Magazinrundschau - Archiv

En attendant Nadeau

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Magazinrundschau vom 19.10.2021 - En attendant Nadeau

Jean-Pierre Salgas bespricht Kora Vérons große Biografie über einen Klassiker des Postkolonialismus und Miterfinder der Idee der "Négritude": "Aimé Césaire - Configurations". Dabei stellt er auch das inzwischen berühmte Holocaust-Zitat Césaires in den Kontext, das hier mal in aller Ausführlichkeit wiedergegeben wird. Es ist ein Urdokument jener Opferkonkurrenz, die spätere Diskurse über den Holocaust vergiftet - Césaire behauptet, der Holocaust würde nur als besonders schlimmes Verbrechen wahrgenommen, weil er ein Verbrechen von Weißen an Weißen sei. Weniger bekannt ist in der deutschen Debatte, dass Césaire damit quasi die offizielle Position der Kommunistischen Partei vertrat, deren Abgeordneter er war. Ganz liest sich das Zitat über den Nationalsozialismus so: "Ja, es würde sich lohnen, das Vorgehen Hitlers und des Hitlerismus präzise im Detail zu studieren und dem sehr vornehmen, sehr humanistischen, sehr christlichen Bourgeois des 20. Jahrhunderts zu offenbaren, dass er einen Hitler in sich trägt, von dem er nichts weiß, dass Hitler in ihm wohnt, dass Hitler sein Dämon ist, dass es nur unlogisch ist, wenn er ihn schmäht, und dass, was er Hitler nicht verzeiht, nicht das Verbrechen an sich ist, das Verbrechen gegen den Menschen, die Erniedrigung des Menschen an sich, sondern dass dieses Verbrechen gegen den weißen Mann verübt wurde, dass der weiße Mann erniedrigt wurde, und dass er auf Europa die kolonialistischen Verfahren angewandt hat, die bisher nur auf die Araber in Algerien, die Kulis in Indien und die Neger in Afrika angewandt wurden." Dieses Zitat, so Salgas, stand in einer Broschüre, für die der KP-Grande Jacques Duclos das Vorwort schrieb. Erst 1956 wandte sich Césaire, wie so viele, vom Stalinismus ab.

Frankreich gedachte am Wochenende des 17. Oktober 1961. An diesem Datum hat die Pariser Polizei ein Massaker an demonstrierenden Algeriern angerichtet. Polizeichef war der schon in der Vichy-Zeit berüchtigte Kollaborateur Maurice Papon. Pierre Benetti und Pierre Tenne unterhalten sich mit Jim House, Autor eines neu aufgelegten Buchs zu diesen Geschehnissen. Auch in Algerien wurde des Massakers erst spät gedacht, weil die französische Sektion des FLN, die die niedergeschlagene Demo an diesem Tag organisiert hatte, nach der Unabhängigkeit internen Purifizierungen zum Opfer fiel: "Es ist wichtig zu verstehen, dass sich die ehemaligen Akteure der Französischen Föderation des FLN in der algerischen Gesellschaft marginalisiert und ausgeschlossen fühlen. Zugleich kehrten viele Algerier nach der Unabhängigkeit zurück, blieben in Frankreich oder wechselten hin und her. Heute gilt der 17. Oktober 1961 in den Medien als eines der Schlüsseldaten des Krieges; dieser Status wurde jedoch erst spät erlangt und geht auf die politischen Debatten in Frankreich zwischen 1980 und 2000 zurück. Der Stellenwert der algerischen Einwanderung im Kampf um die Unabhängigkeit wurde allmählich besser anerkannt, und damit auch der 17. Oktober 1961."

