
Ein Artikel
zeichnet ein zerrissenes Bild von
Ägypten am Vorabend des ersten Jahrestags der Revolution: "Regierungssender bejubeln die Armee als Verteidiger der Ordnung. Rivalisierende Privatsender machen eine davon absolut abweichende Perspektive stark, indem sie über
Polizeibrutalität, Wahlbetrug und die geistige Beschränktheit der Regierung berichten. Einige Videoaufnahmen scheinen Protestierer zu zeigen, die bei gewaltsamen Auseinandersetzungen Mitte Dezember, an deren Ende 17 Tote zu beklagen waren, eine Bibliothek mit
seltenen Büchern im Stadtzentrum Kairos in Brand setzen. Davon abweichendes Bildmaterial zeigt Protestierer im noblen Kampf gegen die Flammen, während die
Soldaten zuschauen."
Vielleicht sollten die Rebellen es mit
Musik als Verbreitungsmittel probieren. Wie wurde schließlich
Luther populär? Nicht nur durch Pamphlete! Schon im 16. Jahrhundert waren
soziale Netzwerke und Songs zur Verbreitung von Neuigkeiten populär,
so der Economist: "Die
Nachrichtenballade war, wie das Pamphlet, eine relativ neue Medienform. Sie verknüpfte eine poetische und oft übertriebene Beschreibung zeitgenössischer Ereignisse mit einer vertrauten Melodie, die
leicht gelernt,
gesungen und an andere weitergegeben werden konnte. Nachrichtenballaden waren oft Parodien, die absichtlich
fromme Melodien mit säkularen oder sogar profanen Texten mischten. Sie wurden als gedruckte
lyrics verbreitet, mit einem Hinweis, zu welcher Melodie sie gesungen werden sollten. Einmal gelernt, konnten sie durch
gemeinsames Singen auch unter den
Analphabeten verbreitet werden."
Außerdem: Eine neue Doppelbiografie über
Ayaan Hirsi Ali und
Aafia Siddiqui kontrastiert beider Lebensläufe in einer "unheimlichen Symmetrie" ähnlicher Lebensumstände, die zu völlig unterschiedlichen Konsequenzen führten, wie man dieser
Besprechung entnehmen kann. Alte
Violinen klingen besser als neue? Offenbar doch nicht zwangsläufig, folgt man
diesen Darlegungen zu einer neuen
Studie. Außerdem werden zwei neue Buchveröffentlichungen
besprochen, die sich mit
Muslimen in Europa befassen. Der Aufmacher singt ein derartiges
Liebeslied auf den Londoner
Finanzdistrikt, dass der Wirtschaftsjournalist Ian Fraser ihn im Blog
Naked Capitalism als "intellektuell armselig"
beschimpft.