Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 43

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - Economist

Die Berichterstattung über die radikalen Proteste gegen das Mohammed-Video zeichnet ein verzerrtes Bild, kritisiert auch der Economist: "Wie bei anderen Protesten in der Region, zählten die Zuhörer der wütenden Freitagspredigt in Kairo gerade einmal ein paar hundert Leute und das an einem Ort, an dem ein tausendfach größeres Gedränge üblich geworden ist. Inmitten einer Stadt mit knapp 20 Millionen Einwohnern verhielt sich der Rest der Bevölkerung wie immer. ... Der Fokus der Nachrichten auf Gewalt und die schrillsten Stimmen des Protests nahm die Aufmerksamkeit von anderen, wichtigen Reaktionen auf das Video. In vielen muslimisch geprägten Ländern hat dieses Aufsehen genau in dem Moment Bestrebungen stark gemacht, Blasphemiegesetze zu verschärfen, als solche Gesetze einer ungünstigen Überprüfung unterzogen wurden." Allen vereinzelten Randalierern zum Trotz legt man Muhammad Morsi in einem separaten Artikel dennoch nahe, sich von der Gewalt glaubhaft zu distanzieren.

Außerdem gibt es einen Überblick über diplomatische Social-Media-Aktivitäten diverser Staaten, allen voran die USA. Hier reibt man sich ungläubig die Augen darüber, dass China und Japan tatsächlich wegen ein paar Felsen im Wasser den Frieden in der Region aufs Spiel setzen. Und wer eine Geige bauen will, die wie eine Stradivari klingen soll, muss sich um den richtigen Pilzbefall kümmern, lesen wir hier.

Magazinrundschau vom 11.09.2012 - Economist

Die Geschwindigkeit, mit der in Asien derzeit Sozialstaatstrukturen entstehen, lässt den Economist geradezu ins Schwindeln geraten: "Betrachtet man die Renteneinführung im Deutschland der 1880er Jahre als Beginn und Großbritanniens Begründung des Nationalen Gesundheitsdiensts im Jahr 1948 als Gipfel der Entwicklung, dauerte die Entwicklung der europäischen Sozialstaaten über ein halbes Jahrhundert. Einige asiatische Länder werden dafür eine Dekade benötigen. Wenn sie es falsch angehen, insbesondere durch unleistbare Versprechungen, könnten sie damit die dynamischste Wirtschaft der Welt ruinieren. Doch wenn sie leistbare Sicherheitsnetze schaffen, verbessern sie damit nicht nur das Leben ihrer eigenen Bürger, sondern könnten selbst eine Vorbildfunktion einnehmen. In einer Zeit, in der die Regierungen der reichen Welt dabei versagen, ihre Staaten neu zu gestalten, um mit einer alternden Bevölkerung und klaffenden Budgetdefiziten umzugehen, könnte dies ein weiterer Bereich sein, in dem Asien dem Westen zuvorkommt." Siehe dazu ausführlicher auch diesen Artikel.

Außerdem wird eine Studie vorgestellt, die mittels Infrarot-Technologie den Einfluss von Dirigenten auf die Leistungen eines Orchesters ermittelt hat. In Großbritannien wappnet man sich mit Stimmungsmache gegen ausländische Studenten für den kommenden Wahlkampf, erfährt man hier.

Magazinrundschau vom 04.09.2012 - Economist

Der Economist porträtiert Chris Soghoian, einen Hacker und Aktivisten, der das Internet wachsamen Auges nach Sicherheitsproblemen und Verletzungen der Privatsphäre absucht: So hat er "unter anderem das Ausmaß verdeutlicht, in dem Sprint, ein amerikanisches Telekommunikationsunternehmen, die Satellitendaten über den Aufenthaltsort seiner Kunden den Exekutivbehörden übermittelte; er brachte den Internetriesen Google dazu, seine Verschlüsselungstechnologie zu verbessern; er legte einen jämmerlich fehlgeleiteten Versuch des rivalisierenden Internetriesen Facebook offen, mittels einer PR-Firma Google anzugreifen; er beschämte Dropbox, einen Anbieter von Online-Speicherplatz, dessen Marketingversprechen mit der eigenen technischen Praxis nicht vereinbar waren; und er trieb schließlich die Implementierung einer 'Do not track'-Methode voran, die es Internetnutzern gestattet, sich aus individuell zugeschnittener Werbung explizit auszuklinken."

