Öffentliche Untersuchungen breiten sich in Großbritannien derzeit aus wie eine
Epidemie,
meint der Economist. Jetzt soll es sogar das geben, was Literaturwissenschaftler eine
Meta-Untersuchung nennen würden: eine Untersuchungskommission über Zweck und Procedere der Untersuchungskommissionen. Denn, so populär Kommissionen wie die jüngste
Hutton-Inquiry sein mögen, es werden auch
kritische Stimmen laut, gerade unter den
Parlamentsabgeordneten, deren Untersuchungen im Vergleich eher "billig" aussehen. "Wie Andrew Mackinlay bemerkte, ist es sonderbar, dass Lord Huttons Kommission, die über
weniger legale Macht verfügt als seine eigene (doch er konnte bei seiner Anhörung nichts aus dem Waffenexperten David Kelly herausbringen), zu viel mehr Dokumenten Zugang hatte. Er wird bald herausfinden, warum. Im Frühjahr wird die Untersuchungskommission über Untersuchungskommissionen Lord Hutton in den
Zeugenstand rufen."
Schön zu lesen ist auch der
Nachruf auf die neuseeländische Schriftstellerin
Janet Frame, die mehrfach in die geschlossene
psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde und es nur ihrem Schreiben zu verdanken hat, dass sie nicht in ein ruhiges Wesen
"mit weiten, tintendunklen Pupillen" verwandelt wurde.
Francis Wheens Buch der modernen Desillusionen ("How Mumbo-Jumbo Conquered the World")
lobt der Economist als unterhaltsames
Panorama des weltweiten Unsinns, wenn auch das Buch manchmal unsinniger sei als der Unsinn, den es beschreibe.
Außerdem erfahren wir,
warum bei aller Hoffnungslosigkeit eine
Lösung der Kaschmir-Frage nicht mehr unmöglich erscheint,
wie sich die amerikanische Gesellschaft auf die
Heimkehr der im Irak stationierten
Soldaten vorbereitet (unter anderem mit
Seminaren für Heimkehrer-Ehefrauen),
was es mit der feindlichen Übernahme von
Disney auf sich hat, und
wie die neue Konsumgeneration der
golden boys und
golden girls in
China aussieht (verwöhnte und betuchte Einzelkinder).
Und zuletzt: Pünktlich zum Valentinstag
fragt sich der Economist, ob die
Liebe nicht doch reduzierbar ist auf
Chemie.
Shakespeares Reaktion auf solch zynische Behautpung lesen Sie
hier: Er hat eins seiner berühmtesten
Sonette umgeschrieben (wie es vorher aussah, kann man
hier nachlesen).