
privater britischer
Sicherheits-Firmen im
Irak. Den Erfolg der Linken bei den
französischen Regionalwahlen wertet der Economist als
wütende Quittung der Wähler, und nicht als Ergebnis einer wiedererstarkten Linken. Der Economist
gratuliert dem
CERN zum Fünfzigsten und erklärt den
Forschungshorizont des Partikelbeschleunigers, der dort bald zum Einsatz kommen soll. Schließlich liest man im
Nachruf auf
Scheich Ahmed Yassin, den ermordeten Führer der
Hamas (
hier zu deren Charta), dass dessen Nachfolger vermutlich noch
radikaler sein werden, als er es war.
Nur in der Printausgabe zu lesen: die Besprechung des neuen Films der
Coen-Brüder.