Magazinrundschau vom 31.08.2021 - En attendant Nadeau

Der Name Georgi Demidow ist in Deutschland noch völlig unbekannt. Die Genfer Editions des Syrtes, ein auf russische Literatur spezialisiertes Verlagshaus, bringen jetzt den ersten Band einer mehrbändigen Ausgabe von Demidows Schriften aus dem Gulag heraus. In einem fingierten Prozess als "trotzkistischer Terrorist" verurteilt, verbrachte Demidow 14 Jahre in den Gulags von Kolyma und West-Sibiriens. Warlam Schalamow hat ihn in zwei Erzählungen als Ingenieur Kripejew verewigt und schilderte ihn als einen der mutigsten Menschen, die ihm je begegnet waren. Später zerstritten sie sich, möglicher Weise auch darüber, wie der Gulag literarisch zu bewältigen sei. Dabei ähnelten sich ihre Herangehensweisen teilweise, schreibt David Novarina: Denn beide Autoren wählten die Form kürzerer erzählerischer Texte. Allerdings schildert er Demidows Novellen als im traditionelleren Sinne literarisch: Anders als Schalamow habe Demidow den Glauben an das Funktionieren literarischer Formen nicht aufgegeben: Die Novelle bleibe bei ihm eine Erzählung, die von einer "unerhörten Begebenheit" handelt. Den Tod allerdings "hätte der Gulag-Überlebende niemals beschönigt. Demidow erwähnt den Friedhof eines Bergbaulagers: 'In einer Baracke der Sterbenden, die ganz nah am Friedhof lag, fand man Suppenreste mit Bruchstücken menschlicher Knochen. Die morgendlichen Appelle hatten aber niemals eine Unterzahl angezeigt. Es handelte sich also nicht einfach um Kannibalismus, sondern um das Essen von Toten.' Der Macht von Demidows Zeugenschaft kann man sich kaum entziehen." Novarina beteuert auch gleich: "Wer auch immer einen leichten Schrecken oder einen inneren Widerstand verspürt, wenn er er diesen Erzählungsband öffnet, wird bald gefangen sein von den klug konstruierten Erzählungen Demidows."

Magazinrundschau vom 22.06.2021 - En attendant Nadeau

In Frankreich ist unter dem unauffälligen Titel "Historiciser le mal" eine kritische Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" herausgekommen. Der Übersetzer Olivier Mannoni spricht mit Santiago Artozqui über eine sehr spezielle Arbeit - und die Zusammenarbeit mit dem Herausgeber Florent Brayard. "Er ist ein angesehener Historiker, den ich vor allem durch sein bemerkenswertes Buch über Auschwitz ("Auschwitz, enquête sur un complot nazi", Seuil, 2012) kannte. Er hat mir gegenüber gleich klargestellt, dass er meine Arbeit demolieren wird. Er wollte keine Übersetzung nach den Regeln der Kunst, sondern eine Übertragung von Hitlers Text: einen Text, der so überladen, so 'verdreht' im Wortsinn, so schlecht geschrieben und gedacht - damit meine ich: so chaotisch in seiner Struktur - ist, wie das Original. Ich wusste sofort, dass ich das ablehnen muss: zwei Jahre Arbeit zerstören lassen, Hunderte von Stunden, die ich damit verbracht hatte, ein Gleichgewicht herzustellen, wenn auch ein wackliges, das war doch absurd. Und doch habe ich dann zugesagt, ohne eine Sekunde zu zögern. Was Florent Brayard von mir verlangte, war einsichtig, evident. Und ich habe die Prosa Hitlers dann hundertprozentig so wiedergegeben, wie sie war." Sonia Combe erzählt die Geschichte der kritischen Ausgabe.

Magazinrundschau vom 04.05.2021 - En attendant Nadeau

Maoisten, das war jene Fraktion ehemaliger 68er, die den real existierenden Sozialismus kritisierten, weil er den stalinistischen Terror aufgegeben hatte. Wenn man hört, dass sich eine Intellektuelle wie Annette Wieviorka "luzide und gerührt" an ihre Zeit in den K-Gruppen erinnert ("Mes années chinoises"), sollte man misstrauisch werden. Noch vor ein paar Wochen war in La vie des idées zu lesen, welch gnadenlose Kälte in den K-Gruppen auch in Frankreich herrschte (unser Resümee). Aber am Ende scheint sich Wieviorka der Rührung nicht hinzugeben. Nur der Rezensent Jean-Yves Potel möchte, dass sie ihre Geschichte nicht so persönlich nimmt. "Immer wieder vergleicht sie, was sie damals dachte, mit der Historikerin, die aus ihr wurde, versucht zu verstehen, was sie dahin getrieben hatte und was sie nicht hatte sehen wollen. Mit ihr fragt man sich, wie ein solches Ausmaß der Verblendung möglich war, was sie so weit von sich selbst und ihrer Umgebung hatte entfremden können. 'Welche eine Kraft der Illusion, wie konnte man nur einen Augenblick daran glauben', fragt sie sich und erinnert sich der zahllosen Reden und Vorträge, denen sie mit religiösem Eifer lauschte. Allerdings hätte man sich hier eine etwas politischere Herangehensweise an ihren wahnhaften Glauben gewünscht."

