Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 43

Magazinrundschau vom 05.07.2004 - Economist

Nach langen sechs Wochen der Auszählung wurde Gloria Arroyo nun in ihrem Amt als Präsidentin der Philippinen bestätigt, berichtet der Economist. Als erste Amtshandlung beabsichtige Arroyo eine Verfassungsreform - eine Maßnahme, deren Wichtigkeit man als Außenstehender leicht unterschätzen könne: "Diejenigen, die noch daran zweifeln sollten, dass das politische System auf den Philippinen eine drastische Revision benötigt, sollten sich an den Fall Noel Carino erinnern, ein verhinderter Abgeordneter aus Pasig City, einem Vorort von Manila. Carino kandidierte 2001 für ein Drei-Jahres-Mandat im Kongress und verlor wegen Wahlbetrugs. Er focht das Ergebnis vor dem maßgeblichen Kongressgericht an, doch es verstrichen zweieinhalb Jahre bis er zum rechtmäßigen Wahlsieger erklärt wurde. Sein Gegner, Henry Lanot, legte darauf beim Höchsten Gericht Einspruch ein, doch dieses bestätigte Carinos Sieg und ordnete seine Vereidigung an - am letzten Tag seines Mandats."

Michael Moores jüngster und naturgemäß Bush-kritischer Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11", mit dem er in Cannes die Goldene Palme gewann, macht in den Staaten Furore und hat allein am ersten Wochenende 24 Millionen Dollar eingespielt. Kein gutes Zeichen für George Bush, schätzt der Economist, der aus Leinwandeinnahmen Wahlprognosen machen will. Dass wiederum John Kerry sich über den Film und seine linkspopulistische Polemik ausschweigt, vor lauter Angst demokratische Wähler zu verprellen, kommt auch ihm nicht zugute.

Weitere Artikel: Neues aus der Welt des e-commerce: Tiffany's prozessiert gegen eBay wegen massiver Präsenz von gefälschtem Tiffany's-Schmuck bei dessen Online-Auktionen, und Bill Clintons uferlose Biografie "My Life" ist auf Platz 1 der internationalen Amazon-Bestsellerliste. Schließlich Neues aus der Welt von morgen: Wenn es klappt, ist Microsoft ein riesiger Coup gelungen - ein Patent auf die Nutzung des menschlichen Körpers als Netzwerk.

Nur in der Druckausgabe zu lesen: Im Aufmacher fordert der Economist mehr internationalen Kooperationswillen in Sachen Irakkrise. Außerdem: ein Porträt des neuen EU-Kommissions-Präsidenten Jose Durao Barroso - was tun, wenn das Englische diskriminiert wird? - und ein Buch über das Guantanamo in der Londoner West End.

Magazinrundschau vom 28.06.2004 - Economist

Die europäische Verfassung ist fertig und Gott sei Dank, so der Economist, gibt es wenigstens einige Länder, in denen die Bevölkerung per Referendum über ihre Ratifizierung entscheiden wird. Und die, so die klare Position des Economist, sollten mit Nein stimmen, weil die Verfassung in ihrer aktuellen Form der europäischen Ebene zuviel Hoheit gibt, ohne dass klare Kontrollmechanismen von unten erkennbar wären. Und so schlimm sei eine Ablehnung gar nicht: "Manche europäische Politiker und EU-Anhänger haben behauptet, dass eine Ablehnung katastrophale Folgen hätte. Das ist übertrieben. (...) Doch wäre es in der Tat seltsam - und sogar verfassungswidrig - wenn Regierungen ein Referendum abhalten wollten, bei dem nur ein Ergebnis akzeptabel ist. Wenn man Nein nicht als Antwort hinnehmen kann, warum dann die Frage stellen? Die EU braucht dringend mehr Legitimität unter der Bevölkerung, wie die vielen Anti-Obrigkeits-Stimmen und die beträchtlichen Anti-EU-Stimmen bei den jüngsten Europawahlen gezeigt haben. Der große Makel am vorliegenden Verfassungsvorschlag ist, dass er wenig oder gar nichts dafür tut, dass sich die Europäer bei der ganzen Sache wohlfühlen."