Sehr bezeichnend findet dieser Artikel die sich bereits abzeichnende Wahlkampfstrategie von Barack Obama: "Die Tatsache, dass der Präsident bereits frühzeitig und so erbarmungslos auf die 'negative Karte' setzt, macht offenkundig, wie sehr er es nötig hat, dass dieser Wahlkampf sich um Romneys Schwächen statt um seine eigenen Leistungen dreht. Ein Mann, der vor vier Jahren noch die Hoffnung versinnbildlichte, kommt nun in Charlotte mit einer Kampagne an, der es bislang nur darum ging, Angst zu erzeugen."

Weitere Artikel: Insbesondere das frühe World Wide Web der Neunziger ist mangels Archivierung für spätere Forschungen nahezu komplett verloren, mahnt dieser Artikel, der sich um den drohenden Gedächtnisverlust der digitalen Kultur sorgt. Vielleicht könnte eine neue Speichertechnologie dabei helfen? Dieser Artikel verspricht sich jedenfalls einiges für die Zukunft von phasenwechselnden Speicherchips. Von Experimenten mit Laserwaffen wird hier berichtet (mit den Allmachtsvorstellungen aus der Science Fiction lassen sich diese Prototypen indessen schwerlich in Vereinbarung bringen, wird entwarnt). Außerdem: Ein Nachruf auf Neil Armstrong.

Magazinrundschau vom 21.08.2012 - Economist

Der Einfluss sozialer Medien und neuer Digitaltechnologien auf die Revolutionen im arabischen Raum wurde oft kommentiert, in diesem Artikel erfährt man unterdessen, wie beides auch den Islam selbst ins digitale Zeitalter hievt, den Warnungen von religiösen Hardlinern (die zum Beispiel Chatprogramme ablehnen, weil "sie zum Flirt verführen") zum Trotz: "Viele Smartphone-Apps befriedigen religiöse Bedürfnisse. Einige führen nahegelegene Moscheen und Geschäfte, die halal sind, an. Salah 3D ist ein iPhone-Guide wie man betet. ... Auch auf Muslime zugeschnittene Websites sind im Kommen. Artik Kuzmin, ein türkischer Unternehmer geht demnächst mit Salamworld, einem Facebook für Muslime, ans Netz. ... 'Im Islam ist weit mehr zulässig als die Leute glauben', erklärt Abdelaziz Aourag, der vom sicheren Amsterdam aus Al Asira betreibt, einen Online-Shop für Sexbedarf, der für sich in Anspruch nimmt, mit der Sharia übereinzustimmen."

Magazinrundschau vom 28.08.2012 - Economist

Misswirtschaft, sinkendes Spendenaufkommen und nicht zuletzt die hohen Kosten der zahlreichen Kindesmissbrauchsprozesse treiben derzeit zahlreiche katholische Kirchengemeinden in den USA in den Bankrott, erfährt man in diesem ausführlichen Artikel. Freilich lassen sich manche Pleite-Gemeinden unorthodoxe Manöver einfallen, um ihren Gläubigern ein Schnippchen zu schlagen: "In einem besonders herausstechenden Beispiel hat die Diözese San Diego den Wert eines ganzen Stadtblocks in der Innenstadt mit 40.000 Dollar angegeben, dem Anschaffungspreis des Objekts in den 40ern, statt den heutigen Marktwert zu ermitteln, wie es erforderlich wäre. Schlimmer noch, sie änderte die Form, in der Vermögenswerte aufgelistet werden müssen. Die zuständige Richterin, Louise Adler, war deshalb und wegen anderer Faxen seitens der Diözese dermaßen erbost, dass sie eine Sonderuntersuchung der Kirchenfinanzen einleitete".
Stichwörter: Innenstadt, Innenstädte

