Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 43

Magazinrundschau vom 22.05.2012 - Economist

Museen weltweit sollten besser ihre Dokumente überprüfen, folgt man diesem Artikel. Demnach sieht die "mild islamistische" türkische Regierung unter Erdogan es im Zuge ihrer kulturpolitischen Bestrebungen als erwiesen an, dass archäologische Artefakte aus dem Raum der Türkei, deren legaler Erwerb nicht eindeutig belegt werden kann, als gestohlen betrachtet werden und somit ausgehändigt werden müssen. Neben dem Einsatz juristischer Mittel versucht die türkische Kulturpolitik auch auf andere Weise Druck auszuüben, so werden zum Beispiel bislang gepflegte Kooperation mit ausländischen Museen eingefroren. Die Angelegenheit geht wohl auch mit einem neuen nationalen Selbstbewusstsein einher: "Wachsende Wirtschaftskraft und die zum Erliegen gekommenen Gespräche über eine EU-Mitgliedschaft lassen in vielen Türken die Überzeugung reifen, dass es Zeit ist, sich vom Westen abzuwenden. Mitten im Trubel des Arabischen Frühlings glaubt die Türkei, dass sie die führende Kraft der Region werden kann. 'Ein neuer Naher Osten ist im Begriff zu entstehen', äußerte sich Außenminister Ahmet Davutoglu vergangenen Monat im Parlament. 'Wir werden der Besitzer, der Pionier und der Diener dieses neuen Nahen Ostens sein.'"

Magazinrundschau vom 15.05.2012 - Economist

Auch unmittelbar vor dem Börsengang von Facebook ist man beim Economist allen beeindruckenden Zahlen zum Trotz noch nicht ganz von dessen Attraktivität überzeugt. Viele andere Web2.0-Firmen konnten ihren Einführungspreis nicht halten, Facebooks Werbeeinkünfte sind sanft im Sinken begriffen, überdies sind soziale Netzwerke anfällig für konjunkturelle Nutzermigrationen. Daneben birgt die Zukunft einige ernste Herausforderungen: "Zu fragen ist, ob Facebook sich schnell genug der schönen, neuen Welt der mobilen Endgeräte anpassen kann. Darüber lässt sich noch nicht abschließend urteilen. Die Firma hat fast 500 Millionen mobile Nutzer, aber ihre mobilen Apps sind schwerfällig und spiegeln die Tatsache wieder, dass Facebook aus der Zeit der Personal Computer stammt. Um diese Schwäche auszugleichen, hat Facebook kürzlich 1 Milliarde Dollar für Instagram, einen rasant wachsenden, mobilen Foto-Service hingeblättert, und es ist kaum auszuschließen, dass Facebook Teile seiner Aktieneinkünfte dafür nutzen wird, sich weitere mobile Player einzuverleiben. Aber bis die Firma eine eigene, robuste mobile Plattform entwickelt, wird sie gegenüber harschen Herausfordern wohl verwundbar bleiben."

Weiteres: Der Ausblick auf einen "chaotischen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro" unter den Bedingungen eines Post-Sarkozy-Splits zwischen Deutschland und Frankreich sollte jeden, der unmittelbar damit zu tun hat, in Angst versetzen und könnte sogar Obamas Wiederwahlchancen empfindlich mindern, warnt dieser Artikel.

Magazinrundschau vom 08.05.2012 - Economist

Der Economist rollt die Geschichte um Ai Weiweis Inhaftierung im April vergangenen Jahres nochmals auf und weiß von absurden Verhören zu berichten: "Ein weiteres Werk, dass Ai Weiweis Verhörer beschäftigte, war die Skulptur 'Zodiac Heads/Circle of Animals'. Sie befasst sich mit Auffassungen von Authentizität und nationaler und internationaler Kultur, von Geschmack und Werten. ... An dem Tag, den Ai Weiwei als den abstrusesten seiner Gefangenschaft beschreibt, beschuldigte ihn die Polizei anhand der 'Zodiac Animals' erst der Hochstapelei, indem sie argumentierte, dass er etwas gemacht habe, dessen originaler Schöpfer er gar nicht sei. Dann mutmaßte sie, dass er zur Zeit seines Aufenthalts in New York in den Achtzigern von der CIA rekrutiert worden und seine Kunst lediglich eine Fassade sei, um darüber die Bezahlung seiner 'anti-chinesischen' Aktivitäten durch ausländische Auftraggeber entgegenzunehmen. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt in höchster Bedrängnis war, betrachtet der Künstler diese Momente nun als potenzielle Szenen in einem tragikomischen Stück über Kunst, Macht und den Staat."

