Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 43

Magazinrundschau vom 29.01.2013 - Economist

Kein kriegerischer Konflikt lässt sich nahtlos mit dem anderen vergleichen, unterstreicht dieser Artikel und mahnt: Es wäre ein Fehler, sich wegen der Erfahrungen mit Afghanistan aus heutigen Krisenherden und instabilen Regionen herauszuhalten. Das hat sowohl Gründe, die im genuinen Interesse des Westens liegen, als auch humanitäre: "Nordafrikanische Jihadisten hätten jetzt im Moment noch damit zu kämpfen, eine Terrorkampagne in Europa oder Amerika zu bewältigen, doch dies könnte sich eines Tages ändern, wenn sie über die Ressourcen eines ganzen Landes verfügen. Besser man hält sie in der Wüste. ... Der Großteil von Afrikas großer und wachsender Anzahl von Muslimen ist gegenüber dem Jihad feindlich eingestellt. Westliche Regierungen würden einen schrecklichen Fehler begehen, wenn sie die Schwierigkeiten einer Intervention als Entschuldigung dafür anführen, diese sich selbst zu überlassen."

Wissenschaft und Forschung erleben in der muslimischen Welt gerade eine neue Blüte, erfahren wir hier: "Und die Wurzeln wissenschaftlicher Rückständigkeit liegen nicht bei den religiösen Führern, sondern bei säkularen Herrschern, die mit Geld genauso geizig umgehen, wie sie verschwenderisch auftreten, wenn es um die Kontrolle über eigenständige Gedanken geht. ... Doch jene Art von Freiheit, die Wissenschaft für sich verlangt, ist in der muslimischen Welt noch immer rar. Mit dem Aufstieg des politischen Islams (inklusive der Salafisten, die für eine radikale Version des Islams stehen) in wichtigen Ländern wie Ägypten fürchten manche, das sie noch weiter eingeschränkt werden könnte."

Außerdem: Apple könnte seinen Zenit bereits überschritten haben, wird hier gemutmaßt. An dieser Stelle steht zur Disposition, ob nicht gerade die neuen digitalen Technologien sich als historische Episoden entpuppen werden, während sich Papier auch weiterhin gut hält - und mit DNA als neuem Datenspeicher werden die Karten sowieso nochmal neu gemischt, wie man hier lesen kann.

Magazinrundschau vom 15.01.2013 - Economist

Auch wenn sich der aktuelle, durch die Informationstechnik angetriebene Innovationsschub nicht mit dem zu Zeiten von Industrialisierung und Elektrifizierung messen kann, sieht der Economist ein Jahrhundert der Innovation auf uns zukommen - gesetzt den Fall, dass rigide Regulierungen die Entwicklung nicht hemmen: "Es ist eine gute Sache, dass Medikamente heutzutage gründlich geprüft und der Emissionsausstoß von Fabriken kontrolliert werden. Doch das Offiziösentum neigt dazu, mehr Regeln vorzugeben als für das Wohlergehen der Öffentlichkeit nötig wären; und ein Gestrüpp von Absperrungen strangulieren die Innovationskraft. Selbst viele Regulierungen, die zur Stützung der Innovation gedacht waren, funktionieren nicht gut. Das westliche System des geistigen Eigentums etwa ist ein Chaos, da es zu viele Patente von zweifelhaftem Wert zulässt." Siehe ausführlicher dazu auch diesen Artikel.

Außerdem: Nach der mit Müh' und Not gemeisterten Fiskalklippe sieht der Economist die nächste fiskale Herausforderung auf die USA zukommen. Außerdem macht man sich Hoffnungen, dass das am 19. Januar beginnende Londoner Musikfestival "The Rest is Noise" den Ruf der von Konzertbesuchern ungeliebten klassischen Musik des 20. Jahrhunderts bessern könnte. Dazu passend: Im Youtube-Kanal des London Philharmonic Orchestra erzählen dessen Musiker von ihren Vorbereitungen auf ihre Festivalkonzerte.