Weitere Artikel: Bill Clintons Autobiografie "My Life" hat den erwartungsvollen Economist ziemlich enttäuscht, und zwar gerade deswegen, weil Clinton alles hat, was es zu einer inspirierenden Autobiografie braucht. Nach amerikanischem Vorbild verabschieden jetzt auch die Briten ein Gesetz gegen die Diskriminierung aus Altersgründen am Arbeitsplatz, berichtet der Economist zufrieden. Die Zukunft der Werbung, so der Economist weiter, liegt in der besseren Einschätzung ihrer Wirksamkeit und nicht ihrer quantitativen Präsenz. Der Economist kann gut verstehen, warum die Irakis ihre Dinare immer noch lieber in ihr Kopfkissen stopfen als sie auf einem Bankkonto zu deponieren. Irritiert fragt sich der Economist, ob Alan Greenspan bewusst ist, wie dringend man die Inflation eindämmen muss.
Im Aufmacher, aber nur in der Printausgabe zu lesen: das Porträt des neuen irakischen Regierungschef Iyad Allawi.

Magazinrundschau vom 21.06.2004 - Economist

Die arabische Welt ist für die Frau ein Ort der Unterdrückung. Mit derlei klischeehaften Pauschalisierungen will der Economist aufräumen und liefert einen umfassenden Bericht über die Lage der Frau in den arabischen Ländern. Dabei werden sowohl allgemeine Entwicklungen als auch die feinen Unterschiede innerhalb der arabischen Welt deutlich; welche Staaten Vorreiter und welche - wie Saudi-Arabien - Schlusslichter in puncto Frauenrechte sind. Natürlich spiele der Islam - und insbesondere der Koran - eine große Rolle, wenn es darum geht, die Rolle der Frau zu definieren. Allerdings "liegt das Problem, an Orten wie Saudi-Arabien, mehr in der Art und Weise wie die heilige Schrift - sowie die Hadiths, die Prophetensprüche, auf die die Sharia zurückgeht - interpretiert werden. Solche Texte werden oft nicht so sehr interpretiert als vielmehr verdreht, um exisierende Traditionen zu erhalten. Das Fahrverbot zum Beispiel gibt es nur in Saudiarabien. Doch sogar saudischen Geistlichen fällt es schwer, entsprechende Beweise in der heiligen Schrift zu finden. (Ganz davon abgesehen geben laut einer Umfrage 29 Prozent der Frauen zu, dass sie sowieso schon fahren können.)"

Im Aufmacher sorgt sich der Economist um die laxe Geldpolitik der Zentralbanken, die leicht eine globale Inflation, wie es sie in den siebziger Jahren gegeben hat, hervorrufen könnte. Gerade die Zentralbanken müssten sich sowohl ihrer Verantwortung bewusst sein als auch ihre Handlungsmöglichkeiten realistisch einschätzen. Kurz: Sie sollten sich an Paul Volcker (Präsident der US-Notenbank in den Siebzigern) erinnern und sich dessen Einsicht zunutze machen: "Die wahrlich einzige Macht einer Zentralbank ist die Macht, Geld zu erzeugen. Und letztendlich bedeutet die Macht, Geld zu erzeugen, auch die Macht, es zu zerstören."

Soul-Legende Ray Charles ist tot, und der Economist swingt in einem bewundernden Nachruf ein letztes Mal mit ihm mit.

In weiteren Artikel ist zu erfahren, wie die neuen EU-Mitgliedsstaaten bei den Europawahlen gewählt haben, was John Kerry von Bill Clinton lernen könnte (wenn er nur wollte), dass Mehrsprachigkeit geistig fit hält, wer der unsichtbare Mann ist (William Farish, US-Botschafter in London) und warum, und inwiefern die revolutionäre Garde den Reformkurs der iranischen Regierung bedroht.

