
Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen von
Ronald Reagan, dem
"Überraschungs-Sieger des Kalten Krieges". Das mit dem Sieger jedoch,
meint der Economist, ist so einfach nicht. Denn Reagan habe den
Kommunismus nicht zu Fall gebracht, sondern lediglich dessen Ende beschleunigt. Wie aber hat er das gemacht? "Weil er sich
grundlegend amerikanisch verhielt: lässig, stets zuversichtlich,
zäh wie Schuhleder, wenn es darauf ankam. Weil er seine Zuhörer zu Tränen rührte, mit Reden, die für ihn geschrieben wurden von Redenschreibern, die wussten, welche Sätze ganz natürlich über seine Lippen kommen würden. Doch vor allem weil er wusste, dass
bloße Vernunft, so wichtig sie auch sein mag, gerade mal die Hälfte von bedeutenden Entscheidungen ausmacht. Man braucht auch
gutgeerdete Instinkte, Gefühle, oder wie auch immer man den anderen Teil des Geistes nennen will.
'Ich hab's im Urin', sagte Reagan wieder und wieder, wenn er überlegte, was zu tun und zu sagen war."
In einem weiteren Artikel
erklärt der Economist, inwiefern Ronald Reagan eine
neue Art von Konservativismus ins Leben gerufen hat. Aller guten Dinge sind drei. Darum: Wer diese Woche gestorben ist, muss sich hinten anstellen. Denn der Economist liefert einen vergleichsweise überraschenden
Nachruf, in dem er
Ronald Reagans Erfolg als Präsident auf sein
Talent zum Schauspielern zurückführt: "Auf den D-Day- Stränden 1984 sprach er
mit der Ergriffenheit eines alten Soldaten, obwohl er nie gekämpft hatte; als die Challenger 1986 explodierte, fand er genau die richtige Mischung aus Leid, Erschütterung und Trost. Und sein besonderes Gefühl fürs Radio verdankte er seiner jahrelangen Arbeit als
Sportkommentator bei einem lokalen Radiosender in Iowa, wo er seine Zuhörer mit Spielberichten fesselte, die er aus einer handvoll Telegrammen zusammengeklaubt hatte, und von Spielen, die er niemals gesehen hatte."
Weitere Artikel: Das D-Day-Jubläum hat die Beziehungen zwischen
Frankreich und den USA nur scheinbar aufgewärmt,
befindet der Economist. Auf keinen Fall aber sollten Franzosen der Illusion eines Wunschpartners
John Kerry aufsitzen. Die immer zahlreicheren Klagen wegen
Diskriminierung von Frauen in Führungsetagen liest der Economist als Anzeichen dafür, dass die Gleichberechtigung wächst, warnt aber gleichzeitig vor zuviel - kontraproduktiver -
political correctness.
Gelobt wird
Carl Honores Manifest für die
Langsamkeit ("Praise of Slowness").
Gespottet wird über den
irischen "Bloomsday"-Hype. Und schließlich
rät der Economist dem
Riesen Microsoft, was er mit seinem Geld (schlappe
56 Milliarden Dollar) machen soll.