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Magazinrundschau - Archiv

Granta

7 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Granta

Sehr ehrfürchtig unterhalten sich Sarah Ladipo Manyika und Mario Kaiser mit Toni Morrison, die ihnen verrät, dass nicht einmal eine Nobelpreisträgerin die Titel ihrer Bücher wählen darf, warum sie vor allem über und für Schwarze schreibt und warum sie nicht an den Fortschritt der USA glaubt: "Sie haben ja gerade mal angefangen, die gelynchten Leute, die ermordeten jungen Schwarzen in die Zeitung zu bringen. Früher hat darüber niemand gesprochen. Es war nicht der Rede wert. Jetzt bekommen Trayvon Martin und die anderen Jungs viele Schlagzeilen. Ich fragte meinen Sohn, ob er sich eigentlich bewusst mache, dass ich fünfzig, sechzig Jahre lang auf der Welt war, bevor jemand glaubte, das sei einen Artikel wert. Es gab nichts. Es hat sich was verändert, obwohl ich denke, dass wir gerade wieder einen Schritt zurück machen unter diesem sogenannten Präsidenten."
Stichwörter: Morrison, Toni

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - Granta

Das Granta Magazine hat einen Artikel des UNHCR-Mitarbeiters Keane Shum online gestellt, der bereits im Juni die bedrückende Situation der Rohingya umfassend beleuchtete. Shum berichtet, dass die muslimischen Rohingya im mehrheitlich von Buddhisten bewohnten Myanmar nie anerkannt wurden und daher als größte staatenlose Bevölkerungsgruppe der Welt systematisch ausgeschlossen und der Willkür der myanmarischen Regierung ausgesetzt sind. Zudem wird vor allem mit Kindern und Frauen seit Jahren Menschenhandel getrieben, sie werden von triadisch organisierten Schmugglern ausgebeutet und teilweise monatelang auf Booten im Meer oder in Camps im Dschungel festgehalten: "Basierend auf Interviews mit den Geflüchteten erfuhr der UNHCR von Massenvergewaltigungen, einschließlich der von Babies und Kleinkindern, brutalen Misshandlungen, dem spurlosen Verschwinden von Menschen und weiteren schweren Menschenrechtsverletzungen durch birmanische Sicherheitskräfte; außerdem waren hunderte von Häuser, Schulen, Märkte, Läden und Moscheen von der Armee, der Polizei und wütenden Mobs aus Zivilisten niedergebrannt worden.' Die Regierung von Myanmar leugnet jegliches Fehlverhalten. In einem KFC in Penan diskutierten meine Kollegen und ich, was das für die Rohingya bedeutet. Es war eine düstere Unterhaltung. Saw Myint und ein anderer Rohingya wechselten einige Worte in ihrer Sprache, der Dolmetscher übersetzte für uns: 'Die Tamarinde schmeckt immer sauer', sagten sie, 'was sauer ist, wird niemals süß'."

Magazinrundschau vom 25.04.2014 - Granta

Die neue Ausgabe des britischen Literaturmagazins Granta ist Japan gewidmet. Online lesen dürfen wir eine Geschichte von Eric Ozawa über einen Mann, dessen Frau einem Mord (oder einer Entführung? So ganz wird das nicht klar) zum Opfer fällt. Kennengelernt haben sie sich in einem französischen Café in Tokio, dem Aux Bacchanales. Dort beginnt die Geschichte: "Das erste Mal sah ich Noémi an der Bar des Aux Bacchanales stehen. Den Ort selbst gibt es nicht mehr: das Gebäude in Harajuku wurde abgerissen und ein beinahe identisches französisches Café in einem anderen Teil von Tokio rekonstruiert. Es gibt mehr davon in Japan, alle mehr oder weniger gleich. In jenen Tagen wurde die Uniformen der Kellner aus Paris importiert, die Köche hatten in Lyon gelernt und die Kickertische waren in einem Bistro in Marseille gekauft worden. Noémi sagte, dass die Akzente der Kellner unberechenbar seien, aber sonst war der Ort eine fast perfekte Imitation des Originals. Viele der Stammgäste waren Franzosen. Die anderen waren zum größten Teil japanische Frauen, die Frankreich liebten. Der Ort hatte nichts dionysisches, nichts war irrational oder mystisch, außer dieser einvernehmlichen Lust, sich exotisch zu finden."

Online lesen kann man außerdem zwei Texte, von Tash Aw und von Rana Dasgupta, über einen Gegenstand aus Japan, den sie besitzen.
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Magazinrundschau vom 18.06.2013 - Granta

In der Street-Food-Serie von Granta schildert Anjum Hasan die Faszination der Eis-Lollies, die für seine ostindische Heimadtstadt Shillong typisch sind und von den Kindern 'nala-pani', 'Schmutzwasser', genannt werden: "Die zweifelhafte Herkunft des Wassers, aus dem sie hergestellt wurden, machte sie zu einem köstlichen Tabu... Es ist unmöglich, ihre Verlockung von den ungewaschenen Händen ihrer Verkäufer zu trennen, den verwitterten, rostigen Büchsen mit dem Pulver von Masalas, der geriebenen, den Elementen ausgesetzten Papaya und dem schlammig aussehenden Tamarindenwasser."

In weiteren Beiträgen der Serie über Street Food erzählen Héctor Abad aus Kolumbien, Tan Twan Eng aus Penang, Malaysia, Claire Vaye Watkins über die hot dogs von Nevada and Annia Ciezaldo über das Brot von Beirut.