Themel leider nur im Print: Amerikanische Entschuldigungen gegenüber den Muslimen, die europäische Verfassung und ein nacktes Radrennen in London (wo sonst).

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - Economist

Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen von Ronald Reagan, dem "Überraschungs-Sieger des Kalten Krieges". Das mit dem Sieger jedoch, meint der Economist, ist so einfach nicht. Denn Reagan habe den Kommunismus nicht zu Fall gebracht, sondern lediglich dessen Ende beschleunigt. Wie aber hat er das gemacht? "Weil er sich grundlegend amerikanisch verhielt: lässig, stets zuversichtlich, zäh wie Schuhleder, wenn es darauf ankam. Weil er seine Zuhörer zu Tränen rührte, mit Reden, die für ihn geschrieben wurden von Redenschreibern, die wussten, welche Sätze ganz natürlich über seine Lippen kommen würden. Doch vor allem weil er wusste, dass bloße Vernunft, so wichtig sie auch sein mag, gerade mal die Hälfte von bedeutenden Entscheidungen ausmacht. Man braucht auch gutgeerdete Instinkte, Gefühle, oder wie auch immer man den anderen Teil des Geistes nennen will. 'Ich hab's im Urin', sagte Reagan wieder und wieder, wenn er überlegte, was zu tun und zu sagen war."

In einem weiteren Artikel erklärt der Economist, inwiefern Ronald Reagan eine neue Art von Konservativismus ins Leben gerufen hat. Aller guten Dinge sind drei. Darum: Wer diese Woche gestorben ist, muss sich hinten anstellen. Denn der Economist liefert einen vergleichsweise überraschenden Nachruf, in dem er Ronald Reagans Erfolg als Präsident auf sein Talent zum Schauspielern zurückführt: "Auf den D-Day- Stränden 1984 sprach er mit der Ergriffenheit eines alten Soldaten, obwohl er nie gekämpft hatte; als die Challenger 1986 explodierte, fand er genau die richtige Mischung aus Leid, Erschütterung und Trost. Und sein besonderes Gefühl fürs Radio verdankte er seiner jahrelangen Arbeit als Sportkommentator bei einem lokalen Radiosender in Iowa, wo er seine Zuhörer mit Spielberichten fesselte, die er aus einer handvoll Telegrammen zusammengeklaubt hatte, und von Spielen, die er niemals gesehen hatte."

Weitere Artikel: Das D-Day-Jubläum hat die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA nur scheinbar aufgewärmt, befindet der Economist. Auf keinen Fall aber sollten Franzosen der Illusion eines Wunschpartners John Kerry aufsitzen. Die immer zahlreicheren Klagen wegen Diskriminierung von Frauen in Führungsetagen liest der Economist als Anzeichen dafür, dass die Gleichberechtigung wächst, warnt aber gleichzeitig vor zuviel - kontraproduktiver - political correctness. Gelobt wird Carl Honores Manifest für die Langsamkeit ("Praise of Slowness"). Gespottet wird über den irischen "Bloomsday"-Hype. Und schließlich rät der Economist dem Riesen Microsoft, was er mit seinem Geld (schlappe 56 Milliarden Dollar) machen soll.