Magazinrundschau vom 14.08.2012 - Economist

Nach dem Knight-Capital-Schock Anfang August, bei dem automatisiertes High-Frequency-Trading (vgl. auch die Magazinrundschau vor einer Woche) Schockwellen durch die Märkte trieb, ist auch der sonst so technologiebegeisterte Economist vorsichtig geworden, was die Vorteile von Aktienhandel auf Mikrosekundenbasis angeht: "Dieser Fall gibt Anlass zum Zweifel, ob die Erträge das Risiko rechtfertigen. Die Gesellschaft benötigt den Aktienhandel, um effizient Kapital zu vermitteln, wodurch die besten Firmen mit höheren Aktienpreisen belohnt werden. Doch Hochfrequenzhändler treffen ihre Entscheidungen nicht auf Basis zukünftiger Aussichten einer Firma, sie zielen auf den Profit, der sich aus minimalen Preisschwankungen ergibt. Sie könnten genauso gut auch Baseball-Sammelkarten handeln. Die Liquiditätserträge aus solchen Handelsvorgängen lassen sich zwar sehen, doch kann sich diese Liquidität in Stresszeiten auch in Luft auflösen."

Außerdem: Ein Loblied auf die Essays von John Jeremiah Sullivan und ein Nachruf auf Gore Vidal.

Magazinrundschau vom 07.08.2012 - Economist

Ein Jahr nach den britischen Riots wundert man sich beim Economist, wie schnell man im Land wieder zur Tagesordnung übergangen ist: "Als sie stattfanden, wirkten sie wie der Ausbruch von kollektivem Wahnsinn. Heute fühlen sich diese wenigen anarchischen Tage eher wie eine kollektive Halluzination an. Als nahe Analogie aus der jüngeren Geschichte bietet sich vielleicht Prinzessin Dianas Tod an. Wie die fiebrige Trauerwoche im Jahr 1997, schienen auch die Riots Epoche zu machen. Ein Jahr später jedoch sind deren Auswirkungen in der Gesetzsprechung und der politischen Linie so verschwindend gering, dass es fast so scheint, als hätten sie überhaupt nicht stattgefunden."

Weiteres: Mitt Romneys Besuch in Israel, Polen und Großbritannien mag ein medienpolitisches Desaster gewesen sein, doch ließen sich abseits davon bereits Grundzüge seiner von Obama abweichenden außenpolitischen Plänen erkennen, erfährt man hier. Im syrischen Bürgerkrieg mischen sich immer mehr Islamisten unter die Aufständischen, beobachtet dieser Artikel. Außerdem werden neue Bücher zu den arabischen Aufständen vorgestellt.

Magazinrundschau vom 31.07.2012 - Economist

Der Economist beschreibt am Beispiel junger Start-Ups im Berliner Café Oberholz, wie schwer es Entrepreneure in Europa haben, wo man neue Geschäftsideen meidet wie die Pest: "Sie werden Schwierigkeiten haben, einen professionellen Manager anstellen zu können, der ihnen hilft zu wachsen, weil europäische Führungskräfte extrem risikoscheu sind. Ihre jungen Firmen werden schnell feststellen, dass etablierte europäische Firmen in der Regel nicht mit sehr kleinen handeln wollen. Die meisten Geldquellen werden ihnen verschlossen bleiben. Vorschriften werden sie fesseln. Und wenn sie Pleite gehen, was die meisten ganz sicher tun werden, dann wird man ihnen nicht gestatten, sich den Staub abzubürsten und wieder von vorn anzufangen. In Europa hinterlässt eine Firmenpleite einen Schandfleck, als wäre es ein moralisches Versagen."