Magazinrundschau vom 08.01.2013 - Economist

Die in letzter Sekunde beschlossenen Maßnahmen zur Umgehung der Fiskalklippe in den USA erinnern den Economist ungut an europäisches Lavieren in der Schulden- und Eurokrise. Viel mehr als ein Minimal-Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern, dessen Wirkung auf höchst absehbare Dauer angelegt ist, sei nicht zu erkennen: "Die Unfähigkeit der Europäer, eitle Nationalbefindlichkeiten zu überwinden, ob es sich dabei nun um die Frage handelt, wer für die Bail-Outs aufkommt oder wer die Kontrolle über die Überwachung der Banken übernimmt, hat sie davon abgehalten, die großen Kompromisse einzugehen, die notwendig wären, um die Zukunft der einzigen Währung zu sichern. In den Staaten haben die Demokraten und Republikaner unter Beweis gestellt, ähnlich unfähig darin zu sein, nach dem großen Gewinn zu greifen; beide werden viel zu sehr von den Extremisten auf beiden Seiten bestimmt und konzentrieren sich zu sehr darauf, der anderen Seite Zugeständnisse abzugewinnen, anstatt gemeinsam und beständig an der Absicherung der fiskalen Zukunft des Landes zu arbeiten."

Weiteres: Haben wir in absehbarer Zeit technische Instantan-Dolmetscher wie in "Star Trek"? Womöglich ja, folgt man diesem Artikel. Die Tatsache, dass eine tödlich endende Vergewaltigung in Indien solche Proteste im Land nach sich zog, wird hier auch als Zeichen für eine zusehends gefestigte und selbstbewusste indische Mittelschicht gedeutet. Außerdem wandelt der Economist mittels neuer Buchveröffentlichung im Reich der Toten und informiert sich bei dem Kulturanthropologen Jared Diamond, was man von traditionellen Gesellschaften lernen könnte.

Magazinrundschau vom 02.01.2013 - Economist

Als "Triumph der Nerds" feiert der Economist die Renaissance des satirischen Cartoons, die im Internet gerade dann einsetzte, als sich der an Printtitel geknüpfte Cartoon in die inhaltliche und ästhetische Stagnation verabschiedete. "Viele dieser Comics expandieren in kleine, auf eigenen Füßen stehende Medienimperien. ... Die typische Reichweite eines der führenden Web-Comics liegt zwischen einer und zehn Millionen Visits pro Monat, also etwa mit einer mittelgroßen Zeitung vergleichbar (die Website der Daily Mail, der meistgelesenen Zeitung im Netz, erzielt rund 48 Millionen im Monat). Aber anders als bei Zeitungswebsites, deren Haupteinnahmequelle Werbung ist, besteht das Publikum von Web-Comics nicht nur aus Lesern, sondern auch aus Kunden: Die meisten Künstler verkaufen T-Shirts, Bücher, Mousepads, Poster und anderes."

Außerdem: Der Economist plädiert für eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA - und notfalls für eine Änderung der Verfassung. In diesem Porträt lernen wir den offenbar reichlich hitzköpfigen Medienmogul Matsutaro Shoriki, den japanischen "Citizen Kane", kennen. Die langsam nach Europa zurückkehrenden Wölfe hatten jahrelang nicht nur denkbar schlechte, sondern auch denkbar ungerechte Presse, ist hier zu lesen: "Sonderbar, dass ausgerechnet der Wolf zur bête noire der Menschheit wurde. Bären, die deutlich bessere Presse kriegen, sind viel gefährlicher. Störe einen Bären und er könnte Dich angreifen; störe einen Wolf und er wird die Flucht ergreifen."

Magazinrundschau vom 18.12.2012 - Economist

Der Economist empfiehlt Lesern und Politikern gleichermaßen Alan Ryans "On Politics", eine Geschichte der politischen Philosophie von Herodes bis zur Gegenwart: "James Madison offeriert die besten Ratschläge für ägyptische Intellektuelle, die Mohammed Morsi darin hindern wollen, ihre Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln. John Stuart Mill bietet das beste Argument gegen Michael Bloomberg und die 'sanfte Diktatur', die seine Vorschriften gegen Softdrinks nach sich ziehen. Immanuel Kant hat den besten Einblick in die Debatte über die Schwulenehe - er behauptet, wenn man erst mal die Sentimentalitäten wegstreiche, sei die Ehe nicht mehr als eine Abmachung über den Gebrauch der jeweiligen Sexualorgane. Mr. Ryans historischer Zugang hilft uns zumindest, unsere Probleme unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten und vor allem, sich die Geschichte der klügsten Köpfe zunutze zu machen, die jemals über praktische Politik nachgedacht haben."