Magazinrundschau vom 24.04.2012 - Granta

Bei Granta darf man jetzt eine sehr schöne Geschichte von Julie Otsuka aus dem Alien-Heft lesen. "Come, Japanese!" erzählt von japanischen Katalogbräuten vor dem Zweiten Weltkrieg, die zu ihren unbekannten Ehemännern nach Amerika fahren. So beginnt es: "Auf dem Boot waren wir fast nur Jungfrauen. Wir hatten lange schwarze Haare und platte breite Füße und wir waren nicht sehr groß. Einige von uns hatten als junge Mädchen nie etwas anderes als Reisbrei gegessen und hatten leicht krumme Beine, einige von uns waren erst vierzehn Jahre alt und selbst junge Mädchen. Einige von uns kamen aus der Stadt und trugen modische Stadtkleider, aber viele von uns kamen vom Land, und auf dem Schiff trugen wir die selben alten Kimonos, die wir seit Jahren getragen hatten [...] Vielleicht hatten wir einen Bruder oder einen Vater an die See verloren, oder einen Verlobten, oder jemand, den wir liebten, war an einem unglücklichen Morgen ins Wasser gesprungen und einfach weggeschwommen, und jetzt war es auch für uns Zeit, uns weiterzubewegen."
Stichwörter: Wasser, Kimono

Magazinrundschau vom 05.10.2010 - Granta

Diese Ausgabe von Granta ist pakistanischen Autoren gewidmet. Online erklären die vier Schriftsteller Mohsin Hamid, Mohammed Hanif, Daniyal Mueenuddin und Kamila Shamsie, wie man über Pakistan schreibt: "Pakistan ist genau wie Indien, wenn es nicht gerade wie Afghanistan ist. (Hat sonst noch jemand bemerkt, wie wir geografisch von einen Nebengedanken des Subkontinents zu einem Hauptakteur im Mittleren Osten wurden? Ist das Fortschritt?) Es wird sofort klar, ob das Pakistan unserer Bücher Indo-Pak oder Af-Pak ist - je nachdem, ob es Paisley Design oder Bomben/Minarette/drohende Männer in Salwar Kamizes auf dem Cover hat. Wenn Frauen auf dem Cover sind, werden die zwei möglichen Pakistans durch die Wahl der Kleidung ausgedrückt: ist es ein Hochzeitskleid oder eine Burka? Was Frauen angeht: die haben nichts zu sagen. Bis sie alle Regeln brechen, und in diesem Fall enden sie als Leiche. Ich glaube nicht, dass es dazu mehr zu sagen gibt."

Außerdem: Azhar Abidi reist durch das Swattal und versucht zu bestimmen, wann der Kreislauf der Gewalt in dieser Gegend begann. 1947? 1979? "Alexander der Große tobte 330 v. Chr. durch Afghanistan. Dschingis Khan zerstörte es 1221. Timur vergoss dort Blut, fünfhundert Jahre bevor Queen Victoria es tat. Danach kamen Breschnew, Tony Blair, Bush und die anderen. Vielleicht gab es nie ein Jahr Null."

Magazinrundschau vom 03.01.2006 - Granta

Lindsey Hilsum beschreibt eine afrikanische Revolution: "Die Chinesen sind die gierigsten Kapitalisten auf dem Kontinent, der Handel zwischen China und Afrika verdoppelt sich jedes Jahr." Besonders interessiert sind die Chinesen an afrikanischem Öl! Die Afrikaner profitieren davon, aber es interessiert sie auch noch etwas anderes: "Afrika blickt auf China und sieht Erfolg. Laut Weltbank haben die Chinesen in den letzten zwanzig Jahren in ihrem eigenen Land 400 Millionen aus der Armut befreit. In dieser Zeit hat niemand die Chinesen gezwungen, Wahlen abzuhalten oder Oppositionszeitungen zu dulden. Viele afrikanische Führer würden ihre Opposition nur zu gern so behandeln, wie die Chinesen die ihre auf dem Tiananmen Platz, aber wenn sie Hilfsgelder aus dem Westen wollen, müssen sie die Bedingungen des Westens akzeptieren ... Die Chinesen kommen als Gleiche zu den Afrikanern, ohne koloniale Vorbelastung, ohne komplizierte, von Groll geprägte Beziehung. China will kaufen, Afrika hat etwas zu verkaufen." Auf dieser Grundlage könnten die Chinesen den Europäern und Amerikanern in Afrika den Rang ablaufen.

Wie sehr die Westler den Afrikanern auf die Nerven gehen, lässt sich auch einem sehr schönen Text von Binyavanga Wainaina (mehr und mehr) entnehmen. Der kenianische Autor und Gründer des Literaturmagazins Kwania hat ein paar Tipps für alle, die ein Buch über Afrika schreiben möchten: "Behandeln Sie Afrika in Ihrem Text, als wäre es ein einziges Land. Es ist heiß und staubig, mit rollenden Grasbüscheln, riesigen Tierherden und großen, dünnen Menschen, die verhungern. Oder es ist heiß und feucht, mit sehr kleinen Menschen, die Primaten essen. Verlieren Sie sich nicht in präzisen Beschreibungen. Afrika ist groß: 54 Länder, 900 Millionen Menschen, die zu beschäftigt sind mit Verhungern und Sterben und Krieg führen und Emigrieren, um Ihr Buch zu lesen. Der Kontinent ist vielfältig, er hat Wüsten, Dschungel, Berggebiete, Savannen und viele andere Dinge, aber Ihre Leser interessiert das nicht. Also halten Sie Ihre Beschreibung romantisch, bewegend und möglichst unspezifisch."