Dazu passend fragt ein weiterer Artikel nach den Konsequenzen aus dem Fall des blinden chinesischen Aktivisten Chen Guangcheng, der in der US-Botschaft in Peking Zuflucht gesucht hat.

Magazinrundschau vom 17.04.2012 - Economist

Eine Milliarde Dollar hat Facebook für den Kauf des Mobile-Service Instagram aufgebracht. Allem allgemeinen Staunen über die Höhe der Summe zum Trotz, könnte sie gut investiert sein, erfährt man hier: Nicht nur wird ein möglicher Rivale im Feld der sozialen Netzwerke geschluckt, er wird auch Konkurrenten wie Twitter und Google+ vor der Nase weggeschnappt. Und: "Genauso wie Facebooks Anschaffung jede Chance auf ein 'Googstagram' versenkt, bringt er dem Unternehmen auch dringend benötigtes Know-How für mobile Serviceangebote. Im harten Kontrast zu Instagrams raffiniertem Interface sind Facebooks mobile Apps schwerfällig."

Der Präsidentschaftswahlkampf findet vor der Kulisse einer wie nie zuvor polarisierten USA statt, sorgt sich dieser Artikel. Dazu passend: Eine Reportage über die langsam Fahrt aufnehmende Obama-Kampagne, die den Graswurzelansatz der erfolgreichen Kampagne von 2008 noch verstärken will. Angesichts der wirtschaftlichen Situation Deutschlands würde es dem übrigen Europa zwar gut tun, die Vorzüge des deutschen Wirtschaftskonzepts zu übernehmen, resümiert dieser Artikel, umgekehrt wäre aber auch Deutschland zur Besserung der allgemeinen Situation gut beraten, Wohlstand und Nachfrage im Innern zu mehren. Und was den Exportweltmeister Deutschland überhaupt betrifft: Deutsche Kultur steht in Großbritannien hoch im Kurs, erfährt man hier. Außerdem findet sich ein Plädoyer für Open Access.

Besprochen wird eine Biografie über die amerikanische Intellektuelle Lillian Hellman. Sehr empfehlenswert scheinen auch zwei derzeit in London gespielte Theaterstücke über das "Verhältnis zwischen Tyrannei und Kreativität", die sich beide um Josef Stalin und Michail Bulgakow drehen.

Magazinrundschau vom 13.03.2012 - Economist

Ein Artikel stellt die japanische Künstlergruppe ChimPom vor, die sich für ihre provokative Kunst mit Kunstguerilla-Techniken zum Beispiel bis zum Ground Zero von Fukushima einschleust. Dabei handelt es sich um "ein sechs Personen umfassendes Kollektiv von Künstlern, die größtenteils nicht von den Kunsthochschulen kommen. Sie haben viel Zeit aufgewendet, an die zentralen Orte des Desasters zu gelangen. Was die Resultate angeht, sind sie angenehm besonnen. Zweimal haben sie das abgeriegelte Dai-ichi-Kraftwerk als Leinwand für erstaunlich wagemutige Videokunst und Fotografie genutzt. Einmal haben sie ein Gemälde von der schwelenden Ruine über das berühmte Anti-Atom-Wandgemälde 'The Myth of Tomorrow' von Taro Okamoto gelegt. Vandalen aber sind sie nicht; sie sagen, sie haben es tags darauf wieder abgekratzt. ... In den muffigen Feuilletons der Zeitungen im Land wurden die Künstler von ChimPom bislang weitgehend übergangen; im wesentlichen werden sie als kriminelle Randständige abgetan."