Magazinrundschau vom 07.06.2004 - Economist

Der D-Day und seine Bedeutung für Europa führt nach Ansicht des Economist vor Augen, wie wichtig es ist, das transatlantische Bündnis aufrechtzuerhalten und zu stärken. "Wenn sie im Einklang miteinander handeln, entfalten die reichen Demokratien eine überwältigende politische und moralische sowie militärische Kraft. Und es gibt vieles, bei dem sie immer noch zusammenarbeiten sollten: Afghanistan zu sichern, Palästina in Ordnung bringen, die Demokratie in der arabischen Welt auszudehnen, den Iran davon zu überzeugen, keine Atombombe zu bauen. Einige Amerikaner denken, sie können das alles alleine. Der Irak hat letztendlich gezeigt, dass Frankreich und Deutschland Amerika nicht davon abhalten können, in den Krieg zu ziehen, wenn es das will. Doch ihre Opposition hat die Nachkriegsaufgabe im Irak sehr viel schwieriger gemacht. Und das ist der Punkt, an dem man anfangen sollte, die Beziehungen zu kitten. Denn trotz aller Vorkriegsdifferenzen haben beide Seiten Interesse daran sicherzugehen, dass der Irak Frieden und Wohlstand genießen kann, und nicht zu einem weiteren terrorzüchtenden, gescheiterten Staat verfällt. Die UNO hat diese Woche eine Übergangsregierung für den Irak ernannt. Welchen besseren Zeitpunkt kann es geben, um die gegenseitigen Schuldzuweisungen beiseitezuschieben und dafür zusammenzuarbeiten?"

Weitere Artikel: Den Copenhagen Consensus verfolgt der Economist schon seit Wochen und kommt nun zu dem abschließenden und lobenden Urteil, dass die von dem Gremium festgelegte Prioritäten-Reihenfolge zwar keine ethischen Fragestellungen einbezieht, dafür aber klare Antworten auf die ökonomische Frage der Projekt-Durchführbarkeit gibt. "Je t'aime, ich auch nicht." Der Economist prophezeit die Schwächung der deutsch-französischen Beziehungen, vor dem Hintergrund der wiedergewonnenen diplomatischen Qualität zwischen Deutschland und den USA, aber auch aufgrund der bevorstehenden Debatte um einen türkischen EU-Beitritt. Lob erntet George Bush vom Economist für seinen Einsatz in Sachen Atomwaffensperrvertrag. Jedoch, erinnert der Economist, gehört zu diesem Abkommen auch die Entwaffnung als langfristiges Ziel. Im kürzlich verstorbenen New Yorker Verleger Roger Straus, der den Verlag Farrar, Straus and Giroux gegründet hat, würdigt der Economist einen der letzten großen "Gentleman-Publisher".

Außerdem erfahren wir, warum die Terroristen sich jetzt auf Saudi-Arabien einschießen., dass die weltweiten Amazon-Bestseller Nummer 1 und 2 Dan Browns "The Da Vinci Code" und der japanische Harry Potter lauten, dass sich ein kleiner Skandal um fehlerhafte Statistiken in renommierten naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften anbahnt, dass eine Wiederwahl Ken Livingstones als Londoner Bürgermeister nichts im Wege steht, und ob es 15 Jahre nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in China einen organisierten Dissens gibt.

Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Economist

Der Economist stellt Hu Shuli vor, Chinas berühmt-berüchtigte Wirtschaftsjournalistin und Herausgeberin der Zeitschrift Caijing, deren wohl größte Stärke es ist, genau zu wissen, wie weit sie angesichts der Regierungs-Zensur gehen kann. Und "diese Begabung wird sie zunehmend brauchen können, jetzt wo sie Caijing über Finanzskandale hinaus auf gefährlicheres Terrain führt - die Regierungspolitik zu kommentieren. Die Falun-Gong-Sekte und die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlichen Friedens sind jenseits der Grenzen, sagt sie. Meistens könne sie 'bloß spüren', ob ein Bericht zu kontrovers sein wird. Letztes Jahr berichtete sie zum Beispiel über Pekings Vertuschung der SARS- Epidemie. Diese Berichte brachten ihr viel Zuspruch ein - doch sie hob sich ihre schärfste Kritik für den Zeitpunkt auf, als die Regierung ihre Fehler öffentlich zugab und sowohl den Gesundheitsminister als auch Pekings Bürgermeister feuerte."