Außerdem bespricht Mario Kaplan Dumitru Tsepeneags "Un Roumain à Paris", das Tagebuch eines rumänischen Exilautors aus dem Paris der Siebziger, sicher ein interessanter Einblick in die faszinierende rumänische Diaspora in Paris und in das Pariser intellektuelle Leben jener Zeit, von einem Außenseiter gespiegelt.

Magazinrundschau vom 20.04.2021 - En attendant Nadeau

Yannick Haenel hat für Charlie Hebdo über den Prozess zu den Anschlägen gegen die Zeitschrift und einen jüdischen Supermarkt geschrieben. Die lesenswerten Kolumnen, aus denen der Perlentaucher häufig zitiert hat, sind jetzt in einem Buch zusammengefasst. In En Attendant Nadeau unterhalten sich die Rabbinerin Delphine Horvilleur und der Psychoanalytiker Stéphane Habib mit Haenel - leider ist das Gespräch ziemlich wolkig geraten. In einer der nachvollziehbareren Passagen sagt Haenel: "Wahrheit gibt es nicht ohne Ethik, sie braucht Sorgfalt, und Zuhören ist eine Form der Sorgfalt. Der Prozess war für mich tatsächlich so etwas wie ein Auf-die-Probe-Stellen des Schreibens. Versteht jemand, der diese bizarre Praxis des Schreibens - diese Liturgie, ohne Gott vielleicht, aber mit ihrem eigenen Gott - etwas über den Prozess, das der Prozess selbst nicht über sich weiß? Da ich jeden Tag produzieren könnte und öffentlich ein Buch schrieb, bin ich, ohne es zuzugeben, zum Erzähler des Prozesses geworden. Das ist verrückt. Und der Vorsitzende Richter hatte gelesen, was ich geschrieben hatte, bevor er die neue Sitzung eröffnete."

Magazinrundschau vom 13.04.2021 - En attendant Nadeau

Catherine Coquios Artikel über Yassin Al Haj Salehs "Briefe an Samira" liest sich ungeheuer düster und aufregend zugleich. Al Haj Saleh ist auch in Deutschland kein Unbekannter, bei Matthes und Seitz erschien ein kleiner Essayband von ihm. Coquio beschreibt ihn als einen syrischen Oppositionellen, der in den langen Jahren in Assads Gefängnissen vom Kommunismus abfiel. Er lebt im Exil, hat einige Jahre am Wissenschaftskolleg in Berlin geforscht und ist eine der wichtigsten Stimmen der demokratischen syrischen Opposition (hier seine Website). In Frankreich sind nun seine Briefe an seine Frau veröffentlicht worden. Samira Al Khalil gehörte zu einer Gruppe von MenschenrechtsaktivistInnen, die Verbrechen aller beteiligten Kriegsparteien dokumentierte. Prominenteste Vertreterin dieser Gruppe war Razan Zaitouneh, die nach 2011 eines der bekanntesten Gesichter des gewaltfreien syrischen Widerstandes im Bürgerkrieg war. Zusammen mit zwei anderen Mitgliedern der Gruppe sind sie 2013 entführt worden - bis heute gibt es keine Spur von ihnen. "Im ersten seiner 15 Briefe, die er in den Jahren 2017 bis 19 geschrieben hat, ruft der Autor diese Fakten und seine vergeblichen Recherchen dazu in Erinnerung. Er kommt auf seine 'Naivität' und ihre 'Irrtümer' zurück, vor allem den Irrtum, die Gefahr und den Zustand der Auflösung, in dem sich die Opposition befand, ermessen zu haben, oder den Opportunismus ihrer offiziellen Repräsentanten und die Verletzlichkeit der nicht Organisierten, die sie als parteilose demokratische Aktivisten waren. Dieser Vorwurf an die eigene Adresse quält ihn, denn die mangelnde Vorsicht hatte ihn veranlasst, Duma bei Aleppo zu verlassen und nach Rakka zu reisen und Samira bei Razan Zaitouneh zu lassen, die durch ihre Arbeit und ihr freies Auftreten so exponiert war."