Magazinrundschau vom 28.02.2012 - Economist

Sicher wäre ein Iran mit einsatzfähigen Nuklearwaffen eine kaum zu unterschätzende Bedrohung für die Region, an der keiner interessiert sein kann, konzediert dieser Artikel, der dennoch sehr skeptisch bleibt, was einen womöglichen, israelischen Präventionsschlag im April und dessen Konsequenzen betrifft. Stattdessen schlägt er eine Strategie der Diplomatie und Sanktionen vor: "Der Profit aus dem Ölgeschäft kommt der Regierung wegen eines Embargos bald zum Erliegen. Die Sanktionen sind hart, das Finanzsystem ist zunehmend isoliert und die Währung hat drastisch an Wert verloren. Die Berfürworter eines Angriffs argumentieren, dass eine militärische Demütigung dem Regime den letzten Rest geben würde. Genauso wahrscheinlich könnte es die Iraner aber auch um ihre Anführer sammeln. Unterdessen greift ein politischer Wechsel im Nahen Osten um sich. Das Regime in Teheran ist gespalten und hat den Rückhalt unter seiner Bevölkerung verloren. Schlussendlich wird sich auch dort ein von den Massen getragener Protest wie 2009 ausformen. Ein neues, von den Iranern selbst etabliertes Regime wird wahrscheinlich wesentlich eher dazu bereit sein, auf die Bombe zu verzichten, als eines, das gerade einen amerikanischen Angriff erlebt hat." Dazu noch etwas ausführlicher dieser Artikel, über die Fortschritte des iranischen Nuklearprogramms informiert dieser Text. Außerdem wird dazu komplementär Trita Parsis Buch über die Diplomatie zwischen den USA und Iran besprochen.

Besprochen werden außerdem ein neues Buch, das die ägyptische Revolution von der ägyptischen Geschichte her in den Blick nimmt, der postum veröffentliche Gesprächsband mit dem Historiker Tony Judt (hier eine Artikelauswahl) und die große Ausstellung mit Fotografien von Cindy Sherman im Museum of Modern Art in New York.

Magazinrundschau vom 07.02.2012 - Economist

Die sieben Länder, in denen Homosexualität unter Todesstrafe steht, sind muslimisch geprägt, erfährt man in diesem Artikel. Aber auch, dass sich derzeit eine Debatte darüber abzeichne, inwiefern der Hass auf Homosexuelle überhaupt durch den Koran gerechtfertigt sei. Geführt werde diese Debatte allerdings hauptsächlich von homosexuellen Muslimen außerhalb der islamischen Welt: "Obwohl deren Rechte besser geschützt sind, können auch sie unter Intoleranz leiden, wie kürzlich ein Gerichtsverfahren in Derby [in dem drei radikale Muslime schuldig gesprochen wurden, nachdem sie in Flugblättern zum Mord an Homosexuellen aufgerufen hatten] zeigte. In europäischen Städten mit vielen armen frommen muslimischen Immigranten führt die kommunale Politik zudem zu seltsamen Bündnissen. Ken Livingstone, ein linker Politiker aus London, der sich stark für die Rechte Homosexueller ausspricht, hatte in der Vergangenheit Yusuf a-Qaradawi eingeladen, einen antiamerikanischen, muslimischen Kleriker aus Ägypten, der die Todesstrafe für Homosexuelle unterstützt."

Außerdem findet sich ein Ausblick darauf, was die Zukunft für Facebook nach dem Börsengang bringen könnte: Enorme Profite einerseits, aber auch diverse Risiken und nicht zuletzt ein noch erbitterter Kampf mit Google und Konsorten.

Magazinrundschau vom 17.01.2012 - Economist

Ein ausführliches Porträt stellt Mitt Romney vor, den derzeit erfolgreichsten Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaft. Doch gibt es in den eigenen Reihen noch deutliche Vorbehalte: "Mr. Romney, ganz das Gegenteil des impulsiven, unkontrollierbaren Hengstes aus 'Born Free', seinem Kampagnensong, ist unfehlbar vorsichtig, diszipliniert und gut vorbereitet. Diesen Qualitäten verdankt er seinen enormen Erfolg als Geschäftsmann und sie halfen ihm dabei, seine politische Karriere voranzutreiben. Nun, da er auch New Hampshire für sich entschieden hat, scheinen sie ihm voraussichtlich auch die Zustimmung der Republikaner einzubringen, es später in diesem Jahr mit Obama aufzunehmen. Doch nährt sich aus ihnen auch die abwägende Haltung der republikanischen Primarywähler gegenüber ihrem mutmaßlichen Kandidaten. Er wird häufig als zu gelehrt und zu berechnend eingeschätzt, als übersprudelnd vor Ambition, aber mit einem Mangel an Leidenschaft, Instinkt und Überzeugung. Wie es Frank Luntz, ein Berater der Republikaner, auf den Punkt bringt: Mr. Romney hat alle Qualitäten, die Republikaner an einem Präsidenten schätzen, aber keine der Attribute, die sie sich für einen Kandidat wünschen."