Außerdem: Das Szenario der Fiskalklippe, das sich in den USA für die kommenden Monate abzeichnet, ist so dramatisch, dass es dazu nicht kommen wird, wird man im Aufmacher beruhigt. Um weiterhin boomen zu können, sollte der umstrittene, für Apple tätige chinesische Fertigungsbetrieb Foxconn den eingeschlagenen Reformweg weiter verfolgen, rät dieser Artikel.

Magazinrundschau vom 04.12.2012 - Economist

Sehr interessant porträtiert der Economist den Miterfinder - und-entwickler der Drohne, Abe Karem, der flugzeugtechnisch jetzt die zivile Luftfahrt revolutionieren will - mit einer Technik, die er aus seiner Hubschrauber-Drohne A160 ableitet. "Seine neuestes Luftfahrt-Start Up, Karem Aircraft, zielt darauf ab, den für den A160 entwickelten Rotor an Passagierflugzeuge mit festen Flügeln anzubringen. Aero Train soll so vertikal starten und landen können und soll mit der Boeing 737 und dem Airbus A320 konkurrieren, den Arbeitspferden der kommerziellen Luftfahrt."

Beim genaueren Blick auf den Konkurrenzkampf der vier großen Internetfirmen Apple, Amazon, Google und Facebook fühlt sich der Economist an die Intrigen aus George R. R. Martins von HBO verfilmter Fantasy-Saga "A Game of Thrones" erinnert. Und mit den immer günstigeren 3D-Druckern sieht man hier weitere Industriezweige auf Urheberrechtskrise zusteuern.

Magazinrundschau vom 27.11.2012 - Economist

Nur zwei islamisch geprägte Nationen - Türkei und Libanon - stellen Atheismus, insbesondere im Fall von gottesungläubigen Ex-Muslimen, nicht unter Strafe, erfährt man hier. In den meisten Ländern erfolgt jedoch eine Anklage wegen Blasphemie oder wegen Anstiftung zum Religionshass, in manchen Ländern bleibt den Gottesunfürchtigen oft nur die Flucht. "Der Machtgewinn islamistischer Parteien nach den arabischen Revolutionen dürfte das Leben jener, die den Islam hinter sich lassen, wahrscheinlich noch schwerer machen. Die neuen Herrscher in Tunesien und Ägypten haben diverse junge Leute inhaftiert, die offen über ihren Mangel an Glauben sprachen. Dies kam auch schon vor den Revolutionen vor, doch scheint es heute üblicher zu sein. Alber Saber Ayad, ein ägyptisch-christlicher Aktivist, der eine Facebook-Seite für Atheisten betrieb, befindet sich seit September wegen 'Religionsbeleidigung' in Untersuchungshaft."

Magazinrundschau vom 13.11.2012 - Economist

Über Obamas Wahlerfolg herrscht beim Economist trotz vorsichtiger Wahlempfehlung im Vorfeld keine uneingeschränkte Freude. Hoffnungen für die zweite Amtsperiode setzt man aber darauf, dass Obama sich schon aus wirtschaftlichen Zwängen mit den Republikanern an einen Tisch setzt, um die Anfang 2013 drohende "Finanzklippe" (mehr) abzuwenden. Allerdings geben die Republikaner selbst kaum Anlass zur Zuversicht: "Die Parteivorsitzenden werden einmal mehr zu dem Schluss kommen, dass sie verloren haben, weil ihr Kandidat kein waschechter Konservativer war, und versprechen, für das nächste Mal ein Original aufzutreiben. ... Wenn die Republikaner sich so verhalten, lassen sie jeglichen Sinn für die Wahlen hinter sich. Sie haben es einmal mehr hinbekommen, eine Wahl in einem Land zu verlieren, in dem die Konservativen die Liberalen an der Zahl noch immer locker übertreffen... Ihre obsessive Haltung zu Abtreibung und Homo-Ehe verliert immer mehr den Rückhalt unter Frauen und jungen Leuten. ... Viele unabhängige Wähler und dieses Magazin sehnen sich nach einer pragmatischeren Partei der Republikaner."