En attendant Nadeau präsentiert ein kleines Dossier zu syrischer Literatur, das auch deutsche Verlage anregen könnte. Rashed Issa schreibt über literarische Zeugenberichte aus Assads Gefängnissen. Mahmoud El Hajj stellt einen in Frankreich erschienen Band über syrische Kunst vor.

Magazinrundschau vom 16.03.2021 - En attendant Nadeau

Die Autorin Jacqueline Lalouette untersucht in ihrer sehr aktuellen, eingehenden Studie "Les statues de la discorde" einige Fälle postkolonialen Ikonoklasmus, besonders in Frankreich und in französischen Überseegebieten, berichtet Thierry Bonnot. Denn nicht nur in Amerika und Großbritannien wurden nach dem Polizeimord an George Floyd Statuen ehemaliger Sklavenhalter geschleift oder beschädigt. Frankreich hat hier eine lange Tradition, die mindestens bis zur Französischen Revolution zurückreicht. Dabei untersucht die Autorin auch einige Paradoxien; etwa dass die Bilderstürmer den Kunstwerken eine größere symbolische Kraft zuweisen als jene, die sie aus historischen Gründen verteidigen. Aber es gibt noch andere Widersprüche: "Die Autorin setzt sich mit dem Fall von Victor Schœlcher auseinander, dem nicht etwa vorgeworfen wird, ein Kolonialist zu sein. Ihm kreidet man im Gegenteil an, durch sein abolitionistisches Wirken die Kämpfe der Schwarzen für ihre Befreiung aus eigener Kraft unterlaufen zu haben. Er ist das Inbild des Paternalisten, das Emblem des zugleich großmütigen und herablassenden weißen Mannes, der die Sklaven von einem Joch 'befreit', das andere weiße Männer ihnen auferlegten. Verdient Schœlcher, dessen Statue in Fort-de-France zerstört wurde, diese Abrechnung?"

Magazinrundschau vom 19.01.2021 - En attendant Nadeau

Der 2013 mit 68 Jahren verstorbene Patrice Chéreau gehört zu den Künstlern, die heute sehr gut noch leben und das Publikum mit der Präzision und Intensität ihrer Inszenierungen beglücken könnten. Dominique Goy-Blanquet hat ihm nun ein Buch gewidmet, das vorwiegend seiner Theaterarbeit (mit Akzent auf Shakespeare) gewidmet zu sein scheint. Jean-Yves Potel erzählt in seiner Besprechung, mit welcher Gründlichkeit Chéreau auch die Texte seiner Inszenierungen vorbereitete: etwa die "Hamlet"-Inszenierung, für die er mit dem Dichter Yves Bonnefoy eine neue Übersetzung erarbeitete. "Über Monate haben die beiden Männer in langen Sitzungen über die Personen des Dramas und die Handlung diskutiert und zwanzig Passagen überarbeitet. Bonnefoy hat mit dem Autor des Buchs über diese Arbeit gesprochen und über 'seine große Freude, sich ganze Morgende lang über diesen unerschöpflichen Text zu beugen und einen Regisseur zu entdecken, der Shakespeare nicht als Zeitgenossen betrachtete, sondern 'heute vergessene Begriffe entdecken wollte, durch die er einen Blick auf Universalität erhaschen konnte', auch in der Hoffnung sich so von Stereotypen zu befreien."