Weitere Artikel: Ärgerlich findet der Economist, dass wirtschaftliche Wachstums- oder Umsatzwerte allzu oft nicht auf ihre Erhebungsmethode hin hinterfragt werden. So müssten gerade politische Entscheidungen (genannt wird das Beispiel des Intergovernmental Panel on Climate Change) eher aufgrund einer Kaufkraft-Paritäten-Analyse (in der Werte sich aus dem Verhältnis von Preisen und Kaufkraft ergeben) gefällt werden als aufgrund der oft verwendeten Umrechnungskurs-Analyse (die lediglich Preise umrechnet, als wäre der Weltmarkt einheitlich), die eher in der Business-Welt von Bedeutung ist. Der Economist analysiert die (fatalen) Folgen für die Ölversorgung, die eine (mögliche) terroristische Attacke auf Saudiarabiens Öl-Produktionsstätten hätte.

Außerdem: Was Dubai zu einer der wichtigen Metropolen des Mittleren Ostens gemacht hat, warum die arabische Berichterstattung über den Gipfel der arabischen Staaten mehr verheißt als der Gipfel selbst, und warum der neue indische Premier nicht korrupt genug ist.

Leider nur im Print zu lesen: der Aufmacher über George Bushs Umgang mit dem Wahlkampfthema Irak, ein Bericht über zeitgenössische deutsche Literatur und ein Artikel über den internationalen Scheidungsmarkt.

Magazinrundschau vom 24.05.2004 - Economist

Im Dossier schaut der Economist nach Osten auf Wladimir Putins Russland und versucht zu erkennen, wohin die politische Reise geht. Doch diese Frage, so der Economist, kann man nur beantworten, wenn man verstanden hat, wer der Mann an Russlands Spitze wirklich ist. Wer also ist Wladimir Putin? "Diejenigen, die ihn kennen, beschreiben ihn als einen 'Spiegel-Mann', der oft die Ideen und sogar die Redeweise seines Gegenübers anzunehmen scheint, was nur noch mehr Verwirrung stiftet. Menschenrechts-Aktivisten und Armee-Generäle denken gleichermaßen, dass er auf ihrer Seite steht. Er hält alle Kräfte seiner Regierung im Gleichgewicht und stiftet damit endlose Diskussionen darüber, wen er befürwortet und nicht zuletzt, ob er der Puppenmeister ist oder die Puppe. Er ist außerdem sehr geschickt darin, öffentlichen Tadel auf seine Funktionäre abzuwälzen, so dass er trotz seiner unbeliebten politischen Maßnahmen äußerst beliebt bleibt. Innerhalb der letzten vier Jahre ist sein hauptsächliches Ziel dennoch klarer geworden. Und eigentlich ist es einfach und vernünftig. Er will, dass Russland zu einem starken Land wird: wirtschaftlich mächtig, politisch stabil und international respektiert. Fraglich ist, was diese Ziele ihm bedeuten, fraglich sind auch die Methoden, derer er sich bedient, um sie zu erreichen, und fraglich ist, ob er so mächtig ist wie er scheint."

Weitere Artikel: Der Economist ist begeistert von der Ausstellung "Courtly Art of the Ancient Maya" in der Washingtoner National Art Gallery und findet sie ähnlich revolutionär wie die mittlerweile legendären Ausstellung "Das Blut der Könige", die 1986 mit dem Klischee der pazifistisch-romantischen Maya aufräumte. In der Homo-Ehe sieht der Economist den nächsten amerikanischen Kulturkampf, allerdings mit glücklichem Ausgang, wie er meint, schließlich schockiert die noch vor dreißig Jahren verpönte Mischehe heute auch niemanden mehr.

Neben einem ehrfürchtigen Nachruf auf Clement "Sir Coxsone" Dodd, den Vater des Reggae, ist zu lesen, ob Management-Schulen das Richtige lehren, warum London trotz seiner Olympia-Kandidatur für 2012 nicht sehr olympisch zumute ist, dass Zentralamerika vor einem riesigen Gang-Problem steht, und warum Eltern bei Mädchen-Vornamen erfinderischer sind als bei Jungen-Vornamen.