Mit Skepsis beobachtet der Economist außerdem die Vorhaben deutscher und französischer Gesetzgeber, Google per Leistungsschutzrechten für die Verlinkung von Zeitungsartikeln zur Kasse zu bitten. Vermutet wird hinter diesem Vorpreschen der Verlage die Hoffnung darauf, sinkende Einnahmen zu kompensieren: "Doch selbst wenn einige Länder Google dazu bringen könnten, für den Gebrauch von Schlagzeilen und etwas Text von Artikeln zu bezahlen, wird dies kaum das Loch in den Einnahmen ihrer Zeitungen stopfen oder deren Neuausrichtung beschleunigen. Jan Malinowski, ein Medienexperte im Europarat, sagt, der Versuch, Google zum Bezahlen für Artikel zu bringen, 'ist so, als würde man versuchen, Gutenbergs Druckpresse zu verbieten, um die Skriptorien zu schützen.'"

Magazinrundschau vom 06.11.2012 - Economist

Vor vier Jahren sprach sich der Economist noch deutlich für Obama aus. Nach der Bilanz einer Amtsperiode fällt die Empfehlung - vor allem angesichts seiner Wirtschaftspolitik - nicht mehr ganz so enthusiastisch aus: "Frühere Demokraten, insbesondere Bill Clinton, haben Steuern zwar erhöht, dabei aber noch immer den Kapitalismus verstanden. Den privaten Sektor schlecht zu machen, scheint für viele Leute im Umfeld von Obama eine zweite Natur sein." Von Romneys taktierendem Hin und Her in Wirtschaftsfragen hält der Economist unterdessen noch sehr viel weniger: "Kein überzeugendes Argument für die oberste verantwortliche Position. Und trotz all seiner Defizite hat Obama Amerikas Wirtschaft von der Grenze zum Disaster weggezerrt und sich in der Außenpolitik als annehmbare Faust erwiesen. Aus diesem Grund würde dieses Blatt zu dem Teufel, den es kennt, halten und ihn nochmals wählen."

Außerdem stößt der Economist bei der Lektüre der erstmals veröffentlichen Tagebücher von Richard Burton auf dessen intellektuelle Qualitäten (bei Daily Beast interessiert man sich eher für die pikanten Stellen aus dem Buch).

Magazinrundschau vom 16.10.2012 - Economist

Weder die Indifferenz der Romney-Rechten gegenüber sozialen Missständen, noch die Steuererhöhungen der Obama-Linken für Wohlhabende und Reiche sind dafür geeignet, in Krisenzeiten auf globaler Ebene ökonomisches Wachstum bei gleichzeitiger Eindämmung von Wohlstandsscheren zu erzielen, stellt der Economist fest. Sein Lösungsvorschlag als Synthese beider politischen Lager: "True Progressivism" nach dem Vorbild der wirtschaftlichen Blütezeit der USA kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: "Die Priorität sollte in einem Roosevelt'schen Angriff auf Monopole und Kapitalinteressen liegen, ob es sich dabei nun um staatseigene Unternehmen in China oder um große Banken an der Wall Street handelt. ... Dann sollten die öffentlichen Mittel gezielt für die Armen und Jungen aufgebracht werden. ... Größter Reformbedarf herrscht dabei in den Wohlfahrtsstaaten der reichen Welt. Angesichts deren alternden Gesellschaften können die Regierungen nicht darauf hoffen, für die Alten weniger ausgeben zu müssen, doch sie können die Geschwindigkeit dieser Kostensteigerung drücken - etwa, indem sie das Renteneintrittsalter dramatisch höher ansetzen oder indem sie die Absicherung bedürfnisorientierter gestalten. ... Und zuletzt: Steuerreformen, die nicht die Reichen bestrafen, sondern Geld effizienter und fortschrittlicher einholen."

Unterfüttert wird das Plädoyer durch diesen ausführlichen Hintergrundartikel. Hier erfährt man, dass der "True Progressivism" derzeit am ehesten in den Ökonomien der Schwellenländer reift, wohingegen in den USA noch viel Arbeit zu leisten ist (wobei Obama hier nur minimal besser dasteht als Romney). Ein weiterer Artikel blickt unterdessen in die Geschichte der politischen Manöver zur Moderation gesellschaftlicher Missstände.