Magazinrundschau vom 12.01.2021 - En attendant Nadeau

Auch in Deutschland hat Camille Kouchners Buch "La familia grande" schon von sich reden gemacht - allzu giftig-süffig ist das Sujet. Kouchner, Tochter des in Frankreich sehr berühmten Bernard Kouchner, und Evelyne Pisiers, die einst eine Geliebte Fidel Castros war, Nichte der einst berühmten Schauspielerin Marie-France Pisier, die unter rätselhaften Umständen ums Leben kam, und Stieftocher Olivier Duhamels, aus ebenso berühmter Familie und höchster Funktionär des Staats, erzählt, wie Duhamel ihren Bruder missbrauchte. Interessant, wie das sehr literarische Magazin En attendant Nadeau auf dies Buch reagiert. Claude Grimal bespricht dieses Enthüllungsbuch nämlich als literarisches Werk, auch weil der Verlag es in einer literarischen Reihe präsentiert. In Frankreich ist das bereits ein Genre. "So muss also einmal mehr in der jüngsten französischen Verlagsgeschichte eine 'literarische Enthüllung den Rechtsweg ersetzen und die Öffentlichkeit an die Stelle der Gerichte treten. Wozu braucht es ein Buch mit Literaturvorbehalt, damit die Justiz Schritte einleitet, obwohl doch, wie das Buch selbst enthüllt, 'alle Welt Bescheid wusste'? Vielleicht weil man der Literatur im Namen ihrer Macht alles verzeiht."

Lesenswert auch Jean-Louis Tissiers Besprechung von Pierre Schoentjes' Essay über "Littérature et écologie", der sich in seiner Untersuchung literarischer Werke mit ökologischen Themen allerdings sehr stark auf französische Autoren bezieht.

Magazinrundschau vom 05.01.2021 - En attendant Nadeau

Hier wäre vielleicht jemand, der auch von deutschen Verlagen entdeckt werden sollte. Arpád Soltészs Roman "Der Ball der Schweine" wurde ins Französische bereits übersetzt. Es ist ein Roman über den Mord an dem slowakischen Journalisten Jan Kuciak. Jean-Yves Potel bespricht ihn und stellt den Autor vor, der selbst ein investigativer Journalist ist: "Er ist für seine seriöse Arbeit über das organisierte Verbrechen bekannt. Mit dem Roman verfolgt er einen anderen Weg. Seine Ironie situiert ihn von vornherein in die mediale Atmosphäre seines Landes, er stellt sich als 'Strichjunge der Journaille' dar, der 'plaudert wie ein Ungläubiger'. Sein lebhafter Stil ohne unnütze Abschweifungen und voller sprechender Details setzt nicht eine Ermittlung in Szene, sondern eher Genrebilder. Mit erschreckendem Realismus rekonstruiert Soltész Machtverhältnisse, Sprechweisen und Motive der traurigen Individuen, die diese trübe Welt bewohnen."

Es gibt ein sehr lesenswertes Interview mit Soltész in Jadu, einem Online-Magazin des Goethe-Instituts. Soltesz erzählt da im Gespräch mit Nataša Holinová die tragische Geschichte seiner ungarisch-slowakisch-jüdischen Familie und, wie er kurz vorm Mauerfall Asyl in Deutschland bekam und einen recht positiven Eindruck hatte: "Nach ungefähr einem halben Jahr hat die Polizei meine Hauswirtin furchtbar erschreckt. Eines Abends standen sie vor der Tür und fragten nach mir. Ich sah schon vor meinem inneren Auge, wie sie mich abschieben, aber sie kamen, weil irgendein ungarischer Tourist einen Autounfall hatte und sie ihn befragen wollten. Sie hatten gehört, dass ich Ungarisch spreche und auch ganz gut Deutsch und baten mich höflich, ob ich nicht dolmetschen kommen könnte. Wunderlich war, dass sie mir nach dem Dolmetschen ein relativ hohes Honorar zahlten. Ich sagte, dass ich Asylbewerber sei und nicht arbeiten dürfe. Die Polizisten lachten und sagten: 'Für uns schon'."