Leider nur im Print zu lesen ist der Aufmacher, in dem der neue indische Premierminister Manmohan Singh vorgestellt wird (dem auch das wie immer wunderbare Titelbild gewidmet ist, ein Porträt der BBC hier), die Besprechung einer neuen Koran-Übersetzung und schließlich, was der Economist von Horst Köhlers Qualifikationen hält.

Magazinrundschau vom 17.05.2004 - Economist

George W. Bush wird wohl kaum seine Irakpolitik zum Zugpferd seines Wahlkampfes machen, bemerkt der Economist mit leisem Spott. Also müsse ein neues, erfolgversprechenderes Kernthema her: die Wirtschaft. Das allerdings stimmt den Economist eher skeptisch, denn Bushs Wirtschaftsvision scheint sich in der magischen Formel der Steuersenkung zu erschöpfen. Wende man sich allerdings den "klügeren Republikanern" zu, komme ein durchaus schmackhaftes und innovatives Programm zum Vorschein. Doch auch dies sei eher Anlass zur Skepsis: "Wenn man diesen verblüffend radikalen Ideen lauscht, fühlt man sich aufs Erschreckendste erinnert an den unendlichen Optimismus, der Bushs außenpolitisches Team auszeichnete. Genau wie der neokonservative Traum einer Demokratisierung des Mittleren Ostens in den Straßen von Bagdad an der Realität gemessen wurde, genauso braucht das Wirtschaftsprogramm unbedingt jemanden, der dafür bezahlt. Doch diesen Teil der Gleichung wird man nicht allzu oft auf Wahlkampfveranstaltungen zu hören kriegen."

In weiteren Artikeln ist zu lesen, was es so schwierig macht, den Irak wiederaufzubauen (die Sicherheitslage für die Investoren und ihre Angestellten), dass die Blair-Regierung mit den Misshandlungsfällen im Irak weiter an Zuspruch verloren hat, warum es schlecht um die Weltwirtschaft aussieht, sollte China zu wirtschaftsregulierenden Maßnahmen greifen, und was man sich unter der chinesischen Villen-Eifersucht vorzustellen hat.

Außerdem: Der Economist hat drei Bücher zum Thema Kunst und Mathematik gelesen, von denen nur Peter Pesics Buch über den norwegischen Mathematiker Niels Abel ("Abel's Proof") in seinen Augen Gnade findet. Er begutachtet das alternde Deutschland (unter anderem anhand von Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott") und würdigt den kürzlich verstorbenen Andrew Cavendish als schlichten und edlen Duke von Devonshire.

Und schließlich behauptet Paul Markillie in der Titelgeschichte, der ein ganzes Dossier gewidmet ist, dass der E-Commerce trotz scheinbar bescheidener Bilanzen nicht nur einen weit größeren Anteil am Markt besitzt als vermutet, sondern den offline-Markt tiefgreifend umgestaltet: Immer mehr Kunden informieren sich im Internet, bevor sie eine Ware online oder offline einkaufen. "Eine Firma, die ihre Website vernachlässigt, begeht kommerziellen Selbstmord. Eine Website wird immer mehr zum Portral für die Marke, die Produkte und die Serviceangebote - selbst wenn die Firma nicht online verkauft. Eine nutzlose Website suggeriert eine nutzlose Firma, und die Konkurrenz ist nur einen Mausklick entfernt. Aber selbst die coolste Website nützt nichts, wenn die Leute sie nicht finden können, deshalb müssen Firmen dafür sorgen, dass ihre Site sehr hoch in den Suchergebnissen der Suchmaschinen rangieren."