Was tun mit dem E-Book in der Bibliothek? Die Verlage zerbeißen sich gerade die Fingernägel über dieser Frage, berichtet der Economist. "Elektronische Ausleihe ist schrecklich bequem. Anders als bei gedruckten Büchern, die man in der physischen Bibliothek ausleihen und wieder dorthin zurückbringen muss, kann man Buchdateien zuhause herunterladen. Digitale Bibliothekskataloge werden oft nachts durchsucht, auf dem komfortablen Sofa. Die Dateien verschwinden einfach vom Lesegerät, wenn sie fällig sind (das bedeutet, keine Überziehungsgebühren mehr, keine Angst mehr wegen verlorener oder beschädigter Bücher). Dumm für Verlage ist allerdings, dass der Kauf eines E-Buchs mehr kostet als die Ausleihe, aber praktisch keinen Mehrwert für den Leser hat. Er kann es weder weiterverkaufen noch einem Freund verleihen oder verbrennen, um sich warm zu halten. Der Besitz eines Buchs ist nützlich, wenn man es mehrmals lesen will. Aber wer liest 'Fifty Shades of Grey' zwei Mal?"

Außerdem: Ein Schwerpunkt ist dem "Judaismus und den Juden" gewidmet.
Stichwörter: Vorschriften, Bibliotheken, Pest

Magazinrundschau vom 19.06.2012 - Economist

"Crowdfunding boomt", liest man in diesem Artikel, der nicht schlecht darüber staunt, dass seit März, als auf Kickstarter, dem prominentesten Crowdfunding-Portal, erstmals eine Million Dollar eingesammelt wurden, bereits sieben Mal die Milliongrenze überschritten wurde. "Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeichnen sich vor allem in den kreativen Künsten ab: Etwa zehn Prozent aller Filme, die bei Sundance und in Cannes gezeigt werden, wurden auf diese Weise finanziert, sagt Yancey Strickler, einer der Gründer von Kickstarter. Auch Wohlfahrtsverbände ziehen daraus Nutzen. Auch der in den USA kürzlich verabschiedete 'Jumpstart Our Business Start-ups"-Act (JOBS) gibt Anlass zur Hoffnung, dass Crowdfunding auch die Art und Weise wandeln wird, wie Firmen Kapital einholen. Duncan Niederauer, der Vorstand der NYSE Euronext, behauptet, 'so sieht die Zukunft für die meisten kleinen Firmen aus, um sich zu finanzieren', sofern es richtig angegangen wird."
Stichwörter: Crowdfunding

Magazinrundschau vom 12.06.2012 - Economist

Den besten Journalismus im Nordkaukasus finde man bei Caucasian Knot, einem investigativ-journalistischen und auf Spendenbasis finanzierten Angebot abseits von Hofberichterstattung und den russischen Medienkonglomeraten, erfährt man in diesem Artikel. Doch auch im englischsprachigen Raum erlebt der durch Stiftungen, Spenden und Mäzenatentum querfinanzierte "Philantro-Journalismus" derzeit eine Renaissance: "Solche Zuschussmodelle sind nicht neu. Viele Zeitungen überlebten jene Zeiten, die heute wie deren goldenes Zeitalter wirken, durch die Großzügigkeit von Plutokraten. Dies gilt bis heute. Viele amerikanischen Lokalblätter, die den schwächsten Teil dieser Branche darstellen, wurden von reichen Geschäftsmännern übernommen. Manche von Großbritanniens ambitionierten Tageszeitungen sind kaum wirtschaftlich ausgerichtet. Der rote Zahlen schreibende Guardian wird von einem Konzern finanziert (der ebenso den Gewinne einfahrenden Auto Trader besitzt). Der Indepedent wurde von einem russischen Milliardär gerettet. Wenn man so will, könnte man das auch Philanthropie nennen." (Den Einfluss russischer Oligarchen hatte David Runciman kürzlich in der LRB ganz anders gesehen.)

Weiteres: "Was auch immer es ist, irgend etwas in der Weltwirtschaft stimmt nicht", warnt dieser Artikel, der zugleich Angela Merkel dringend dazu rät, den Kurs der Sparsamkeit zu verlassen. Zwei neue historische Studien befassen sich mit den Kosten des Zweiten Weltkriegs, deren Höhe den Rezensenten um seinen Verstand fürchten lassen. Neuigkeiten im amerikanischen Cyberwar rund um Stuxnet erfährt man hier. James Fentons späte Lyrik ist ganz besonders gut, ist dieser Rezension eines neuen Bands mit gesammelten Gedichten von 1968 bis 2011 zu entnehmen.