Weiteres: Ein Artikel befasst sich mit Möglichkeiten, Herausforderungen und Risiken von viralem Smartphone-Videojournalismus bei Protesten. Von den Herausforderungen, eine Ausstellung über den Haddsch im British Museum zu organisieren, erfährt man hier. Ein Artikel begibt sich auf Ursachenforschung für den Niedergang der einstigen Film- und Fotopioniere von Kodak, die, ganz im Gegensatz zum japanischen Konkurrenten Fujifilm, vor dem wirtschaftlichen Aus stehen. Ein Nachruf würdigt den Karikaturisten Ronald Searle.

Magazinrundschau vom 10.01.2012 - Economist

Ein Artikel zeichnet ein zerrissenes Bild von Ägypten am Vorabend des ersten Jahrestags der Revolution: "Regierungssender bejubeln die Armee als Verteidiger der Ordnung. Rivalisierende Privatsender machen eine davon absolut abweichende Perspektive stark, indem sie über Polizeibrutalität, Wahlbetrug und die geistige Beschränktheit der Regierung berichten. Einige Videoaufnahmen scheinen Protestierer zu zeigen, die bei gewaltsamen Auseinandersetzungen Mitte Dezember, an deren Ende 17 Tote zu beklagen waren, eine Bibliothek mit seltenen Büchern im Stadtzentrum Kairos in Brand setzen. Davon abweichendes Bildmaterial zeigt Protestierer im noblen Kampf gegen die Flammen, während die Soldaten zuschauen."

Vielleicht sollten die Rebellen es mit Musik als Verbreitungsmittel probieren. Wie wurde schließlich Luther populär? Nicht nur durch Pamphlete! Schon im 16. Jahrhundert waren soziale Netzwerke und Songs zur Verbreitung von Neuigkeiten populär, so der Economist: "Die Nachrichtenballade war, wie das Pamphlet, eine relativ neue Medienform. Sie verknüpfte eine poetische und oft übertriebene Beschreibung zeitgenössischer Ereignisse mit einer vertrauten Melodie, die leicht gelernt, gesungen und an andere weitergegeben werden konnte. Nachrichtenballaden waren oft Parodien, die absichtlich fromme Melodien mit säkularen oder sogar profanen Texten mischten. Sie wurden als gedruckte lyrics verbreitet, mit einem Hinweis, zu welcher Melodie sie gesungen werden sollten. Einmal gelernt, konnten sie durch gemeinsames Singen auch unter den Analphabeten verbreitet werden."

Außerdem: Eine neue Doppelbiografie über Ayaan Hirsi Ali und Aafia Siddiqui kontrastiert beider Lebensläufe in einer "unheimlichen Symmetrie" ähnlicher Lebensumstände, die zu völlig unterschiedlichen Konsequenzen führten, wie man dieser Besprechung entnehmen kann. Alte Violinen klingen besser als neue? Offenbar doch nicht zwangsläufig, folgt man diesen Darlegungen zu einer neuen Studie. Außerdem werden zwei neue Buchveröffentlichungen besprochen, die sich mit Muslimen in Europa befassen. Der Aufmacher singt ein derartiges Liebeslied auf den Londoner Finanzdistrikt, dass der Wirtschaftsjournalist Ian Fraser ihn im Blog Naked Capitalism als "intellektuell armselig" beschimpft.

Magazinrundschau vom 20.12.2011 - Economist

Die größten Proteste seit den frühen Neunzigern in Russland markieren diesem Artikel zufolge die Geburt einer russischen Bürgerschaft: "Eine Phase wirtschaftlichen Wachstums hat Russlands Mittelschicht zahlenmäßig wachsen und aktiver werden lassen. Sie umfasst nun etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung (...). Nachdem sie etwa das westliche Konsumniveau erreicht hat, fordert sie Respekt, unabhängige Gerichte, eine gesetzeskonforme Polizei, sowie eine gute Gesundheitsversorgung, Bildung und intelligentes Fernsehen. Sie ist Putins überdrüssig und sucht nach einer wirklichen politischen Repräsentation."

Weiterhin erfährt man, was für ein Geschäftsmann Albrecht Dürer war, dass Martin Luther ein Social-Media-Pionier war, auf welche Weisen sich die Schwarmintelligenz von Fußgängermassen erforschen lässt, was es mit dem Higgs-Teilchen auf sich hat, das womöglich im CERN gefunden wurde, und welchen Zweck die menschliche Körperbehaarung hat. Daneben werden eine Ausstellung im Pariser Museum Jacquemart-Andre mit Arbeiten von Fra Angelico, sowie eine Ausstellung im Florentiner Fondazione Palazzo Strozzi über Boticcelli und seine Bankiers empfohlen.