Magazinrundschau vom 10.05.2004 - Economist

Klare Worte angesichts der Gefangenenfolterungen in irakischen Gefängnissen findet der Economist in seinem Aufmacher: "Tritt zurück, Rumsfeld." Denn "für das, was passiert ist, muss Verantwortung übernommen werden - und sichtbar übernommen werden - auch auf höchster Ebene. Es ist glasklar, was das bedeutet. Verteidigungssekretär Donald Rumsfeld muss zurücktreten. Und wenn er nicht zurücktreten will, dann sollte George Bush ihn feuern."

Sir Jeremy Greenstock, bis März Großbritanniens Spezial-Gesandter im Irak, liefert seine Einschätzung über die Entwicklungen im Irak. Und die ist erstaunlich positiv, vorausgesetzt die irakische Bevölkerung werde nicht zu lange hingehalten: "Die Demokratie kann in den Augen vieler Irakis ruhig länger brauchen, um sich zu materialisieren, solange die Grundfesten eines normalen Lebens wieder in Sichtweite geraten. Der Satz, der gegenüber Paul Bremers Schreibtisch hängt, erscheint da recht nobel: 'Erfolg hat tausend Väter.' Ich würde dem eine schärfere Variante vorziehen: 'Sicherheit und Arbeit, du Armleuchter.' "

Weitere Artikel berichten über die Weigerung des irakischen Übergangs-Verteidigungsministers Ali Allawi, Offiziere aus dem ehemaligen irakischen Heer in die neue Armee aufznehmen, raten Tony Blair davon ab, ein Labour-Manifest nach dem Vorbild des auf Margaret Thatcher zurückgehenden radikalen "Conservative Manifesto" von 1987 zu erstellen, warnen, dass Polen schon bald dem Rechtspopulismus verfallen könnte, empfehlen Simon Blackburns Plädoyer für die Lust, und würdigen den kürzlich verstorbenen Dichter Thomson William Gunn als leisen Poeten der Homosexualität.

Magazinrundschau vom 03.05.2004 - Economist

Aus fünfzehn mach fünfundzwanzig. Keinem Club, so der Economist, rennen die Mitglieder so die Tür ein wie der EU. Und doch bleibe die Freude über die jüngste EU-Erweiterung verhalten, auch aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie ein enttäuschter Liebhaber blickt der Economist zurück, um zu erkennen, wann und wie ihm der europäische Zauber verloren ging. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Europa seine Vitalität schon immer aus Visionen bezogen hat. Zeit also für neue Visionen: "Der Türkei Einlass in den Club zu gewähren mag (noch) nicht zu der EU-Vision des gewöhnlichen Europäers gehören. Doch dem könnte so werden, wenn der türkische Beitritt als Teil einer größeren Mission begriffen würde, nämlich: der erweiterten EU eine neues Ziel auf globaler Ebene zu geben. Der EU ist es beschieden, Leuchtfeuer und Vorbild zu werden: nicht nur als wirtschaftlicher Erfolg, sondern als liberale, tolerante und multikulturelle Gesellschaft."

"Gouvernator" Arnold Schwarzenegger ist dabei, Kalifornien zu einem wirklichen Neustart zu verhelfen, meint der Economist und liefert dazu ein ganzes Dossier.

In weiteren Artikeln erfahren wir, dass John Kerrys Profil sich letztlich darauf zu reduzieren scheint, dass er nicht George Bush ist, warum Google vor seinem allseits gehypten Börsengang doch nicht ganz so unangefochten dasteht wie es zunächst den Anschein hatte, dass das Votum der griechischen Zyprioten auf leichtsinnigen Gedankenspielen gründet, dass Jagdish Bhagwatis Verteidigung der Globalisierung ("In Defence of Globalisation") durchdacht und unpolemisch ist, warum man von dem britischen High-Tech-Personalausweis weder allzuviel erwarten noch Angst vor ihm haben sollte, inwiefern das Auto vom Handy abgelöst wird, und wie Biomechanik und Cricket sich ins Gehege kommen. Und schließlich ein Nachruf auf die Kosmetik-Legende Estee Lauder, die das Geheimnis ihres Alters mit ins Grab genommen hat.